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Carlo Jordan

Carlo Jordan in den 1970er Jahren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Carlo Jordan in den 1970er Jahren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Im Rahmen der Pressearbeit im Westen stellt die Umwelt-Bibliothek, wie andere Oppositionsgruppen auch, Fotos her. Die sollen, falls jemand verhaftet wird, veröffentlicht werden. V.l.n.r.: Carlo Jordan, Martin Schramm und Wolfgang Rüddenklau. Quelle:...
Im Rahmen der Pressearbeit im Westen stellt die Umwelt-Bibliothek, wie andere Oppositionsgruppen auch, Fotos her. Die sollen, falls jemand verhaftet wird, veröffentlicht werden. V.l.n.r.: Carlo Jordan, Martin Schramm und Wolfgang Rüddenklau. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Versteckte Kamera: Am 12. Oktober 1988, zwischen 11.50 und 12.30 Uhr, observiert das MfS Carlo Jordan vor der Umwelt-Bibliothek in der Griebenowstraße 16. Quelle: BStU, MfS, HA VII Nr. 7776
Versteckte Kamera: Am 12. Oktober 1988, zwischen 11.50 und 12.30 Uhr, observiert das MfS Carlo Jordan vor der Umwelt-Bibliothek in der Griebenowstraße 16. Quelle: BStU, MfS, HA VII Nr. 7776
Kampf für die eigenen Rechte: Carlo Jordan (rechts) am Rande der Großdemonstration am 4. November 1989 in Ost-Berlin. Er steht unweit des Alexanderplatzes, auf dem die Kundgebung mit rund 500.000 Teilnehmern stattfindet. Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ
Kampf für die eigenen Rechte: Carlo Jordan (rechts) am Rande der Großdemonstration am 4. November 1989 in Ost-Berlin. Er steht unweit des Alexanderplatzes, auf dem die Kundgebung mit rund 500.000 Teilnehmern stattfindet. Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ
Carlo Jordan, Sprecher der Grünen Partei der DDR, 19. Januar 1990.
Carlo Jordan, Sprecher der Grünen Partei der DDR, 19. Januar 1990.
Quelle: Bundesarchiv/183-1990-0119-319/Rainer Mittelstädt

Carlo Jordan wird 1951 in Berlin geboren. Sein Vater, ein Bäcker in Berlin-Friedrichshain, der 1948 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist, vermittelt seinem Sohn eine pazifistische Lebenseinstellung. Bereits zu Schulzeiten wird Carlo Jordan wegen seiner westlichen Kleidung und seiner langen Haare von Lehrern drangsaliert. Er arbeitet als Zimmermann, studiert und wird Bauingenieur.

In den 1960er Jahren interessiert er sich für die antiautoritäre Jugendbewegung im Westen und den Prager Reformkommunismus. Er schließt sich der Ostberliner Kulturopposition im Umkreis einschlägiger Cafés und Klubs (wie Box oder Kramladen) an. Zunehmend engagiert er sich bei Protestaktionen gegen staatliche Willkür und unterzeichnet 1976 eine Protesteingabe an Erich Honecker. Dabei geht es um die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz. Außerdem protestiert Carlo Jordan gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns.

Schließlich findet er in der ökologischen Bewegung sein Hauptbetätigungsfeld. Er ist 1986 Mitbegründer der Berliner Umwelt-Bibliothek (UB) und zeichnet für viele Artikel in verschiedenen Untergrundzeitschriften verantwortlich, vor allem in den Umweltblättern, aber auch in Westberliner Publikationen. 1988 gründet er mit einigen Mitgliedern der UB das Grün-ökologische Netzwerk Arche. Das Ziel: die Vernetzung einer DDR-weiten Ökologiebewegung. Neben der Herausgabe der illegalen Zeitschrift Arche Nova macht das Netzwerk mit selbst gedrehten Filmen auf die katastrophale Umweltsituation in der DDR aufmerksam. Einige dieser Filme werden in den Westmedien veröffentlicht.

Carlo Jordan engagiert sich während der Friedlichen Revolution 1989 zunehmend politisch. Er ist Mitbegründer der Grünen Partei der DDR und sitzt für diese am Runden Tisch. 1990 engagiert er sich für Bündnis 90/Die Grünen in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. 1994/1995 ist er im Berliner Abgeordnetenhaus tätig.

Zitierempfehlung: „Carlo Jordan“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Oktober 2017, www.jugendopposition.de/145395


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