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Offizielle Feierlichkeiten

Am 6. Oktober 1989 trifft Michael Gorbatschow, der Partei- und Staatschef der Sowjetunion, in Ost-Berlin ein. Er nimmt an den offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR teil und wird vom SED-Chef Erich Honecker begrüßt. Wegen...
Am 6. Oktober 1989 trifft Michael Gorbatschow, der Partei- und Staatschef der Sowjetunion, in Ost-Berlin ein. Er nimmt an den offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR teil und wird vom SED-Chef Erich Honecker begrüßt. Wegen seiner Reformen gilt er vielen DDR-Bürgern als Hoffnungsträger.
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1006-410/Karl-Heinz Schindler
Am Vorabend des 40. Jahrestags der DDR-Gründung lässt sich die SED-Führung ein allerletztes Mal mit einem Fackelzug der FDJ feiern. Schon einen Tag später demonstrieren Zehntausende in den Straßen Ost-Berlins, Leipzigs und in anderen Städten gegen...
Am Vorabend des 40. Jahrestags der DDR-Gründung lässt sich die SED-Führung ein allerletztes Mal mit einem Fackelzug der FDJ feiern. Schon einen Tag später demonstrieren Zehntausende in den Straßen Ost-Berlins, Leipzigs und in anderen Städten gegen den SED-Staat. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Gerhard Zwickert
Ehrentribüne in der Berliner Karl-Marx-Allee zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989. Die SED-Führung nimmt die Militärparade ab.
Ehrentribüne in der Berliner Karl-Marx-Allee zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989. Die SED-Führung nimmt die Militärparade ab.
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1007-402/Klaus Franke
Militärparade anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung der DDR. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1007_POL_JT40_23
Militärparade anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung der DDR. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1007_POL_JT40_23
Militärparade anlässlich des 40.Jahrestages der Gründung der DDR. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1007_POL_JT40_32
Militärparade anlässlich des 40.Jahrestages der Gründung der DDR. Quelle: Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1007_POL_JT40_32
Im Palast der Republik findet das Bankett zum 40. Jahrestag der DDR statt. Während die SED-Parteiführung mit Ihren Gästen auf das Wohl der DDR anstößt, fordern draußen Demonstranten Reformen.
Im Palast der Republik findet das Bankett zum 40. Jahrestag der DDR statt. Während die SED-Parteiführung mit Ihren Gästen auf das Wohl der DDR anstößt, fordern draußen Demonstranten Reformen.
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1007-068/Rainer Mittelstädt
Michail Gorbatschow und seine Gattin Raissa treten am Abend den Rückflug nach Moskau an. Zur selben Zeit gehen Polizei und Staatssicherheit brutal gegen friedliche Demonstranten im Prenzlauer Berg vor.
Michail Gorbatschow und seine Gattin Raissa treten am Abend den Rückflug nach Moskau an. Zur selben Zeit gehen Polizei und Staatssicherheit brutal gegen friedliche Demonstranten im Prenzlauer Berg vor.
Quelle: Bundesarchiv/183-1989-1007-433/Klaus Oberst
Bis zum Oktober 1989 erinnern Demonstranten auf dem Alexanderplatz an fast jedem siebten Tag eines Monats an die Wahlfälschung vom 7. Mai 1989. Am 7. Oktober 1989 schließen sich Tausende Menschen der Demonstration an und fordern Reformen in der DDR....
Bis zum Oktober 1989 erinnern Demonstranten auf dem Alexanderplatz an fast jedem siebten Tag eines Monats an die Wahlfälschung vom 7. Mai 1989. Am 7. Oktober 1989 schließen sich Tausende Menschen der Demonstration an und fordern Reformen in der DDR. Sie laufen in Richtung Palast der Republik, in dem die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR stattfinden. Am Abend gehen staatliche Sicherheitskräfte brutal gegen die Protestierenden vor. Sie prügeln auf die Menschen ein und verhaften Hunderte Demonstranten. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Nikolaus Becker
Während die Partei- und Staatsführung am 7. Oktober 1989 mit viel Aufwand den 40. Geburtstag der DDR feiert, kommt es zu gewalttätigen Übergriffen von Polizei und Staatssicherheit auf friedliche Demonstranten. Oppositionsgruppen fordern eine Aufklärung...
Während die Partei- und Staatsführung am 7. Oktober 1989 mit viel Aufwand den 40. Geburtstag der DDR feiert, kommt es zu gewalttätigen Übergriffen von Polizei und Staatssicherheit auf friedliche Demonstranten. Oppositionsgruppen fordern eine Aufklärung der Ereignisse und die Bestrafung der Verantwortlichen. Am 3. November 1989 beginnt eine Untersuchungskommission mit der Aufklärung der Vorfälle. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Nikolaus Becker

Die Feierlichkeiten „40 Jahre DDR“ am 7. Oktober 1989 sollen die erfolgreiche Entwicklung des Arbeiter-und-Bauern-Staates belegen. Große Festumzüge, Aufmärsche und Volksfeste bilden das Programm, das die Errungenschaften des Sozialismus auf deutschem Boden demonstrieren soll. Berlin erwartet Staatsgäste aus aller Welt, der prominenteste ist wohl der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Michail Gorbatschow. Dessen Politik einer Reform des Sozialismus findet in großen Teilen der DDR-Bevölkerung Unterstützung, während die SED-Führung sich jeglichen Reformideen verweigert.

Die Festregie konzentriert sich ganz darauf, die erfolgreiche Arbeit der Partei- und Staatsführung zu zelebrieren. Die zunehmende Krise im Land wird dabei gänzlich ausgeblendet. Stasi-Chef Erich Mielke ordnet am 5. Oktober 1989 in Vorbereitung der Feierlichkeiten an, die „Anreise aller Personen, von denen Gefahren ausgehen können, während des Aktionszeitraumes unter Nutzung aller Möglichkeiten und mit allen Mitteln konsequent zu verhindern“.

„Gorbi“ bringt die Lage der SED griffig auf den Punkt:
„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

Mit den offiziellen Feierlichkeiten demonstriert die Staats- und Parteiführung Macht und Kampfbereitschaft – mit dem Fackelzug der SED-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) am Vorabend des Feiertags ebenso wie mit der martialischen Militärparade der Nationalen Volksarmee am 7. Oktober 1989 in der Karl-Marx-Allee.

An den Politgrößen des In- und Auslands ziehen stundenlang Tausende Soldaten vorbei, es paradieren Panzer und Geschützwagen mit aufgestellten Raketen. Der schwer kranke Parteichef Erich Honecker nimmt die Truppenparade von der Tribüne aus müde winkend ab. Die sowjetische Reformpolitik von Glasnost (russisch für Transparenz) und Perestroika (russisch für Umgestaltung), das ist dem Betrachter der Aufmärsche klar, hat bei dieser DDR-Führung keine Chance.

Michail „Gorbi“ Gorbatschow wird von der internationalen Presse zum Problem der krisengeschüttelten und reformunwilligen SED-Führung angesprochen. Er erklärt: "Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren." Aus diesem Satz wird schnell die verkürzte Redewendung: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Die Westmedien verbreiten diesen Spruch, und er erlangt in der DDR und in der Bundesrepublik schnell große Popularität.

Die DDR-Presse feiert das Jubiläum mit den gewohnten Phrasen. Man spricht von „festlichen und frohen Stunden, die den Gästen aus dem In- und Ausland einen Eindruck von der Leistungskraft unseres Landes vermittelten“. Währenddessen bahnt sich in der Nähe des Palastes der Republik, dem offiziellen Feierort, das Ende des Arbeiter-und-Bauern-Staates an.

Zitierempfehlung: „Offiziele Feierlichkeiten“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Oktober 2017, www.jugendopposition.de/145459


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