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Biografie Roland Jahn

DDR-Opposition

geb. am 14. Juli.1953 in Jena

Er wächst in einem Elternhaus auf, das eher unpolitisch ist. Der Vater ist Konstrukteur im Volkseigenen Betrieb (VEB) Carl-Zeiss-Jena und die Mutter Buchhalterin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Kriegserfahrungen des Vaters, der als 17-Jähriger eingezogen wurde und ein Bein verlor, prägen den Alltag seiner Kindheit. Sein Gerechtigkeitssinn und der Drang, selbstbestimmt zu leben, führen schon früh zu Konflikten in der Schule.

1972
macht er sein Abitur und beginnt den Militärdienst bei der kasernierten Bereitschaftspolizei in Rudolstadt, den er 1974 beendet. Diese Zeit bezeichnet er als den schwersten Bruch in seiner Jugend.

1974
kehrt er nach Jena zurück. Er ist in verschiedenen oppositionellen Gruppen und Lesekreisen in der Stadt engagiert. Als die Polizei eine Verlobungsfeier von Freunden brutal beendet, ist das für ihn ein politisches Schlüsselerlebnis.

1975
beginnt er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Jena.

1977
Exmatrikulation nach Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns
Arbeit als Transportarbeiter beim VEB Carl-Zeiss-Jena

1978
lernt er Petra Falkenberg kennen, ein Jahr später wird ihre gemeinsame Tochter geboren. Nach Protestaktionen gegen Bildungsverbote und Militarisierung der DDR und für die Einhaltung der Menschenrechte wird er mehrmals festgenommen und verhört.

1981
am 12. April stirbt sein Freund Matthias Domaschk in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Gera.

1982
wird Roland Jahn am 1. September verhaftet. Als Vorwand dient dem MfS eine polnische Flagge mit dem Schriftzug der verbotenen polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, die er schon wochenlang am Fahrrad hängen hat.

1983
wird er nach fünf Monaten Untersuchungshaft im Januar zu 22 Monaten Freiheitsstrafe wegen „öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ und „Missachtung staatlicher Symbole“ verurteilt. Nach internationalen Protesten gegen seine Inhaftierung – und die weiterer Jenenser Oppositioneller – wird er zwei Monate später vorzeitig entlassen und widerruft seinen Ausreiseantrag, den er im Gefängnis gestellt hat.
Im März ist er Gründungsmitglied der Friedensgemeinschaft Jena, die als Oppositionsgruppe demonstrativ in der Öffentlichkeit auftritt. Sie erscheint im März und Mai zum Beispiel bei offiziellen Demonstrationen mit eigenen Transparenten.
Am 8. Juni wird Roland Jahn brutal in die Bundesrepublik abgeschoben. In der Folgezeit unterstützt er die DDR-Opposition von West-Berlin aus. Er besorgt zum Beispiel Druckmaschinen für die Umwelt-Bibliothek Berlin und die Initiative Frieden und Menschenrechte.

1985 bis 1987
bearbeitet er am Hamburger Institut für Sozialforschung ein Studienprojekt „Opposition in der DDR“. Er arbeitet als freier Journalist für das TV-Magazin Kontraste (ARD), für die tageszeitung und für Radio Glasnost. Bis 1989 agiert er als wichtige Kontaktperson und Stimme der DDR-Opposition in der Bundesrepublik.

Ab 1991 hat er eine Festanstellung beim ARD-Politikmagazin Kontraste als Redakteur, ab 2006 arbeitet er als Chef vom Dienst und stellvertretender Redaktionsleiter.

Ab 1996
ist er im Beirat der Robert-Havemann-Gesellschaft tätig.

1998
wird Roland Jahn das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Ab 1999
ist er Mitglied des Fachbeirats der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

2005
erhält er den Bürgerpreis zur Deutschen Einheit der Bundeszentrale für politische Bildung.

2006 bis 2010
Beirat in der Stiftung Berliner Mauer.

2010
erhält er die Dankbarkeitsmedaille der Solidarnosc.

2011
wird er Nachfolger von Marianne Birthler als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.


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