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Chronik

1949

Januar

1949 verlassen 129.245 Menschen die Sowjetische Besatzungszone / DDR in Richtung Bundesrepublik. Sowjetische Militärtribunale verurteilen Hunderte Menschen wegen antisowjetischer Propaganda, Verbreitung „illegaler Hetzschriften“, Gruppenbildung und anderer Aktivitäten zu Zuchtshausstrafen und Zwangsarbeit.

Der Westberliner Oberbürgermeister Ernst Reuter verlangt die Einbeziehung West-Berlins in den künftigen Bundesstaat.

Befehl Nr. 2 der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI) zur „Reinigung der Polizei von unerwünschten Elementen“.

Einrichtung des Militärischen Sicherheitsamts der Westalliierten zur Überwachung der Entmilitarisierung in Westdeutschland. Das Amt übernimmt auch die Aufgaben des nicht mehr funktionsfähigen Alliierten Kontrollrats für die westlichen Besatzungszonen.

Konstituierung eines gemeinsamen Vorbereitungsausschusses aus Vertretern des Parlamentarischen Rats und der Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder. Der Ausschuss koordiniert die politischen und verwalterischen Aufgaben Westdeutschlands bis zur Bildung der ersten Bundesregierung.

Auf der ersten Parteikonferenz der SED in Ost-Berlin wird ein Politbüro eingerichtet.

Gründung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe durch die Länder des Ostbocks als Antwort auf den Marshallplan.

Februar

Die „Fünferkommission“ des Parlamentarischen Rats einigt sich in Bonn darauf, West-Berlin neben den elf Ländern der westlichen Besatzungszonen als zwölftes Bundesland in die Präambel des Grundgesetzes aufzunehmen.

März

Verabschiedung der Verfassung der künftigen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) durch den Volksrat der Länder der Sowjetischen Besatzungszone .

April

Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags zur Gründung der NATO.

Deutschlandkonferenz in Washington: Die Außenminister der Drei westlichen Siegermächte einigen sich auf ein Besatzungsstatut. Am 20. Juni wird zur Kontrolle die „Alliierte Hohe Kommission“ eingesetzt. Sie löst die drei Militärregierungen ab.

Mai

Gründung des Europarats durch zehn europäische Staaten.

Das Grundgesetz wird in dritter Lesung vom Parlamentarischen Rat angenommen.

Bonn wird vom Parlamentarischen Rat zur vorläufigen Bundeshauptstadt gewählt.

Der Staat Israel wird in die UNO aufgenommen.

Die Sowjetunion hebt die Berlin-Blockade auf. Die westalliierten Militärgouverneure billigen das vom Parlamentarischen Rat verabschiedete Grundgesetz vorbehaltlich der Bestimmungen des Besatzungsstatuts und der Anerkennung West-Berlins als zwölftes Bundesland.

Wahlen zum 3. Deutschen Volkskongress, erstmals nach einer Einheitsliste des „Demokratischen Blocks“.

Das Grundgesetz tritt in Kraft; Gründung der Bundesrepublik Deutschland in den drei westlichen Besatzungszonen.

Letzte Konferenz des Rats der Außenminister in Paris: Die Sowjetunion befürwortet, den Alliierten Kontrollrat wiederzubeleben, einen Friedensvertrag abzuschließen und einen paritätisch besetzten gesamtdeutschen Staatsrat zu bilden. Die Westmächte schlagen vor, dass die Länder der Sowjetischen Besatzungszone dem soeben verabschiedeten Grundgesetz beitreten. Die Konferenz bestätigt das Ende der Berlin-Blockade und die Freizügigkeit des Verkehrs in Deutschland. Insgesamt scheitert die Konferenz jedoch an unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion und den Westmächten in der Deutschlandfrage.

Der Deutsche Volkskongress billigt die Verfassung der DDR.

Juni

Nach der Verurteilung mehrerer Ostberliner Mitglieder der FALKEN durch sowjetische Militärgerichte und durch die SED-Justiz stellen die Gruppen die Arbeit bis 1956 in Ost-Berlin ein. Ostberliner Mitglieder treffen sich fortan in West-Berlin.

Juli

Die westalliierte Stadtkommandantur übermittelt Oberbürgermeister Ernst Reuter das Verbot der Teilnahme Berlins an den allgemeinen Wahlen zum Ersten Deutschen Bundestag; die Berliner Stadtverordnetenversammlung entsendet Abgeordnete ohne Stimmrecht.

Das Symbol der SPD-nahen Jugendorganisation Die Falken aus der Nachkriegszeit, 1950er Jahre.

Gerhard Sperling, Horst Glanck, Günter Schlierf und Lothar Otter, Mitglieder der SPD - nahen Jugendorganisation Die Falken, werden in Berlin von einem Sowjetischen Militär-Tribunal zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Ihnen wird u.a. antisowjetische Propaganda und illegale Aufbewahrung der Falkenzeitschrift „Solidarität“ vorgeworfen.
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Papst Pius XII. droht allen Katholiken, die Mitglieder oder Sympathisanten kommunistischer Parteien sind, mit der Exkommunikation.

August

Wahlen zum 1. Deutschen Bundestag. Die CDU/CSU wird mit 31 Prozent Wahlsieger.

Die Sowjetion zündet bei Semipalatinsk in der kasachischen Steppe „erfolgreich“ ihre erste Atombombe.

September

Die Bundesversammlung wählt in Bonn den Bundespräsidenten: Im zweiten Wahlgang setzt sich Theodor Heuss (FDP) gegen Kurt Schumacher (SPD) durch.

Wahl Konrad Adenauers (CDU) zum Bundeskanzler.

Bildung des ersten Kabinetts Adenauer aus CDU/CSU, FDP und DP (Deutsche Partei).

Das Besatzungsstatut für die Bundesrepublik tritt in Kraft.

Nach über 277.000 Hilfsflügen stellen die Alliierten die Luftbrücke nach West-Berlin ein.

Oktober

Mao Tse-Tung, Führer der Kommunistischen Partei Chinas, proklamiert die Volksrepublik China.

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in der Sowjetischen Besatzungszone.

Abschluss des Frankfurter Abkommens zum Interzonenhandel zwischen der DDR und der Bundesrepublik.

Die SMAD löst ihre Dienststellen auf und überträgt ihre Aufgaben an die Provisorische Regierung der DDR. Die verbleibenden Aufgaben werden einer Sowjetischen Kontroll-Kommission (SKK) übergeben. Wahl der Provisorischen Länderkammer durch die fünf Landtage der DDR.

Wilhelm Pieck wird Präsident der DDR.

Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in München.

Die Provisorische Volkskammer bestätigt die Provisorische Regierung aus Vertretern der SED, LDP, CDU, NDPD und DBD. Otto Grotewohl wird Ministerpräsident der DDR.

Verhaftung des Studenten und LDPD-Funktionärs Arno Esch. Das Sowjetische Militärtribunal Schwerin verhängt das Todesurteil, das am 24. Juli 1951 in Moskau vollstreckt wird.

Bei seiner Regierungserklärung begründet Bundeskanzler Konrad Adenauer den im Grundgesetz verankerten Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik.

Leo Herwegen (CDU) wird wegen Spionage verhaftet und 1950 im Dessauer DCGG-Prozess (Deutschen Continentale Gasgesellschaft) zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Es ist der erste Schauprozess des Obersten Gerichts der DDR.

Eintritt in die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC).

November

Konrad Adenauer und die westlichen Hohen Kommissare unterzeichnen das Petersberger Abkommen, dass die Aufnahme der Bundesrepublik in den Europarat ermöglicht und den Beitritt zur Internationalen Ruhrbehörde festlegt. Als Gegenleistung reduzieren die Alliierten die Demontagen.

Dezember

Bildung des Obersten Gerichts und der Obersten Staatsanwaltschaft der DDR nach sowjetischem Vorbild.

Der 17-jährige Oberschüler Ludwig Hayne (ganz links) mit seinen Klassenkameraden an der Karl-Marx-Oberschule Altenburg im Jahre 1949. Ludwig Hayne wird zwei Jahre später in Moskau erschossen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Schüler aus Altenburg/Thüringen stören mit einem selbstgebauten Sender die Übertragung des staatlichen Rundfunks der DDR zur Feier des siebzigsten Geburtstags von Stalin. Ihr Kommentar zur Festrede Wilhelm Piecks ist im Umkreis von 40 Kilometern zu hören.
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