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Einmarsch des Warschauer Paktes

Die einrückenden Truppen des Warschauer Paktes werden in Prag von aufgebrachten Demonstranten umringt und an der Weiterfahrt gehindert. Quelle: BStU, MfS, HA IX/2854, S. 4
Die einrückenden Truppen des Warschauer Paktes werden in Prag von aufgebrachten Demonstranten umringt und an der Weiterfahrt gehindert. Quelle: BStU, MfS, HA IX/2854, S. 4
Ohnmächtig erheben die Demonstranten ihre Fäuste gegen die Besatzungstruppen. Quelle: BStU, MfS, HA IX/2854, S. 4
Ohnmächtig erheben die Demonstranten ihre Fäuste gegen die Besatzungstruppen. Quelle: BStU, MfS, HA IX/2854, S. 4
Mit schwerer Kampftechnik rücken Einheiten der Warschauer Vertragsstaaten in Prag ein. Quelle: BStU, MfS, HA IX/2854, S. 29
Mit schwerer Kampftechnik rücken Einheiten der Warschauer Vertragsstaaten in Prag ein. Quelle: BStU, MfS, HA IX/2854, S. 29
Sie errichten mit bloßer Hand Barrikaden in den Straßen von Prag: Unzählige Einwohner stellen sich den übermächtigen Invasionsarmeen mutig entgegen. Bei den blutigen Auseinandersetzungen kommen etwa 100 Tschechen und Slowaken ums Leben. Auch circa...
Sie errichten mit bloßer Hand Barrikaden in den Straßen von Prag: Unzählige Einwohner stellen sich den übermächtigen Invasionsarmeen mutig entgegen. Bei den blutigen Auseinandersetzungen kommen etwa 100 Tschechen und Slowaken ums Leben. Auch circa 50 Soldaten der Interventionstruppen verlieren ihr Leben. Quelle: BStU, MfS, HA IX/2854, S. 32
Böses Erwachen in Prag: Viele Tschechoslowaken vergleichen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 mit der Besetzung ihres Landes durch die deutsche Wehrmacht 1938. Quelle: DHM
Böses Erwachen in Prag: Viele Tschechoslowaken vergleichen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 mit der Besetzung ihres Landes durch die deutsche Wehrmacht 1938. Quelle: DHM
Viele Tschechoslowaken vergleichen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 mit der Besetzung ihres Landes durch die deutsche Wehrmacht 1938. Protestplakat in Prag: Adolf Hitler zu Walter Ulbricht: „Mensch Walter, du hast meine Gedanken...
Viele Tschechoslowaken vergleichen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 mit der Besetzung ihres Landes durch die deutsche Wehrmacht 1938. Protestplakat in Prag: Adolf Hitler zu Walter Ulbricht: „Mensch Walter, du hast meine Gedanken wirklich hervorragend begriffen!“ darauf Ulbricht: „Danke, mein Führer!“ Quelle: Institut für Zeitgeschichte Prag (USD AV CR v.v.i.)
Den DDR Staats- und Parteichef Walter Ulbricht möchten viele Tschechoslowaken am liebsten hinter Gittern sehen. Quelle: Institut für Zeitgeschichte Prag (USD AV CR v.v.i.)
Den DDR Staats- und Parteichef Walter Ulbricht möchten viele Tschechoslowaken am liebsten hinter Gittern sehen. Quelle: Institut für Zeitgeschichte Prag (USD AV CR v.v.i.)
Viele Tschechoslowaken vergleichen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 mit der Besetzung ihres Landes durch die deutsche Wehrmacht 1938. Protestplakat in Prag: Panzersoldat zu Walter Ulbricht: „Lieber Walter, vorwärts!“ Ulbricht:...
Viele Tschechoslowaken vergleichen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 mit der Besetzung ihres Landes durch die deutsche Wehrmacht 1938. Protestplakat in Prag: Panzersoldat zu Walter Ulbricht: „Lieber Walter, vorwärts!“ Ulbricht: „Hek Hitler (Hek steht in diesem Zusammenhang für stöhnen - hekat). Ich schiebe schon, das sowjetische Erdöl ist ausgegangen.“ Rechts unten: „Wir sind wieder im Sudetenland!“ Quelle: Institut für Zeitgeschichte Prag (USD AV CR v.v.i.)
Zwei Jugendliche aus der DDR wollen sich den Prager Frühling aus der Nähe anschauen und geraten in den Strudel der Ereignisse. Sie fotografieren den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag. Im Bild: die zerschossene Fassade des Nationalmuseums...
Zwei Jugendliche aus der DDR wollen sich den Prager Frühling aus der Nähe anschauen und geraten in den Strudel der Ereignisse. Sie fotografieren den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag. Im Bild: die zerschossene Fassade des Nationalmuseums am Wenzelsplatz. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Zwei Jugendliche aus der DDR wollen sich den Prager Frühling aus der Nähe anschauen und geraten in den Strudel der Ereignisse. Sie fotografieren den Einmarsch der Warschauer-Pakt- Truppen in Prag. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Zwei Jugendliche aus der DDR wollen sich den Prager Frühling aus der Nähe anschauen und geraten in den Strudel der Ereignisse. Sie fotografieren den Einmarsch der Warschauer-Pakt- Truppen in Prag. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Ungebetene Gäste in Prag: In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 marschieren Truppen der Sowjetunion, Polens, Bulgariens und Ungarns in die Tschechoslowakei ein und besetzen alle strategisch wichtigen Punkte des Landes. "Unbefugten ist der Zutritt...
Ungebetene Gäste in Prag: In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 marschieren Truppen der Sowjetunion, Polens, Bulgariens und Ungarns in die Tschechoslowakei ein und besetzen alle strategisch wichtigen Punkte des Landes. "Unbefugten ist der Zutritt streng verboten", steht auf dem Schild, das die Demonstranten mit sich führen.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)

Der Reformkommunismus, der sich in der Tschechoslowakei 1968 etabliert, versteht sich als Modell für die anderen sozialistischen Länder. Die Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen und die DDR wollen es jedoch nicht übernehmen. Die Staats- und Parteichefs dieser „Warschauer Fünf“ versuchen bei ihrem Treffen im März 1968 in Dresden, die CSSR-Führung einzuschüchtern. Als dies nicht gelingt, beginnen Hetzkampagnen. Die SED spricht von „Aufweichung und Unterwanderung“ als Teil der imperialistischen Globalstrategie. Ein Sündenbock muss her: Der SED-Propaganda zufolge organisieren feindliche Agenten die „schleichende Konterrevolution“.

Am 21. August 1968 besetzen Truppen der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens die CSSR. Die DDR-Spitze behauptet, auch Truppen der Nationalen Volksarmee (NVA) seien an der „brüderlichen Hilfsaktion“ beteiligt. Doch nach 1989 stellt sich heraus, dass Kampfeinheiten der DDR-Armee nie das Territorium der CSSR betreten haben. Die Militärführung des Warschauer Paktes entscheidet kurzfristig, dass sich die Einheiten der NVA mit reinen Versorgungsfunktionen auf rückwärtige Dienste an der Grenze beschränken sollen.

Die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit wird niedergewalzt

Die tschechoslowakische Bevölkerung stellt sich gewaltlos und einig gegen die Eindringlinge. Der Parteitag der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KPC) tagt illegal in einem Prager Großbetrieb, wählt die von den Russen verhafteten Reformer in die neue Führung und verurteilt die Okkupation. Auch viele kommunistische Parteien des Westens lehnen den Gewaltakt ab. Die militärisch erfolgreiche Operation erweist sich für die Sowjetunion als politische Katastrophe mit Langzeitfolgen.

Die internierte Führung der KPC wird nach Moskau gebracht und gezwungen, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der sie den Einmarsch akzeptiert. Als Gegenleistung soll sie im Amt bleiben. Das erweist sich jedoch als Illusion. Die Anhänger des demokratischen Sozialismus werden aus der Partei ausgeschlossen und verlieren ihre Arbeit.

Am 16. Januar 1969 gibt es einen öffentlichen Suizid auf dem Prager Wenzelsplatz: Der Philosophiestudent Jan Palach verbrennt sich aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings selbst. Diese verzweifelte Tat reißt die Prager ein letztes Mal aus der hoffnungslosen Lethargie, die sich nach dem brutalen Einmarsch breitgemacht hat. Dann senkt sich für rund 20 Jahre der Grauschleier der sozialistischen Normalisierung über das Land.

Zitierempfehlung: „Einmarsch des Warschauer Paktes“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Oktober 2018, www.jugendopposition.de/145441


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