Radio Glasnost

Radio Glasnost

Redaktion

Die Stasi setzt am 28. März 1988 schwere Störsender ein, um die Ausstrahlung von „Radio Glasnost“ aus West-Berlin zu unterbinden und die Informationsfreiheit in der DDR massiv einzuschränken.

Ende 1986 sind in Berlin die Peilwagen unterwegs: Im Westteil der Stadt sucht die Bundespost, im Ostteil die Interner Link: Staatssicherheit nach einem illegalen Sender. Während der Osten auf der gewohnten Jagd nach Kritikern ist, befürchtet der Westen diplomatische Verwicklungen, sollte von West-Berlin aus illegal in den Osten gesendet werden. Dreimal geht der Piratensender Schwarzer Kanal auf Sendung.

Wer sendet hier eigentlich? Sympathisanten aus der Westberliner autonomen Szene strahlen das Programm vom Dachboden eines Interner Link: mauernahen Hauses in Kreuzberg aus. Ostberliner Oppositionelle um Reinhard Schult und Interner Link: Stephan Krawczyk schreiben die systemkritischen Beiträge und das Konzept der Sendung. Zum ersten Mal kommt die DDR-Interner Link: Opposition mit ihren Anliegen im Rundfunk zu Wort – ungekürzt, Interner Link: unzensiert, unverfälscht.

Andrea Franke (24) und Interner Link: Dirk Teschner (22) aus Karl-Marx-Stadt beschaffen sich von Berliner Freunden einen Mitschnitt der Sendungen und verbreiten ihn zu Hause unter Freunden. Die Staatssicherheit erfährt davon: Sie hat die Wohnung von Interner Link: Dirk Teschner verwanzt. Beide Jugendliche werden wegen „Interner Link: staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt. Letztlich wird das Radioprojekt wegen des hohen strafrechtlichen Risikos und des massiven Einsatzes von Störsendern durch die DDR aufgegeben. Doch man ist auf den Geschmack gekommen.

Gefürchteter Untergrundfunk: Piratensender Schwarzer Kanal

Im Frühjahr 1987 sitzt der Rundfunkredakteur Interner Link: Dieter Rulff mit Roland Jahn in einem Westberliner Café. Angeregt diskutieren sie über ein Projekt, dass es so noch nie gegeben hat: Die DDR-Opposition soll eine eigene Stimme im legalen Rundfunk erhalten. Da kommt es gerade recht, dass am 1. März 1987 mit Radio 100 das erste Berliner Privatradio auf Sendung geht.

Roland Jahn, 1983 gewaltsam in den Westen ausgebürgert, ist neben Interner Link: Jürgen Fuchs zum wichtigsten Unterstützer der DDR-Opposition geworden. Er hat eine Art private Nachrichtenagentur aufgebaut. Mit seinen Informationen aus der DDR unterstützt er die Ost-Berlin-Seite der Berliner Tageszeitung "taz" und produziert gemeinsam mit Interner Link: Peter Wensierski Beiträge für das Interner Link: ARD-Politikmagazin Kontraste.

Als einstündiges Format bei Radio 100 startet die Sendereihe „Radio Glasnost – außer Kontrolle“ im August 1987 mit festem Sendeplatz. Sie wird immer am letzten Montag eines jeden Monats ausgestrahlt. Die einzelnen Beiträge werden im Osten auf Tonband aufgenommen und nach West-Berlin geschmuggelt. In der dortigen Redaktion arbeitet neben Roland Jahn und Interner Link: Dieter Rulff auch Interner Link: Ilona Marenbach, welche die Moderation übernimmt.

Später, nach ihrer Ausreise aus der DDR, stoßen der Ostberliner Rüdiger Rosenthal und Interner Link: Fred Kowasch aus Leipzig dazu. Ein Ost-West-Transportnetz wird organisiert. Beteiligt sind Journalisten, Diplomaten und Bundestagsabgeordnete der Grünen. Die Beiträge aus Ost-Berlin liefert hauptsächlich Interner Link: Siegbert Schefke. Die guten Kontakte in seine Heimatstadt Leipzig helfen Interner Link: Fred Kowasch, O-Töne von den entscheidenden Ereignissen bis zur Revolution 1989 zu besorgen.

Radio Glasnost: Die DDR-Opposition erhält eine eigene Stimme

In 27 Sendungen berichtet Radio Glasnost bis Anfang 1990 über oppositionelle Aktivitäten in der ganzen DDR und sendet Musik von DDR-Liedermachern, Independent-Gruppen und Punkbands. Da der Sender nur in Berlin und dessen Randgebieten in Brandenburg zu empfangen ist, werden die Sendungen von DDR-Hörern mitgeschnitten und außerhalb der Sendereichweite verbreitet.

Die Interner Link: SED betrachtet jede kritische Öffentlichkeit als Bedrohung. Ihre Versuche, Radio Glasnost mittels Spitzeln und Störsendern zum Schweigen zu bringen, scheitern jedoch. Im Gegenteil: Mit einem abwertenden Kommentar im Parteiblatt Interner Link: Neues Deutschland (ND) steigert sie den Bekanntheitsgrad der Sendung noch. Viele, die bisher noch nichts von Radio Glasnost wussten, hören nun die Berichte in den Westmedien über die Störungen.

Fussnoten

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