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Altenburger Oberschule

Der 17-jährige Oberschüler Ludwig Hayne (ganz links) mit seinen Klassenkameraden an der Karl-Marx-Oberschule Altenburg im Jahre 1949. Ludwig Hayne wird zwei Jahre später in Moskau erschossen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Der 17-jährige Oberschüler Ludwig Hayne (ganz links) mit seinen Klassenkameraden an der Karl-Marx-Oberschule Altenburg im Jahre 1949. Ludwig Hayne wird zwei Jahre später in Moskau erschossen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Schüler der 11. Klasse der Karl-Marx-Oberschule in Altenburg im Sommer 1949. Hans Joachim Näther ist noch nicht auf dem Bild, er kommt erst in der 12. Klasse dazu. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Schüler der 11. Klasse der Karl-Marx-Oberschule in Altenburg im Sommer 1949. Hans Joachim Näther ist noch nicht auf dem Bild, er kommt erst in der 12. Klasse dazu. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Porträt des Oberschülers Ludwig Hayne. Er wird von einem sowjetischen Militärtribunal in Weimar am 21. Februar 1951 zum Tode verurteilt und am 28. April 1951 in Moskau hingerichtet. Er wird nur 19 Jahre alt. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Porträt des Oberschülers Ludwig Hayne. Er wird von einem sowjetischen Militärtribunal in Weimar am 21. Februar 1951 zum Tode verurteilt und am 28. April 1951 in Moskau hingerichtet. Er wird nur 19 Jahre alt. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„50 Hertz gegen Stalin“: Der Oberschüler Gerhard Schmale im Herbst 1949. Durch seine Kenntnisse gelingt es den Altenburger Schülern, aus Funkgerätematerial einen funktionierenden Sender zu basteln. Im Frühjahr 1949 führen sie die ersten erfolgreichen...
„50 Hertz gegen Stalin“: Der Oberschüler Gerhard Schmale im Herbst 1949. Durch seine Kenntnisse gelingt es den Altenburger Schülern, aus Funkgerätematerial einen funktionierenden Sender zu basteln. Im Frühjahr 1949 führen sie die ersten erfolgreichen Versuche durch. Die Gruppe entscheidet sich, während des Festakts zum 70. Geburtstag von Josef Stalin auf Sendung zu gehen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft.
Im März 1950 wird die Altenburger Widerstandsgruppe verhaftet. Zwei Lehrer und ein Schüler werden zum Tode verurteilt, die anderen erhalten langjährige Zuchthausstrafen. Gerhard Schmale verbringt über sechs Jahre seines Lebens in den Zuchthäusern...
Im März 1950 wird die Altenburger Widerstandsgruppe verhaftet. Zwei Lehrer und ein Schüler werden zum Tode verurteilt, die anderen erhalten langjährige Zuchthausstrafen. Gerhard Schmale verbringt über sechs Jahre seines Lebens in den Zuchthäusern Bautzen, Bautzen II, Halle, Torgau und Waldheim, bevor er 1956 entlassen wird. Im Bild Gerhard Schmale nach seiner Haftentlassung. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
In Gerhard Schmales Bastelecke wird der Sender zusammengebaut, mit dem die Oberschüler die staatliche Rundfunksendung zum 70. Geburtstag Stalins stören. Das Foto entsteht nach der Haftentlassung von Gerhard Schmale. Die für die Sendung genutzten Geräte...
In Gerhard Schmales Bastelecke wird der Sender zusammengebaut, mit dem die Oberschüler die staatliche Rundfunksendung zum 70. Geburtstag Stalins stören. Das Foto entsteht nach der Haftentlassung von Gerhard Schmale. Die für die Sendung genutzten Geräte fehlen, denn sie wurden vom MfS beschlagnahmt. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nach der Haftentlassung: Im Westen demonstriert Gerhard Schmale den Umgang mit den Radioapparaten. Aufnahme vom Anfang der 1960er Jahre. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nach der Haftentlassung: Im Westen demonstriert Gerhard Schmale den Umgang mit den Radioapparaten. Aufnahme vom Anfang der 1960er Jahre. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Anschauungsmodell: Eine in den 1990er Jahren für das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig von Gerhard Schmale hergestellte Rekonstruktion des Altenburger Senders. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Anschauungsmodell: Eine in den 1990er Jahren für das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig von Gerhard Schmale hergestellte Rekonstruktion des Altenburger Senders. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Der Oberschüler Hans-Joachim Näther: Die Staatssicherheit sieht in ihm den Kopf der Schülergruppe. Am 23./24. März 1950 wird er mit seinen Mitschülern verhaftet und nach mehrtägigen Verhören der sowjetischen Geheimpolizei übergeben. Ein sowjetisches...
Der Oberschüler Hans-Joachim Näther: Die Staatssicherheit sieht in ihm den Kopf der Schülergruppe. Am 23./24. März 1950 wird er mit seinen Mitschülern verhaftet und nach mehrtägigen Verhören der sowjetischen Geheimpolizei übergeben. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilt ihn am 13. September in Weimar zum Tode. Gemeinsam mit Wolfgang Ostermann, Siegfried Flack und Ludwig Hayne wird er nach Moskau verschleppt und dort am 12. Dezember 1950 erschossen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„Einige regieren – die Masse döst“: Auszug aus einem Brief von Hans-Joachim Näther. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
„Einige regieren – die Masse döst“: Auszug aus einem Brief von Hans-Joachim Näther. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Abschrift
Jörn-Ulrich Brödel, einer der Wortführer unter den oppositionellen Schülern. Foto aus der Haftkartei des Gefängnisses Bautzen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Jörn-Ulrich Brödel, einer der Wortführer unter den oppositionellen Schülern. Foto aus der Haftkartei des Gefängnisses Bautzen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die engagierten Lehrer zahlen mit ihrem Leben: Die zur Altenburger Antikominform-Gruppe gehörenden Lehrer sind kaum älter als ihre Schüler. Der Neulehrer Wolfgang Ostermann, 21 (im Bild), wird wie sein Kollege Siegfried Flack, 22, nach Moskau verschleppt...
Die engagierten Lehrer zahlen mit ihrem Leben: Die zur Altenburger Antikominform-Gruppe gehörenden Lehrer sind kaum älter als ihre Schüler. Der Neulehrer Wolfgang Ostermann, 21 (im Bild), wird wie sein Kollege Siegfried Flack, 22, nach Moskau verschleppt und dort erschossen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die engagierten Lehrer zahlen mit ihrem Leben: Die zur Altenburger Antikominform-Gruppe gehörenden Lehrer sind kaum älter als ihre Schüler. Siegfried Flack, 22 (im Bild), wird wie sein Kollege Wolfgang Ostermann, 21, nach Moskau verschleppt und dort...
Die engagierten Lehrer zahlen mit ihrem Leben: Die zur Altenburger Antikominform-Gruppe gehörenden Lehrer sind kaum älter als ihre Schüler. Siegfried Flack, 22 (im Bild), wird wie sein Kollege Wolfgang Ostermann, 21, nach Moskau verschleppt und dort erschossen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Schüler der Altenburger Oberschule. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Schüler der Altenburger Oberschule. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nachzeichnung eines Flugblatts, das in der Altenburger Oberschule 1950 angebracht wird. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nachzeichnung eines Flugblatts, das in der Altenburger Oberschule 1950 angebracht wird. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Fort mit der SED! Mit dem Aufruf, den Buchstaben F überall in der DDR anzubringen, initiiert die aus West-Berlin agierende KgU eine einfach umzusetzende Methode, gegen die unfreien DDR-Wahlen zu protestieren. Als Aufschrift auf Wänden oder Flugzetteln...
Fort mit der SED! Mit dem Aufruf, den Buchstaben F überall in der DDR anzubringen, initiiert die aus West-Berlin agierende KgU eine einfach umzusetzende Methode, gegen die unfreien DDR-Wahlen zu protestieren. Als Aufschrift auf Wänden oder Flugzetteln findet das F im ganzen Land Verbreitung. Auch die Altenburger Oberschüler verbreiten das Freiheits-F in ihrer Stadt. Jörn-Ulrich Brödel und andere Gruppenmitglieder malen es nachts mehrmals an die Fassade der SED-Kreisleitung. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)
F-Flugzettel der KgU für die Verbreitung in der DDR. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)
F-Flugzettel der KgU für die Verbreitung in der DDR. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)
Freie Wahl durch Schweigen: Mit dem Aufruf, am 20. und 21. Juli 1950 Vergnügungslokale zu boykottieren, fordert die KgU auf, gegen Diktatur und Terror zu protestieren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie), Seite 1 von 2
Freie Wahl durch Schweigen: Mit dem Aufruf, am 20. und 21. Juli 1950 Vergnügungslokale zu boykottieren, fordert die KgU auf, gegen Diktatur und Terror zu protestieren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie), Seite 1 von 2
Abschrift
Freie Wahl durch Schweigen: Mit dem Aufruf, am 20. und 21. Juli 1950 Vergnügungslokale zu boykottieren, fordert die KgU auf, gegen Diktatur und Terror zu protestieren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie), Seite 2 von 2
Freie Wahl durch Schweigen: Mit dem Aufruf, am 20. und 21. Juli 1950 Vergnügungslokale zu boykottieren, fordert die KgU auf, gegen Diktatur und Terror zu protestieren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie), Seite 2 von 2
Abschrift
Zum Gedenken an die Zivilcourage: Tafel für die Altenburger Oberschüler, 2003 in ihrer Heimatstadt eingeweiht. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Zum Gedenken an die Zivilcourage: Tafel für die Altenburger Oberschüler, 2003 in ihrer Heimatstadt eingeweiht. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

„Piratensender Altenburg“ stört Stalins Geburtstagsparty

Am 21. Dezember 1949 feiert die „fortschrittliche Menschheit“ den 70. Geburtstag des „größten Genius unserer Epoche und Führers des Sowjetvolkes Josef Wissarionowitsch Stalin“. Im Saal der Staatsoper in Berlin haben sich die Spitzen von Partei und Staat versammelt, um dem Jubilar zu huldigen. Staatspräsident Wilhelm Pieck hält die Festrede, die von allen Sendern des Demokratischen Rundfunks übertragen wird.

Auf einem Dachboden im thüringischen Städtchen Altenburg hat sich eine Gruppe Oberschüler versammelt, die den Sowjetdiktator auf ihre Weise würdigen will: Mit einem selbst gebastelten Sender stört sie die Frequenz des staatlichen Rundfunks und kommentiert die Rede des Präsidenten kritisch. Die Sendung ist im Umkreis von ungefähr 40 Kilometern zu empfangen.

Die Sicherheitsorgane sind nicht geneigt, diese Aktion als Schülerstreich hinzunehmen. Sie beginnen, intensiv nach den Störenfrieden zu suchen. Allein am 24. und 25. März 1950 werden 17 Personen vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Fünf Leuten gelingt die Flucht in den Westen.

Der Gruppe wird vorgeworfen, nicht nur die Rundfunksendung gestört, sondern auch Klebezettel mit einem F verbreitet zu haben. Das F steht für Freiheit. Für die Ankläger sind damit Kontakte zu der als Spionageorganisation geltenden Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) erwiesen.

F steht für Freiheit, T steht für Tod

Der Prozess, der am 23. Mai 1950 vor dem Sowjetischen Militärtribunal (SMT) Weimar stattfindet, wird gegen 19 Mitglieder der Altenburger Widerstandsgruppe geführt. Zwei junge Lehrer und ein Schüler werden zum Tode verurteilt, acht weitere Personen erhalten Strafen bis zu 25 Jahren Arbeitslager.

Bei dem Schüler handelt es sich um Hans-Joachim Näther. Er wird wegen Spionage, antisowjetischer Propaganda und Mitgliedschaft in einer konterrevolutionären Organisation zum Tode verurteilt. Das Gnadengesuch wird abgelehnt. Hans-Joachim Näther wird am 12. Dezember 1950 in Moskau erschossen – drei Tage nach seinem 21. Geburtstag.

Der Lehrer Wolfgang Ostermann wird am gleichen Tag in Moskau hingerichtet. Sein Kollege Siegfried Flack stirbt drei Tage später durch Genickschuss. Wolfgang Ostermann und Siegfried Flack sind ebenfalls erst 21 und 22 Jahre alt.

Dem Schüler Ludwig Hayne gelingt zunächst die Flucht nach West-Berlin. Dort besucht er die Wirtschaftsoberschule Berlin-Charlottenburg und beteiligt sich weiter an den Aktionen der KgU. Am 20. Juli 1950 wird er vom MfS auf dem Potsdamer Platz verhaftet, in das Gefängnis der Volkspolizei am Alexanderplatz gebracht und schließlich an die sowjetische Besatzungsmacht ausgeliefert. Ein Militärtribunal in Weimar verurteilt ihn am 21. Februar 1951 zum Tode. Das Urteil wird am 28. April 1951 in Moskau vollstreckt. Ludwig wird mit 19 Jahren erschossen.

Die Asche der Hingerichteten wird vom sowjetischen Sicherheitsdienst auf dem Moskauer Friedhof Donskoje verscharrt. Zum Gedenken an mehr als 900 deutsche Opfer wird im Jahre 2005 auf dem Friedhof ein Gedenkstein eingeweiht.

Zitierempfehlung: „Altenburger Oberschule“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung März 2017, www.jugendopposition.de/145424


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