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Chronik

1989

Januar

In Leipzig wird die demokratische Initiative gegründet. Ihr Ziel ist die Bürgerbewegung in der DDR zu stärken und so Alternativen zur Ausreisebewegung zu schaffen.

In den USA wird bekannt, dass eine kurz vor der Vollendung stehende Chemiewaffenfabrik im lybischen Rabta, die Ronald Reagan bombardieren lassen wollte, führend von bundesdeutschen Firmen errichtet wurde.

Über internationalen Gewässern im Mittelmeerraum schießen US-amerikanische Militärmaschinen zwei libysche Militärflugzeuge des Typs MiG-23 ab.

In Ost-Berlin verlassen 20 ausreisewillige Ostdeutsche die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in der DDR. Ihnen wurde zuvor Straffreiheit und die Überprüfung ihrer Ausreiseanträge zugesichert.

In Leipzig versammeln sich über 500 Menschen zu einer Luxemburg-Liebknecht-Demonstration. Ihr Credo: „Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht soll uns Anlass sein, weiter für die Demokratisierung unseres sozialistischen Staates aufzutreten.“ Nach einigen hundert Metern wird der Demonstrationszug gewaltsam aufgelöst und etwa 50 Teilnehmer verhaftet. Es folgt eine landesweite Solidarisierungswelle mit den Inhaftierten, die daraufhin freigelassen werden müssen.

Die Wiener KSZE-Folgekonferenz endet mit einer Schlussakte.

Das Zentralkomitee der PVAP in Polen beschließt die Relegalisierung von Solidarnosc.

DDR Staats- und Parteichef Erich Honecker versichert, die Mauer werde „noch in 50 und 100 Jahren“ stehen.

Der Republikaner George Bush tritt die Nachfolge von Ronald Reagan als 41. Präsident der USA an.

Die bisherige Regierungskoalition aus CDU und FDP in West-Berlin erleidet bei den Abgeordnetenhauswahlen überraschend dramatische Stimmenverluste. Am 16. März wird Walter Momper zum Bürgermeister einer Landesregierung aus SPD und Alternative Liste gewählt.

Februar

28 inhaftierte Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF) treten in den Hungerstreik, um die Zusammenlegung aller RAF-Gefangenen in ein Gefängnis zu erzwingen.

Die Wiener Verhandlungen der NATO und des Warschauer Paktes über den Truppenabbau enden nach 15-jähriger Dauer ergebnislos, jedoch einvernehmlich. Sie werden durch die am 6. März beginnenden Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) und die Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) ersetzt.

Der 20-jährige Chris Gueffroy wird bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer von Grenzsoldaten erschossen.

In Warschau beginnen Gespräche zwischen 57 Vertretern von Regierung, Opposition und Kirche Polens am Runden Tisch. Am 4. April wird zwischen Regierung und Opposition ein Abkommen über politische und wirtschaftliche Reformen unterzeichnet.

Bei einem Treffen mit Vertretern des DDR-Umweltministeriums protestieren Umweltaktivisten gegen die Sondermüllverbrennungsanlage Schöneiche südlich von Berlin.

Das Zentralkomitee der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei diskutiert die Neubeurteilung der Revolution von 1956 und unterstützt die Idee eines Mehrparteiensystems.

Ajatollah Chomeini ruft in einer Fatwa alle Moslems zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie auf. Prinzipiell betrifft eine Fatwa ein fest umrissenes Territorium, über das ein führender Imam politische Macht ausübt. Im Falle Salman Rushdies, eines britischen Staatsbürgers, der in Großbritannien lebt, macht Chomeini aus Europa ein Territorium, auf das er die Fatwa anwendet. Damit verleibt er Europa juristisch der Sphäre des Islams ein.

Der Landtag Schleswig-Holstein beschließt das kommunale Wahlrecht für Ausländer.

Die letzten sowjetischen Truppen, die seit 1979 Afghanistan besetzt halten, verlassen das Land.

Die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei verzichtet auf ihren in der Verfassung verankerten Führungsanspruch.

März

Die Volkskammer ändert die Wahlgesetzgebung der DDR. In der DDR lebende Ausländer können sich fortan bei den Scheinwahlen zu den Kreistagen, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen als Kandidat und Wähler beteiligen.

In Wien beginnen die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) und zugleich Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) zwischen den 35 KSZE-Teilnehmerstaaten.

Winfried Freudenberg stürzt mit einem selbst gebauten Ballon bei seiner Flucht nach West-Berlin tödlich ab.

Auf einem landesweiten Aktionstag bekunden verschiedene Oppositionsgruppen ihre Solidarität mit dem in der CSSR inhaftierten Dissidenten Václav Havel und weiteren Charta-77-Mitgliedern bekunden.

Das PEN-Zentrum in der Bundesrepublik wendet sich mit einem Aufruf an den Staatspräsidenten der Tschechischen Republik, die inhaftierten Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung Charta 77, unter ihnen der Schriftsteller Vaclav Havel, aus der Haft zu entlassen.

Bei albanischen Protesten gegen eine vom Präsidenten der jugoslawischen Teilrepublik Serbien, Slobodan Milosevic, betriebene Verfassungsreform zur Einschränkung der Autonomie des Kosovo kommt es zu Ausschreitungen, bei denen 29 Menschen getötet werden.

Bei den Wahlen zum ersten sowjetischen Volksdeputiertenkongress können sich die Bürger erstmals zwischen mehreren Kandidaten entscheiden. Zahlreiche reformorientierte Politiker werden gewählt.

April

Der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wird ausgesetzt.

Gesellschaftsvertrag über Reformen zwischen polnischer Regierung und Opposition unterzeichnet.

Deutsch-sowjetische Wirtschaftskommission (Bundesrepublik/UdSSR) tritt in Bonn zusammen.

In der georgischen Hauptstadt Tiflis treten nationalistische Unruhen auf. Demonstranten fordern den Austritt Georgiens aus der UdSSR.

In Ungarn wird das Politbüro der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei aufgelöst und, verstärkt mit Reformern, neu gebildet.

Bundeskanzler Helmut Kohl führt nach heftiger Kritik innerhalb der CDU wegen mehrerer Wahlniederlagen der Partei eine Kabinettsumbildung vor.

Nach sieben Jahren Verbot wird die polnische Gewerkschaft Solidarnosc legalisiert.

Der Bundestag billigt eine Verschärfung des Demonstrationsrechts, die Vermummung und passive Bewaffnung zum Straftatbestand erhebt.

Mai

Die Volksrepublik Ungarn beginnt mit dem Abbau des Eisernen Vorhangs an ihrer Grenze mit Österreich.

Am 7. Mai 1989 sind die DDR-Bürger aufgerufen zur Kommunalwahl, die „Kandidaten der Nationalen Front“ zu wählen. Das Wahlverfahren ist nur scheinbar demokratisch: Auf einer von der SED abgesegneten Einheitsliste stehen die Kandidaten. Zusätzlich wird routinemäßig bei den Kommunalwahlen gefälscht: 98,85 Prozent für die Nationale Front. Zum ersten Mal nehmen Bürgerrechtler Kontrollen vor und machen diese Wahlfälschungen publik.

Am Abend demonstrieren auf dem Leipziger Markt etwa 1.000 Menschen gegen die Manipulation der Kommunalwahlergebnisse. Es kommt zu zahlreichen Festnahmen.

Etwa 550 Menschen versuchen im Anschluss an das Friedensgebet in Leipzig erneut gegen die Wahlfälschung zu demonstrieren; wieder kommt zu Festnahmen.

150 Ausreisewillige demonstrieren in Leipzig für ihre Ausreise.

Zum ersten Mal nach 30 Jahren findet wieder ein Gipfeltreffen zwischen der Sowjetunion und China statt. Der Besuch des sowjetischen Parteichefs Michail Gorbatschow in Peking wird von Studentendemonstrationen begleitet, die die Übernahme der Perestroika in China fordern.

Der tschechische Regimekritiker Vaclav Havel wird nach Verbüßung der Hälfte seiner Freiheitsstrafe aus der Haft entlassen.

Der Litauische Oberste Sowjet erklärt die Unabhängigkeit Litauens.

Die DDR und Polen unterzeichnen einen Vertrag über den genauen Grenzverlauf an der Odermündung.

Richard von Weizsäcker wird zum zweiten Mal zum Bundespräsidenten gewählt.

In der UdSSR wird Michail Gorbatschow vom neu geschaffenen Kongress der Volksdeputierten zum Staatspräsidenten mit besonderen Vollmachten gewählt.

Der neue US-Präsident George Bush besucht die Bundesrepublik. Er bekundet, die USA wollten mit dem Wandel in Osteuropa nicht die „legitimen Sicherheitsinteressen“ der Sowjetunion untergraben.

Juni

In Teheran im Iran stirbt Ayatollah Ruhollah Khomeini. Während seiner Beisetzung kommt es zu massenhysterischen Szenen, bei denen sechs Menschen getötet werden.

Bei den polnischen Parlamentswahlen sind erstmals Oppositionsparteien zugelassen; die Kandidaten der Solidarnosc gewinnen diese ersten freien Wahlen.

Aufruf zum Protest gegen den Massenmord in Peking am 9. Juni 1989 in Ost-Berlin. Die Demonstranten werden sofort festgenommen, verhört und mit Ordnungsstrafen belegt. Der Aufruf war in einem Jugendklub verteilt worden. Der Klubleiter wird am nächsten Tag aus seinem Amt entlassen. Quelle: Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU)

Blutige Niederschlagung der friedlichen Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Mutige Menschen in der DDR, die immer öfter ihre Meinung sagen und den Protest auf die Straße tragen, befürchten eine ähnliche Reaktion der Sicherheitskräfte in der DDR. Sie lassen sich aber nicht den Mund verbieten und erklären sich in zahlreichen Protestaktionen solidarisch mit den chinesischen Oppositionellen.
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Einige Mutige demonstrieren vor der Ost-Berliner Sophienkirche gegen die nachweislich gefälschten Ergebnisse der Kommunalwahlen vom 7. Mai mit Transparenten und einer selbstgebauten Wa(h)lurne. Die Staatssicherheit löst den Demonstrationszug schon nach wenigen Metern auf.
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Die DDR-Volkskammer wertet das Massaker auf dem Pekinger „Platz des himmlischen Friedens“ am 4. Juni als „Niederschlagung einer Konterrevolution“.

Der russische Staatschef Michail Gorbatschow besucht die Bundesrepublik. In einer gemeinsamen Erklärung versichern beide Staaten, man wolle „zur Überwindung der Trennung Europas“ beitragen.

In Ungarn beginnen die Gespräche des Runden Tischs.

Zum dritten Mal wird das europäische Parlament direkt gewählt.

In Budapest wird Imre Nagy in einem feierlichen Akt beerdigt und damit der Aufstand von 1956 „rehabilitiert“. Dieses Begräbnis gibt den Weg frei für das Ende der Diktatur.

Die von Solidarnosc angeführte Opposition gewinnt alle im Sejm verfügbaren Sitze (35 Prozent) und 99 von 100 Sitzen im Senat. Bei den dritten Wahlen zum Europaparlament können sozialistische Gruppierungen Gewinne erzielen, während die Konservativen Verluste hinnehmen müssen. Erstmals ziehen die Republikaner mit 7,1 Prozent der Stimmen in das Parlament ein.

DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker besucht die Sowjetunion und wird von Michail Gorbatschow zu Reformen gedrängt.

Der ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Kollege Alois Mock zerschneiden in einem symbolischen Akt bei Sopron den Stacheldrahtzaun an der gemeinsamen Grenze. Beseitigt werden nur die Grenzsperren, die Grenzkontrollen bleiben. In der DDR löst dies einen verstärkten Urlauber- und Flüchtlingsstrom nach Ungarn aus.

Juli

DDR-Bürger flüchten über Ungarn nach Österreich oder suchen Zuflucht in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin und in den bundesdeutschen Botschaften in Budapest und Prag.

Zwischen der DDR-Regierung und der Bundesregierung wird eine Umweltvereinbarung zur Säuberung der Elbe und zur Verringerung der Luftverschmutzung in der DDR geschlossen.

Der Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, spricht vor dem Europarat in Straßburg.

Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow gesteht auf der ersten Ostblock- Gipfelkonferenz seit 1968 in Bukarest jedem sozialistischen Staat seine eigene Entwicklung zu. Damit verliert die so genannte Breschnew-Doktrin vom November 1968 ihre Gültigkeit. Erich Honecker erleidet während des Treffens eine Gallenkolik und wird mit einer Sondermaschine vorzeitig nach Ost-Berlin zurückgeflogen.

Ungarn baut Grenzbefestigungen zur österreichischen Grenze ab und ermöglicht damit DDR-Bürgern die Flucht.

In Polen wird der Chef der Kommunistischen Partei, General Wojciech W. Jaruzelski, zum Staatspräsidenten gewählt.

Die drei baltischen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen erhalten laut Beschluss des Obersten Sowjet ab 1990 weitgehende wirtschaftliche Autonomie.

Eintrittskarte zum 2. DDR-offener Rap-Contest, 29. Juli 1989 in Radebeul. Archiv Nico Raschick/"Here We Come"

2. DDR-offener Rap-Contest in Radebeul - mit über Tausend Jugendlichen eine der größte HipHop-Veranstaltungen der DDR. Ende der achtziger Jahre sind Rap-Gruppen und Breakdance-Crews auch in den weniger urbanen Gegenden Ostdeutschlands zu finden.
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August

In Ost-Berlin muss die Ständige Vertretung der Bundesrepublik wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen werden.

Zwischen der DDR und der Bundesrepublik wird der regelmäßige Linienflugverkehr aufgenommen.

Die Bonner Botschaft in Budapest muss wegen Überfüllung geschlossen werden. Von dort wollen rund 180 Bürger der DDR ausreisen.

In Sopron, Ungarn, kommt es zur größten Massenflucht von Bürgern der DDR seit dem Mauerbau. Etwa 900 Menschen nutzen das von dem Präsidenten der Paneuropa-Union, Otto von Habsburg, initiierte „Paneuropäische Picknick“ zur Flucht über die „grüne“ ungarisch-österreichische Grenze.

In Prag fordern Demonstranten am 21. Jahrestag der Niederschlagung des Prager Frühlings Demokratie und Freiheit. Die Polizei löst die Demonstration gewaltsam auf.

Die Botschaft der Bundesrepublik in Prag wird wegen Überfüllung geschlossen. Rund 140 Bürger der DDR wollen von dort aus in den Westen übersiedeln.

Zwei Millionen Menschen bilden eine Kette von Vilnius nach Tallinn, um für die Unabhängigkeit der baltischen Staaten zu demonstrieren.

In Polen wird Solidarnosc-Mitbegründer Tadeusz Mazowiecki zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten gewählt. Die DDR-Bürger in der Bonner Botschaft in Budapest werden mit Hilfe des Roten Kreuzes nach Wien ausgeflogen.

Die Initiative zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR wird von Markus Meckel auf einem Seminar „Menschenwürde – Menschenrechte – Menschenpflichten“ vorgestellt.

Der ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth und Außenminister Gyula Horn führen in der Nähe von Bonn Gespräche mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher.

In einem Schreiben an den polnischen Staatspräsidenten Wojciech W. Jaruzelski bekräftigt Bundespräsident Richard von Weizsäcker den Verzicht der Bundesrepublik auf Gebietsansprüche an Polen.

Auf Bitten des Bundesinnenministeriums beginnt Bayern mit der Errichtung von Notaufnahmelagern mit insgesamt 5.000 Plätzen. In der Öffentlichkeit überstürzen sich Meldungen über eine Welle von Umsiedlern.

September

Es wird die Böhlener Plattform, die Gründungserklärung der Gruppe Vereinigte Linke veröffentlicht. In Leipzig findet die erste Montagsdemonstration im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche statt. Es wird mehr Reisefreiheit und die Abschaffung des Ministeriums für Staatssicherheit gefordert. Von nun an finden wöchentlich Montagsdemonstrationen statt. Die legendären Montagsdemonstrationen, die Leipzig den Titel Heldenstadt einbringen sollen, sind geboren.

Frank Eberts Passfoto von 1986. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Auf dem Ostberliner Alexanderplatz wird gegen die Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai protestiert. DDR-Sicherheitskräfte schreiten ein und nehmen etwa 80 Personen vorübergehend fest. Unter den Inhaftierten befindet sich auch Frank Ebert. Er gehört zur letzten Generation der Jugendopposition in der DDR, bevor der Staat aufhört zu existieren, politisiert durch die Ereignisse in Jena Anfang der 1980er Jahre, von denen er durch seine ältere Schwester erfährt.
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V.l.n.r.: Die Mitglieder des Neuen Forums Bärbel Bohley, Jutta Seidel, Katja Havemann. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Hanno Schmidt

Gründungstreffen des Neuen Forum auf dem Grundstück von Katja Havemann in Grünheide.
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Postkarte, die Stefan Ullmann (rechts) nach seiner Ausreise 1985/86 verschickt. Im Bild steht er am Zugang zur Grenzübergangsstelle Friedrichstraße, dem sogenannten Tränenpalast. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Ungarn gibt die Öffnung seiner Grenze zu Österreich für DDR-Bürger um Mitternacht zum 11. September 1989 bekannt. Die Maßnahme löst eine Massenflucht aus. Bis Ende Oktober verlassen etwa 50.000 Menschen über diese Route die DDR in Richtung Bundesrepublik. Es fliehen vor allem junge Leute, Schüler, Studenten, Lehrlinge, junge Arbeiter, oft ohne das Wissen ihrer Eltern, Freunde und Angehörigen
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Gründung der Initiative Demokratie Jetzt.

Die DDR protestiert gegen die Öffnung der ungarischen Grenze für Bürger der DDR und bezeichnet dies als „organisierten Menschenhandel“.

Der DDR-Schriftstellerverband lädt in Ost-Berlin zu einer Diskussion über „40 Jahre DDR“. Rund 200 Mitglieder stimmen für, fünf gegen die Forderung nach „demokratischem Dialog auf allen Ebenen“, darunter Hermann Kant.

Rockmusiker und Liedermacher schließen sich in einer Resolution der Forderung des Neuen Forums nach einem Dialog im Land an. Diese Resolution wird in den folgenden Wochen immer wieder auf Konzerten verlesen. In Leipzig nehmen 1.800 Menschen am Friedensgebet teil; 46 werden danach verhaftet. Rechtsanwalt Rolf Henrich vom Neuen Forum appelliert in der überfüllten Ost-Berliner Samaritergemeinde an die Opposition, gemeinsam zu handeln.

Beim Ministerium des Innern und in elf von fünfzehn Bezirksbehörden der DDR werden Anträge auf Zulassung des Neuen Forum gestellt. Die Synode des Bunds der Evangelischen Kirchen in der DDR in Eisenach fordert Demokratisierung und Reformen in der DDR.

Die westdeutsche Botschaft in Warschau muss wegen Überfüllung mit ausreisewilligen Bürgern der DDR den Publikumsverkehr vorübergehend einstellen.

Die Nachrichtenagentur der DDR, ADN, gibt bekannt, dass das Neue Forum nicht zugelassen wird: „Ziele und Anliegen der beantragten Vereinigung widersprechen der Verfassung der DDR und stellen eine staatsfeindliche Plattform dar.“

Vertreter des Neuen Forum, des Demokratischen Aufbruch, der Vereinigten Linken und weiterer oppositioneller Gruppen treffen sich in Leipzig.

Tausende Menschen protestieren in Leipzig für mehr Reformen und gegen das Verbot des Neuen Forums. Die nächste Demonstration wird für den kommenden Montag verabredet.

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet den mittlerweile etwa 6.000 Botschaftsflüchtlingen in Prag die Genehmigung ihrer Ausreise in die Bundesrepublik.

Oktober

Es findet sich die Gründungsinitiative für eine Grüne Partei zusammen. In der Berliner Samariterkirche soll der Demokratische Aufbruch gegründet werden. Die etwa 80 Teilnehmer werden von Sicherheitskräften am Betreten der Kirche gehindert, treffen sich dann an zwei konspirativ verabredeten Orten, um einen Aufruf, ein Programm und ein Statut zu erarbeiten, welche am 29. Oktober 1989 auf einer Konferenz beschlossen werden sollen.

Aus den bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau werden circa 6.000 Flüchtlinge in verriegelten Sonderzügen in die Bundesrepublik gefahren. Die Züge werden über DDR-Gebiet geleitet, wo Ausreisewillige aufzuspringen versuchen.

Alfred Dregger (CDU) fordert die SED-Spitze auf, nach polnischem und ungarischem Vorbild einen Runden Tisch einzuberufen.

Etwa 20.000 Menschen nehmen an einer Protestdemonstration in Leipzig teil. Die Demonstration wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst.

Besuch von Egon Krenz in China. Er überbringt Glückwünsche zum 40. Jahrestag und würdigt den bisherigen Weg Chinas, was das Massaker an den protestierenden Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking Anfang Juni einschließt.

„Wachet und betet. Mahnwache für die zu Unrecht Inhaftierten“ in der Ostberliner Gethsemanekirche (Oktober 1989). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Aus Protest gegen die Inhaftierungen von Demonstranten der letzten Tage beginnt in der Ostberliner Gethsemanekirche eine Mahnwache. Die Kirche wird im Herbst 89 zum Zentrum des Widerstands und zu einem Brennpunkt der Revolution.
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Die DDR-Regierung setzt den visafreien Reiseverkehr mit der Tschechoslowakei vorübergehend aus.

In der Nacht gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen am Hauptbahnhof in Dresden: Die Polizei riegelt den Bahnhof ab, um zu verhindern, dass Menschen in die Züge einsteigen, die DDR-Flüchtlinge aus den Botschaften in Prag und Warschau in die Bundesrepublik bringen.

Eine von Vertretern oppositioneller Gruppen in Berlin gegründete Kontaktgruppe fordert in einer Erklärung freie und geheime Wahlen unter UNO-Kontrolle.

Weiteren 7.600 Bürgern in der Botschaft in Prag wird die Ausreise gestattet.

Michail Gorbatschow trifft in Ost-Berlin ein. Er nimmt dort an den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung teil.

Mehrere Hundert West-Berliner werden am Vorabend des 40. Jahrestag der DDR an der Einreise in die DDR gehindert. Oppositionsgruppen werden vor demonstrativen Auftritten gewarnt.

Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Gerhard Zwickert

Am Vorabend des 40. Jahrestags der DDR-Gründung lässt sich die SED-Führung ein allerletztes Mal mit einem Fackelzug der FDJ feiern. Schon einen Tag später demonstrieren Zehntausende in den Straßen Ost-Berlins, Leipzigs und in anderen Städten gegen den SED-Staat.
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Revolution bei Wind und Wetter: Aus einzelnen Grüppchen entsteht in der Plauener Innenstadt in kurzer Zeit ein Zug von bis zu 10.000 Menschen (7. Oktober 1989). Quelle: BStU, MfS, Ast. Chemnitz, Abt. XX, 2733

Rund um den 40. Jahrestag der Gründung der DDR finden in der gesamten Republik Demonstrationen gegen die SED-Regierung statt. So auch in der sächsischen Kleinstadt Plauen: Eine der vielen neugegründeten Oppositionsgruppen ruft zu Protesten am 7. Oktober auf, um für die Einhaltung demokratischer Rechte zu demonstrieren. Im Laufe des Tages wächst der Demonstrationszug auf bis zu 10.000 Menschen an.
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Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Zum 40. Jahrestag der DDR gerät eine neue Währung in Umlauf: der 40-Quark-Schein. Auf der Vorderseite ist der sowjetische Diktator Stalin abgebildet, auf der Rückseite ein durch Waldsterben entnadelter Wald, dessen Silhouette in ein Industriegebiet mit qualmenden Schornsteinen übergeht. Als Vorlage diente ein DDR-Geldschein. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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"Geprügelt für das Wohl des Volkes...." Tausende waren am Abend des 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin auf die Straße gegangen, um demokratische Grundrechte einzufordern. Die DDR-Führung ließ uniformierte und zivilie "Ordnungshüter" aufmarschieren, die massiv gegen die Demonstranten vorgingen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Nikolaus Becker

Parallel zu den offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR finden in der gesamten Republik Demonstrationen statt, auf denen Zehntausende für Meinungsfreiheit und Reformen eintreten. Die größten in Berlin. Die Demonstrationen werden brutal aufgelöst und dabei über 1.000 Menschen festgenommen.
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Gründung der Sozialdemokratischen Partei (SDP) in Schwante bei Berlin, zu der am 24. Juli 1989 aufgerufen wurde. Der später als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit enttarnte Ibrahim Böhme wird Geschäftsführer.

Es kommt zur Gründung der Gruppe der 20 in Dresden. Sie führt die ersten Verhandlungen mit der Stadtverwaltung und der SED über eine Umgestaltung der Stadt und des Landes.

In Budapest löst sich als erste regierende kommunistische Partei die ungarische KP auf.

Immer wieder montags: Über 70.000 Menschen beteiligen sich am 9. Oktober 1989 an der Montagsdemonstration in Leipzig. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Aram Radomski

In Leipzig demonstrieren etwa 70.000 Menschen. Polizei, Militär und Betriebskampfgruppen, die vorher hier zusammengezogen wurden, greifen nicht ein. An diesem Tag setzt sich die Bevölkerung erstmals auf offener Straße dem Staat gegenüber durch. Die Ereignisse in Leipzig sind ein Signal für mutige Bürger in der gesamten DDR.
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In der Berliner Umwelt-Bibliothek erscheint die erste Ausgabe des telegraph. Die zweite Ausgabe erscheint bereits einen Tag später und die dritte schließlich am 15. Oktober.

Die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei wird aufgelöst. Ihr folgt die Ungarische Sozialistische Partei.

Das Politbüro des Zentralkomitees der SED veröffentlicht eine Erklärung, in der verschlüsselt ein Dialog angeboten wird.

Manfred Gerlach (LDPD) stellt das Machtmonopol der SED in Frage. Rechtsanwalt Wolfgang Vogel fordert die Freilassung aller Verhafteten.

In der Berliner Elisabethgemeinde findet ein erstes überregionales Koordinierungstreffen des Neuen Forums statt. Man einigt sich darauf, sich nicht als Partei zu organisieren, sondern als Bürgerbewegung mit Gruppen im ganzen Land. Ein Programm will man nicht vorgeben, sondern gemeinsam erarbeiten. Auf Bezirksebene sollen Sprecher gewählt werden, die zusammen mit Vertretern von Fachgruppen zunächst provisorisch einen Landessprecherrat bilden. In einem Offenen Brief ruft die SPD zur Bildung von Ortsgruppen auf.

Vaclav Havel wird die Reise nach Frankfurt am Main zur Entgegennahme des Friedenspreises des deutschen Buchhandels untersagt.

In Leipzig versammeln sich 150.000 Menschen zur Montagsdemonstration. Die Sicherheitskräfte greifen nicht ein, obwohl die Niederschlagung vorbereitet ist.

An der Ostberliner Humboldt-Universität diskutieren 4.000 Studenten. Die FDJ versucht, sich an die Spitze der Reformbewegung zu stellen. Im Geräte und Regler Werk Teltow wird die Gründung einer unabhängigen Betriebsgewerkschaft Reform bekannt gegeben.

DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker tritt zurück. Sein Nachfolger als Generalsekretär des Zentralkomitees der SED wird Egon Krenz. Die Politbüromitglieder Günter Mittag und Joachim Herrmann werden aus ihren Ämtern entlassen.

Bundeskanzler Helmut Kohl äußert sich zum Führungswechsel in Ost-Berlin dahingehend, Egon Krenz sei daran zu messen, ob er nur das Machtmonopol der SED verteidigen werde oder endlich den Weg zu überfälligen Reformen frei mache.

Egon Krenz muss sich mehrere Stunden lang scharfe Kritik im Ostberliner Maschinenbaukombinat „7. Oktober“ anhören. Bei einem Treffen von Egon Krenz mit dem Vorsitzenden der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR kommt man überein, dass „der Dialog nicht durch unbedachte Handlungen (…) gefährdet oder gar unmöglich gemacht wird“.

40.000 Menschen demonstrieren in Plauen. Auch in anderen Städten gibt es große Demos. In Ost-Berlin zieht sich wegen der Übergriffe beim Staatsjubiläum eine Menschenkette um das Polizeipräsidium. Das Landeskirchenamt Sachsen dokumentiert mehr als 100 Fälle von angewandter Staatsgewalt in Polizeirevieren, Gefängnissen und Kasernen.

In Dresden erweitert sich die Gruppe der 20 um verschiedene Arbeitsgruppen durch Mitarbeiter des Ökologischen Arbeitskreises der Dresdner Kirchenbezirke. In Leipzig demonstrieren etwa 300.000 Menschen.

Die Volksrepublik Ungarn wird vor jubelnden Menschenmassen in „Republik Ungarn“ umbenannt.

V.l.n.r.: Ehrhart Neubert, Jürgen Gernentz, Marianne Birthler, Werner Fischer, Christoph Singelnstein, Angelika Barbe, Reinhard Schult, Walter Schilling. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Oppositionelle Gruppen halten im Gemeindehaus Fennpfuhl eine Pressekonferenz ab. Sie informieren über den Polizeieinsatz am 7. und 8. Oktober 1989 auf der Schönhauser Allee und übergeben dem Vizegeneralstaatsanwalt von Berlin, Klaus Voß, eine hundertseitige Dokumentation mit Erlebnis- und Tatsachenberichten zu den Vorfällen um den 7. Oktober. Wenig später gründen sie eine unabhängige Untersuchungskommission.
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Egon Krenz wird zum Vorsitzenden des Staatsrats und des Nationalen Sicherheitsrats gewählt. In Ost-Berlin sitzen erstmals Opposition und SED auf einem Podium: Markus Wolf, Stefan Heym, Christoph Hein, Bärbel Bohley. Das Fernsehen der DDR überträgt die Debatte.

Rechtsanwaltkollegien fordern unter anderem die Einführung einer Verfassungs- und Verwaltungsgerichtsbarkeit und ein neues Wahlrecht.

Günther Schabowski (SED) diskutiert mit Jens Reich und Sebastian Pflugbeil. Für die Anerkennung des Neuen Forum sei er nicht zuständig. In Dresden findet eine Demonstration mit 100.000 Teilnehmern statt, in Erfurt eine mit 30.000, in Rostock eine mit 25.000 und in Gera eine mit 5.000.

Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper

Im Herbst 89 finden in ganz Ostdeutschland Protestkundgebungen statt. Zu einer der größten versammeln sich am 26. Oktober 1989 in Dresden 100.000 Menschen auf der "Cockerwiese" und verlangen von der Parteifürung des Bezirks Antworten auf ihre Fragen. Hans Modrow, der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden muss sich den Fragen der Bürger stellen.
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Der DDR-Staatsrat verkündet eine weitgehende Amnestie für Flüchtlinge und inhaftierte Teilnehmer nichtgenehmigter Demonstrationen. Manfred Wekwerth, der Präsident der Ostberliner Akademie der Künste, fordert in einem Brief an den Präsidenten der Volkskammer die Rehabilitierung von Walter Janka und eine Untersuchungskommission für die Übergriffe am 7. Oktober.

Landesweite Konstituierung der Oppositionsgruppe Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM). Der Schauspieler Ulrich Mühe ließt im überfüllten Deutschen Theater in Ost-Berlin aus Walter Jankas in Westdeutschland erschienenen Buch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“.

In Prag werden Demonstrationen zur Erinnerung an den 71. Jahrestag der Gründung einer unabhängigen Tschechoslowakei von der Polizei zerschlagen.

Vor dem Rathaus in Ost-Berlin finden sich Tausende zum „Dialog“ ein. Der Demokratische Aufbruch konstituiert sich. Der später als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit enttarnte Rechtsanwalt Wolfgang Schnur wird zum Vorsitzenden gewählt.

In Leipzig demonstrieren mehr als 300.000 Menschen. Die Sendung „Der schwarze Kanal“ des SED-Chef-Kommentators Karl-Eduard von Schnitzler wird nach fast 30 Jahren aus dem Programm genommen.

Egon Krenz reist nach einer Aufforderung nach Moskau und trifft Michail Gorbatschow.

November

Zahlreiche DDR-Funktionäre treten zurück, darunter der Chef des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds, Harry Tisch, die Volksbildungsministerin Margot Honecker und die Vorsitzenden von CDU und NDPD.

In einer Fernsehansprache kündigt Egon Krenz ein Aktionsprogramm zur Verwirklichung der „Wende“ an – und den Rücktritt von Hermann Axen, Kurt Hager, Erich Mielke, Erich Mückenberger und Alfred Neumann aus dem Politbüro. Die Kontaktgruppe der oppositionellen Gruppen veröffentlicht einen gemeinsamen Katalog. Sie fordern eine Verfassungsreform, die Abschaffung der Führungsrolle der SED, freie und geheime Wahlen sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Die DDR-Regierung beschließt, dass Bürger der DDR das Land ohne Formalitäten über das Gebiet der Tschechoslowakei verlassen können. Daraufhin kommt es in den folgenden Tagen zu einer erneuten Ausreisewelle.

Über eine halbe Million Menschen auf der Zielgeraden: Großdemonstration für Reformen und Demokratie auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin (4. November 1989). Quelle: [M] Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1104_POL-Demo_27

An der größten Protestdemonstration der DDR-Geschichte auf dem Berliner Alexanderplatz nehmen hunderttausende Menschen teil. Das DDR-Fernsehen überträgt die Veranstaltung direkt. Wolf Biermann, der von West-Berlin aus einzureisen versucht, wird an der Grenze abgewiesen.
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Die Gründungsinitiative für eine Grüne Partei stellt sich vor.

Der Entwurf für ein Reisegesetz wird veröffentlicht. In Leipzig demonstrieren Hunderttausende von Bürgern der DDR für unbeschränkte Reisemöglichkeiten, die Aufgabe des Führungsanspruchs der SED und für freie Wahlen.

Der Ministerrat der DDR tritt zurück. Eine offizielle Untersuchungskommission zu den Übergriffen am 7. und 8. Oktober nimmt ihre Arbeit auf.

Rücktritt des SED-Politbüros. Das Neue Forum wird vom Innenministerium als Vereinigung registriert.

Resolution des Bundestags zur polnischen West-Grenze.

Zwischen 1961 und 1989 siedelten insgesamt knapp 500.000 DDR-Bürger mit Genehmigung in die Bundesrepublik über, 15.287 wurden von der Bundesregierung frei gekauft, 460.000 flüchteten. In der DDR leben nun nur noch 16,43 Millionen Menschen – historischer Tiefststand.

Der Tag, der Geschichte schreibt: Am 9. November 1989 feiern Jugendliche am Grenzübergang Friedrichstraße die Öffnung der Mauer. Quelle: REGIERUNGonline/Klaus Lehnartz

Fall der Berliner Mauer und Öffnung der Grenzen.
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Bulgariens Staats- und Parteichef Todor Schiwkow macht Reformern Platz.

Kundgebung vor dem Rathaus Schöneberg zum Mauerfall. Beifall von 20.000 Berlinern für Willy Brandt und Walter Momper, Pfiffe für Helmut Kohl.

Millionen drängen sich durch die Grenzen. Der Verkehr in den grenznahen Gebieten bricht teilweise zusammen. Zu Verzögerungen kommt es besonders bei der Auszahlung des Begrüßungsgelds.

In mehreren Städten der DDR finden Kundgebungen und Versammlungen der SED statt, auf denen die Basis eine „Erneuerung der Partei von unten“ fordert.

Volkskammerpräsident Horst Sindermann tritt zurück, sein Nachfolger wird Günther Maleuda. Hans Modrow wird, als Nachfolger des am 7. November zurückgetretenen Willi Stoph, neuer DDR-Ministerpräsident. Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit der DDR, erklärt vor den Volkskammerabgeordneten: „Ich liebe, ich liebe doch alle, alle Menschen …“. Das Zentralkomitee der SED beschließt auf Druck der Parteibasis statt einer Parteikonferenz die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags im Dezember. In Leipzig nehmen 200.000 Menschen an der Montagsdemonstration teil. Auch in Karl-Marx-Stadt, Dresden, Cottbus, Magdeburg, Neubrandenburg und Schwerin finden Großdemos statt. Die DDR hebt die Sperrzonen entlang der Berliner Mauer, der innerdeutschen Grenze und in den Küstengewässern auf.

Die Akademie der Wissenschaften beschließt posthum die Rehabilitierung von Ernst Bloch und Robert Havemann.

Ungarn stellt als erstes Mitglied des Warschauer Paktes einen Aufnahmeantrag für den Europarat.

Bundeskanzler Helmut Kohl sichert der DDR wirtschaftliche Hilfe zu, sobald ein grundlegender Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems vollzogen wird.

Regierungserklärung von Hans Modrow. Er präsentiert sich als Chef einer Koalitionsregierung von SED, LDPD, CDU, Bauernpartei und NDPD. Hans Modrow schlägt eine Vertragsgemeinschaft zwischen Bundesrepublik und DDR vor. Er kündigt an, das MfS durch ein verkleinertes Amt für Nationale Sicherheit zu ersetzen. Erste landesweite Studentendemonstration in Ost-Berlin: 10.000 fordern die Anerkennung autonomer Studentenräte und die Abschaffung des Marxismus/Leninismus-Unterrichts.

Mit über 50.000 Demonstranten größte Demonstration seit 20 Jahren in Prag.

Generalstaatsanwalt Wendland übt vor der Volkskammer Selbstkritik wegen der Übergriffe am 7. und 8. Oktober. Insgesamt seien 3.456 Personen zugeführt worden, 296 waren kurzzeitig inhaftiert, 480 Anzeigen wegen Misshandlungen und Beleidigungen würden noch überprüft. Nachdem sich am 5. November eine Grüne Partei in der DDR gegründet hat, rufen Gegner einer solchen Parteibildung zur Schaffung einer Grünen Liga auf. Die Volkskammer setzt einen „Untersuchungsausschuss Amtsmissbrauch“ zur Überprüfung der Privilegien der SED-Funktionäre ein. Das Ministeriums für Staatssicherheit wird in Amt für Nationale Sicherheit umdeklariert.

Die Regierungschefs der EG treffen in Paris zusammen, um die Entwicklung in Osteuropa zu erörtern.

Demonstrationen in Ost-Berlin, Dresden, Plauen, Eberswalde und Suhl gegen den SED-Führungsanspruch, für Wirtschaftsreformen und Umweltschutz.

Vaclav Havel wird Vorsitzender des neu gegründeten Bürgerforums „OF“ in der ČSSR.

Kanzleramtsminister Rudolf Seiters nennt Hans Modrow und Egon Krenz Bedingungen für ökonomische Hilfe: freie Wahlen, Zulassung von Parteien, Wegfall des SED-Führungsanspruchs, Einführung marktwirtschaftlicher Instrumente, Einrichtung eines Devisenfonds, Wegfall des Zwangsumtauschs und Reiseerleichterungen für BRD-Bürger.

In Leipzig nehmen 250.000 Menschen an der Montagsdemonstration teil, in Halle 50.000, in Karl-Marx-Stadt 80.000, in Döbeln 2.500. In Neubrandenburg, Cottbus, Dresden, Berlin, Crottendorf, Zwickau, Bautzen, Werdau und Schwerin finden ebenfalls Großdemos.

Auf dem Parteikongress der KP in Bukarest lehnt der rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu jegliche Reformen ab.

Hunderttausende demonstrieren in Prag gegen das Machtmonopol der Kommunisten.

Das SED-Politbüro schlägt den Blockparteien und der Opposition Gespräche am „Runden Tisch“ vor. Die Evangelische Kirche begrüßt die Idee.

Der DDR-Ministerrat beschließt Zollkontrollen gegen den Ausverkauf von DDR-Produkten durch Besucher aus anderen Ländern. Günter Mittag, bis zum 18. Oktober Zentralkomitee-Sekretär für Wirtschaft, wird aus der SED ausgeschlossen. Gegen Erich Honecker wird ein Parteiverfahren eingeleitet. Der Berliner Bezirksverband des Schriftstellerverbands nimmt neun im Juni 1979 ausgeschlossene Mitglieder wieder auf und entschuldigt sich für das Unrecht.

Die Führung der Tschechoslowakischen KP tritt zurück. Am 29.11. wird der Führungsanspruch der Partei aus der Verfassung der CSSR gestrichen.

Egon Krenz kündigt die Streichung der führenden Rolle der SED aus der Verfassung an. Walter Janka wird rehabilitiert. Gründungsveranstaltung der Grünen Liga in Berlin.

Das Neue Forum veranstaltet eine zweitägige Wirtschaftskonferenz.

Namhafte Intellektuelle und Reformer treten mit dem Aufruf „Für unser Land“ dafür ein, die Eigenständigkeit der DDR zu bewahren und damit eine „sozialistische Alternative zur Bundesrepublik“ zu schaffen. Der Aufruf des Initiativkomitees zur Gründung eines autonomen Frauenverbandes der DDR (später UFV) erscheint. Der Gründungsaufruf der Grünen Liga wird veröffentlicht. Robert Havemann, Rudolf Herrnstadt, Lex Ende und Walter Janka werden von der SED rehabilitiert.

Die Leipziger Montagsdemonstration wird ganz von schwarz-rot-goldenen Fahnen ohne DDR-Emblem bestimmt.

Generalstreik in der Tschechoslowakei.

Bundeskanzler Helmut Kohl legt ein Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas vor. Der Bundestag stimmt (bis auf die Grünen) zu.

Die Bundesregierung beginnt, ihren Zehn-Stufen-Plan in aller Welt zu diskutieren. Das sowjetische Außenministerium sieht Einmischungselemente in die inneren Angelegenheiten der DDR. Michail Gorbatschows Berater Salagdin betont, die Sowjetunion werde auf die sicherheitspolitische Schlüsselrolle der DDR nicht verzichten. Die polnische Regierung befürchtet, dass mit einer Wiedervereinigung die polnische West-Grenze gefährdet würde. Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Schamir erläutert seine Skepsis.

Die Regierung Modrow legt ein neues Reisegesetz vor. Das SED-Politbüro schlägt als ersten Termin für einen Runden Tisch den 7. Dezember vor. Der SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzende Egon Krenz sowie der DDR-Ministerpräsident Hans Modrow schließen sich dem Aufruf „Für unser Land – zur Bewahrung der Eigenständigkeit der DDR“ an.

Der Vatikan kündigt ständige diplomatische Kontakte mit der Sowjetunion an.

In Bad Homburg ermorden Terroristen der RAF den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen.

Die Regierung Modrow bedauert die sowjetische Invasion 1968 in der CSSR. Die DDR-Vizeministerpräsidentin für Wirtschaft, Christa Luft, beziffert die DDR-Auslandsverschuldung mit 19 Milliarden Dollar, der neun Milliarden Dollar an Guthaben gegenüber stünden.

Der russische Staatschef Michail Gorbatschow warnt Bundeskanzler Helmut Kohl von Italien aus: „Es darf nicht zugelassen werden, dass plumpes Verhalten oder provokative Erklärungen dem derzeitigen epochalen Wandel einen Schaden zufügen“. Für US-Außenminister James A. Baker ist eine Wiedervereinigung nur denkbar, wenn die DDR in die NATO geht. Die tschechoslowakische Regierung gibt den Abbau der Grenzsperren zu Österreich bekannt.

Dezember

Bundeskanzler Helmut Kohl protestiert in einem Schreiben an Israels Ministerpräsident Yitzhak Schamir, dass dieser zum wiederholten Male erklärt, von einem vereinigten Deutschland könne eine tödliche Gefahr für die Juden ausgehen.

Der Führungsanspruch der SED wird aus der DDR-Verfassung gestrichen.

Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1201-047/Waltraud Grubitzsch

Zum ersten mal nach seiner Ausbürgerung 1976 kann Wolf Biermann wieder in der DDR auftreten. Am 1. Dezember 1989 wird er in der Leipziger Messehalle 2 von den etwa 5.000 Besuchern mit einem Beifallsorkan empfangen.
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Ein Bericht des Untersuchungsausschusses der DDR-Volkskammer legt Korruption in der SED-Spitze offen. Daraufhin kommt es im Parlament zu tumultartigen Szenen.

Präsident George Bush (USA) und Generalsekretär Michail Gorbatschow (UdSSR) treffen auf Malta zusammen.

Das Zentralkomitee der SED und das Politbüro unter Egon Krenz treten zurück. Eine Menschenkette durchspannt nahezu die gesamte DDR von Nord nach Süd. Man will ein Zeichen für eine friedliche und demokratische Erneuerung der DDR setzen. In der Berliner Volksbühne wird der UFV gegründet. 1.200 Frauen nehmen teil. Staatssicherheitsminister Erich Mielke wird wegen „Schädigung der Volkswirtschaft“ in Untersuchungshaft genommen.

In Erfurt, Rathenow und Leipzig dringen Bürger in das Gebäude des Staatssicherheitsdienstes ein, um die Vernichtung von Stasi-Akten zu verhindern.

Die DDR-CDU und die LDPD erklären ihren Austritt aus dem Demokratischen Block der Parteien und der Massenorganisationen.

Sturm auf die Bastionen: Am 4. Dezember 1989 fordern Montagsdemonstranten in Leipzig Einlass in die MfS-Bezirksverwaltung. Foto: ullstein bild - Weber

In Leipzig, Rathenow und Erfurt dringen Bürger in das Gebäude des Staatssicherheitsdienstes ein, um die Vernichtung von Stasi-Akten zu verhindern. In Leipzig besetzen Bürgerrechtler während der Montagsdemonstration am 4. Dezember 1989 das Gebäude und gründen tags darauf ein Bürgerkomitee.
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In der DDR wird die Aufhebung des Mindestumtauschs und der Visumspflicht für Bundesbürger zum 1. Januar 1990 verkündet.

In West-Berlin stellt sich der DDR-Devisenbeschaffer und Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel, Alexander Schalck-Golodkowski, der Polizei. In der DDR wird gegen ihn der Vorwurf der „Veruntreuung von Volkseigentum“ erhoben.

Egon Krenz legt die Ämter des Vorsitzenden des Staatsrats und des Nationalen Verteidigungsrats nieder. Sein Nachfolger wird der Vorsitzende der LDPD, Manfred Gerlach. Mit ausschließlich gegen die SED gerichteten Losungen und der Forderung nach Wiedervereinigung treten im Vogtland Betriebsbelegschaften in einen kurzen Warnstreik. Ein ursprünglich vom Neuen Forum Karl-Marx-Stadt für diesen Tag anvisierter Generalstreik wird von der Gruppe zurückgezogen.

Am 7. Dezember wird unter Vorsitz der Kirchenvertreter Martin Ziegler, Karl-Heinz Ducke und Martin Lange der Zentrale Runde Tisch in Ost-Berlin eröffnet. Er arbeitet bis zum 12. März 1990. Nach seiner Gründung gibt es auch regionale und thematische Runde Tische. V.l.n.r. sitzend: Gerd Poppe (IFM), Wolfgang Ullmann, Ulrike Poppe (beide Demokratie Jetzt), Ingrid Köppe, Rolf Henrich (beide Neues Forum), Carlo Jordan (Grüne Partei). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Zöllner

Erste Sitzung des Runden Tischs in Berlin.
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Gegen verschiedene SED-Spitzenfunktionäre wie Erich Honecker, Erich Mielke und Willi Stoph werden Ermittlungen wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs und der Korruption eingeleitet.

Überraschend tritt der vorgezogene außerordentliche Parteitag der SED in Berlin zusammen. Die Delegierten entscheiden sich gegen die Auflösung der Partei. Gregor Gysi wird zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die Partei entschuldigt sich beim Volk, dass die „ehemalige Führung der SED unser Land in diese existenzgefährdende Krise geführt hat.“

Auf dem EG-Gipfel in Straßburg erkennen die Staats- und Regierungschefs in einer Grundsatzerklärung zum Wandel in Mittel- und Osteuropa prinzipiell das Recht der Deutschen auf Einheit an.

Gustav Husak vereidigt die neue Regierung der Tschechoslowakei, die von Nichtkommunisten angeführt wird. Danach tritt er zurück. In Oslo und Stockholm werden die Nobelpreise verliehen. Der Friedensnobelpreis geht an den 14. Dalai Lama. Der tibetische Religionsführer tritt für den gewaltfreien Widerstand gegen die chinesische Besetzung seines Landes ein.

Erstmals seit 18 Jahren treffen sich die Botschafter der Vier Mächte im ehemaligen Gebäude des Alliierten Kontrollrats in West-Berlin. Als Warnung gegen ungeduldige Vereinigungsbestrebungen sprechen die Außenminister in ihrer Erklärung von der Stabilität, die in und um Berlin gewahrt bleiben müsse.

Bei den traditionellen Montagsdemonstrationen in der DDR wird erstmals der Ruf nach Wiedervereinigung deutlich.

Der amerikanische Außenminister, James A. Baker, trifft in West-Berlin mit Helmut Kohl zusammen. James A. Baker schlägt eine neue Architektur in Europa vor. Die Teilung Deutschlands und Berlins müsse im Rahmen der Teilung Europas überwunden werden, wobei die Sicherheit Amerikas an die Europas gebunden bleibe. In Potsdam erörtert James A. Baker diese Grundsätze auch mit Hans Modrow.

DDR und Bundesrepublik einigen sich auf eine gemeinsame Wirtschaftskommission. Die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (DJ) legt einen Dreistufenplan zur deutschen Einheit vor.

Auf dem Sonderparteitag der DDR-CDU wird der am 12. November gewählte Parteivorsitzende Lothar de Maizière bestätigt.

Gründungsparteitag des Demokratischen Aufbruchs, Vorsitzender wird Wolfgang Schnur. Auf dem außerordentlichen Parteitag der SED beschließt man die Partei in SED-PDS umzubenennen. Es werden Kommissionen zur Überarbeitung von Programm und Statut einberufen.

In den westrumänischen Städten Temesvar und Arad bricht der offene Widerstand gegen das Ceaucescu-Regime aus. Während sich die Armee schließlich auf die Seite der Bevölkerung stellt, setzt der rumänische Staatssicherheitsdienst „Securitate“ den Kampf selbst dann noch fort, als am 22.12. der Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu gestürzt wird. Am 25. 12. werden Ceausescu und seine Frau von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet. Am 26.12. wird die Securitate zur Aufgabe gezwungen.

Die SPD verabschiedet auf ihrem Parteitag in West-Berlin ein neues Programm. Es löst das Godesberger Programm ab.

In Berlin findet die zweite Sitzung des Zentralen Runden Tischs statt. Es werden weitere Arbeitsgruppen eingerichtet und eine Stellungnahme zum Besuch von Helmut Kohl in Dresden abgegeben.

In Ost-Berlin demonstrieren circa 50.000 Menschen nach einem Aufruf oppositioneller Gruppen gegen den „Ausverkauf der DDR“.

In Dresden treffen Bundeskanzler Helmut Kohl und Ministerpräsident Hans Modrow zu Gesprächen zusammen. Beide Regierungschefs vereinbaren Verhandlungen über eine deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft. Helmut Kohl wird in Dresden von großen Menschenmassen begrüßt, die für die Einheit demonstrieren.

Demonstrativ besucht der französische Präsident François Mitterand die DDR. In zahlreichen Äußerungen macht er klar, dass er für den Fortbestand der DDR eintritt.

In Panama marschieren US-Truppen ein, um General Manuel Noriega zu stürzen und unter dem Vorwurf des Drogenhandels zur Verantwortung zu ziehen.

Der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wird aufgehoben.

Eine offiziell organisierte Demonstration schlägt in Bukarest in eine Anti-Ceausecsu-Kundgebung um.

Öffnung des Brandenburger Tors in Berlin, vorerst nur für Fußgänger.

Visafreies Reisen von Westdeutschen und Westberlinern in die DDR. Alle politischen Gefangenen der DDR, die aus der Bundesrepublik oder West-Berlin stammen, werden freigelassen.

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und sein tschechischer Amtskollege Jiri Dienstbier schneiden in einem symbolischen Akt den Grenzzaun zwischen beiden Staaten am Übergang Waidhaus-Roßhaupt durch.

Tagung des Runden Tischs. Unter anderem wird an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob sie am 7. Dezember die Vernichtung von Unterlagen des Ministerium für Staatssicherheit angeordnet habe.

Alexander Dubcek wird zum Parlamentspräsidenten – und einen Tag später der Schriftsteller Vaclav Havel zum neuen Staatspräsidenten der Tschechoslowakei gewählt.

Das polnische Parlament ändert den Staatsnamen in Republik Polen.


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