d

Offener Brief prominenter Künstlerinnen und Künstler

„Wir protestieren“: Offener Brief der Berliner Künstler mit der Bitte um die Rücknahme der Ausbürgerung Wolf Biermanns vom 17. November 1976. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„Wir protestieren“: Offener Brief der Berliner Künstler mit der Bitte um die Rücknahme der Ausbürgerung Wolf Biermanns vom 17. November 1976. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Abschrift
Klaus Schlesinger Mitte der 1970er Jahre. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Roger Melis
Klaus Schlesinger Mitte der 1970er Jahre. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Roger Melis
Franz Fühmann, 1975. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Roger Melis
Franz Fühmann, 1975. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Roger Melis
Wie viele andere namhafte Künstlerinnen und Künstler unterzeichnet auch der Dramatiker und Nationalpreisträger Heiner Müller 1976 den Offenen Brief gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Im Bild: Heiner Müller am 29. Oktober 1989...
Wie viele andere namhafte Künstlerinnen und Künstler unterzeichnet auch der Dramatiker und Nationalpreisträger Heiner Müller 1976 den Offenen Brief gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Im Bild: Heiner Müller am 29. Oktober 1989 bei einer Veranstaltung in der Ostberliner Erlöserkirche, auf der Künstlerinnen und Künstler der DDR von der SED die Aufgabe ihres Führungsanspruches verlangen. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1029_POL_SoliArt_11
Hans Joachim Schädlich, Mitte der 1970er Jahre. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Markowsky
Hans Joachim Schädlich, Mitte der 1970er Jahre. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Markowsky
1976 protestiert Christa Wolf mit Ihrer Unterschrift unter dem Offenen Brief gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Im Bild Christa Wolf am 29. Oktober 1989 bei einer Veranstaltung in der Erlöserkirche in Ost-Berlin. Vor 4.000 Zuhörern fordern Künstler...
1976 protestiert Christa Wolf mit Ihrer Unterschrift unter dem Offenen Brief gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Im Bild Christa Wolf am 29. Oktober 1989 bei einer Veranstaltung in der Erlöserkirche in Ost-Berlin. Vor 4.000 Zuhörern fordern Künstler der DDR von der Einheitspartei SED die Aufgabe des Anspruchs der Alleinvertretung. Unter dem tosenden Beifall der Besucher in der überfüllten Kirche benennt Christa Wolf den Stalinismus als das Grundübel des Staates. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1029_POL_SoliArt_09
Der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf, hier am 11. Mai 1973 bei eine Autorenlesung seiner Romanfassung des Theaterstückes „Die neuen Leiden des jungen W“ im Filmtheater Kosmos, unterschreibt den Offenen Brief gegen die Biermann-Ausbürgerung. Quelle:Archiv...
Der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf, hier am 11. Mai 1973 bei eine Autorenlesung seiner Romanfassung des Theaterstückes „Die neuen Leiden des jungen W“ im Filmtheater Kosmos, unterschreibt den Offenen Brief gegen die Biermann-Ausbürgerung. Quelle:Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 73_0511_KUL_Plenzdorf_05
Der Schriftsteller und Lyriker Stephan Hermlin ist einer der Hauptinitiatoren und der Verfasser des Offenen Briefs, mit dem die DDR-Künstlerprominenz 1976 Stellung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns bezieht. Im Bild redet Stefan Hermlin am 29. Oktober...
Der Schriftsteller und Lyriker Stephan Hermlin ist einer der Hauptinitiatoren und der Verfasser des Offenen Briefs, mit dem die DDR-Künstlerprominenz 1976 Stellung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns bezieht. Im Bild redet Stefan Hermlin am 29. Oktober 1989 auf einer Veranstaltung in der Ostberliner Erlöserkirche, auf der prominente Künstlerinnen und Künstler die SED zur Aufgabe ihres Alleinvertretungsanspruchs auffordern.Quelle: 89_1029_POL_SoliArt_19
Wie viele andere namhafte Künstlerinnen und Künstler unterzeichnet auch der Schriftsteller Volker Braun 1976 den Offenen Brief gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. V.l.n.r.: Volker Braun, die Regisseurin Ruth Berghaus und der Bildhauer...
Wie viele andere namhafte Künstlerinnen und Künstler unterzeichnet auch der Schriftsteller Volker Braun 1976 den Offenen Brief gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. V.l.n.r.: Volker Braun, die Regisseurin Ruth Berghaus und der Bildhauer Wieland Förster auf einer Veranstaltung in Ost-Berlin am 4. Januar 1982.
Quelle: Bundesarchiv/183-1982-0104-301/Heinz Peter Junge
Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterzeichnet auch Stefan Heym den Offenen Brief namhafter Künstlerinnen und Künstler der DDR. Im Bild Stefan Heym als Redner auf der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in...
Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterzeichnet auch Stefan Heym den Offenen Brief namhafter Künstlerinnen und Künstler der DDR. Im Bild Stefan Heym als Redner auf der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin.
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1104-039/Hubert Link

Zwölf namhafte Künstlerinnen und Künstler protestieren im November 1976 mit ihrer Unterschrift gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Der Schriftsteller Stephan Hermlin verfasst die Erklärung an die SED-Führung. Zu den Erstunterzeichnern gehören international bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Christa Wolf, Stefan Heym, Heiner Müller, Volker Braun, Gerhard Wolf, Erich Arendt, Jurek Becker, Sarah Kirsch, Rolf Schneider, Franz Fühmann und Günter Kunert. (Bildergalerie)

Mehr als andere fühlen sich die Intellektuellen von der Ausbürgerungsaktion betroffen: Heute Biermann – morgen ein anderer Künstler, so denken sie. Stefan Heym befürchtet, dass sich „das Ausbürgern jetzt einbürgern“ wird und dass der Staat nun auf jede Kritik mit den härtesten Mitteln reagiert. Stephan Hermlin versucht zusammen mit Stefan Heym, das Parteiorgan Neues Deutschland zum Abdruck des Schreibens zu bewegen. Vergeblich. Nun sehen sich die Künstler gezwungen, den Brief in der Bundesrepublik zu veröffentlichen.

Jetzt schließen sich den öffentlichen Protesten immer mehr Prominente an. Die Parteiführung reagiert äußert nervös: Selbst die Kinder der Unterzeichner des Briefs werden von der Stasi überwacht. Durch „Gespräche“ und Strafandrohungen sollen einige der Künstler dazu bewogen werden, ihre Unterschriften zurückzuziehen. Wer das nicht tut, wird aus Partei und Schriftstellerverband ausgeschlossen – was einem Berufsverbot gleichkommt. Einige Unterzeichnende werden mit Auftritts- und Veröffentlichungsverboten belegt. Die Folge: Viele Prominente wie Manfred Krug oder Armin Mueller-Stahl verlassen sofort oder in den folgenden Jahren die DDR.

Die Verbreitung des Offenen Briefs wird aber auch von jungen, noch nicht so etablierten Künstler unterstützt, zum Beispiel vom Schriftsteller Jürgen Fuchs (25) und den Musikern Gerulf Pannach (28) und Christian Kunert (24), die schon seit einiger Zeit wegen ihrer kritischen Texte in der DDR Auftritts- und Publikationsverbot haben. Sie werden verhaftet und nach mehreren Monaten im Gefängnis in die Bundesrepublik abgeschoben. (Christian Kunert berichtet im Zeitzeugen-Video über seine Erlebnisse.) Die miserable Behandlung dieser jungen Künstler ruft sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands eine Welle der Solidarität hervor.

Zitierempfehlung: „Offener Brief prominenter Künstlerinnen und Künstler“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Oktober 2017, www.jugendopposition.de/145376


Kommentieren Drucken Artikel versenden