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Chronik

1987

Januar

Die Bundesrepublik nimmt einen Sitz im UN-Sicherheitsrat ein.

Beginn der 750-Jahr-Feiern in Ost- und West-Berlin.

1987 verlassen 18.958 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik.

In Peking ziehen etwa 1.000 Demonstranten von der Universität zum Platz des Himmlischen Friedens, um für Demokratie und Pressefreiheit einzutreten.

Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnet auf dem Deutschlandtreffen der CDU in Dortmund die DDR als „Regime, das politische Gefangene in Gefängnissen und Konzentrationslagern hält“. Wegen der Nennung des Begriffs Konzentrationslager legt der Ständige Vertreter der DDR in Bonn zwei Tage später offiziellen Protest ein.

Verhaftung des Libanesen Mohammed Ali Hamdei auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen. Er wird beschuldigt, im Juni 1985 an der Entführung eines US-amerikanischen Flugzeugs nach Beirut beteiligt gewesen zu sein. Am 24. Juni wird er in der Bundesrepublik vor Gericht gestellt.

Entführung des Hoechst-Manager Rudolf Cordes in Beirut von Mitgliedern der Schiitischen Hisbollah. In der Nacht zum 21. Januar wird der Siemens-Techniker Alfred Schmidt ebenfalls in Beirut entführt. Damit soll die Freilassung von Mohammed Ali Hamadei erzwungen werden.

Wahlen zum Bundestag. Zwar müssen CDU und CSU erhebliche Verluste hinnehmen, doch wird die christlich-liberalen Koalition bestätigt. Die Grünen erhalten 8,3 Prozent der Stimmen.

Vor dem Zentralkomitee der KPdSU fordert Michail Gorbatschow die Demokratisierung von Partei und Gesellschaft. Vom 2. bis 4. Februar informiert der sowjetische Außenminister Erich Honecker über die Beschlüsse des ZK.

Februar

Markus Wolf, DDR-Auslandsspionage-Chef und Mielke-Stellvertreter, scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Ministerium für Staatssicherheit aus.

Bei einem Fluchtversuch wird der 24-jährige Lutz Schmidt an der Berliner Sektorengrenze erschossen. Die DDR-Staatssicherheit verpflichtet seine Ehefrau, die wahren Todesumstände ihres Mannes zu verschweigen und seinen Tod als Folge eines Verkehrsunfalls auszugeben.

Im Zuge der kulturpolitischen Liberalisierung in der Sowjetunion wird der Literaturnobelpreisträger Boris Pasternak („Doktor Schiwago“) postum wieder in den Schriftstellerverband der UdSSR aufgenommen.

Der sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow gibt auf einem Gewerkschaftskongress in Moskau erstmals öffentlich zu, dass es in der Parteispitze Auseinandersetzungen um seine Demokratisierungspolitik gibt.

Nachdem die USA am 3. Februar den ersten Atomtest des Jahres 1987 unternommen haben, hebt die Sowjetunion ihr einseitiges Moratorium für Atomversuche auf und führt am 26. Februar einen eigenen Atomtest durch.

März

Ewald Moldt, Ständiger Vertreter der DDR in Bonn, übermittelt Bundeskanzler Helmut Kohl die Botschaft des Staats- und Parteichefs der DDR, Erich Honecker, Ost-Berlin und Bonn sollten ein gesondertes Abkommen über Mittelstreckenraketen abschließen.

Der Bundestag wählt Helmut Kohl erneut zum Bundeskanzler einer christlich-liberalen Koalition.

Willy Brandt kündigt seinen vorzeitigen Rücktritt vom Amt des SPD-Parteivorsitzenden an.

Zum ersten Mal nehmen zwei Offiziere der Bundeswehr als Beobachter an einem militärischen Manöver der Sowjetunion und der DDR bei Magdeburg teil

April

SED-Chefideologe Kurt Hager distanziert sich in einem Interview mit der Illustrierten Stern mit einer rhetorischen Frage von der Reformpolitik Michail Gorbatschows. „Würden Sie, nebenbei gesagt, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?“

DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker lehnt die Einladung des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin, Eberhard Diepgen ab, zur 750-Jahr-Feier von Berlin in den West-Teil der Stadt zu kommen. Eberhard Diepgen sagt daraufhin ein Treffen mit Oberbürgermeistern in Ost-Berlin ab.

Papst Johannes Paul II. ist zu Gast in der Bundesrepublik.

Mai

Pfarrer Christoph Wonneberger gründet in Leipzig die Arbeitsgruppe Menschenrechte.

In der Bundesrepublik ist der Stichtag für die erste landesweite Volkszählung seit 1970. Die Aktion verläuft nach offiziellen Angaben trotz vereinzelter Übergriffe auf Zähler und Boykottaufrufe von Volkszählungsgegnern zufriedenstellend.

Der 19-jährige Mathias Rust aus Hamburg fliegt mit einem Sportflugzeug von Finnland nach Moskau. Er landet mitten auf dem Roten Platz. Daraufhin müssen hohe Militärs und der Verteidigungsminister der Sowjetunion ihren Hut nehmen. Mathias Rust wird am 4. September zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach 14 Monaten Haft wird er frei gelassen.

In Ost-Berlin treffen die Parteichefs des Warschauer Pakts zusammen. Sie betonen den defensiven Charakter ihres Militärbündnisses.

Juni

Nach langem Drängen kann DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker die Niederlande besuchen. Ministerpräsident Ruud Lubbers drängt ihn dazu, die innerdeutsche Grenze durchlässiger zu machen.

In einer Regierungserklärung spricht sich Bundeskanzler Helmut Kohl für die doppelte Null-Lösung beim Abbau der Mittelstreckenraketen in Europa aus.

Jugendliche organisieren die erste Fahrraddemonstration durch die Ostberliner Innenstadt. Sie machen damit auf die fortschreitende Umweltzerstörung und Luftverschmutzung in der DDR aufmerksam. Unterwegs kommt es zu Ausweiskontrollen durch die Polizei und an der Endstation wird ein Teilnehmer festgenommen.

In Ost-Berlin kommt es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Volkspolizei. Die Sicherheitskräfte versuchen, etwa 3.000 Rockfans, die vom Brandenburger Tor aus ein Rockkonzert vor dem Reichstagsgebäude in West-Berlin mithören wollen, den Zutritt zu verwehren. Trotz des großen Polizeiaufgebots fordern die Menschen in der Straße Unter den Linden den Abriss der Mauer und Freiheit. Auch „Gorbatschow“-Rufe werden laut.

Dritter Besuch des Papstes in Polen.

Der 13. Weltwirtschaftsgipfel findet in Venedig statt.

US-Präsident Ronald Reagan reist zur 750-Jahr-Feier nach West-Berlin. In seiner öffentlichen Rede vor dem Brandenburger Tor fordert er den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow auf, die Mauer niederzureißen: „Mr. Gorbatchev, open this gate! Mr. Gorbatchev, tear down this wall!“. Er schlägt vor, Olympische Spiele in beiden Teilen der Stadt abzuhalten. Am Rande der Feierlichkeiten kommt es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei.

Auf der Bonner Hofgartenwiese demonstrieren über 100.000 Menschen für die uneingeschränkte „Null-Lösung“ bei den Mittelstreckenraketen.

UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar besucht die DDR.

Nicht genehmigte Demonstration der Gruppe „Helsinki 86“ in Riga zum Gedenken an die Opfer der stalinistischen Deportationen.

Weil der Vorsatz des Vorjahres, die DDR-Schulden im Westen bis 1990 erheblich zu verringern, unerreichbar erscheint, beschließt das SED-Politbüro, die Halbierung der West-Schulden auf fünf Jahre, nämlich bis zum Jahr 1995, zu strecken.

Erstmals seit dem Mauerbau findet wieder ein Evangelischer Kirchentag in Ost-Berlin statt.

„Dann haltet die Dinger kurz hoch und verschwindet wieder!“, zischt ein offizieller Kirchentagsabgeordneter den etwa 300 Teilnehmern des Kirchentags von Unten zu. Die Oppositionellen nehmen am 26. Juni 1987 mit eigenen Plakaten und Spruchbändern an der Abschlussveranstaltung des offiziellen Kirchentags in Berlin-Köpenick teil. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke

Parallel zum offiziellen Kirchentag veranstalten oppositionelle Gruppen in Ost-Berlin den Kirchentag von Unten.
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Juli

Mit sofortiger Wirkung kürzt die DDR die D-Mark-Beträge, die Reisende aus der DDR bei West-Besuchen eintauschen können.

6. END-Convention (European Nuclear Disarmament, Bewegung für europäische atomare Abrüstung) in Coventry – eine europaweite Kampagne der Friedensbewegung. Es gibt erheblichen Streit, da auch viele offizielle Friedensorganisationen aus Ost-Europa eingeladen wurden. Viele geladene, aber am Reisen gehinderte Dissidenten aus der DDR üben heftige Kritik an der Einladungspraxis.

In Lyon wird der ehemalige Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in 17 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Ministerpräsident Jacques Chirac gedenken in Reims und Colombey-les-deux-Eglises der Aussöhnung zwischen Frankreich und der Bundesrepublik vor 25 Jahren durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher in Moskau: Bekräftigung der Absicht, in den deutsch-sowjetischen Beziehungen „eine neue Seite aufzuschlagen“.

Der erste Katholikentag der DDR findet statt. 100.000 Menschen versammeln sich.

Das erste von Jugendlichen organisierte Open-Air-Frühstück in Jena wird nach einer halben Stunde polizeilich aufgelöst. Wegen der „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ werden Ordnungsstrafen bis zur Höhe eines Monatsgehalts verhängt.

Ein 18-jähriger Abiturient flieht mit einem Trainingsflugzeug der Gesellschaft für Sport und Technik zum Militärflughafen Gatow nach West-Berlin.

Die DDR-Regierung beschließt die Abschaffung der Todesstrafe in der DDR. Die nötige Änderung des Strafgesetzbuchs durch die Volkskammer kommt erst im Dezember des Jahres 1987 zustande.

Der Sicherheitsrat der UNO verabschiedet einstimmig eine Resolution, in der sowohl der Iran als auch der Irak aufgefordert werden, den 1980 begonnen Ersten Golfkrieg auf dem Verhandlungsweg zu beenden und sich auf die eigenen Territorien zurückzuziehen.

Der sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow bietet eine globale „Doppel-Null-Lösung“ zur Abrüstung an.

Comic von Dirk Moldt über die Stasi-Störversuche der Sendungen von Radio Glasnost (1988). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Moldt

Sendebeginn von „Radio Glasnost“ in West-Berlin.
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Norbert Blüm, Bundesarbeits-minister, tritt in Chile für die Einhaltung der Menschenrechte ein. In der Bundesrepublik kommt es über Norbert Blüms Auftreten zu heftigen Kontroversen zwischen CDU und CSU, zumal Blüm für die Aufnahme von 14 zum Tode verurteilten Chilenen in der Bundesrepublik plädiert.

Gegen sechs Verantwortliche der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 werden Urteile verkündet, die auf zwei bis zehn Jahre Arbeitslager lauten.

August

Am Jahrestag des Mauerbaus demonstrieren etwa 300 Menschen auf der Ost-Seite des Brandenburger Tors gegen die Mauer. Zusammenstöße mit Sicherheitskräften bleiben aus, es kommt jedoch zu Festnahmen.

In mehreren Städten der Bundesrepublik verübt die radikal feministische Gruppierung Rote Zora Anschläge auf Niederlassungen der Bekleidungsfirma Adler. Sie richten sich gegen die Ausbeutung von koreanischen Arbeiterinnen.

Die Tschechoslowakische Bürgerrechtsbewegung Charta 77 fordert eine Amnestie für alle politischen Gefangenen und das Ende der Berufsverbote aus politischen Gründen.

Der ehemalige Stellvertreter Adolf Hitlers, Rudolf Heß, stirbt im Alter von 93 Jahren im britischen Militärhospital in West-Berlin durch Selbstmord.

Die Bundesregierung erhöht das Begrüßungsgeld für Besucher aus der DDR von 30 auf 100 D-Mark im Jahr.

Gemeinsames SPD/SED-Papier „Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit“ erscheint.

September

Die Stasi observiert die Teilnehmer der Abschlusskundgebung des Olof-Palme-Friedensmarsches am 18. September 1987 in Dresden. Quelle: BStU, MfS, BV Ddn. 7634/Fo

Olof-Palme-Friedensmarsch in Ost-Berlin und mehreren Orten der DDR unter Beteiligung unabhängiger Friedensgruppen.
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Etwa 1.000 Mitglieder unabhängiger Friedensgruppen demonstrieren in Ost-Berlin für Michail Gorbatschow, mehr Reisemöglichkeiten und gegen Raketen in Ost und West.

Erich Honecker reist zu einem offiziellen Arbeitsbesuch in die Bundesrepublik Deutschland.

Die Initiative „Kirche von Unten“ (KvU) wird in der DDR gegründet.

Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterand vereinbaren die Schaffung eines deutsch-französischen Verteidigungsrats. Oktober Gemeinsame Erklärung von SPD und KPdSU über Abrüstung und Entwicklung.

Die Arbeitsgruppe Staatsbürgerschaftsrecht der DDR konstituiert sich in den Räumen der Berliner Umwelt-Bibliothek. Sie setzt sich dafür ein, die rechtliche Situation von Ausreisewilligen zu verbessern und sie zu informieren und zu unterstützen. Im Dezember werden die Initiatoren der Gruppe in den Westen abgeschoben.

Besuch des US-Vizepräsident George Bush in Polen. Dort trifft er neben Staatschef Wojciech W. Jaruzelski auch den Führer der verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa. Nach der Lockerung der Sanktionen sollen die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Staaten verbessert werden.

Alfred Herrhausen, Sprecher der Deutschen Bank, spricht sich auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington für einen teilweisen Schuldenerlass für Länder der so genannten Dritten Welt aus.

Oktober

Der zurückgetretene Ministerpräsident von Schleswig Holstein, Uwe Barschel (CDU), wird in Genf tot in einer Hotel-Badewanne aufgefunden. Der Obduktionsbericht ergibt, dass Uwe Barschel an einer Medikamentenvergiftung gestorben sei, Zeichen von Gewaltanwendung seien nicht festgestellt worden. Die Familie des Verstorbenen glaubt nicht an einen Selbstmord und lässt eine zweite Obduktion durchführen, deren Ergebnisse nicht bekannt werden. In Kiel wird ein Landtags-Untersuchungsausschuss eingerichtet, der sich mit dem Fall Barschel auseinander setzen soll.

Der Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, trifft zu einem dreitägigen Besuch in Belgien ein. Er führt unter anderem Gespräche über das Ost-West-Verhältnis und den Ausbau der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen.

Die Staatschefs der RGW-Länder (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) werden zu einer außerordentlichen Sitzung nach Moskau beordert. Nur Ungarn zeigt Interesse an ökonomischen Reformen. Die DDR lehnt heftig ab.

Ankündigung zum Konzert der Westberliner Rockband Element of Crime in der Zionskirche. Nach dem Konzert überfallen Ost- und Westberliner Neonazis die Konzertbesucher. Es kommt zu regelrechten Jagdszenen. Die vor Ort postierte Polizei greift jedoch nicht ein. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Skinheads überfallen ein Konzert der ostdeutschen Band Firma und der Westberliner Rock-Band Element of Crime in der Zionskirche in der Ost-Berliner. Punk, Wohnungsbesetzer, Neonazi – für die "Junge Welt" gehören sie trotzdem alle in einen Topf.
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Drastischer Kurssturz an den internationalen Wertpapierbörsen.

Die Bundesregierung weist Forderungen Polens nach Wiedergutmachungszahlungen zurück, da bilaterale Reparationsvereinbarungen erst nach einem endgültigen Friedensvertrag möglich seien.

Unter dem Eindruck von Glasnost und Perestroika beschließt das DDR-Politbüro, die Reden sowjetischer Politiker nur noch zensiert zu veröffentlichen.

Erstes Treffen der Oberbürgermeister von Ost- und West-Berlin seit der Teilung der Stadt anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadtgründung.

Offizieller Staatsakt der DDR zur 750-Jahr-Feier von Berlin.

November

Zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution spricht Michail Gorbatschow erstmals von den vielen Tausenden Opfern des Stalinistischen Massenterrors.

Der Moskauer Parteichef Boris Jelzin wird wegen scharfer Kritik am Verlauf der Perestroika abgesetzt.

In Hamburg ist der Konflikt um die Hafenstraße vorläufig beendet: Nach Beseitigung aller Barrikaden in und außerhalb der besetzten Häuser verzichtet der Hamburger Senat auf eine polizeiliche Räumung und unterschreibt Mietverträge mit den Bewohnern der besetzten Häuser.

Mitglieder der Umwelt-Bibliothek, fotografiert bei ihrer Verhaftung in der Nacht vom 24. zum 25. November 1987 durch die Staatssicherheit. V.l.n.r.: Bodo Wolff, Till Böttcher, Bert Schlegel, Wolfgang Rüddenklau, Tim Eisenlohr. Quelle: BStU, MfS, HA XX / Fo / 59 Bild 12

"Aktion Falle": Staatsanwalt und Geheimpolizei durchsuchen Umwelt-Bibliothek in Ost-Berlin, beschlagnahmen Untergrundpublikationen und Vervielfältigungstechnik und nehmen Oppositionelle fest.
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Uta Ihlow schreibt Matrizen für den Druck der Umweltblätter (Mai 1988). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Wolfgang Rüddenklau

Während im Zuge der "Aktion Falle" die Stasi gerade im Keller der Umweltbibliothek wütet, hat Uta Ihlow zusammen mit Andreas Kalk Galeriedienst. Als sie den Druckern Kaffee in den Keller bringen wollen, werden die beiden Jugendlichen von der Stasi abgefangen. Ihre Freunde sind bereits verhaftet. Die beiden werden ebenfalls ins Gefängnis nach Rummelsburg gebracht und verhört. Am Abend wird Uta Ihlow freigelassen, und die Stasi macht eine Hausdurchsuchung bei ihr. Zum Glück hört ihr Vater zuvor im Westfernsehen von den Verhaftungen. Ohne zu wissen, ob seine Tochter unter den Festgenommenen ist, holt er alles Schriftliche aus ihrer Wohnung – inklusive ihrer Tagebücher. Das Ermittlungsverfahren gegen Uta Ihlow wird eingestellt.
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Am 25. November 1987 informiert Carlo Jordan in der Ostberliner Zionskirche über den in der Nacht erfolgten Überfall des MfS auf Räume der Gemeinde. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Die Aktion „Falle“ der Stasi vom 24. November 1987 führt DDR-weit zur Solidarisierung mit den Mitgliedern der Berliner Umwelt-Bibliothek (UB). Es protestieren sowohl Einzelpersonen als auch Oppositionsgruppen. Zum Erfolg des Protests trägt wesentlich die aktive Einbindung der Westmedien bei. In der Ostberliner Zionskirche findet eine Mahnwache für die bei der „Aktion Falle“ vom MfS verhafteten Oppositionellen statt.
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Herbst 1989: Till Böttcher in der Galerie der UB. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Harald Hauswald

23 Stunden nach seiner Verhaftung im Rahmen der Aktion Falle wird der 17-jährige Till Böttcher wieder aus der Untersuchungshaft der Stasi entlassen. Till Böttcher kommt 1987 durch Stefan Krawczyk zur Umwelt-Bibliothek. Inspiriert durch den oppositionellen Liedermacher will er sich trotz seines jungen Alters politisch engagieren.
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Dezember

Drittes Gipfeltreffen von Präsident Reagan (USA) und Generalsekretär Michail Gorbatschow (UdSSR) in Washington.

Beginn der 1. Intifada der Palästinenser gegen Israel.

Treffen führender Repräsentanten der Warschauer-Pakt-Staaten in Ost-Berlin. Der sowjetische Partei- und Staatschef Michail Gorbatschow berichtet über die INF-Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme in Wien.

Die Volkskammer beschließt die Abschaffung der Todesstrafe in der DDR.


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