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Aktion in Zwickau

Jürgen Breitbarth Mitte der 1990er Jahre in Zwickau. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Jürgen Breitbarth Mitte der 1990er Jahre in Zwickau. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Jürgen Breitbarth Mitte der 1990er Jahre in Zwickau. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Jürgen Breitbarth Mitte der 1990er Jahre in Zwickau. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Hans Jürgen Breitbarth, 22-jähriger Schweißer im Volkseigenen Betrieb (VEB) Sachsenring Zwickau, verfolgt am 17. November 1976 die Fernsehnachrichten in Ost und West: Heute wird über die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR berichtet. Als Jürgen Breitbarth in den nächsten Tagen in den Zeitungen nur Stellungnahmen und Leitartikel liest, in denen die Entscheidung zur Ausbürgerung verteidigt und gelobt wird, kann er seinen Widerspruch nicht mehr zurückhalten.

Er, der selbst kein Mitglied der Freien Deutschen Jugend ist, besucht eine FDJ-Versammlung und spricht das Thema an. Wegen seiner von den offiziellen Darstellungen abweichenden Meinung wird er aus der Versammlung geworfen. Nun ist das Maß voll. Jürgen Breitbarth setzt sich zu Hause an seine Schreibmaschine und tippt auf 20 Zettel den folgenden Text:

„Ich fordere die Rücknahme der Ausbürgerung von Wolf Biermann, der meines Erachtens zu Unrecht aus der DDR ausgebürgert wurde.“

Noch in derselben Nacht geht Jürgen Breitbarth durch Zwickau und klebt die Zettel an einige Schaufensterscheiben in der Innenstadt. Er wird schnell von der Stasi ausfindig gemacht, verhaftet und vor Gericht gestellt. Der Preis für seinen Mut: 18 Monate Gefängnis.

Zitierempfehlung: „Zwickau“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Oktober 2018, www.jugendopposition.de/145372


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