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Oppositionszentrum Leipzig

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, denken sich die Leipziger Oppositionsgruppen: Mit dem Pleiße-Marsch am 5. Juni 1988 (Weltumwelttag) machen sie auf die Umweltzerstörung in ihrer Stadt aufmerksam. Es ist die erste größere Leipziger Aktion außerhalb...
Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, denken sich die Leipziger Oppositionsgruppen: Mit dem Pleiße-Marsch am 5. Juni 1988 (Weltumwelttag) machen sie auf die Umweltzerstörung in ihrer Stadt aufmerksam. Es ist die erste größere Leipziger Aktion außerhalb kirchlicher Räume. Im Bild: ein Aufnäher zum ersten Pleiße-Gedenk-Umzug in Leipzig. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Initiative zur demokratischen Erneuerung unserer Gesellschaft ruft alle Bürger der Stadt Leipzig zu einer Demonstration für die Demokratisierung des Landes auf. Der Termin: 15. Januar 1989, der Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl...
Die Initiative zur demokratischen Erneuerung unserer Gesellschaft ruft alle Bürger der Stadt Leipzig zu einer Demonstration für die Demokratisierung des Landes auf. Der Termin: 15. Januar 1989, der Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Die verbotene Luxemburg-Liebknecht-Demonstration in der Leipziger Petersstraße (15. Januar 1989). Über 500 Menschen versammeln sich in der Innenstadt und fordern ihr verfassungsmäßiges Recht auf Meinungsfreiheit. Polizei und Stasi lösen die Demonstration...
Die verbotene Luxemburg-Liebknecht-Demonstration in der Leipziger Petersstraße (15. Januar 1989). Über 500 Menschen versammeln sich in der Innenstadt und fordern ihr verfassungsmäßiges Recht auf Meinungsfreiheit. Polizei und Stasi lösen die Demonstration gewaltsam auf und verhaften mehr als 50 Teilnehmer. Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig
Erklärung des Arbeitskreises Gerechtigkeit, der Initiativgruppe Leben und der Aktion Sühnezeichen (20. Januar 1989): Sie fordern die Haftentlassung von Mitgliedern verschiedener Leipziger Basisgruppen, die während der unabhängigen Demo zum Gedenken...
Erklärung des Arbeitskreises Gerechtigkeit, der Initiativgruppe Leben und der Aktion Sühnezeichen (20. Januar 1989): Sie fordern die Haftentlassung von Mitgliedern verschiedener Leipziger Basisgruppen, die während der unabhängigen Demo zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1989 in Leipzig verhaftet wurden. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Information zu den Ereignissen in Leipzig zwischen dem 12. und 20. Januar 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Information zu den Ereignissen in Leipzig zwischen dem 12. und 20. Januar 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Propaganda-Polemik: Das Zentralorgan der FDJ Junge Welt vom 21./22. Januar 1989 zu den Ereignissen um die Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 15. Januar 1989 in Leipzig. Das Regime ahnt noch nicht, dass es in gut neun Monaten abdanken darf.
Propaganda-Polemik: Das Zentralorgan der FDJ Junge Welt vom 21./22. Januar 1989 zu den Ereignissen um die Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 15. Januar 1989 in Leipzig. Das Regime ahnt noch nicht, dass es in gut neun Monaten abdanken darf.
Quelle: Junge Welt Abschrift
Selbstverständniserklärung (Januar 1989) der Initiativgruppe Leben Leipzig, einer von der Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) Leipzig abgespaltenen Gruppe, die wesentlich konfliktorientierter agiert. Zu ihren Gründern gehören Uwe Schwabe, Frank Sellentin,...
Selbstverständniserklärung (Januar 1989) der Initiativgruppe Leben Leipzig, einer von der Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) Leipzig abgespaltenen Gruppe, die wesentlich konfliktorientierter agiert. Zu ihren Gründern gehören Uwe Schwabe, Frank Sellentin, Kerstin Heuschert und Jens Kronberg. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
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Selbstverständniserklärung (Januar 1989) der Initiativgruppe Leben Leipzig, einer von der Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) Leipzig abgespaltenen Gruppe, die wesentlich konfliktorientierter agiert. Zu ihren Gründern gehören Uwe Schwabe, Frank Sellentin,...
Selbstverständniserklärung (Januar 1989) der Initiativgruppe Leben Leipzig, einer von der Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) Leipzig abgespaltenen Gruppe, die wesentlich konfliktorientierter agiert. Zu ihren Gründern gehören Uwe Schwabe, Frank Sellentin, Kerstin Heuschert und Jens Kronberg. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
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Messe Leipzig
Jetzt sind viele internationale Besucher und Journalisten in der Stadt: Demonstration für Reisefreiheit während der Leipziger Messe im März 1989. Quelle: AP-Photo
Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche am 14. März 1989 gibt es eine Demo in der Messe-Metropole der DDR: Es wird gegen die Inhaftierung zweier Leipziger und gegen den „Schaufensterfrieden“ in Leipzig während der Frühjahrsmesse protestiert....
Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche am 14. März 1989 gibt es eine Demo in der Messe-Metropole der DDR: Es wird gegen die Inhaftierung zweier Leipziger und gegen den „Schaufensterfrieden“ in Leipzig während der Frühjahrsmesse protestiert. Zudem machen die Demonstranten auf die Ausreiseproblematik aufmerksam. Im Bild: Bericht der Initiativgruppe Leben. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
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Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche am 14. März 1989 gibt es eine Demo in der Messe-Metropole der DDR: Es wird gegen die Inhaftierung zweier Leipziger und gegen den „Schaufensterfrieden“ in Leipzig während der Frühjahrsmesse protestiert....
Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche am 14. März 1989 gibt es eine Demo in der Messe-Metropole der DDR: Es wird gegen die Inhaftierung zweier Leipziger und gegen den „Schaufensterfrieden“ in Leipzig während der Frühjahrsmesse protestiert. Zudem machen die Demonstranten auf die Ausreiseproblematik aufmerksam. Im Bild: Bericht der Initiativgruppe Leben. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
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Handzettel zum Leipziger Straßenmusikfestival (10. Juni 1989), das von verschiedenen Leipziger Gruppen organisiert wird. Die Veranstaltung selbst hat keine politischen Ziele. Mit zahlreichen Musik- und Theatergruppen wollen die Akteure einfach mehr Leben...
Handzettel zum Leipziger Straßenmusikfestival (10. Juni 1989), das von verschiedenen Leipziger Gruppen organisiert wird. Die Veranstaltung selbst hat keine politischen Ziele. Mit zahlreichen Musik- und Theatergruppen wollen die Akteure einfach mehr Leben in die Stadt bringen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Flugblatt für das Leipziger Straßenmusikfestival am 10. Juni 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Flugblatt für das Leipziger Straßenmusikfestival am 10. Juni 1989. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Mitglieder der oppositionellen Szene in Leipzig versuchen Anfang Juni 1989, ein Straßenmusikfestival zu organisieren. Die Veranstaltung wird nicht genehmigt. Trotzdem kommen 15 Musik- und Theatergruppen aus der ganzen DDR am 10. Juni 1989 nach Leipzig,...
Mitglieder der oppositionellen Szene in Leipzig versuchen Anfang Juni 1989, ein Straßenmusikfestival zu organisieren. Die Veranstaltung wird nicht genehmigt. Trotzdem kommen 15 Musik- und Theatergruppen aus der ganzen DDR am 10. Juni 1989 nach Leipzig, um in der Innenstadt zu spielen. Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig/Rainer Kühn
1.000 Mark in die Staatskasse: Das Straßenmusikfest kommt Jochen Läßig teuer zu stehen. Wegen seines Engagements für eine lebendigere Leipziger Innenstadt wird er mit einer hohen Ordnungsstrafe belegt. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
1.000 Mark in die Staatskasse: Das Straßenmusikfest kommt Jochen Läßig teuer zu stehen. Wegen seines Engagements für eine lebendigere Leipziger Innenstadt wird er mit einer hohen Ordnungsstrafe belegt. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Rainer Müller (links) und Uwe Schwabe (rechts) tragen auf der Abschlussveranstaltung des Kirchentags der Sächsischen Landeskirche in Leipzig ein Transparent mit den chinesischen Schriftzeichen für Demokratie (9. Juli). Sie protestieren damit gegen...
Rainer Müller (links) und Uwe Schwabe (rechts) tragen auf der Abschlussveranstaltung des Kirchentags der Sächsischen Landeskirche in Leipzig ein Transparent mit den chinesischen Schriftzeichen für Demokratie (9. Juli). Sie protestieren damit gegen die blutige Niederschlagung der friedlichen Proteste in Peking am 4. Juni 1989. Die SED-Führung begrüßt das Massaker ausdrücklich. Quelle: Archiv Bürgerbewegung Leipzig

In Leipzig, der zweitgrößten Stadt der DDR, sind die Probleme des „real existierenden Sozialismus“ oft noch viel stärker zu spüren als etwa in der Hauptstadt Berlin. Ganze Stadtteile sind verfallen und stehen kurz vor dem Abriss. Das Umland ist geprägt von riesigen Tagebauen, Chemiebetrieben und Kohlekraftwerken. Der Zustand der Umwelt ist katastrophal. Die Pleiße, die größtenteils unterirdisch oder im betonierten Flussbett durch Leipzig fließt, ist schon seit Jahren tot.

Auf der anderen Seite hat Leipzig eine große Universität und gibt sich zwei Mal im Jahr als weltoffene Stadt. Dann nämlich, wenn Zehntausende – darunter viele ausländische Besucher – die Stadt zu den internationalen Frühjahrs- und Herbstmessen besuchen.

Es ist vor allem dieses Spannungsfeld, in dem sich in Leipzig schon früh eine oppositionelle Bewegung herausbildet, die durch ein Netz von persönlichen Beziehungen mit Oppositionsgruppen in der ganzen DDR verbunden ist.

Wie in manch anderen Teilen des Landes entwickelt sich die Friedensbewegung auch in Leipzig unter dem Dach der Kirche. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre findet hier eine immer stärkere Politisierung der Friedensgruppen statt, deren Aktionen offensiver werden.

Die Initiativgruppe Leben (IG Leben), 1987 durch den 22-jährigen Uwe Schwabe mitgegründet, und die Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) organisieren am 5. Juni 1988 zum ersten Mal den Pleiße-Gedenk-Umzug – einen Trauermarsch für den zur Kloake verkommenen Fluss. An der Demonstration, die entlang des Flussverlaufs durch Leipzig führt, beteiligen sich etwa 200 junge Menschen, darunter auch Rainer Müller (Zeitzeuge). 1989 nehmen schon mehr als 500 Menschen teil. Aber nicht lange: Die Polizei zerschlägt den Marsch gewaltsam.

Die Vernetzung der Gruppen, ihre größer werdende Mitgliederzahl und ihre bessere Organisation haben immer stärkere Repressionen zur Folge. Die Staatsmacht übt Druck auf die Kirche aus, die daraufhin für einige Zeit den aktivsten Gruppen in Leipzig ihre Unterstützung verweigert. Anfang 1989 eskaliert die Situation: Die Gruppe Demokratische Initiative ruft zu einer Demonstration für die Demokratisierung des Landes auf. Der Termin: 15. Januar 1989, Jahrestag der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration in Berlin. 1988 sind hier 160 Oppositionelle verhaftet worden.

Nervöse Obrigkeit: Die Leipziger Opposition wächst stetig

Trotz einer ersten Verhaftungswelle im Vorfeld, in deren Verlauf auch Uwe Schwabe und Rainer Müller (Zeitzeugen) inhaftiert werden, versammeln sich am 15. Januar 1989 über 500 Menschen in der Leipziger Innenstadt. Sie fordern ihr verfassungsmäßiges Recht auf Meinungsfreiheit. Polizei und Stasi lösen die Demonstration gewaltsam auf, mehr als 50 Teilnehmer werden verhaftet. Noch am selben Tag werden in Leipzig erste Fürbittgottesdienste für die Festgenommenen abgehalten.

In den kommenden Tagen finden in Leipzig und anderen Städten der DDR Bittgottesdienste statt. Bevor sich diese Form des Protests ausbreitet, gibt die Staatsführung nach: Vier Tage später werden alle Inhaftierten entlassen. Vor allem deshalb, weil die Nachricht von den Verhaftungen bis zum gerade stattfindenden dritten KSZE-Folgetreffen in Wien gelangt.

Die Staatsmacht beobachtet die Leipziger Oppositionsszene mit großer Nervosität. Wie blank die Nerven bei der Staatsführung und den Sicherheitsorganen liegen, zeigt sich am 10. Juni 1989, als ein Straßenmusikfestival stattfinden soll. Die Veranstaltung hat keine politischen Ziele. Zahlreiche Musik- und Theatergruppen wollen einfach mehr Leben in die Stadt bringen und die Menschen unterhalten. Das Festival wird von jungen Leuten verschiedener Leipziger Gruppen organisiert, wie der IG Leben und der Demokratischen Initiative. Initiatoren sind unter anderem: Jochen Läßig, Uwe Schwabe, Gesine Oltmanns, Katrin Hattenhauer, Cornelia Fromme, Frank Sellentin und Andreas Ludwig.

Das Festival wird im Vorfeld verboten. Begründung: Die auftretenden Bürger müssten erst den Nachweis ihrer künstlerischen Qualifikation erbringen. Trotz des Verbots kommen zahlreiche junge Künstler in die Stadt. Sie musizieren, singen, führen kleine Theaterstücke auf. Was zunächst friedlich beginnt, endet im Fiasko: Verständnislos sehen die Leipziger Bürger zu, wie Polizisten und Stasi-Leute die Musiker durch die Innenstadt jagen, einkesseln und verhaften. Festgenommen werden die Leute schon allein deshalb, weil sie ein Instrument oder einen Fotoapparat bei sich haben. Viele Bürger solidarisieren sich daraufhin mit den jungen Leuten.

Der Staat, das wird vielen in diesen Tagen klar, fürchtet um die Kontrolle über „sein Volk“. (Uwe Schwabe berichte im Zeitzeugen-Interview über das Straßenmusikfestival, den Pleiße-Gedenk-Umzug und über Aktionen des Leipziger Widerstands, bei denen die Stasi mit harter Hand durchgreift.)

Zitierempfehlung: „Oppositionszentrum Leipzig“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Dezember 2018, www.jugendopposition.de/145316

 


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