d

Chronik

1961

Januar

1961 verlassen 207.026 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik.

KPdSU-Chef Nikita Chruschtschow sichert Fidel Castro im Falle einer Intervention der USA Hilfe zu.

Der brandenburgische Ort Guben wird in „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“ umbenannt.

Die USA und Kuba brechen ihre diplomatischen Beziehungen ab.

Patrice Lumumba, erster Ministerpräsident des Kongo, wird in Katanga von einem belgisch-kongolesischen Kommando erschossen, seine Leiche Tage später in Schwefelsäure aufgelöst.

John F. Kennedy wird als 35. Präsident der Vereinigte Staaten von Amerika vereidigt. Er tritt die Nachfolge von Dwight D. Eisenhower an.

Februar

In Luanda, der Hauptstadt von Portugiesisch-Angola, kommt es zu Gefechten zwischen Aufständischen und der Polizei.

Evangelische Bischöfe aus der Bundesrepublik werden von DDR-Behörden daran gehindert, am Eröffnungsgottesdienst der Gesamtdeutschen Synode in der Ost-Berliner Marienkirche teilzunehmen.

März

Der Politische Beratende Ausschuss des Warschauer Paktes in Moskau beschließt die Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft der DDR durch Lieferung modernster Waffen an die NVA.

In zahlreichen Städten nehmen Atomwaffengegner an Ostermärschen gegen die Aufrüstung teil.

April

Frankreich ist von eine Welle von Sprengstoffanschlägen betroffen. Rechtsextremistische Gruppen kämpfen mit diesen Anschlägen gegen die Algerienpolitik des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle, der Algerien in die Unabhängigkeit entlassen will.

Dienstantritt der ersten Wehrdienstverweigerer zum Ersatzdienst.

Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin fliegt als erster Mensch ins Weltall.

Eine vom amerikanischen Geheimdienst CIA geplante Invasion von Exil-Kubanern in der Schweinebucht auf Kuba scheitert. Kuba reagiert mit einer stärkeren Anlehnung an die Sowjetunion.

Mai

Der Bundestag billigt den im August 1959 unterzeichneten Truppenvertrag zwischen der Bundesrepublik und den NATO-Mitgliedsstaaten.

Der US-Amerikaner Alan B. Shepard fliegt als zweiter Mensch in den Weltraum.

Juni

Treffen zwischen Nikita S. Chruschtschow und John F. Kennedy in Wien. Chruschtschow erneuert das „Berlin-Ultimatum“, Kennedy sagt Nichteinmischung in sowjetischen Einflussbereich zu.

Walter Ulbricht erklärt auf einer internationalen Pressekonferenz: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“.

Das Ministerium für Staatssicherheit entführt den ehemaligen SED-Funktionär und Gewerkschafter Heinz Brandt aus West-Berlin.

Juli

In West-Berlin findet der letzte gesamtdeutsche Evangelische Kirchentag statt, in Ost-Berlin wird er von der DDR-Regierung verboten.

August

In Moskau beraten die Ersten Sekretäre der kommunistischen Parteien und Arbeiterparteien der Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes über „Maßnahmen zur Sicherung des Friedens“. Sie geben ihre unveröffentlichte Zustimmung zur Abriegelung der Fluchtwege nach West-Berlin.

In Ost-Berlin werden die Grenzgänger, die im West-Teil der Stadt arbeiten, registriert.

Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer, fordert die DDR Bürger auf in ihrer Heimat zu bleiben, da die Bundesrepublik der großen Zahl von Flüchtlingen nicht gewachsen ist.

Ungläubiges Staunen in der Sebastianstraße: Bau der Mauer am 13. August 1961. Quelle: REGIERUNGonline/Klaus Lehnartz

Einheiten der Volksarmee, Polizei und Kampfgruppen riegeln die Sektorengrenze zu West-Berlin ab. Die DDR errichtet die Mauer, um die anhaltende Flucht von DDR-Bürgern zu unterbinden. Der Mauerbau wird durch eine Welle des Justizterrors begleitet.
Zum Artikel ...

DDR-Grenzsoldat Conrad Schumann springt über die Stacheldrahtsperre an der Bernauer Straße in Berlin und flieht in den Westen. Das Bild geht um die Welt.

In Westberlin findet eine Großdemonstration gegen den Mauerbau statt. 300.000 Menschen protestieren auch gegen die Tatenlosigkeit der Westmächte.

Die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland wird für alle Bewohner der DDR und Ost-Berlins gesperrt.

Der US-amerikanische Vizepräsident Lyndon B. Johnson besucht in Begleitung von General Lucius D. Clay West-Berlin.

In Straußberg bei Berlin werden mehrere Jugendliche Rock-'n'-Roll-Fans verhaftet. Aus Protest gegen den Mauerbau hatten sie Parolen gegen die SED an Scheunenwände und Garagen gepinselt und eine Feldscheune angezündet. Einer von ihnen ist der 17-jährige Michael Gartenschläger. DDR-Kampfgruppeneinheiten schließen die SPD-Parteibüros in Ost-Berlin.

Zwei Mitglieder der Jungen Gemeinde Schmöckwitz werden in Rostock nach einem Schauprozess zu je acht Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie angeblich auf der Ostsee ein Schiff nach Bornholm umleiten wollten.

Die Postkarte, die Dietrich Gerloff während der Fahrt mit der MS Seebad Binz an eine Bekannte in West-Berlin schreibt. Die Staatssicherheit fängt sie ab. Quelle: BStU, MfS, BV Rostock AU 146/61 GA Bd. 6

Zwei Mitglieder der Jungen Gemeinde Schmöckwitz werden in Rostock nach einem Schauprozess zu je acht Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie angeblich auf der Ostsee ein Schiff nach Bornholm umleiten wollten.
Zum Artikel ...

Nach der Schließung des SPD-Büros in Ost-Berlin löst der Landesverband der SPD die dortigen Kreisverbände auf.

Erstes Maueropfer: Der 24-jährige Günter Litfin wird bei einem Fluchtversuch im Humboldthafen erschossen.

Die „Verordnung über Aufenthaltsbeschränkungen“ tritt in Kraft, um Verstöße gegen die sozialistische Arbeitsmoral zu ahnden. Das oft verhängte Berlin-Verbot ist eine Folge dieser Verordnung.

FDJ-Aktion „Ochsenkopf – Blitz kontra NATO-Sender“ zur Unterbindung des Fernsehempfangs westlicher Sender in der DDR. FDJ-Trupps reißen nach Westen ausgerichtete Fernsehantennen ab.

Kurt Scharf wird als Bischof von Gesamt-Berlin und Brandenburg aus der DDR ausgewiesen.

September

„Die Falken“ lösen ihre Kreisverbände in Ost-Berlin auf, um deren Mitglieder nicht weiter zu gefährden.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, macht den Bundesländern den Vorschlag, die Verbrechen der SED gemeinsam zu verfolgen. Daraus entstand die Zentrale Erfassungsstelle in Salzgitter.

Ost-Berlin wird als Hauptstadt der DDR zum 15. Bezirk der DDR erklärt.

Ein Zeichen für den Protest gegen den Mauerbau und das SED Regime sind die Losungen, die die Jugendlichen an die Garagen in der Strausberger Philipp Müller Straße schreiben. Quelle: BStU, MfS, Ast Frankfurt/O.,AU122/61, S.74

In einem Schauprozess werden in Straußberg die 17-jährigen Michael Gartenschläger und Gerd Resag zu lebenslanger Haft verurteilt. Gerd-Peter Riedinger, Karl-Heinz Lehmann und Jürgen Höpfner erhalten Haftstrafen zwischen sechs und 15 Jahren. Die jugendlichen Rock-'n'-Roll-Fans hatten aus Protest gegen den Mauerbau Parolen gegen die SED an Scheunenwände und Garagen gepinselt und eine Feldscheune angezündet. Grenzpolizei der DDR wird in die NVA eingegliedert.
Zum Artikel ...

Wahlen zum 4. Deutschen Bundestag. Die CDU/CSU verliert mit 45,3 Prozent die absolute Mehrheit, bleibt aber führende politische Kraft. Die SPD erringt 36,2 Prozent und die FDP 12,8 Prozent der Stimmen.

Die Volkskammer verabschiedet das „Gesetz zur Verteidigung der DDR“.

In Anklam protestieren Oberschüler schwarzgekleidet gegen den Mauerbau
Zum Artikel ...

In Anklam werden 27 Schüler der Geschwister Scholl Oberschule von der Schule relegiert. Sie protestierten mit Trauerkleidung gegen die erpresste Verpflichtung zum Dienst in der NVA. Als Rädelsführer werden der 17-jährige Schüler Reiner Penzel und zwei seiner Klassenkameraden vom MfS verhaftet.

In Paris gründet sich die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der Nachfolge der Organisation für Europäische Zusammenarbeit (OEEC).

Oktober

Der 22-jährige Student Bernd Lünser stürzt bei seinem Versuch, an der Bernauer Straße nach West-Berlin zu flüchten, vom Dach und stirbt. Beginn der „Aktion Festigung“ zur Vertreibung von „unzuverlässigen Elementen“ aus dem Grenzgebiet der DDR zur Bundesrepublik Deutschland.

Jugoslawische Behörden gewähren 18 DDR-Bürgern politisches Asyl.

Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze erlassen.

XXII. Parteitag der KPdSU, zweite Entstalinisierungswelle.

Am Berliner Sektorengrenzübergang „Checkpoint Charlie“ stehen sich erstmals amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber.

November

Konrad Adenauer wird zum vierten Mal zum Bundeskanzler gewählt.

Stalinstadt wird in „Eisenhüttenstadt“, die Stalinallee in Ost-Berlin in „Karl-Marx-Allee“ umbenannt.

Das Stalin-Denkmal in Berlin wird abgetragen, aus der Bronze-Statue werden Figuren für den Berliner Tierpark gegossen.

Zentrale Erfassungsstelle für DDR-Unrecht nimmt in Salzgitter ihre Arbeit auf. Hier werden alle bekannt werdenden politisch motivierten Unrechtshandlungen innerhalb der DDR registriert. Dazu gehören Misshandlungen in Ermittlungsverfahren und im Strafvollzug sowie jede andere Form von Menschenrechtsverletzungen.

Otto Grotewohl schlägt in einem Brief Konrad Adenauer vor, Schritte zur Normalisierung der Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik einzuleiten. Das Bundeskanzleramt verweigert die Annahme des Briefs.

Dezember

25 Menschen flüchten mit einem Zug aus der DDR nach West-Berlin: Eine schwere Dampflokomotive durchbricht Sperranlagen zwischen Albrechtshof und Spandau.

Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Albanien als Folge ideologischer Auseinandersetzungen.

Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann wird in Jerusalem zum Tode verurteilt.

Letzter Gottesdienst der im Grenzgebiet der DDR gelegenen Heilandskirche in Potsdam-Sacrow. Danach wird die Inneneinrichtung zerstört. Genau 28 Jahre später findet hier wieder ein Gottesdienst statt.

Neues Deutschland meldet Todesurteil gegen den Landarbeiter Walter Praedel vor dem Bezirksgericht Frankfurt/Oder wegen „Diversion“ im schweren Fall.


auf Twitter teilen auf Facebook teilen Kommentieren Drucken Artikel versenden