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Belletristik

Wo Historiker an die Grenzen ihrer Wissenschaft stoßen, beginnt das Reich der Literatur. Hier wird die Geschichte aus subjektiver Perspektive erfahrbar. Diese Auswahl an literarischen Texten gibt einen Einblick, was die kritischen Köpfe der DDR und anderer sozialistischer Länder bewegte. Die Autoren schildern jeweils eindrucksvoll die unterschiedlichen Facetten der kommunistischen Diktatur. Ergänzt wird die Übersicht mit fiktiven Texten verschiedener Autoren und Gattung, die die Perspektive der zeitgenössischen Autoren erweitern.

übergreifende Literatur 
Freie Wahlen! 
Volksaufstand 
Die Mauer muss weg! 
Hände weg von Prag! 
Holt Biermann zurück! 
Schwerter zu Pflugscharen! 
Menschenrechte 
Revolution 

übergreifende Literatur


Biermann, Wolf: Die Drahtharfe.

München 1999.
Balladen, Gedichte, Lieder von Wolf Biermann. Nach der Veröffentlichung dieser Lieder- und Gedichtesammlung in West-Berlin und dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED erhält Wolf Biermann in der DDR absolutes Auftritts- und Veröffentlichungsverbot. Seine Lieder und Gedichte kreisen um die uneingelösten Hoffnungen und die Verbrechen des Sozialismus.

Biermann, Wolf: Deutschland ein Wintermärchen.

Berlin 1990.
In diesem langen Gedicht beschreibt Biermann seine Sicht auf das geteilte Deutschland, die verpassten Chancen des Sozialismus und die Nachwirkungen des Nationalsozialismus in beiden deutschen Staaten. Wie seine vorherigen Veröffentlichungen darf auch das „Wintermärchen" nicht in der DDR erscheinen.

Biermann, Wolf: Alle Lieder.

Frankfurt a. M. 1992.
Hier findet man alle Lieder von Wolf Biermann. Viele ihrer Texte inspirieren die DDR-Opposition oder drücken – nach Biermanns Ausbürgerung 1976 – ihre Anliegen aus.

Endler, Adolf: Tarzan am Prenzlauer Berg.

Sudelblätter 1981-1983. Berlin 2007.
Basierend auf den Tagebuchaufzeichnungen Endlers nimmt die urbane Atmosphäre Berlins, das trotz Unterdrückung lustvolle dissidentische Leben der Jahre 1981 bis 1983 im Stadtteil Prenzlauer Berg poetische Gestalt an. Noch im skurrilen Witz bleibt der Ernst sichtbar, mit dem der Autor ihn Empörendes, Verletzendes benennt.

Fuchs, Jürgen: Gedächtnisprotokolle, Vernehmungsprotokolle.

November '76 bis September '77. Reinbek bei Hamburg 1990.
Hier erzählt der in Jena von der Universität exmatrikulierte Jürgen Fuchs, wie schnell man in der DDR zum Staatsfeind wird.

Fuchs, Jürgen: Fassonschnitt.

Reinbek bei Hamburg 1989.
In diesem ersten Roman erzählt Jürgen Fuchs von seiner Zeit in der NVA. Er schildert vor allem die Entwürdigung und Entmenschlichung in der DDR-Armee. Das Militär als Nötigung und erstes Trauma, das autoritäre politische DDR-System entblößt sich als ein allzu bekannter deutscher Militarismus mit sozialistischem Vokabular. Fuchs schildert Empfindungen, wie sie viele junge Männer in der DDR haben. Für manchen ist es der erste oder entscheidende Schritt in die Opposition.

George Orwell: 1984.

Berlin 2007.
Wie viele Jugendliche in der DDR dieses Buch lesen, ist nicht sicher. Es ist aber sicher, dass das Buch von Hand zu Hand weitergereicht wird und dass Jugendliche für den Besitz dieses Buches Repressionen zu erleiden haben. In seinem Science-Fiction Roman beschreibt Orwell einen totalitären Überwachungsstaat.

George Orwell: Farm der Tiere.

Zürich 2008.
Die Tiere einer englischen Farm erheben sich gegen die ungerechte Herrschaft ihres menschlichen Besitzers. Die Schweine übernehmen die Führung und errichten eine brutale Gewaltherrschaft. Orwell lehnt seine Geschichte an die Entwicklung des Kommunismus in der Sowjetunion ab 1918 an. Dieser Klassiker der antitotalitären Literatur ist in der DDR verboten. Die wenigen vorhandenen Exemplare werden von Hand zu Hand weitergereicht.

Ginsburg, Jewgenija: Gratwanderung.

München 1991.
Ein Erlebnisbericht aus dem Gulag und ein Dokument menschlicher Größe, geschrieben vor dem Hintergrund unvorstellbaren Grauens. Ohne jegliche Verbitterung berichtet Ginsburg darüber, wozu Menschen in der Lage sind, sofern sie nur die Mittel erhalten. Dieses Buch hält den Leser gefangen und hinterlässt einen starken und bleibenden Eindruck. Besonders für junge Menschen besser geeignet als alle allgemeinen Geschichtsbetrachtungen oder manch umfassendere Darstellung über die stalinistischen Verfolgungen.

Kohout, Pavel: Wo der Hund begraben liegt.

München 1997.
Die Handlung dieses Buches spielt im oppositionellen Intellektuellenmilieu der Jahre 1970 bis 1978 in der damaligen CSSR. Kohout gibt einen Einblick in die Methoden der osteuropäischen kommunistischen Regime. Aufregend, aufwühlend, unmenschlich, absurd.

Kordon, Klaus: Krokodil im Nacken.

Weinheim 2008.
Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Zelle 102. Hier sitzt Manfred Lenz, getrennt von Frau und Kindern. Ein missglückter Fluchtversuch aus der DDR hat die Familie auseinandergerissen. In seiner Isolation lässt Manfred Lenz sein Leben Revue passieren: Die Kneipe am Prenzlauer Berg, in der er nach dem Krieg aufgewachsen ist, den Einmarsch der sowjetischen Truppen, den Tod der Mutter, das Kinder- und Jugendheim... Klaus Kordon hat das Talent, das Komische auch in schwierigen, aussichtslosen Situationen zu sehen. Der Roman wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Krug, Manfred: Abgehauen.

Ein Mitschnitt und ein Tagebuch. Berlin 2003.
Der Publikumsliebling Manfred Krug, in der DDR ein Volksheld, schildert die dramatischste Phase seines Lebens, wie er nach dem Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns zu einem der prominentesten Opfer staatlicher Willkür unter dem SED-Regime wird – eine außerordentlich fesselnde Lektüre. In der Villa des populären Schauspielers versammeln sich im Herbst 1976 einige Vertreter der Künstler-Elite der DDR, unter ihnen Jurek Becker, Stefan Heym, Christa Wolf, Ulrich Plenzdorf, Frank Beyer und Heiner Müller. Jeder der Anwesenden ist gezwungen, sein Verhältnis zu sich selbst, seinem Beruf und seinem Staat zu überdenken und neu zu definieren. Sie wenden sich schriftlich gegen die Ausbürgerung Biermanns. Der Staatsapparat reagiert sofort und schickt linientreuen Besuch, im Gepäck: Maßregelungen, Einschüchterungen, Drohungen. Manfred Krug nimmt das Gespräch heimlich mit Tonband auf. Daraus entsteht ein bemerkenswertes Zeitdokument. Im Buch veröffentlicht ist außerdem Krugs Tagebuch bis zum Verlassen der DDR und ein Stasi-Dokument.
Die Texte geben Einblick in eine turbulente Zeit und in eine gesellschaftliche Ordnung, der zu entkommen es großer Kraft bedarf. Ein aufregendes, ein erschütterndes Zeitdokument, das jedem die Augen öffnet, auch wenn er einer anderen Generation angehört.

Kunze, Reiner: Die wunderbaren Jahre.

Frankfurt a. M. 2002.
In Momentaufnahmen beschreibt Kunze den Alltag der DDR-Jugend, die zu Anpassung und Gehorsam erzogen wird. Kunze wird daraufhin aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleichkommt. Er schließt sich dem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung an und verlässt 1977 die DDR.

Loest, Erich: Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene.

Leipzig 2003.
Das Buch erschien, ein Novum, 1978 gleichzeitig in der Bundesrepublik und der DDR. Loest lässt seinen Ich-Erzähler mit mehreren hundert begeisterten Jugendlichen gegen das Verbot einer Beat-Gruppe protestieren. Den historischen Hintergrund liefern die Ereignisse um die Leipziger Beat-Demo.

Schneider, Peter: Der Mauerspringer.

Reinbek bei Hamburg 1995.
„Die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten, vor allem die zwischen den beiden Hälften Berlins, gilt als die am besten geschützte und am schwersten zu überwindende Grenze der Welt.“ Schneider schrieb 1982 diese essayistische Erzählung über das Phänomen der deutschen Teilung. Fantasievoll und realistisch spürt er deren Auswirkungen auf die Menschen in Ost und West nach.

übergreifende Literatur



Freie Wahlen!



Volksaufstand



Die Mauer muss weg!


Buddenberg, Susanne; Henseler, Thomas: Tunnel 57 – Eine Fluchtgeschichte als Comic

Berlin 2016.
Anhand von Zeitzeugeninterviews, Originalfotos und Dokumenten haben die Comic-Autoren die Ereignisse um den legendären Fluchttunnel unter der Bernauer Straße im Jahr 1964 detailgetreu rekonstruiert und grafisch umgesetzt. Der Comic erzählt aus der Perspektive eines Fluchthelfers vom Bau eines Fluchttunnels 1964 im geteilten Berlin: von den Vorbereitungen auf West-Berliner Seite, vom Graben des 145 Meter langen Tunnels nach Ost-Berlin, von der Tunnelöffnung und der glücklich verlaufenden Flucht am ersten Tag sowie von den dramatischen Ereignissen am zweiten Tag, die schwerwiegende Folgen haben sollten. Der Comic eignet sich besonders für die Arbeit mit Schülern, da sich der Geschichte ein umfangreicher Abschnitt mit didaktischem Material anschließt.
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Hände weg von Prag!



Holt Biermann zurück!



Schwerter zu Pflugscharen!



Menschenrechte



Revolution


Wensierski, Peter: Die Unheimliche Leichtigkeit der Revolution

Bonn 2018.
Sie sind jung, sie sind frech, sie verweigern sich dem System und fordern den Staat heraus. Sie wollen sich nicht mehr anpassen. Sie wohnen gemeinsam in Abrisshäusern, planen in langen Nächten am See ihre nächsten Aktionen, drucken heimlich Flugblätter, feiern in ihrer illegalen Nachtbar, bis der Morgen anbricht, und demonstrieren am Tag in der ersten Reihe. Sie werden verfolgt, aber mit jeder neuen Aktion verlieren sie ein Stückchen mehr Angst und die Diktatur an Kraft.Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Gruppe junger Leute, die einen Kampf führen, den andere für aussichtslos halten. Und die spannend zu lesende Nahaufnahme eines wichtigen Augenblicks der deutschen Geschichte.
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