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Chronik

1984

Januar

1984 verlassen 40.974 Menschen der DDR in Richtung Bundesrepublik.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gehen aufeinander zu. US-Präsident Ronald Reagan erklärt in einer Ansprache, dass das Jahr 1984 Gelegenheiten für den Frieden bringen werde. George Shultz erklärt nach einem Außenminister-Treffen beider Seiten am 18. Januar, dass das Eis gebrochen sei. Am 24. Januar schließlich schlägt KPdSU-Chef Jurij Andropow in einem Prawda-Interview wiederum versöhnliche Töne gegenüber den Vereinigten Staaten an.

In Stockholm wird die Konferenz über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (KVAE) eröffnet. Die Zusammenkunft dieses Gremiums wurde auf der KSZE-Folgekonferenz 1983 in Madrid beschlossen. Vertreten sind alle 35 Staaten, die die KSZE-Schlussakte von Helsinki unterzeichnet haben.

Bei einem Besuch in Israel prägt Bundeskanzler Helmut Kohl die Formel von der „Gnade der späten Geburt“.

Februar

In Stuttgart-Stammheim beginnt der Prozess gegen die RAF-Terroristen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt. Ihnen wird unter anderem die Ermordung des Vorstandssprechers der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, 1977 vorgeworfen.

Der sowjetische Staats- und Parteichef Jurij Andropow stirbt in Moskau. Sein Nachfolger wird am 13. Februar der 72-jährige Konstantin Tschernenko. Am Vorabend der Beisetzungsfeierlichkeiten für Jurij Andropow am 13. Februar treffen Helmut Kohl und Erich Honecker in Moskau erstmals persönlich zusammen.

März

Eine Delegation der SPD-Bundestagsfraktion hält sich zu einem Besuch der DDR-Volkskammer in Ost-Berlin auf. Es ist der erste offizielle Meinungsaustausch von Abgeordneten aus beiden deutschen Staaten.

Bei ihrem jährlichen Treffen verabreden Erich Honecker und Hans-Jochen Vogel die Bildung einer SED/SPD-Arbeitsgruppe zur Diskussion einer Chemiewaffen-freien Zone.

April

35 DDR-Bürger, die vor fünf Wochen in die bundesdeutsche Botschaft in Prag flüchteten, kehren in die DDR zurück, nachdem ihnen die baldige Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland zugesichert wurde.

An den Ostermärschen der Friedensbewegung nehmen in der Bundesrepublik 600.000 Menschen teil.

Mai

Das Oberlandesgericht Stuttgart verkündet mit dreimal lebenslanger Haft für den ehemaligen RAF-Angehörigen Peter Jürgen Boock das bislang härteste Urteil in einem Terroristen-Prozess.

Die geplante DDR-Tournee des bundesdeutschen Rockmusikers Udo Lindenberg wird von der FDJ abgesagt, da der Musiker sich weigert, sein Programm nach den Wünschen der Funktionäre auszurichten.

Der Bitterfelder Kreisjugendpfarrer Jürgen Kohtz und Michael Beleites organisieren einen Protestmarsch von Bitterfeld über Greppin nach Wolfen. Damit wollen sie auf die Umweltzerstörung in der Region aufmerksam machen.

Passfoto von Christian Halbrock (1985). Dieses Foto verwendet das MfS in einer Dokumentation über die Mitglieder der UB. Quelle: BStU, MfS, BV Berlin Abt. XX - 2746

Der Bitterfelder Kreisjugendpfarrer Jürgen Kohtz und Michael Beleites organisieren einen Protestmarsch von Bitterfeld über Greppin nach Wolfen. Damit wollen sie auf die Umweltzerstörung in der Region aufmerksam machen. Unter den Teilnehmern ist auch der 21 Jahre alte Christian Halbrock.Seit 1983 ist er im Umweltkreis der Evangelischen Studentengemeinde in Berlin aktiv und beteiligt sich an zahlreichen Aktionen0 gegen die Umweltverschmutzung in der DDR. Ab 1986 ist Halbbrock Gründungsmitglied der Ost-Berliner Umweltbibliothek, dort will er aktiv sein, nicht nur diskutieren.
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Juni

Bei dem Besuch des südafrikanischen Ministerpräsidenten Pieter Willem Botha in Bonn kommt es zu Protestkundgebungen gegen die Apartheid-Politik der weißen Minderheitsregierung in Südafrika.

In zehn Ländern der EG findet die zweite Direktwahl zum Europäischen Parlament statt.

Die Volkskammer wählt Egon Krenz und Günter Mittag zu stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden.

Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin stellt den öffentlichen Besucherverkehr wegen „Überlastung“ ein. Mehr als 50 DDR-Bürger halten sich in der Vertretung auf und wollen von dort ihre Ausreise erzwingen. Am 31. Juli wird die Vertretung unter verstärkten Sicherheitsmaßnahmen wieder geöffnet.

Staatsbesuch des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme in der DDR. In einer gemeinsamen Erklärung mahnen Olof Palme und sein Gastgeber, Erich Honecker, die notwendige Fortführung der Entspannungspolitik zwischen Ost und West an.

Juli

Der Verteidigungsminister besucht erstmals die Bausoldaten. Er lobt ihren Beitrag zum Bau des Eisenbahnfährhafens auf Rügen. Die Geste soll die Kirchen in der DDR besänftigen.

In einer Wohnung in Frankfurt am Main werden sechs mutmaßliche Mitglieder der RAF festgenommen, unter ihnen Helmut Pohl, der von den Sicherheitsbehörden zu den führenden Köpfen der Terroristenvereinigung gezählt wird.

Die 3. European Nuclear Disarmament-Convention beginnt in Perugia, Italien. Friedensengagierte aus der DDR, Polen und anderen Ostblockstaaten, die nicht staatlich organisiert sind, erhalten keine Reisegenehmigung. Sie können sich nur schriftlich beteiligen.

Die Bundesrepublik garantiert der DDR einen Kredit über 950 Millionen D-Mark. Gleichzeitig werden Erleichterungen im innerdeutschen Verkehr bekannt gegeben.

Die Olympischen Sommerspiele finden in Los Angeles, USA, statt. Mit Ausnahme Rumäniens sagen alle Ostblockstaaten die Teilnahme ab, weil die Sicherheit der Sportler nicht gewährleistet sei. Inoffiziell wird das Ausbleiben als Revanche für den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980 gewertet.

September

Erich Honecker sagt seine für die Zeit vom 26. bis 30. September geplante Besuchsreise in die Bundesrepublik ab.

SED und SPD beginnen Gespräche über eine Chemiewaffen-freie Zone in Zentraleuropa.

Frankreichs Staatspräsident François Mitterand und Bundeskanzler Helmut Kohl reichen sich auf dem Schlachtfeld von Verdun in Gedanken an die Toten des Ersten Weltkriegs die Hände.

Oktober

Die Botschaft der Bundesrepublik in Prag, in der sich über 150 ausreisewillige DDR-Bürger aufhalten, wird wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen. Auch in Bukarest, Warschau und Budapest haben DDR-Bürger in den diplomatischen Vertretungen Schutz gesucht.

Der polnische Geheimdienst ermordet den Priester Jerzy Popieluszku wegen seiner Unterstützung der Solidarnosc, Hunderttausende nehmen am Begräbnis teil.

November

Ronald Reagan wird mit großer Mehrheit erneut zum Präsidenten der USA gewählt.

Die DDR baut die letzten Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze ab.

Dezember

Tagung der Außenminister der Warschauer-Pakt-Staaten in Ost-Berlin.

Das Bundesverfassungsgericht weist die Klage der Grünen gegen die Stationierung der amerikanischen Mittelstreckenraketen zurück.


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