Thomas Ammer
Oktober 1954. Thomas Ammer und einige Mitschüler protestieren gegen den erneuten Wahlschwindel der SED. Sie stellen ein Plakat her und machen einen nächtlichen Ausflug zum Schießstand der GST.
Thomas Ammer (rechts) mit seinem jüngeren Bruder Stefan 1946.
Thomas Ammer (links) mit seinem Bruder Stefan und seiner Mutter Elisabeth 1950.
"Unter dem direkten Eindruck des Nationalsozialismus sollte uns keiner nachsagen können, dass wir uns nicht wehren. " Porträt des Schülers Thomas
Ammer von 1953.
Porträt von Thomas Ammer, ca. 1955.
Die Abiturklasse an der Eisenberger Oberschule 1955: Thomas Ammer (vorne links), dahinter Joachim Marckstadt. In der Bildmitte die Klassenlehrerin
Irene Geier (LDP-Mitglied), die im Zuge der Kampagne gegen die Junge Gemeinde als Direktorin der Schule abgesetzt wird. Sie erzieht ihre Schüler in einem kritischen Geist gegenüber der SED.
Thomas Ammer mit seinem jüngeren Bruder Stefan zu Weihnachten 1957.
Das Wohnhaus der Familie Ammer in der Oststraße in Eisenberg 1958.
Die Zeit von seiner Verhaftung bis zur Urteilsverkündung verbringt Thomas Ammer im Untersuchungsgefängnis Gera. Das Bild, das die ehemalige
MfS-Untersuchungshaftanstalt in Gera zeigt, entsteht in den 1990er Jahren.
Nach der Urteilsverkündung werden Thomas Ammer und die anderen Verurteilten des Eisenberger Kreises zunächst in die berüchtigte Haftanstalt
Waldheim gebracht. Dort trennen sich die Wege der Freunde. Von November 1958 bis August 1964 sitzt Thomas Ammer in der Strafvollzugsanstalt Brandenburg-Görden. Nach über sechs Jahren Haft wird er am 14. August 1964 in die Bundesrepublik entlassen. Thomas Ammer ist einer der ersten von der Bundesrepublik freigekauften politischen Häftlingen.
August 1964: Thomas Ammer mit seiner Mutter Elisabeth in Österreich. Das Bild entsteht kurz nach seinem Freikauf aus der Haft.
Auf den Spuren der Vergangenheit: Thomas Ammer in Eisenberg (1992). Im Hintergrund sieht man sein ehemaliges Zuhause.
Die Oberschule in Eisenberg: Hier gingen Thomas Ammer und weitere Mitglieder des Eisenberger Kreises zur Schule.
Ehrenbürgerschaft für ihren Widerstand: Die Mitglieder des Eisenberger Kreises, die Bürger Eisenbergs waren, erhalten vom Bürgermeister die
Ehrenmedaille Eisenbergs. V.l.n.r.: Joachim Marckstadt, Ludwig Götz, Peter Herrmann, Rudolf Rabold, Johann Frömel, der Bürgermeister, Thomas Ammer, Roland Peter, Wilhelm Ziehr, Günter Schwarz.
Thomas Ammer im September 2006 in der Robert-Havemann-Gesellschaft.
Eisenberg, Sommer 1953. Thomas Ammer und einige seiner Mitschüler denken intensiv über die Bildung einer Widerstandsgruppe nach. Das hat vor allem zwei Gründe: Die Oberschüler sind empört, dass Mitglieder der
„Deutscher! Was hat die bisherige bolschewistische Herrschaft gebracht? Entziehung der
Im Schutze der Dunkelheit kleben die Schüler einige Exemplare dieses Aufrufs an Hausmauern in der Stadt.
Einige Wochen später klettern sie nachts in das Heimatmuseum, um aus dem Ersten Weltkrieg stammende Waffen zu entwenden. Allerdings finden sie keine brauchbaren Stücke und lassen lediglich zwei Vorderlader aus dem frühen 19. Jahrhundert mitgehen. Zusätzlich gelangen sie in den Besitz einer alten Pistole aus dem Bestand von Joachim Marckstadts Vater, der als Förster tätig war. Sie wird gut versteckt und niemals verwendet. Diese Aktionen zeigen die fließende Grenze zwischen Abenteuerromantik und politischer Aktion.
Die Gruppe, die später der Eisenberger Kreis genannt wird, konzentriert sich bis 1955 auf Flugblattaktionen und Parolen an Häuserwänden. Meist ziehen die Jugendlichen in Zweiergruppen los. Thomas Ammer malt mithilfe einer vorgefertigten Pappschablone fünfzackige rote Sterne auf Hausmauern. Sie sind im Durchmesser etwa zehn Zentimeter groß und mit Fahrradlack an die Wand gepinselt. Sein Begleiter streicht das Sowjetsymbol mit schwarzer Farbe durch.
Am 21. Januar 1956 gegen 23 Uhr treffen sich Thomas Ammer, Peter Herrmann, Günter Schwarz, Reinhard Spalke und Wilhelm Ziehr an einem Eisenbahnübergang in der Nähe der Stadt. Das Ziel des nächtlichen Ausflugs ist ein Schießstand der
Peter Herrmann, Thomas Ammer und Wilhelm Ziehr beziehen Posten, Reinhard Spalke und Günter Schwarz stapeln die im Schießstand stehenden hölzernen Tische übereinander, verteilen Holzwolle und Brennholz und übergießen den ganzen Stapel mit brennbaren Flüssigkeiten. Dann legen sie Feuer und machen sich getrennt auf den Heimweg. Die verbrannten Reste des Schießstands am Rande der städtischen Sportanlagen sind noch lange zu sehen. Damit haben die Schüler ein Zeichen gegen die Militarisierung der DDR-Gesellschaft gesetzt.
Mit dem Abschluss der Schule und dem Studienbeginn in Jena verlagert sich Thomas Ammers Tätigkeit in die thüringische Universitätsstadt. Die letzte größere Aktion der Gruppe bereiten Thomas Ammer und Peter Herrmann im September 1957 vor. Sie planen einen Aufruf an die mitteldeutschen Hochschullehrer. Sie schreiben einen Text, kaufen in kleinen Mengen Schreibpapier und Briefumschläge und besorgen sich ein Vervielfältigungsgerät.
Im Oktober 1957 stellen sie in zwei Nächten ungefähr 400 Exemplare des Aufrufs her. Da trotz vielfältiger Vorsichtsmaßnamen doch Fingerabdrücke auf die Flugblätter geraten, wird die Aktion abgeblasen. Außerdem beobachtet die
Am 13. Februar 1958 wird Thomas Ammer verhaftet. Von den 24 Angeklagten erhält er mit 15 Jahren
Biografische Angaben zu Thomas Ammer finden sie im
Die Kampagne gegen die Junge Gemeinde und die Militarisierung der Gesellschaft politisieren den Oberschüler aus Eisenberg.
Es war tatsächlich diese Junge-Gemeinde-Kampagne und auch der 17. Juni, weil damit die These des Regimes zerschlagen wurde: Die Mehrheit der Bevölkerung, die große Mehrheit, sind überzeugte Anhänger des Regimes, alle wollen das Gleiche und so weiter. Da war schlagartig klar, dass das nur ein dünner Firnis ist; die Masse ist entweder gleichgültig oder massiv dagegen, sobald sie die Gelegenheit sieht, das zum Ausdruck zu bringen.
Und dann gab es natürlich einzelne Zustände, zum Beispiel die Militarisierung, die Uniformierung der Jugend, die nun Anklänge an die Nazizeit mit sich brachten. Dazu kommt, dass ich von zu Hause aus stark antifaschistisch beeinflusst war, und dass die Erscheinungen sich glichen. Jedenfalls die äußeren Erscheinungen, wenn auch natürlich der Inhalt anders war. Und einer der ersten Grundsätze, die mir schon zu Hause beigebracht worden sind, dass eben der Mehrheit der Deutschen in der Nazizeit zu Recht der Vorwurf gemacht wurde, dass sie, wenn sie schon nicht mitgelaufen sind, sich doch passiv verhalten haben und nichts hören wollten, also eine indirekte Mitschuld an den Dingen hatten. Und ich meinte, wie viele andere Schulkameraden und später Studenten auch: Das soll man uns nicht nachsagen.
Thomas Ammer, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2006
Spieldauer: 2 Min.
© 2006 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350