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Chronik

1980

Januar

Die DDR wird für zwei Jahre Mitglied des UNO-Sicherheitsrats.

1980 verlassen 12.763 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik.

US-Präsident Jimmy Carter kündigt Sanktionen gegen die Sowjetunion an, setzt die Ratifizierung des SALT II-Abkommens zur Begrenzung strategischer Waffen aus und droht mit dem Boykott der Olympischen Spiele.

Die Grünen konstituieren sich in Karlsruhe als Bundespartei.

Mit großer Mehrheit fordert die UN-Vollversammlung in einer Resolution den unverzüglichen Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan.

In Moskau wird der Dissident Andrej Sacharow verhaftet. Zusammen mit seiner Frau Jelena Bonner wird er in ein Lager in der Nähe der Stadt Gorki verbannt.

Die Grenzen zwischen Israel und Ägypten werden offiziell geöffnet. Beide Länder haben sich nach mehr als 30 Jahren der Feindseligkeit 1978 auf eine friedliche Nachbarschaft geeinigt.

Wegen der sowjetischen Intervention in Afghanistan sagt Bundeskanzler Helmut Schmidt ein Treffen mit dem Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, ab.

Februar

Erich Mielke wird Armeegeneral.

März

Bundeskanzler Helmut Schmidt besucht den US-Präsidenten Jimmy Carter. Sie stimmen in der Beurteilung der sowjetischen Invasion in Afghanistan überein, nicht jedoch in der Bewertung der Folgen für die bundesdeutsche Politik.

Sowjetisches Panzermonument in Karl-Marx-Stadt aus Protest gegen den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan von Josef Kneifel gesprengt.

Das Politbüro der SED legt die Aufgaben der Universitäten in der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“ der DDR fest.

April

Der Bundestag spricht sich – wegen der sowjetischen Invasion in Afghanistan – für den Boykott der Olympischen Sommerspiele in Moskau aus. Eine Gruppe, die sich „Revolutionäre Zellen in der IG Metall“ nennt, verübt einen Sprengstoffanschlag auf des Bundesarbeitsgericht in Kassel. Dort wird über die Rechtmäßigkeit von Aussperrungen als Reaktion der Arbeitgeber auf Streiks verhandelt.

Erich Honecker hält zum 35. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden eine Rede. Unter den Gästen ist Robert Havemann. Beide waren während der Nazizeit in Brandenburg inhaftiert.

Mai

Bei Gorleben besetzen rund 5.000 Atomkraftgegner das Gelände der Tiefborstelle 3 und errichten ein Runddorf. Die so genannte Freie Republik Wendland wird am 4. Juni von der Polizei und Bundesgrenzschutz geräumt.

Die Bundesrepublik beteiligt sich am Boykott der Olympischen Spiele.

Juni

In Venedig findet der sechste Wirtschaftsgipfel statt.

Bundeskanzler Helmut Schmidt und Außenminister Hans-Dietrich Genscher besuchen die Sowjetunion. Thema der Gespräche ist die Krise der Entspannungspolitik.

Juli

Es wird gemeldet, dass seit 1964 13.000 politische DDR-Häftlinge durch besondere Bemühungen der Bundesregierung vorzeitig aus der Haft entlassen worden sind und 30.000 DDR-Bürger im Rahmen der Familienzusammenführung ausreisen konnten.

In Moskau finden die XXII. Olympischen Sommerspiele statt. Aus Protest gegen den Eimarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan verzichten 30 Staaten, darunter die USA und die Bundesrepublik, auf eine Teilnahme.

Andrej Sacharow fordert in einem Offenen Brief an Leonid Breschnew den Truppenabzug aus Afghanistan und eine Amnestie für politische Gefangene.

August

Streiks in Polen. Die Beschäftigten der Danziger Lenin-Werft legen die Arbeit nieder und stellen erfolgreich politische und wirtschaftliche Forderungen.

In Hamburg wird bei Krawallen anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß ein Demonstrant getötet. Über 100 Polizeibeamte und zahlreiche Demonstranten erleiden Verletzungen.

Zu sensationellen Zugeständnissen drängt das überbetriebliche Vereinigte Streikkomitee unter seinem Vorsitzenden Lech Walesa den stellvertretenden polnischen Ministerpräsidenten Mieczyslaw Jagielski im Danziger Abkommen: Darin sind das Streikrecht und das Recht zur Gründung unabhängiger und sich selbst verwaltender Gewerkschaften verbrieft. Außerdem wird das Recht auf Meinungsfreiheit ausgeweitet sowie arbeiterfreundliche Regelungen über Lohnerhöhungen, Preiskontrollen und soziale Verbesserungen getroffen.

September

Nach einem unblutigen Militärputsch wird Generalstabschef Kenan Evren in der Türkei Staatspräsident.

Gründung der unabhängigen polnischen Gewerkschaft NSZZ „Solidarnsc“, die offiziell registriert und damit anerkannt wird. Am 18. September wird Lech Walesa zum Vorsitzenden von Solidarnosc gewählt.

Nachdem der Irak am 17. September das 1975 in Algier mit dem Iran geschlossene Abkommen über den Grenzverlauf zwischen beiden Staaten aufgekündigt hat, fallen irakische Truppen in den Iran ein. Damit weitet sich der seit Monaten schwelende Grenzkonflikt zu einem offenen Krieg aus. Der Erste Golfkrieg dauert bis 1988 an.

Bei einem Bombenanschlag auf dem Münchner Oktoberfest werden 13 Menschen getötet und 219 verletzt. Der mutmaßliche Attentäter, der als Rechtsextremist bekannte Gundolf Köhler, kommt ebenfalls ums Leben.

Oktober

Unterzeichnung des Danziger Abkommens in Polen, das das Recht auf unabhängige Gewerkschaften und auf Streik zusichert.

Wahlen zum Bundestag. Bestätigung der sozialliberalen Koalition durch deutliche Stimmengewinne zu Lasten der CDU/CSU.

Die DDR erhöht den so genannten Zwangsumtausch für Besucher aus dem Westen auf 25 D-Mark pro Tag.

„Geraer Forderungen“ Erich Honeckers, unter anderem nach Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft durch die Bundesrepublik, Umwandlung der Ständigen Vertretungen in Botschaften und Auflösung der Erfassungsstelle in Salzgitter.

Beginn der Genfer Verhandlungen zwischen den USA und der SU über atomare Mittelstreckensysteme.

In Rostock findet die dritte Baumpflanzaktion statt.

Der visafreie Reiseverkehr zwischen der DDR und Polen wird aufgehoben. Hintergrund sind die politische Staatskrise, die dortige Streikwelle und die unabhängige Gewerkschaftsbewegung.

November

Ronald Reagan wird zum neuen US-Präsidenten gewählt.

Wiederwahl Helmut Schmidts zum Bundeskanzler.

1. Friedensdekade der Evangelischen Kirchen unter dem Thema „Frieden schaffen ohne Waffen“ in Deutschland. Die geplante Friedensminute am Buß- und Bettag mit Glockenläuten um 13.00 Uhr wird von der DDR-Regierung verboten. Die Sächsische Kirchenleitung lässt jedoch die Glocken am 19. November um 13.15 Uhr läuten. - Mit einer Gesprächskampagne versuchen staatliche Stellen auf die Gestaltung der Friedensdekade Einfluss zu nehmen. Viele Pfarrer betonen den gesamtdeutschen Charakter der Friedensdekade und gestalten die Andachten entsprechend.

Der Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, trifft zu einem Staatsbesuch in Österreich ein, seiner ersten offiziellen Reise ins westliche Ausland.

In Madrid wird das zweite Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) eröffnet.

Dezember

In Moskau treffen sich die führenden Repräsentanten der Warschauer-Pakt-Staaten und beraten über die Situation in Polen.

In New York wird der englische Popmusiker John Lennon auf offener Straße erschossen.

Polnische Landwirte drohen vor dem Obersten Gerichtshof mit Lieferstreiks, sollte sich die Zulassung der unabhängigen Bauerngewerkschaft „Land-Solidarität“ weiter verzögern.


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