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Roland Jahn

Roland Jahn

Redaktion

Roland Jahn wird am 8. Juni 1983 gegen seinen Willen ausgebürgert und mit Gewalt in die Bundesrepublik abgeschoben. In Knebelketten zum Grenzübergang Probstzella gebracht, sperrt man ihn in ein Zugabteil, das erst in der Bundesrepublik vom Schaffner geöffnet wird.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_11983) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14893) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14894) (© Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14895) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrand/RHG_Fo_HAB_11985) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrandt/RHG_Fo_HAB_11686 ) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_12672) (© Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie) ) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, MfS BV Gera AU 728/83 Gerichtsakte Band 1, Blatt 24) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 7, RHG_Fak_0892) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 7, RHG_Fak_0892_a) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 3 von 7, RHG_Fak_0892_b) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 4 von 7, RHG_Fak_0892_c) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 5 von 7, RHG_Fak_0892_d) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 6 von 7, RHG_Fak_0892_e) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 7 von 7, RHG_Fak_0892_f) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Petra Falkenberg/RHG_Fo_HAB_11760) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Albrecht/RHG_Fo_HAB_11511) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Albrecht/RHG_Fo_HAB_11318) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 3) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 3) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 3 von 3) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Rüdiger Rosenthal/RHG_Fo_HAB_12003) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Rüdiger Rosenthal/RHG_Fo_HAB_16034) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Rüdiger Rosenthal/RHG_Fo_HAB_11893 ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Rüdiger Rosenthal) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 2) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 2) (© Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 88_0126_WIF_Medien_02) (© BStU, MfS, HA VIII 1994, Bd. 1, S. 9 - 48) (© BStU, MfS, HA VIII 1994, Bd. 1, S. 13 - 48-2) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 2) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 2) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter/RHG_Fo_HAB_25046) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Dirk Vogel/RHG_Fo_HAB_21047a) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 2) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 2)

Probstzella, Frühjahr 1983. Roland Jahn wird am 8. Juni 1983 gegen seinen Willen ausgebürgert und mit Gewalt in die Bundesrepublik abgeschoben. In Knebelketten zum Grenzübergang Probstzella gebracht, sperrt man ihn in ein Zugabteil, das erst in der Bundesrepublik vom Schaffner geöffnet wird. Dabei will Roland Jahn die DDR nicht verlassen, sondern sie verändern. Fantasievoll prangert er in Einzelaktionen Ungerechtigkeiten an und bringt sie mithilfe der westlichen Medien an die Öffentlichkeit.

Nachdem er 1977 wegen seiner Proteste gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns von der Universität Jena geworfen wird, geht er mit einem leeren weißen Plakat auf die offizielle Kundgebung zum 1. Mai. Alle, die das Plakat sehen, verstehen die Botschaft: Ich darf meine Meinung nicht sagen, aber die Interner Link: Stasi kann schlecht ein leeres Plakat verbieten. Ebenso verschickt er Postkarten mit einem Foto von sich, auf dem eine Gesichtshälfte als Interner Link: Hitler und die andere als Interner Link: Stalin geschminkt ist. In diesem Aufzug nimmt er am 1. Mai 1982, neben der offiziellen Tribüne stehend, die Parade ab. Er will die Menschen zum Nachdenken anregen, unter wem man schon alles am 1. Mai marschiert ist.

Am 1. September 1982 wird er verhaftet, weil er eine polnische Flagge mit dem Schriftzug der verbotenen polnischen Gewerkschaft Interner Link: Solidarnosc am Fahrrad hat. Im Gefängnis versucht die Stasi mit allen Mitteln, ihn zur Ausreise zu bewegen. Die Stasi-Leute zeigen ihm Postkarten von einer Freundin aus Paris und sagen ihm, dass alle seine Freunde bereits in der Bundesrepublik sind, auch Interner Link: Petra Falkenberg und ihre gemeinsame Tochter, was nicht der Wahrheit entspricht. Daraufhin unterschreibt er den Interner Link: Ausreiseantrag.

Nach sechs Monaten Untersuchungshaft wird er zu 22 Monaten Freiheitsstrafe wegen „Interner Link: öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ und „Missachtung staatlicher Symbole“ verurteilt, kurz darauf jedoch wegen der Proteste, auch aus der Bundesrepublik, freigelassen. Die unverhoffte Freiheit ist ein Triumph für ihn, er zieht den Ausreiseantrag zurück und engagiert sich bis zu seiner gewaltsamen Ausbürgerung in der Interner Link: Friedensgemeinschaft Jena.

Die erste Zeit in West-Berlin ist schwer, er will in die DDR zurück und weigert sich zunächst, den Pass der Bundesrepublik anzunehmen. In die DDR darf er offiziell nicht mehr einreisen. Erst bei einer illegalen Reise nach Jena 1985 wird ihm klar, dass seine Heimatstadt nicht mehr so ist wie in seiner Erinnerung. Alle seine Freunde sind weggezogen oder ausgewiesen.

Roland Jahn engagiert sich nun von der Bundesrepublik aus. Er wird in West-Berlin neben Interner Link: Jürgen Fuchs zum wichtigsten Unterstützer der DDR-Interner Link: Opposition. Er ist Kontaktperson und Nachrichtenzentrale, besorgt Druckmaschinen, Videokameras, Bücher und Computer und lässt sie von einem Netz von Kurieren in die DDR schmuggeln. Die Stasi sieht in ihm einen Hauptfeind und bespitzelt ihn auch in West-Berlin. Sie versucht, seinen Ruf zu schädigen, indem sie Gerüchte über seine angebliche Tätigkeit für westliche Geheimdienste streut, und erlässt im Dezember 1987 einen Haftbefehl gegen ihn wegen „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“ – obwohl er inzwischen Bürger der Bundesrepublik ist.

Biografische Angaben zu Roland Jahn finden sie im Interner Link: Personenlexikon.

Fussnoten

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Friedensgemeinschaft Jena

Für die Friedensaktivisten steht fest: Die Kirche ist obrigkeitshörig. Sie setzen lieber auf eigene Aktionen. Bald sind die Jenenser über die Stadt hinaus bekannt.

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Die Mitglieder der Jungen Gemeinde Stadtmitte sind empört über die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Sie wollen das Unrecht nicht hinnehmen und bekennen Farbe.

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Bildungsverbot für Protestierende

Wer in einem Seminar kritische Fragen stellt, riskiert exmatrikuliert zu werden. Vielen Studenten, die offen und frei diskutieren wollen, wird die Aufnahme eines Studiums in der DDR fortan verwehrt.

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Fuchs, Kunert und Pannach

Sie schreiben und singen kritische Texte und ihr Protest gegen die Biermann Ausbürgerung bringt sie ins Gefängnis. Die DDR sollten sie erst nach dem Mauerfall wieder sehen.

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Beliebte Künstler bitten die DDR-Führung, Biermanns Ausbürgerung zu überdenken. Auch der Rockmusiker Christian Kunert protestiert. Er will ein Lied schreiben und muss Mercedes fahren.

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In der DDR gibt es in den 1970er Jahren eine gut vernetzte Tramperszene, zu der auch Andreas Friedrich gehört. Er trampt quer durch die Republik, zu Konzerten oder um Freunde zu besuchen.

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Christian Kunert

Christian Kunert ist seit 1971 Keyboarder der Band Renft. Diese wird 1975 endgültig verboten. Gerulf Pannach, seinem Musikerkollegen, ist schon vorher ein Auftrittsverbot erteilt worden.

Zeitzeugin

Doris Liebermann

Am 18. November 1976 sprechen die Mitglieder der Jungen Gemeinde Jena-Stadtmitte über die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Die Jugendlichen sind sich einig, dass man irgendetwas gegen diese staatliche…

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Reinhard Schult

Reinhard Schult verweigert den Dienst an der Waffe bei der NVA und wird Anfang November 1976 im Alter von 25 Jahren als Bausoldat eingezogen. Nach zwei Wochen gibt es plötzlich eine Nachrichtensperre.

Zeitzeugin

Johanna Kalex

Angeregt durch ein Vorbild aus Polen ruft Johanna Kalex mit siebzehn Jahren zu einer Friedensdemonstration an der Ruine der Dresdner Frauenkirche auf.

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350