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Gruppen in Berlin

1979 initiiert Kreisjugendpfarrer Rainer Eppelmann erstmals eine oppositionelle Bluesmesse. Bis 1987 finden über 20 Bluesmessen statt. Hier wird Musik gemacht und über gesellschaftliche Fragen diskutiert. Zunächst finden sie in der Ostberliner Samariterkirche...
1979 initiiert Kreisjugendpfarrer Rainer Eppelmann erstmals eine oppositionelle Bluesmesse. Bis 1987 finden über 20 Bluesmessen statt. Hier wird Musik gemacht und über gesellschaftliche Fragen diskutiert. Zunächst finden sie in der Ostberliner Samariterkirche statt, später in der größeren Auferstehungskirche beziehungsweise in der Erlöserkirche. Zu den ersten Bluesmessen reisen Hunderte, später bis zu 9.000 Jugendliche an. Im Bild: Jugendliche während der Bluesmesse am 26. Juni 1981 vor der Ostberliner Samariterkirche. Quelle: BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.67
Bluesmesse in der Berliner Samariterkirche 1986. Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ
Bluesmesse in der Berliner Samariterkirche 1986. Quelle: Harald Hauswald/OSTKREUZ
Das MfS ist live dabei: Die Stasi fotografiert, wie zu den Bluesmessen Jugendliche aus dem ganzen Land nach Berlin strömen. Quelle: BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.66
Das MfS ist live dabei: Die Stasi fotografiert, wie zu den Bluesmessen Jugendliche aus dem ganzen Land nach Berlin strömen. Quelle: BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.66
Das MfS ist live dabei: Die Stasi fotografiert, wie zu den Bluesmessen Jugendliche aus dem ganzen Land nach Berlin strömen. Quelle: BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.66
Das MfS ist live dabei: Die Stasi fotografiert, wie zu den Bluesmessen Jugendliche aus dem ganzen Land nach Berlin strömen. Quelle: BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.66
Gemeinsames Plädoyer: 150 Frauen protestieren bei Erich Honecker gegen das neue Wehrdienstgesetz, nach dem im Mobilmachungsfall nun auch Frauen zur Landesverteidigung eingezogen werden können (12. Oktober 1982). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft,...
Gemeinsames Plädoyer: 150 Frauen protestieren bei Erich Honecker gegen das neue Wehrdienstgesetz, nach dem im Mobilmachungsfall nun auch Frauen zur Landesverteidigung eingezogen werden können (12. Oktober 1982). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2
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Gemeinsames Plädoyer: 150 Frauen protestieren bei Erich Honecker gegen das neue Wehrdienstgesetz, nach dem im Mobilmachungsfall nun auch Frauen zur Landesverteidigung eingezogen werden können (12. Oktober 1982). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft,...
Gemeinsames Plädoyer: 150 Frauen protestieren bei Erich Honecker gegen das neue Wehrdienstgesetz, nach dem im Mobilmachungsfall nun auch Frauen zur Landesverteidigung eingezogen werden können (12. Oktober 1982). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2
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„Lernt Frieden – nicht schießen!“ Diese Losung bringen mehrere Frauen für den Frieden auf einem Schießplatz nahe Röbel an. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„Lernt Frieden – nicht schießen!“ Diese Losung bringen mehrere Frauen für den Frieden auf einem Schießplatz nahe Röbel an. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Friedenswerkstatt in der Erlöserkirche Berlin: Barbe Linke, Katja Havemann und Gisela Metz (v.l.n.r.) am Stand der Frauen für den Frieden (3. Juli 1983). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Werner Fischer
Friedenswerkstatt in der Erlöserkirche Berlin: Barbe Linke, Katja Havemann und Gisela Metz (v.l.n.r.) am Stand der Frauen für den Frieden (3. Juli 1983). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Werner Fischer
Frieden für die nächste Generation: Gegen die Aufrüstung in Ost und West gestalten die Frauen für den Frieden Protestpostkarten mit den Fotos ihrer eigenen Kinder. Diese verteilen Abgeordnete der Grünen während der Nachrüstungsdebatte im Bundestag...
Frieden für die nächste Generation: Gegen die Aufrüstung in Ost und West gestalten die Frauen für den Frieden Protestpostkarten mit den Fotos ihrer eigenen Kinder. Diese verteilen Abgeordnete der Grünen während der Nachrüstungsdebatte im Bundestag an alle Fraktionen (21./22. November 1983). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Demo am Checkpoint Charlie: Die Westberliner Frauen für den Frieden demonstrieren für die Freilassung ihrer Schwestern im Geiste jenseits der Mauer. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BstU-Kopie)
Demo am Checkpoint Charlie: Die Westberliner Frauen für den Frieden demonstrieren für die Freilassung ihrer Schwestern im Geiste jenseits der Mauer. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BstU-Kopie)
Am Weltfriedenstag bilden Mitglieder der Friedensbewegung eine Menschenkette zwischen der amerikanischen und sowjetischen Botschaft (1. September 1983). Die Polizei löst die Aktion rasch auf. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Am Weltfriedenstag bilden Mitglieder der Friedensbewegung eine Menschenkette zwischen der amerikanischen und sowjetischen Botschaft (1. September 1983). Die Polizei löst die Aktion rasch auf. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Unerlaubte Menschenkette an der Marienkirche in Ost-Berlin zum Weltfriedenstag am 1. September 1983. Mit dabei: die Frauen für den Frieden. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Ulrike Poppe
Unerlaubte Menschenkette an der Marienkirche in Ost-Berlin zum Weltfriedenstag am 1. September 1983. Mit dabei: die Frauen für den Frieden. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Ulrike Poppe
Schwerter zu Pflugscharen: Stoffaufnäher mit dem Symbol der Friedensbewegung, hergestellt 1985/86 in Berlin. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Schwerter zu Pflugscharen: Stoffaufnäher mit dem Symbol der Friedensbewegung, hergestellt 1985/86 in Berlin. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Neben Jena ist Ost-Berlin das wichtigste Zentrum der Friedensbewegung in der DDR. Seit der ersten Bluesmesse im Sommer 1979, die der Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann organisiert hat, werden diese Gottesdienste mit Musik in der DDR-Hauptstadt zu einem Anziehungspunkt für unangepasste Jugendliche aus der ganzen DDR. Man singt, tanzt, feiert und diskutiert miteinander – auch über gesellschaftspolitische Themen. Während es zuerst nur einige Dutzend Zuhörer sind, versammeln sich Ende 1979 etwa 1.000 Jugendliche zu einer Bluesmesse in der Berliner Samariterkirche.

Die Bluesmessen beschäftigen sich mit Themen aus dem Alltag der Jugendlichen. Sie haben ein reizvolles Musikprogramm, denn es treten auch bekannte oppositionelle Liedermacher auf. Jugendliche aus dem ganzen Land kommen hier an einem Ort zusammen, an dem sie nicht gemaßregelt werden, wenn sie sich kritisch über den Staat äußern.
Weil der Andrang immer stärker wird, ziehen die Bluesmessen 1980 in die größere Erlöserkirche nach Berlin-Lichtenberg um.

1980 finden Bluesmessen in der Erlöserkirche statt

Doch ganz ohne behördliche Einmischung geht es dann doch nicht: Der Staat sieht in den Veranstaltungen sein Monopol auf Jugendkultur und -politik bedroht und versucht, die Bluesmessen zu verbieten. Das Argument: Es handelt sich hierbei nicht um genehmigungsfreie Gottesdienste, sondern um genehmigungspflichtige Massenveranstaltungen. Die Behörden üben einen starken Druck auf Pfarrer Eppelmann und die Kirchenleitung aus, doch vergeblich: Die Berliner Bluesmessen bleiben jahrelang ein wichtiger Treffpunkt der unangepassten DDR-Jugend.

Eine der wichtigsten Friedensgruppen, die sich 1982 in Berlin gründen, ist Frauen für den Frieden. Diese Initiative entsteht nach Änderung des DDR-Wehrdienstgesetzes, wonach im Mobilmachungsfall nun auch Frauen zur Landesverteidigung eingezogen werden können. Zahlreiche Frauen beschweren sich spontan bei staatlichen und militärischen Dienststellen. Die Berliner Gruppe formuliert einen Brief an Erich Honecker. Schnell schließen sich mehrere Hundert Frauen an.

In einer anderen Aktion sammeln Mütter der Gruppe Bilder ihrer Kinder. Sie tun das in Absprache mit Mitgliedern der westdeutschen Bundestagsfraktion der Grünen, die die Fotos während der Nachrüstungsdebatte im Bundestag am 21./22. November 1983 an alle Fraktionen verteilen. Im Namen ihrer Kinder fordern sie sowohl von der Bundesrepublik als auch vom „Friedensstaat“ DDR Initiativen zur Abrüstung.

Im Sommer 1983 fasten die Frauen für den Frieden öffentlich

Die Frauen für den Frieden versammeln sich mit anderen Friedensgruppen in der Erlöserkirche, um ab 6. August 1983 eine Woche lang für Abrüstung zu fasten. Am 12. Dezember 1983 werden die vier Hauptinitiatorinnen in Berlin verhaftet: Bärbel Bohley, Ulrike Poppe, Irena Kukutz und Jutta Seidel. Mitglieder der Grünen, darunter Petra Kelly und Gert Bastian, die enge Kontakte zur Gruppe unterhalten, protestieren umgehend öffentlich gegen die Verhaftungen.

Im Rahmen einer Friedenswerkstatt gestalten andere Friedensaktivisten im Juli 1983 eine Ausstellung in der Erlöserkirche. Sie handelt vom Widerstand in Jena und der anschließenden Verhaftungs- und Ausweisungswelle. Zum Weltfriedenstag am 1. September 1983 organisieren Friedensaktivisten, unter ihnen auch der Pfarrer Rainer Eppelmann, eine nicht genehmigte Menschenkette im Zentrum der DDR-Hauptstadt. Zwischen der sowjetischen und der amerikanischen Botschaft reichen sich mehr als 100 Menschen die Hand, um so abseits von staatlichen Parolen und verordneten Aufmärschen für Abrüstung und Frieden zu demonstrieren (Bildergalerie).

Zitierempfehlung: „Gruppen in Berlin“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Oktober 2017, www.jugendopposition.de/145410

 


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