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Die Grünen und die DDR-Friedensbewegung

„Äußerste Empörung“ über die Ausbürgerung Roland Jahns: Brief der Grünen-Fraktion des Bundestags an Erich Honecker (10. Juni 1983). Quelle: Archiv Grünes Gedächtnis
„Äußerste Empörung“ über die Ausbürgerung Roland Jahns: Brief der Grünen-Fraktion des Bundestags an Erich Honecker (10. Juni 1983). Quelle: Archiv Grünes Gedächtnis
Abschrift
Am 31. Oktober 1983 empfängt Erich Honecker die unbequemen Bundestagsabgeordneten der Grünen. (v.l.n.r.): Antje Vollmer, Gustine Johannsen, Lukas Beckmann, Erich Honecker (SED), Dirk Schneider, Otto Schily, Petra Kelly, Gerd Bastian. Quelle: Archiv...
Am 31. Oktober 1983 empfängt Erich Honecker die unbequemen Bundestagsabgeordneten der Grünen. (v.l.n.r.): Antje Vollmer, Gustine Johannsen, Lukas Beckmann, Erich Honecker (SED), Dirk Schneider, Otto Schily, Petra Kelly, Gerd Bastian. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner,83_1031_DDR-Gruene_03
Nach dem Empfang entrollen die Bundestagsabgeordneten Gert Bastian, Petra Kelly und Otto Schilly (v.l.n.r.) Transparente mit dem Logo "Schwerter zu Pflugscharen" und solidarisieren sich mit der Friedensbewegung in der DDR. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand...
Nach dem Empfang entrollen die Bundestagsabgeordneten Gert Bastian, Petra Kelly und Otto Schilly (v.l.n.r.) Transparente mit dem Logo "Schwerter zu Pflugscharen" und solidarisieren sich mit der Friedensbewegung in der DDR. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 83_1031_POL_Gruene_10

Die bundesdeutsche Partei Die Grünen, die eng mit der westdeutschen Friedens- und Umweltbewegung verbunden ist, stellt in den 1980er Jahren die wichtigste Brücke für die DDR-Oppositionsgruppen zur bundesdeutschen Politik dar. Dies können auch Stasi-Agenten wie der deutschlandpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Dirk Schneider, nicht verhindern.

Grüne Politiker wie Petra Kelly, Lukas Beckmann, Elisabeth Weber und Waltraud Schoppe engagieren sich innerhalb ihrer Partei stark für DDR-Bürger. Ihnen geht es, wie den DDR-Oppositionsgruppen, vor allem um die Durchsetzung der grundlegenden Menschenrechte in der DDR. Sie sind oft mit Einreiseverboten in die DDR belegt, müssen sich aber auch gegen Widerstände innerhalb ihrer eigenen Partei durchsetzen. Denn nicht alle Grünen halten eine Unterstützung der Opposition im Osten für sinnvoll. Einige Parteimitglieder glauben, ein Konfrontationskurs mit der DDR-Regierung würde der internationalen Friedensbewegung schaden.

Die DDR-Regierung erteilt grünem Politiker Einreiseverbot

Ende der 1970er Jahre nehmen Grünen-Politiker wie Michael Schroeren, Elsbeth Zylla und Marie-Luise Lindemann an Veranstaltungen der DDR-Friedensbewegung teil. Sie sympathisieren zum Beispiel mit den Frauen für den Frieden. Michael Schroeren wird daraufhin von den DDR-Behörden mit einem fast zehnjährigen Einreiseverbot belegt.

Trotz aller Schwierigkeiten planen die Grünen auch gemeinsame Aktionen mit DDR-Gruppen: Am 12. Mai 1983 reisen einige Grüne, darunter Petra Kelly und Gerd Bastian, nach Ost-Berlin und treffen sich mit DDR-Oppositionellen zu einer kleinen Demo auf dem Alexanderplatz. Als sie ein Plakat mit dem „Schwerter-zu-Pflugscharen“-Symbol hervorholen, werden sie von Sicherheitskräften festgenommen.

Stark engagieren sich die Grünen nach der Verhaftungswelle in Jena, der Stasi-Aktion „Gegenschlag“ und der gewaltsamen Ausbürgerung von Roland Jahn. Am 29. April 1983 organisieren die Grünen in Dortmund eine Solidaritätsveranstaltung für die inhaftierten und teils ausgewiesenen Mitglieder der Jenaer Friedensgemeinschaft. Hier tritt auch der aus der DDR ausgewiesene Michael Blumhagen auf, der Schöpfer der Plastik für das Grab von Matthias Domaschk.

Grüner Besuch bei Erich Honecker in Ost-Berlin

Am 31.Oktober 1983 trifft sich erstmals eine Delegation der Bundestagsfraktion der Grünen mit Erich Honecker in Ost-Berlin. Die SED stimmt diesem Treffen aus propagandistischen Zwecken zu. Seht her, will sie damit sagen, wir kämpfen gemeinsam gegen Kapitalismus und Aufrüstung! Tatsächlich sprechen die Grünen die Menschenrechtsverletzungen in der DDR an und nutzen ihren offiziellen Besuch auch dazu, bekannte DDR-Oppositionelle privat zu besuchen.

Insgesamt verfolgen die Grünen eine effektive Doppelstrategie: Zum einen halten sie offizielle Kontakte zur SED, zum anderen unterstützen sie die Arbeit der Oppositionsgruppen in der DDR. Hier engagieren sich vor allem Teile der Parteibasis. Allerdings gibt es auch Stimmen, die den ausgereisten Jenensern vorwerfen, das „bessere Deutschland“ verlassen zu haben. (Dorothea Fischer berichtet im Zeitzeugen-Interview darüber.) Andere bundesdeutsche Parteien versagen der DDR-Opposition aus politischem Kalkül ihre offene Unterstützung.

Zitierempfehlung: „Die Grünen und die DDR-Friedensbewegung“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung November 2016, www.jugendopposition.de/145385

 


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