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Wir sind mit euch! – Solidarität mit der Friedensbewegung in der DDR

Solidarität aus dem Westen: Protestpostkarte von 1983, adressiert an die Haftanstalt Gera. Die westlichen Friedensaktivisten fordern die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Friedensgemeinschaft Jena und die von fünf Wehrdienstverweigerern. Quelle:...
Solidarität aus dem Westen: Protestpostkarte von 1983, adressiert an die Haftanstalt Gera. Die westlichen Friedensaktivisten fordern die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Friedensgemeinschaft Jena und die von fünf Wehrdienstverweigerern. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„Freiheit für Roland Jahn, Ingo Güter, Uwe Behr und ihre Freunde“: Westdeutsche Friedensaktivisten rufen 1983 zur Protestveranstaltung vor der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn auf. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
„Freiheit für Roland Jahn, Ingo Güter, Uwe Behr und ihre Freunde“: Westdeutsche Friedensaktivisten rufen 1983 zur Protestveranstaltung vor der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn auf. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
Abschrift
„Freiheit für Roland Jahn, Ingo Güter, Uwe Behr und ihre Freunde“: Westdeutsche Friedensaktivisten rufen 1983 zur Protestveranstaltung vor der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn auf. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
„Freiheit für Roland Jahn, Ingo Güter, Uwe Behr und ihre Freunde“: Westdeutsche Friedensaktivisten rufen 1983 zur Protestveranstaltung vor der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn auf. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
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Am 31. Oktober 1983 empfängt Erich Honecker die unbequemen Bundestagsabgeordneten der Grünen Dirk Schneider, Otto Schily, Petra Kelly und Gert Bastian (v.l.n.r.). Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner,83_1031_POL_Gruene_10
Am 31. Oktober 1983 empfängt Erich Honecker die unbequemen Bundestagsabgeordneten der Grünen Dirk Schneider, Otto Schily, Petra Kelly und Gert Bastian (v.l.n.r.). Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner,83_1031_POL_Gruene_10
„Herumstehen verboten“: Die beiden DDR-Bürgerrechtler Peter Rösch („Blase“; links) und Roland Jahn fordern vor dem NATO-Stützpunkt in Mutlangen Abrüstung in Ost und West. Peter Rösch zählt zu den wichtigsten Vertretern der Offenen Arbeit...
„Herumstehen verboten“: Die beiden DDR-Bürgerrechtler Peter Rösch („Blase“; links) und Roland Jahn fordern vor dem NATO-Stützpunkt in Mutlangen Abrüstung in Ost und West. Peter Rösch zählt zu den wichtigsten Vertretern der Offenen Arbeit in Jena. 1982 reist er in die Bundesrepublik aus.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Anfang der 1980er Jahre beruhen viele Kontakte zwischen der DDR-Friedensbewegung und der westdeutschen – beziehungsweise westeuropäischen – Friedensbewegung auf kirchlichen Verbindungen. Zunächst wird die DDR-Friedensbewegung von westlicher Seite nur in einer Hinsicht als Verbündeter betrachtet: im gemeinsamen Kampf gegen die Stationierung von Atomraketen in Mitteleuropa. Dass die Bewegung in der DDR gleichzeitig auch Opposition gegen ein repressives System ist, wird von westlicher Seite erst einmal weitgehend ignoriert. Die Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Staat um einen zivilen Wehrersatzdienst, den sogenannten Sozialen Friedensdienst, sowie die erfolgreiche Schwerter-zu-Pflugscharen-Kampagne könnten, so die westliche Befürchtung, dem gemeinsamen Ziel im Wege stehen: Friedenssicherung und Abrüstung.

Die DDR-Bewegung ist mehr als der Kampf gegen Atomraketen

Eine der Ersten, die erkennt, dass die Friedensbewegung in der DDR auch eine Widerstandsbewegung gegen die Diktatur ist, ist die Grünen-Abgeordnete im Bundestag Petra Kelly. Sie setzt sich massiv für die Bewegung ein. Bald schließen sich auch andere Teile der westeuropäischen Friedensbewegung den Forderungen nach einer Demokratisierung der DDR an – zum Beispiel die Westberliner Alternative Liste (AL).

Die DDR-Friedensbewegung lehnt viele ihrer Aktivitäten an westdeutsche Vorbilder an. Zum Beispiel die Initiative Frauen für den Frieden, die in einer beispiellosen Aktion Fotos ihrer Kinder im westdeutschen Bundestag verteilen lässt – mithilfe der Grünen. Der Kontakt in den Westen ist für die DDR-Friedensaktivisten aber auch aus einem anderen Grund von großer Bedeutung: Vor allem über ihre Verbindungen in die Bundesrepublik gelingt es ihnen immer wieder, mediale und materielle Unterstützung für ihren Widerstand zu organisieren, zum Beispiel für den illegalen Druck von Flugblättern.

Westliche Friedensinitiativen helfen DDR-Oppositionellen

So publizieren westdeutsche Friedensgruppen Informationen über die DDR-Friedensbewegung. Die Arbeitsgruppe gegen Militarisierung in Ost und West der Ulmer Aktionskonferenz, der Arbeitskreis gegen Militarisierung in Ost und West Bad Cannstatt und der Arbeitskreis Frieden der Grünen Stuttgart geben ein Heft heraus, in dem sie die Arbeit der DDR-Friedensbewegung dokumentieren. Zum Beispiel veröffentlichen sie Erklärungen der Jenaer Friedensgemeinschaft (FG). Die Arbeitsgruppe Friedensbewegung in Ost und West des Bundeskongresses der Autonomen Friedensinitiativen (BAF) veröffentlicht in ihrem Materialbrief ebenfalls einen Artikel über die FG Jena.

Die vielen Solidaritätsaktionen von westdeutschen und -europäischen Organisationen verschaffen der DDR-Friedensbewegung international Gehör und einen gewissen Schutzraum. Je mehr darüber in den Medien berichtet wird, desto schwieriger wird es für die DDR-Sicherheitsorgane, die Aktivisten zu verhaften und abzuschieben.

Besonders gut klappt die Ost-West-Zusammenarbeit mit dem bundesdeutschen Komitee zur Verteidigung und Verwirklichung der demokratischen Rechte und Freiheiten in Ost und West in ganz Deutschland, oder mit dem Komitee für das Recht auf unabhängige Gewerkschaften. Im europäischen Rahmen bestehen Kontakte mit dem Interkirchlichen Friedensrat der Niederlande, dem Friedensladen Groningen, der Schwedischen Friedens- und Schiedsvereinigung und der Konferenz für europäische atomare Abrüstung.

Eine wesentliche Rolle bei der Unterstützung von Friedensaktivisten, die in der DDR Repressalien ausgesetzt sind oder inhaftiert werden, spielt die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international (ai). Zahlreiche internationale Protestbriefe und Solidaritätsveranstaltungen unterstützen die Friedensaktivisten in der DDR vor allem ideell. Sie spüren, dass sie in ihrer schwierigen Situation nicht alleingelassen werden (Bildergalerie). Die Unterstützerbriefe gelangen meist auf illegalen Wegen an ihre Adressaten, vorbeigeschleust an dem gewaltigen Apparat der Stasi, die beinahe jeden Brief von West nach Ost und umgekehrt mitliest.

Zitierempfehlung: „Wir sind mit Euch! Solidarität mit der Friedensbewegung in der DDR“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Januar 2018, www.jugendopposition.de/145333


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