Reinhard Schult

Reinhard Schult

Redaktion

Reinhard Schult verweigert den Dienst an der Waffe bei der NVA und wird Anfang November 1976 im Alter von 25 Jahren als Bausoldat eingezogen. Nach zwei Wochen gibt es plötzlich eine Nachrichtensperre.

Pätz bei Königs Wusterhausen, Herbst 1976. Nachdem Reinhard Schult den Dienst an der Waffe bei der Interner Link: Nationalen Volksarmee verweigert hat, wird er im Alter von 25 Jahren als Interner Link: Bausoldat eingezogen. Nach zwei Wochen gibt es plötzlich eine Nachrichtensperre, und die jungen Interner Link: Bausoldaten dürfen nicht einmal mehr die Fernsehnachrichten der Interner Link: Aktuellen Kamera sehen. Später erfährt Reinhard Schult von zivilen Bediensteten an seinem Einsatzort, dass es dafür einen konkreten Grund gab: die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann.

Die Lieder Wolf Biermanns haben Reinhard Schult nie besonders interessiert, aber jetzt, wo seine Musik illegal ist, beschäftigt er sich intensiver mit den Texten. Von einer Freundin leiht er sich einen in der DDR verbotenen Mitschnitt des Biermann-Konzerts in Köln. Zusammen mit seinen Kameraden schreibt er die Liedtexte auf und vervielfältigt sie mühsam mit Durchschlagpapier auf der Schreibmaschine. Dabei muss immer einer der Bausoldaten Schmiere stehen, damit sie nicht von den Offizieren erwischt werden. Das würde nämlich Armeeknast für sie bedeuten.

Im Sommer 1979 wird ein Bekannter von Reinhard Schult beim Versuch, die DDR zu verlassen, verhaftet. Beim Interner Link: Stasi-Verhör behauptet er, Reinhard Schult sei in die Fluchtvorbereitungen eingeweiht. Reinhard Schult wird am 13. August 1979 wegen „Beihilfe zur Republikflucht“ verhaftet und ins Berliner Untersuchungsgefängnis gesteckt. Bei einer Hausdurchsuchung findet die Stasi die Biermann-Texte sowie eine Nummer der Zeitschrift Interner Link: Roter Morgen, veröffentlicht von der westdeutschen Interner Link: Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten.

Vor Gericht nimmt Reinhard Schults Bekannter die belastenden Aussagen zurück, sodass dem wutentbrannten Staatsanwalt nur noch der Anklagepunkt „öffentliche Herabwürdigung“ bleibt. Wegen der illegalen Texte in seiner Wohnung wird Reinhard Schult zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Weniger kann man ihm nicht geben, weil er diese Zeit schon in der Untersuchungshaft abgesessen hat.

Biografische Angaben zu Reinhard Schult finden sie im Interner Link: Personenlexikon.

Fussnoten

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