Die Chinesische Lösung
Die DDR-Führung applaudiert zum Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Junge Oppositionelle ziehen vor die Chinesische Botschaft.
Oppositionelle verurteilen das brutale Vorgehen der chinesischen Regierung in Peking (5. Juni 1989). Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören die
Mitglieder des Weißenseer Friedenskreises Evelyn Zupke (27), Ralph Sköries, Frank Pfeifer (26) und Klaus Kupler.
250 Mark für „disziplinloses Verhalten“: Ordnungsstrafverfügung gegen einen Demonstranten vor der chinesischen Botschaft in Berlin (22. Juni
1989).
Aufruf zum Protesttrommeln in den Räumen der Kirche von Unten (Juni 1989).
Klagetrommeln in der Berliner Erlöserkirche zum Gedenken an die Opfer des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking und gegen die
Position der SED-Regierung. Das Transparent (links) zeigt das chinesische Schriftzeichen für Demokratie.
Klagetrommeln in der Berliner Samariterkirche gegen das Massaker in Peking und die Chinapolitik der SED-Führung.
Klagetrommeln in der Berliner Samariterkirche: Zu den Initiatoren der Veranstaltung gehört Michael Heinisch (25), hier mit Gitarre.
Aufruf zum Protest gegen den Massenmord in Peking am 9. Juni 1989 in Ost-Berlin. Die Demonstranten werden sofort festgenommen, verhört und mit
Ordnungsstrafen belegt. Der Aufruf war in einem Jugendklub verteilt worden. Der Klubleiter wird am nächsten Tag aus seinem Amt entlassen.
Am 22. April wird der Platz des Himmlischen Friedens (Tian An Men-Platz) in Peking durch zehntausende Demonstranten besetzt. Besonders Studenten waren
es, die hofften, dass der damals beginnenden wirtschaftlichen Modernisierung und Liberalisierung politische und gesellschaftliche Freiheiten folgen würden. Breite Bevölkerungsschichten schlossen sich dem Ruf nach Reformen an.
Bei der blutigen Niederschlagen der friedlichen Demonstrationen, kamen zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Menschen ums Leben. Das
kommunistische Regime schießt mit scharfer Munition auf das eigene Volk.
Die SED steht zu China: Die vielen Menschen, die in Peking gestorben sind, bezeichnet die DDR Führung als „verfassungsfeindliche Elemente“. Hier
eine Ausgabe des FDJ-Zentralorgans Junge Welt.
„In der Nacht vom 3. zum 4. Juni begann eine extreme Minderheit konterrevolutionärer Elemente im Herzen Pekings, auf dem Tian An Men, Platz des Himmlischen Friedens, einen brutalen und gefährlichen Aufruhr zu entfachen, der die ganze Volksrepublik China in eine kritische Lage brachte.“ So kommentiert die DDR-Zeitung Junge Welt am kommenden Tag die Ereignisse, die die ganze Welt erschüttern.
Die ganze Welt? Nein, das
Mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, das wahrscheinlich Tausenden Menschen das Leben gekostet hat, zerschlägt das chinesische Militär eine breite Bewegung, die mit Streiks und Demonstrationen für eine Demokratisierung der Volksrepublik China eintritt. Die Solidaritätserklärungen der SED-Führung sind auch ein deutliches innenpolitisches Signal: eine Warnung an die eigene Oppositionsbewegung, dass es auch in der DDR eine „chinesische Lösung“ geben könne.
Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens:
Nach der Niederschlagung wird die DDR-Opposition aktiv
Dennoch steht die Opposition sofort mutig gegen das Verbrechen in Peking auf. Unmittelbar nach dem Massaker werden in vielen Städten und von vielen Menschen Protestschreiben an die chinesische Staatsführung entworfen und Unterschriften gesammelt (Bildergalerie). Am 6. Juni 1989 versammeln sich erstmals knapp 30 Menschen vor der chinesischen Botschaft in Berlin-Pankow, um ihre Solidarität mit den chinesischen Studenten zu demonstrieren. Sie werden verhaftet, verhört und mit Ordnungsstrafen belegt.
Kurz nachdem in Peking die ersten „Konterrevolutionäre“ im Zusammenhang mit den Ereignissen vom Platz des Himmlischen Friedens zum Tode verurteilt und hingerichtet werden, organisiert eine Gruppe aus Berlin-Pankow einen erneuten Demonstrationszug zur chinesischen Botschaft. Am 22. Juni 1989 treffen sich etwa 50 vor allem junge Leute in den Räumen der
Doch die Gruppe gelangt nicht einmal in die Nähe der Botschaft. Das Gelände ist weiträumig von Volkspolizei und
In Berlin finden noch im Juni mehrere Aktionen in den Räumen der Kirche von Unten (KvU), in der Samariterkirche und in der
Zahlreiche Demonstranten, die während der Ereignisse im Herbst 1989 auf die Straße gehen, haben die Ereignisse vom Platz des Himmlischen Friedens im Hinterkopf: Das brutale Vorgehen der chinesischen Staatsmacht gegen die Oppositionsbewegung ist unvergessen. Als im September und Oktober 1989 in Dresden, Leipzig und Berlin schwer bewaffnete Polizisten mit Wasserwerfern und Räumfahrzeugen gegen die friedlichen Demonstranten vorgehen, befürchten viele eine Eskalation wie auf dem Tian An Men. Nicht umsonst ist „Keine Gewalt!“ eine der häufigsten Parolen auf den Demos dieser Zeit.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350