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Chronik

1962

Januar

1962 verlassen 21.365 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik.

Abzug der in der Westberliner Friedrichstraße stationierten US-amerikanischen Panzer und der in Ost-Berlin Unter den Linden stationierten sowjetischen Panzer.

Bewaffnete Auseinandersetzungen bei einer Seeschlacht zwischen den Niederlanden und Indonesien im Streit um Niederländisch-Westguinea.

In Anklam wird der 17-jährige Reiner Penzel wegen „staatsgefährdender Propaganda und Hetze“ zu eine fünfjährige Zuchthausstrafe verurteilt. Zwei Mitschüler erhalten eine Freiheitsstrafe von jeweils dreieinhalb Jahren. Die Schüler protestierten im September 1961 mit Trauerkleidung gegen die erpresste Verpflichtung zum Dienst in der NVA. „Gesetz über die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht“.

Februar

Die USA verhängen ein Handelsembargo über Kuba.

Sowjetische Störaktionen gegen den Westberliner Luftverkehr.

März

Wegen der Errichtung der Mauer tagt die Synode der Evangelische Kirche erstmals getrennt in Ost- und West-Berlin.

In Genf wird die Internationale Abrüstungskonferenz eröffnet, an der neben den Großmächten USA und UdSSR, den Staaten Großbritannien, neben Italien, Kanada, Polen, Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien auch Vertreter von acht blockfreien Staaten teilnehmen.

Einführung von Reisevisa für Bundesbürger, die in die DDR einreisen wollen.

April

Die Partei verabschiedet eine Verordnung, in der die Herausgabe und Herstellung von Presseerzeugnissen geregelt ist.

Mai

Neun Menschen fliehen durch einen 32 Meter langen Tunnel unter der Oranienburger Chaussee nach West-Berlin.

Heinz Brandt wird zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

26. Mai 1962, ein Uhr nachts, Bernauer Straße, großer Knall: Die Westberliner Polizisten Hans Joachim Lazai und Werner Kemnitz sprengen eine Bresche in die Mauer. Quelle: Polizeihistorische Sammlung Berlin

In der Nacht zum 26. Mai sprengen der 23-jährige Westberliner Polizist Hans-Joachim Lazai und drei weitere Kollegen ein Loch in die Mauer an der Bernauer Straße. Sie wollen damit ein Zeichen gegen das Unrecht des Mauerbaus und für die Hoffnung setzen.
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Hinrichtung des ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmanns im Gefängnis Ramla nahe Tel Aviv.

Juni

Ostberliner entführen den Ausflugsdampfer „Friedrich Wolf“ auf der Spree und steuern ihn auf Westberliner Gebiet: 13 Männer und Frauen sowie ein Baby können auf diese Weise fliehen.

Verabschiedung eines „Nationalen Dokuments“ durch den „Nationalkongreß der Nationalen Front“, das unter anderem die Koexistenz beider deutschen Staaten und eine Konföderation vorsieht.

Tunnelfluchtversuch von 22 Ost-Berlinern am Baugelände des Axel-Springer-Hauses; lediglich vier Personen gelingt die Flucht, ein DDR-Grenzsoldat wird erschossen.

Juli

Erstes Urteil des Obersten Gerichts gegen Fluchthelfer: Zuchthausstrafen zwischen fünf und 15 Jahren werden verhängt.

Algerien erhält seine Unabhängigkeit von Frankreich.

August

Leunawerke Merseburg: Ein zweitägiger Streik gegen die Erhöhung des Betriebsplans und die schlechte Lebensmittelversorgung endet mit dem Einsatz von sowjetischen und NVA Soldaten.

Jamaika erhält seine Unabhängigkeit von Großbritannien.

Bei einem Fluchtversuch über die Berliner Mauer wird der 18-jährige Ost-Berliner Bauarbeiter Peter Fechter von DDR-Volkspolizisten angeschossen. Er verblutet.

September

29 Ostberliner fliehen nach West-Berlin: Nach mehrmonatiger Arbeit gelingt es 41 Menschen, in einem von der Bernauer Straße (West-Berlin) aus gebauten, 150 Meter langen Tunnel zu flüchten.

Oktober

Die Staatssicherheit entdeckt in Berlin einen Fluchttunnel von Neuköln nach Treptow – der West-Berliner Fluchthelfer wird niedergeschossen.

Längere Kämpfe an der indisch-chinesischen Grenze mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten.

Beginn des zweiten Vatikanischen Konzils. Es wird eine grundlegende Reform der Katholischen Kirche eingeleitet.

Kuba-Krise: Am 22.10. fordert der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy in einer Fernsehansprache den Abbau aller sowjetischen Raketen und Abschussanlagen auf Kuba. Am 24.10. beginnen die USA eine Seeblockade gegen sowjetische Frachter um Kuba. Der kubanische Staatschef Fidel Castro erklärt die Mobilmachung. Am 28.10. kündigt der sowjetische Ministerpräsident Nikita S. Chruschtschow den Abzug der sowjetischen Angriffswaffen aus Kuba an.

Beginn der „Spiegel-Affäre“: Wegen kritischer Berichterstattung über die NATO lässt Franz Josef Strauß unter Umgehung des Justizministers die Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins Der Spiegel durchsuchen. Er lässt Redakteure verhaften und die Räume der Redaktion von der Polizei besetzten. In Folge dessen kommt es zu heftigen Protesten, auch von der konservativen Presse. Die gegen die Spiegel-Redakteure angestrengten Verfahren werden eingestellt.

November

Der Bahnradsportler Harry Seidel, der 1961 nach Westberlin geflohen war, wird bei dem Versuch eine Tunnelflucht vorzubereiten von der Stasi festgenommen. In einem Schauprozess wird er zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Nach vier Jahren wird er von der Bundesrepublik freigekauft.

Aus Protest gegen das Verhalten der Bundesregierung in der Spiegel-Affäre+ treten alle fünf Minister der FDP aus der Regierung zurück. Franz Josef Strauß erklärt am 30. November seinen Verzicht auf ein Ministeramt. Sondierungen für eine Koalition mit der SPD scheitern.

Dezember

Sie haben die Schnauze voll: Sechs junge Arbeiter aus Jena werden gegen das SED-Regime aktiv. Am 8. Dezember 1962 malen sie diese Parolen an die Wände einer Bahnunterführung und eines Hauses in Jena. Quelle: Ast Gera AUV 1862/63 GA/HA Bd. VI, S.101

Sechs junge Arbeiter schreiben in Jena Parolen an öffentliche Wände: „Weg mit Ulbricht – gebt uns Freiheit“; „Gebt uns was zum Fressen“.
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5. Regierung Adenauer, gebildet aus einer CDU/CSU-FDP Koalition.

Mit einem nachträglich gepanzerten Bus durchbrechen acht Menschen die Sperranlagen in Berlin-Marienfelde und gelangen trotz Maschinengewehrfeuers unverletzt in den West-Teil der Stadt.


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