Flugblatt gegen Wehrdienstgesetz
In Dresden und Ost-Berlin fordern Flugblätter eine Volksdiskussion zum Wehrdienstgesetz. Trotz intensiver Ermittlungen gelingt es der Stasi nicht, die 15 Beteiligten zu überführen.
Lasst uns mitreden! Mit diesem Flugblatt protestieren Jugendliche aus Berlin und Dresden gegen ein neues Wehrdienstgesetz. Sie stellen etwa 2.000
Flugblätter her und verteilen sie in beiden Städten.
Thomas Vetter bei einer Wanderung des Großenhainer Freundeskreises durch die Sächsische Schweiz (etwa 1982).
Tom Sello und Thomas Vetter gestalten das Flugblatt. Im Bild: Tom Sello mit seinem Sohn Steven auf dem Stadtfest in Großenhain (Sommer 1980).
Uwe Bastian auf dem Stadtfest in Großenhain (Sommer 1980). Im Frühling 1982 verteilt er Flugblätter gegen das neue DDR-Wehrdienstgesetz in Dresden.
Wolfgang Schröter vervielfältigt zusammen mit Johannes Bittner das Flugblatt. Sie produzieren die 2.000 Abzüge mit bescheidenen Mitteln in ihren
Wohnungen und versuchen dabei, Fingerabdrücke zu vermeiden.
Johannes Bittner (2. v. l.) bei einer Wanderung des Großenhainer Freundeskreises durch die Sächsische Schweiz Anfang der 1980er Jahre.
„Fordert Volksdiskussion über das neue Wehrdienstgesetz!“ steht auf den Flugblättern, die in der Nacht vom 22. zum 23. April 1982 in Dresden und mehreren Bezirken Ost-Berlins auftauchen. Die Flugblätter kleben in Telefonzellen und an Litfaßsäulen, sie hängen an Bäumen, liegen in Garageneinfahrten, Hauseingängen, auf der Straße und in Briefkästen.
Riskante Flugblattaktion gegen die Gesetzesänderung
Die beteiligten Jugendlichen wollen den Staat bewusst provozieren und ihn herausfordern. Dabei gehen sie ein erhebliches Risiko ein, denn im Falle einer Verhaftung droht ihnen Freiheitsentzug. Doch sie wollen ihre in der DDR-Verfassung garantierten Rechte in Anspruch nehmen und über Gesetze diskutieren – insbesondere über das Wehrdienstgesetz.
Im Frühjahr 1982 verabschiedet die DDR-
Die beiden 24-Jährigen
Mit handelsüblichen Abreibbuchstaben bringen sie den Text des Flugblatts auf eine postkartengroße Pappe. Johannes Bittner und Wolfgang Schröter fotografieren das Ganze und machen Abzüge. Die Flugblätter verteilen sie in Berlin und Dresden in vorher besprochenen und zugeordneten Gebieten. In Dresden übernimmt Uwe Bastian die Verbreitung.
Perfekt geplant: Die „Diskutierer“ bleiben unentdeckt
An der Aktion sind etwa 15 Personen beteiligt. Sie arbeiten bei der Herstellung und Verteilung der Flugblätter mit Handschuhen, um Fingerabdrücke zu vermeiden. Die meisten Beteiligten wissen nichts voneinander, damit sie sich bei einer eventuellen Verhaftung nicht verraten können. Nach der Aktion vermeiden diejenigen, die sich kennen, lange Zeit jeglichen Kontakt.
Die ganze Aktion ist für die Jugendlichen mit erheblichen Risiken verbunden, stellt sie doch den Allmachtsanspruch des SED-Staats infrage. Im Falle einer Verhaftung droht ihnen eine Verurteilung wegen „
Die Staatssicherheit registriert alle Fundorte der Flugblätter genau. Sie leitet aufwändige kriminaltechnische Untersuchungen ein, um die Hersteller zu identifizieren. Ein
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350