Arbeiteralltag
Am 13. Oktober 1948 fördert der Bergmann Adolf Hennecke im Karl-Liebknecht-Schacht in Oelsnitz (Erzgebirge) in einer Sonderschicht 24,4 m³
Steinkohle und erreicht damit 387 Prozent der durchschnittlichen Tagesleistung. Diese Normübererfüllung ist Auslöser der sogenannten Hennecke-Bewegung. Adolf Hennecke wird als Held des erwünschten sozialistischen Wirtschaftswunders inszeniert. Die SED wählt ihn und andere Arbeiter als Vorbilder, um den Brigaden die Überbietung der Normen schmackhaft zu machen.
Essen à la carte: In der Bundesrepublik wird die Rationierung von Lebensmitteln 1950 aufgehoben. In der DDR gelten die Lebensmittelmarken dagegen bis
1958.
Am 16. August 1952 eröffnet der Ostberliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert den Schwerpunkt II des Nationalen Aufbauprogramms, die Stalinallee.
Ein Jahr später, am 16. und 17. Juni 1953, streiken die Bauarbeiter der Stalinallee und fordern die Rücknahme der Normenerhöhung, freie Wahlen und die Absetzung der Regierung. Der Volksaufstand vom Juni 1953 hat hier seinen Ursprung.
Big Brother is watching: Unter den Augen Stalins, dem „treuen Lehrmeister beim Aufbau des Sozialismus, dem Bannerträger des Friedens und
Fortschritts in der ganzen Welt“, wird an der Stalinallee ein Richtfest gefeiert.
Ungleiche Verhältnisse: Während in der Bundesrepublik der Wirtschaftsaufschwung für ein üppiges Warenangebot sorgt, das sich allerdings nicht
jeder leisten kann, herrscht in der DDR chronische Mangelwirtschaft.
Im Fräsmaschinenwerk "Fritz Heckert" in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, werden den Werktätigen die neuen Normkarten erläutert.
Von einem üppigen Warenangebot keine Spur. Margarine als Schaufensterdekoration in einem HO-Laden in Ost-Berlin in den 1950er Jahren.