d

Chronik

1973

Januar

1973 verlassen 15.189 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik.

Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks zur EG.

Abseits des staatlichen Kultur Angebots entwickelt sich in Jena eine lebhafte alternative Szene. Anfang des Jahres 1973 gründet der 21-jährige Lutz Rathenow in seiner Jenaer Wohnung den „Arbeitskreis Literatur und Lyrik“. Im Frühjahr 1975 verbietet die SED den Arbeitskreis.
Zum Artikel ...

Diplomatischer Durchbruch für die DDR: 17 Staaten, darunter Frankreich und Großbritannien, nehmen Beziehungen auf. Zu Erich Honeckers Neujahrsempfang am 12. Januar erscheinen Vertreter aus 70 Staaten.

Auf Anordnung von US-Präsident Richard M. Nixon stellen die Vereinigten Staaten die Kriegshandlungen gegen Nordvietnam vollständig ein.

In Paris unterzeichnen die USA, Nordvietnam und Südvietnam ein Abkommen über die Beendigung des Kriegs.

Februar

Frankreich und Großbritannien nehmen diplomatische Beziehungen zur DDR auf.

März

Die DDR lässt dauerhaft die Akkreditierung westlicher Journalisten zu.

In einer ersten offiziellen Stellungnahme in der FDJ-Zeitung Junge Welt lehnt die DDR Wiedergutmachungszahlungen für Israel ab.

April

Direktive der Staatssicherheit, die den Begriff der „Geheimnisträger“ auf einen größeren Personenkreis überträgt und ihnen damit Beziehungen zu West-Bürgern verbietet.

Mai

Der Nationale Verteidigungsrat bestätigt den „Schusswaffeneinsatz gegen Grenzverletzer“.

Der Bundestag beschließt die Ratifizierung des Grundlagenvertrags mit der DDR.

Zum ersten Mal besucht der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Leonid Breschnew, die Bundesrepublik.

Erstes Königswalder Friedensseminar. Die Seminare finden künftig zweimal jährlich statt. Organisiert werden sie von ehemaligen Bausoldaten. Nehmen beim ersten Treffen 25 Personen teil, so sind es 1979 schon 125. Der Höhepunkt liegt bei 600 Teilnehmern. Das Seminar dient als Anregung für christliche Friedensseminare in anderen Orten, zum Beispiel in Meißen, Karl-Marx-Stadt, Naumburg, Saalfeld und Vipperow.

Die Bayerische Staatsregierung ruft das Bundesverfassungsgericht an, um die Verfassungsmäßigkeit des Grundlagenvertrags prüfen zu lassen.

Durch eine beiläufige Bemerkung („… Rundfunk und Fernsehen der Bundesrepublik, die ja bei uns jeder nach Belieben ein- oder ausschalten kann …“) beendet Erich Honecker vor dem Zentralkomitee die Zeit der „Aktion Ochsenkopf“, in der der Empfang von West-Fernsehen auch mit gewaltsamen Mitteln unterbunden wurde.

Juni

Bundeskanzler Willy Brandt trifft zu einem bis zum 11. Juni andauernden Staatsbesuch in Israel ein. Er ist der erste deutsche Bundeskanzler, der Israel einen offiziellen Besuch abstattet.

Der Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR tritt in Kraft.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen empfiehlt ohne Abstimmung der Vollversammlung die Aufnahme beider deutscher Staaten. Am 18. September werden beide Staaten aufgenommen. Israel protestiert: Nur die Bundesrepublik habe die Verantwortung für den Nationalsozialismus übernommen, die DDR nicht.

Juli

Eröffnung der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki.

Im Sommer 1973 steht Ost-Berlin im Zeichen der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Von der DDR-Führung als riesige Propagandaveranstaltung geplant, finden vom 28. Juli bis zum 5. August 1973 in Ost-Berlin die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt.
Zum Artikel ...

Das Bundesverfassungsgericht erklärt den Grundlagenvertrag für verfassungsgemäß.

August

Walter Ulbricht stirbt im Alter von 80 Jahren.

September

Gemeinsame Grenzkommission beginnt mit der Markierung der Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik.

In Chile putscht das Militär erfolgreich gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende.

Die DDR und die Bundesrepublik werden in die UNO aufgenommen.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion beginnen mit den SALT II-Gesprächen (Strategic Arms Limitation Talks) in Genf.

Oktober

Vor dem Stadtgericht in Ost-Berlin findet der erste große Prozess gegen „erwerbsmäßige westliche Fluchthelfer“ statt.

Zwölf NATO-Staaten, ohne Frankreich und Island, und sieben Länder des Warschauer Pakts nehmen in Wien die Gespräche zur beiderseitigen ausgewogenen Truppenreduzierung (Mutual Balanced Force Reductions / MBFR) auf.

November

Das Grab von Jan Palach, der sich 1969 aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannte, wird nach monatelangen Besuchsverboten aus Prag entfernt.

Die DDR verdoppelt die Mindestumtauschsätze für private Besucher aus nichtsozialistischen Staaten und West-Berlin.

Dezember

Die Bundesrepublik nimmt diplomatische Beziehungen zur Tschechoslowakei auf.

Das bisher blaue Halstuch tragen künftig nur noch die Jungpioniere. Thälmann-Pioniere bekommen in der vierten Klasse ein rotes Tuch.

Das „Devisengesetz“ wird gelockert. Auch DDR-Bürger dürfen im „Intershop“ einkaufen.

Die Bundesrepublik nimmt diplomatische Beziehungen zu Ungarn und Bulgarien auf.


auf Twitter teilen auf Facebook teilen Kommentieren Drucken Artikel versenden