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Formierung der Bürgerbewegung

In der Nacht vom 29. zum 30. September 1989 werden diese Losungen im Bezirk Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) auf die Straße geschrieben. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)
In der Nacht vom 29. zum 30. September 1989 werden diese Losungen im Bezirk Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) auf die Straße geschrieben. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)
Am 9. und 10. September 1989 findet auf dem Grundstück von Katja Havemann in Grünheide bei Berlin das Gründungstreffen des Neuen Forums statt. Die Initiative wird zum politischen Motor der Revolution. V.l.n.r.: Olaf Freund, Rolf Henrich, Hans-Jochen...
Am 9. und 10. September 1989 findet auf dem Grundstück von Katja Havemann in Grünheide bei Berlin das Gründungstreffen des Neuen Forums statt. Die Initiative wird zum politischen Motor der Revolution. V.l.n.r.: Olaf Freund, Rolf Henrich, Hans-Jochen Tschiche (verdeckt), Martin Böttger, Reinhardt Pumb (IMB "Paule"). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Hanno Schmidt
Gründungstreffen des Neuen Forums am 9. und 10. September 1989 in Grünheide im Haus von Katja Havemann. V.l.n.r.: Bärbel Bohley, Jutta Seidel, Katja Havemann. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Hanno Schmidt
Gründungstreffen des Neuen Forums am 9. und 10. September 1989 in Grünheide im Haus von Katja Havemann. V.l.n.r.: Bärbel Bohley, Jutta Seidel, Katja Havemann. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Hanno Schmidt
„Die Zeit ist reif!“ Gründungsaufruf des Neuen Forums „Aufbruch 89“ (September 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„Die Zeit ist reif!“ Gründungsaufruf des Neuen Forums „Aufbruch 89“ (September 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Abschrift
„Die Zeit ist reif!“ Gründungsaufruf des Neuen Forums „Aufbruch 89“ (September 1989). Seite 2 von 2. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„Die Zeit ist reif!“ Gründungsaufruf des Neuen Forums „Aufbruch 89“ (September 1989). Seite 2 von 2. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (12. September 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (12. September 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
Abschrift
Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (12. September 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (12. September 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
Abschrift
Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratischer Aufbruch (1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Gründungsaufruf der Bürgerbewegung Demokratischer Aufbruch (1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Gründungsaufruf der Grünen Liga (1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
Gründungsaufruf der Grünen Liga (1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
Abschrift
Gründungsaufruf der Grünen Liga (1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
Gründungsaufruf der Grünen Liga (1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
Abschrift
Gründungsaufruf der SDP (August 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
Gründungsaufruf der SDP (August 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
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Gründungsaufruf der SDP (August 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
Gründungsaufruf der SDP (August 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
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Gründungsaufruf des Unabhängigen Frauenverbands (26. November 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Gründungsaufruf des Unabhängigen Frauenverbands (26. November 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Abschrift
Mit vereinten Kräften geben SDP, Initiative Frieden und Menschenrechte, Demokratie Jetzt, Neues Forum, Vereinigte Linke und Demokratischer Aufbruch eine gemeinsame Erklärung ab. Ihre Hauptforderung: eine demokratische Umgestaltung von Staat und Gesellschaft...
Mit vereinten Kräften geben SDP, Initiative Frieden und Menschenrechte, Demokratie Jetzt, Neues Forum, Vereinigte Linke und Demokratischer Aufbruch eine gemeinsame Erklärung ab. Ihre Hauptforderung: eine demokratische Umgestaltung von Staat und Gesellschaft in der DDR (3. November 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Erklärung der Gründungsinitiative für eine Grüne Partei in der DDR (5. November 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
Erklärung der Gründungsinitiative für eine Grüne Partei in der DDR (5. November 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
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Erklärung der Gründungsinitiative für eine Grüne Partei in der DDR (5. November 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
Erklärung der Gründungsinitiative für eine Grüne Partei in der DDR (5. November 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
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Aufruf der Initiativgruppe zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei in der DDR. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Aufruf der Initiativgruppe zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei in der DDR. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Am 27. Oktober 1989 stellt sich in der Gethsemanekirche in Ost-Berlin die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt vor. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Am 27. Oktober 1989 stellt sich in der Gethsemanekirche in Ost-Berlin die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt vor. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Ulrike Poppe bei der Vorstellung der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt in der Ost-Berliner Gethsemanekirche am 27. Oktober 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Ulrike Poppe bei der Vorstellung der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt in der Ost-Berliner Gethsemanekirche am 27. Oktober 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
In der Wohnung der Malerin Bohley trafen sich am 29. Oktober 1989 Gründer und Mitglieder des Neuen Forums (NF) zu einer Arbeitssitzung. Foto (v.l.n.r.): Christian Reich, Bärbel Bohley, Reinhard Schult, Michael Kukutz, Eberhard Seidel, Andreas Schönfelder,...
In der Wohnung der Malerin Bohley trafen sich am 29. Oktober 1989 Gründer und Mitglieder des Neuen Forums (NF) zu einer Arbeitssitzung. Foto (v.l.n.r.): Christian Reich, Bärbel Bohley, Reinhard Schult, Michael Kukutz, Eberhard Seidel, Andreas Schönfelder, Hans-Joachim Tschiche, Jutta Seidel und Jens Reich. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1029_POL_DDR-NF_02
Gründungstreffen des Neuen Forums Berlin-Prenzlauer Berg in der Gethsemanekirche am 10. November 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Gründungstreffen des Neuen Forums Berlin-Prenzlauer Berg in der Gethsemanekirche am 10. November 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Bärbel Bohley und Rolf Henrich bei der Vorstellung des Neuen Forums Berlin-Prenzlauer Berg in der Gethsemanekirche am 10. November 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Bärbel Bohley und Rolf Henrich bei der Vorstellung des Neuen Forums Berlin-Prenzlauer Berg in der Gethsemanekirche am 10. November 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Gründungstreffen des Neuen Forums Berlin-Prenzlauer Berg in der Gethsemanekirche am 10. November 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper
Gründungstreffen des Neuen Forums Berlin-Prenzlauer Berg in der Gethsemanekirche am 10. November 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper

Am 11. September 1989 öffnet die Volksrepublik Ungarn ihre Grenzen nach Westen. Innerhalb von nur drei Tagen fliehen 15.000 vor allem junge Ostdeutsche über Ungarn nach Österreich und von dort in die Bundesrepublik. Die Massenflucht junger Menschen, die in diesen Tagen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, wird von der DDR-Führung nur noch hilflos ignoriert – oder kriminalisiert.

Anders reagiert die Oppositionsbewegung: Viele Aktivisten sehen in dem Ausbluten des Landes eine große Gefahr. Ihnen ist klar, wie sehr jetzt die Zeit drängt, durch umfassende Reformen Veränderungen herbeizuführen, die die Leute zum Hierbleiben veranlassen und ihnen eine Perspektive in der Heimat bieteten.

In verschiedenen Oppositionsgruppen wird heftig über die Gründung eigener Parteien diskutiert. Viele Gruppen melden sich, da eine legale Parteigründung zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich ist, vorerst mit programmatischen Erklärungen zu Wort. Nachdem im März 1989 die Initiative Frieden und Menschenrechte einen Aufruf zu ihrer republikweiten Ausbreitung veröffentlicht hat, folgen diesem Beispiel ab August 1989 zahlreiche andere Gruppen. Initiativgruppen werden ins Leben gerufen, die Partei- oder Vereinsgründungen vorbereiten.

Ostdeutsche fliehen in Massen über Ungarn nach Österreich

Im August 1989 ist es die Initiative zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei. Es folgen im September die linke Plattform Vereinigte Linke, die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt, im Oktober der Demokratische Aufbruch, die Grüne Partei, die Grüne Liga und der Unabhängige Frauenverband.

Am 9. und 10. September 1989 findet in Grünheide bei Berlin das Gründungstreffen des Neuen Forums statt. Am 19. September 1989 stellen die Gründungsmitglieder beim Ministerium des Innern und in elf (von 15) Bezirksbehörden der DDR Anträge auf Zulassung des Neuen Forums. Zu diesem Zeitpunkt haben bereits 1.500 Menschen den Gründungsaufruf unterschrieben. (Über seine Erlebnisse und die Inhalte des Aufrufs '89 berichtet Reinhard Schult im Zeitzeugen-Interview.)

Doch in alter Manier gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN am 21. September 1989 bekannt, dass das Neue Forum nicht zugelassen wird. Die Begründung: „Ziele und Anliegen der beantragten Vereinigung widersprechen der Verfassung der DDR und stellen eine staatsfeindliche Plattform dar.“

Erst am 8. November 1989 wird der Antrag auf Zulassung offiziell entgegengenommen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Neue Forum bereits zur wichtigsten und größten Bürgerbewegung im Herbst 1989 herangewachsen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören seit Langem engagierte Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley, Katja Havemann, Reinhard Schult sowie Sebastian und Christine Pflugbeil. Unter den Gründern befinden sich nur wenige junge Leute.

Neues Forum & Co.: Die „Staatsfeinde“ formieren sich

Aber auch die jungen Leute formieren sich: zum Beispiel der 25-jährige Michael Arnold, der in der Leipziger Initiativgruppe Leben und in der Arbeitsgruppe Umgestaltung Leipzig aktiv ist. Diese ungleichmäßige Verteilung von Jung und Alt ist typisch für die meisten Bürgerrechtsgruppen dieser Zeit. Sie gilt auch für die Runden Tische, die später ins Leben gerufen werden. Während sich an den Straßenaktionen vor allem junge Menschen beteiligen, übernehmen die älteren in den Gremien das Ruder.

In ihren Aufrufen betonen alle Gruppen die Notwendigkeit einer Staatsreform, nicht zuletzt um die Massenflucht endlich zu stoppen. Am 4. Oktober 1989 formulieren Vertreter der wichtigsten Oppositionsgruppen ihre Hauptforderungen in einer gemeinsamen Erklärung: Demokratisierung, freie und geheime Wahlen unter UN-Mandat und die Freilassung der inhaftierten Oppositionellen.

Das SED-Regime registriert das Anwachsen und die Vernetzung der Oppositionsbewegung mit Entsetzen. Die Organisiertheit des Widerstands und die Masse an Menschen, die sich daran beteiligt, bereiten dem Ministerium für Staatssicherheit Kopfzerbrechen. Dem mächtigsten Kontrollapparat der DDR entgleitet die Kontrolle über die täglich wachsende Zahl der „Feinde des Sozialismus“ in rasendem Tempo.

Die letzten Versuche der Stasi, „unter Führung der Partei alle erforderlichen Maßnahmen zur Unterbindung der Formierung feindlicher, oppositioneller Kräfte in DDR-weiten Sammlungsbewegungen“ durchzusetzen, scheitern auf ganzer Linie. Die Revolution überrollt die Klassenkämpfer, die sich selbst als „Schild und Schwert der Partei“ bezeichnen.

Zitierempfehlung: „Formierung der Bürgerbewegung“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Oktober 2017, www.jugendopposition.de/145319

 


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