Joachim Marckstadt

Joachim Marckstadt

Redaktion

Joachim Marckstadt und seine Freunde protestieren gegen den Einmarsch der sowjetischen Armee in Ungarn im November 1956. Eine wichtige Frage ist: Wie kann man Flugblätter verteilen, ohne erwischt zu werden?

Eisenberg, Winter 1953. Als der 16-jährige Oberschüler Joachim Marckstadt Ende des Jahres von seinem Mitschüler Thomas Ammer gefragt wird, ob er sich einem Widerstandskreis anschließen will, sagt er spontan zu. Sie gehen gemeinsam in eine Klasse, kennen sich gut und vertrauen einander.

Mit Flugblättern und Losungen an Häuserwänden protestiert die Gruppe gegen die Scheinwahlen zur Interner Link: Volkskammer im Jahr 1954. Am 21. Januar 1956 setzen sie einen Schießstand der paramilitärischen Interner Link: Gesellschaft für Sport und Technik (GST) in Brand. Damit wollen sie gegen die Militarisierung des Schulunterrichts und die Gründung der Interner Link: Nationalen Volksarmee protestieren. Sie malen rote Sterne an Hausmauern in Eisenberg und durchkreuzen sie mit schwarzer Farbe. Gegen den Einmarsch der sowjetischen Armee in Ungarn im November 1956 protestieren sie ebenfalls: Sie bringen Losungen an Eisenbahnwaggons an und rufen zum Widerstand auf.

Um die Verbreitung ihrer Flugblätter zu erhöhen, entwickelt der Eisenberger Kreis einen ausgeklügelten Zettelauswurfkasten: Eine Metallfeder wird durch einen Wollfaden gespannt, der über eine Säureampulle zersetzt wird. Wenn der Faden reißt, schleudert die Feder einen Packen Flugblätter in die Luft. So können die Zettel von Schornsteinen und anderen erhöhten Orten über das ganze Stadtgebiet verteilt werden. Bis der Faden reißt, sind die Aktivisten längst über alle Berge.

Obwohl die Gruppe ungewöhnlich groß und weitverzweigt ist, gelingt es der Interner Link: Staatssicherheit lange Zeit nicht, ihr auf die Spur zu kommen. Die Schüler arbeiten nach strengen Regeln der Konspiration. Nach dem Abitur verstreut sich die Gruppe. Einige gehen zum Studium. In Jena setzt Thomas Ammer die Tätigkeit der Widerstandsgruppe fort, und Joachim Marckstadt beginnt eine Lehre in Gera.

Dem Ministerium für Staatssicherheit gelingt es schließlich, einen Provokateur in die Gruppe einzuschleusen. Als der Stasi die Strukturen und personellen Zusammenhänge in den wesentlichen Zügen klar sind, schlägt sie zu. Am 13. Februar 1958 beginnen die Verhaftungen. Einige Tage später wird auch Joachim Marckstadt auf dem Weg zur Arbeit festgenommen.

Zwischen dem 27. September 1958 und dem 14. Oktober 1958 finden vor dem Bezirksgericht Gera insgesamt vier Prozesse gegen 24 Angeklagte statt. Interner Link: Thomas Ammer wird als Haupträdelsführer bezeichnet und erhält mit 15 Jahren Interner Link: Zuchthaus die höchste Strafe. Die anderen Angeklagten erhalten Zuchthausstrafen zwischen einem Jahr und sechs Monaten bis zu 14 Jahren. Im zweiten der insgesamt vier Prozesse ergeht gegen Joachim Marckstadt eine Zuchthausstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Insgesamt werden Strafen in der Höhe von 114 Jahren und sechs Monaten verhängt.

Biografische Angaben zu Joachim Marckstadt finden sie im Interner Link: Personenlexikon.

Fussnoten

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