Aktion in Zwickau: „Ich fordere die Rücknahme der Ausbürgerung von Wolf Biermann“

Aktion in Zwickau: „Ich fordere die Rücknahme der Ausbürgerung von Wolf Biermann“

Redaktion

Nach Wolf Biermanns Ausbürgerung 1976 las der Schweißer Hans Jürgen Breitbarth in der DDR-Presse nur Artikel, die den Rauswurf rechtfertigten. Er konnte seinen Widerspruch nicht länger zurückhalten.

Breitbarth, der selbst kein Mitglied der Interner Link: Freien Deutschen Jugend ist, besucht eine Interner Link: FDJ-Versammlung und spricht das Thema an. Wegen seiner von den offiziellen Darstellungen abweichenden Meinung wird er aus der Versammlung geworfen. Nun ist das Maß voll. Jürgen Breitbarth setzt sich zu Hause an seine Schreibmaschine und tippt auf 20 Zettel den folgenden Text:

„Ich fordere die Rücknahme der Ausbürgerung von Wolf Biermann, der meines Erachtens zu Unrecht aus der DDR ausgebürgert wurde.“

Noch in derselben Nacht geht Jürgen Breitbarth durch Zwickau und klebt die Zettel an einige Schaufensterscheiben in der Innenstadt. Er wird schnell von der Interner Link: Stasi ausfindig gemacht, verhaftet und vor Gericht gestellt. Der Preis für seinen Mut: 18 Monate Gefängnis.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Artikel

Kontext

Die 1970er zwischen Diplomatie und Revolte: Während die KSZE-Akte weltweit Menschenrechte stärkt, kämpfen DDR-Dissidenten gegen Zersetzung und die Bundesrepublik erlebt das Trauma des RAF-Terrors.

Artikel

Biermann – die Biografie

1936 in Hamburg geboren, verlässt Wolf Biermann als 16-Jähriger seine Heimatstadt und siedelt in die DDR über. Er hält den jungen Arbeiter- und Bauernstaat damals für den besseren Teil Deutschlands.

Artikel

Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.