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Chronik

1947

Januar

Das Abkommen zur wirtschaftlichen Vereinigung der amerikanischen und der britischen Besatzungszone zur Bizone tritt in Kraft.

1947 werden in Cottbus und Ost-Berlin mehrere Jugendliche wegen Verteilung politischer Flugblätter, Gruppenbildung, „konterrevolutionärer Aktivitäten“ und Agententätigkeit von Sowjetischen Militärtribunalen zur Zwangsarbeit verurteilt.

Unter der Führung Titos bricht das kommunistische Jugoslawien mit der Sowjetunion.

Februar

Unterzeichnung der Friedensverträge zwischen den Siegermächten und Deutschlands europäischen Kriegsverbündeten Bulgarien, Finnland, Italien, Rumänien und Ungarn in Paris.

Die „Junge Welt“ erscheint erstmals. Ab November ist sie das Organ der SED-Jugendorganisation FDJ.

Bildung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen der SED in der Sowjetischen Besatzungszone und der KPD in den Westzonen.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) wird gegründet.

Der Alliierte Kontrollrat löst den Staat Preußen mit dem Gesetz Nr. 46 formell auf.

Der Alliierte Kontrollrat löst den Staat Preußen mit dem Gesetz Nr. 46 formell auf.

März

Gründung des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) in Ost-Berlin.

5. Außenministerkonferenz der Vier Siegermächte in Moskau: Auf Empfehlung der Außenminister wird ab 27. April die weitere Entnazifizierung in deutsche Verantwortung übertragen.

Verkündung der „Truman-Doktrin“ zur Eindämmung (Containment) der kommunistischen Gefahr.

Gefährliches Engagement: Manfred Klein baut zusammen mit Georg Wrazidlo eine starke christdemokratische Hochschulgruppe an der Berliner Universität auf und wird in den ersten Studentenrat gewählt. Zugleich ist er Mitglied im Zentralrat der FDJ. Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Die christdemokratischen Studentenvertreter der Berliner Universität Georg Wrazidlo und Manfred Klein sowie ihr parteilose Kommilitonin Gerda Rösch werden von den sowjetischen Behörden verhaftet und zu jeweils 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
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Die christdemokratischen Studentenvertreter der Berliner Universität Georg Wrazidlo und Manfred Klein sowie ihr parteilose Kommilitonin Gerda Rösch werden von den sowjetischen Behörden verhaftet und zu jeweils 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der Vorwurf lautet: „Bildung einer faschistischen Untergrundorganisation“ und „Spionage“. Erst 1956 kommen sie aus der Haft frei.

April

In den Ländern der britischen Besatzungszone finden erste Landtagswahlen statt.

Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) der britischen Besatzungszone in Bielefeld.

In Prag werden sechs ehemalige SS-Angehörige, die für die Zerstörung des tschechoslowakischen Dorfes Lidice 1942 die Verantwortung tragen, hingerichtet.

Mai

Studenten und junge Akademiker geben in West-Berlin die Zeitschrift Colloquium heraus. Inhaltlich ist sie dem antifaschistischen Neubeginn verpflichtet, richtet sich aber gleichzeitig gegen die kommunistischen Herrschaftsansprüche in der sowjetischen Besatzungszone.

Landtagswahlen in der französischen Besatzungszone bei gleichzeitiger Volksabstimmung über die Verfassung, ausgenommen das Saarland.

Juni

SMAD-Befehl Nr. 138: Bildung einer zentralen Wirtschaftskommission zur Abstimmung der Verwaltungen.

Bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Harvard ruft der amerikanische Außenminister George C. Marshall ein Aufbrauprogramm für Europa aus (Marshall-Plan).

Ministerpräsidentenkonferenz in München. Vorzeitige Abreise der Delegation aus der Sowjetischen Besatzungszone.

In Frankfurt konstituiert sich der Wirtschaftsrat der Bizone. Die bürgerlichen Parteien stellen die Mehrheit.

Juli

Parteitag der LDP in Eisenach: Der Berliner Landesverband fordert eine Selbstständigkeit gegenüber der SED und zieht seine Vertreter aus dem Zentralverband zurück.

Konferenz von 16 europäischen Staaten in Paris über den Marshallplan. Die Sowjetunion hat die Teilnahme am Marshallplan für sich und andere Ostblockstaaten bereits abgelehnt.

August

Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung Indiens.

Die SMAD erlässt mit Befehl Nr. 201 Richtlinien zur „beschleunigten Durchführung der Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone“. Der Befehl und die zu erlassenden Ausführungsbestimmungen begründen unter anderem Sondervollmachten der Volkspolizei in politischen Strafsachen und sehen die Bildung politischer Sonderstrafkammern bei den Landgerichten und Oberlandesgerichten vor.

Im Nürnberger Prozess gegen nationalsozialistische Ärzte werden sieben Angeklagte zum Tode verurteilt.

September

Der CDU-Vorsitzende Jakob Kaiser kritisiert auf dem 2. Parteitag der CDU der Sowjetischen Besatzungszone die SED-Politik.

Einer der größten Arbeiterstreiks in Polen geht von den Textilarbeitern in Lodz aus: Insgesamt streiken 26.000 Arbeiter aus 17 Fabriken gegen die kommunistischen Machthaber.

2. Parteitag der SED in Berlin: Der stellvertretende Parteivorsitzende Walter Ulbricht fordert die Einführung der Planwirtschaft in der Sowjetischen Besatzungszone und die Umwandlung der SED in eine „Partei neuen Typus'“ nach dem Vorbild der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KpdSU).

Gründung des Informationsbüros der Kommunistischen und Arbeiterparteien (Kominform). Mit diesem Gremium will die KPdSU die osteuropäischen Staaten und ihre kommunistischen Parteien nach ihren Vorgaben ausrichten. Beteiligt sind auch die Kommunistischen Parteien Frankreichs und Italiens. Es ist der Beginn einer kommunistischen „Blockdisziplin“.

Oktober

Zusammen mit der FDJ werden „Die FALKEN“ von der Alliierten Kommandantur in Berlin für alle vier Sektoren zugelassen.

Vertreter von 23 Staaten unterzeichnen den bisher umfassendsten internationalen Handelsvertrag, das General Agreement on Tariffs and Trade (GATT).

November

6. Konferenz des Außenministerrats der Vier Siegermächte in London: Im Mittelpunkt steht die Erörterung der „Deutschen Frage“. Die Konferenz steht von Beginn an im Zeichen des sich verschärfenden Ost-West-Konflikts.

Dezember

Das Magazin „Die Stafette“ erscheint erstmals mit der Genehmigung der sowjetischen Militäradministration. Die Zeitschrift der Jungen Gemeinden erscheint monatlich.

Gründung der „Deutschen Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden“ unter Führung der SED.

Amtsenthebung der CDU-Vorsitzenden Jakob Kaiser und Ernst Lemmer durch die SMAD


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