„Die Akten gehören uns!“ – die zweite Besetzung der ehemaligen Stasi-Zentrale im September 1990
Kurz vor der Wiedervereinigung protestieren wieder die Bürgerrechtler. Sie besetzen die Stasi-Zentrale in Berlin, denn die Aufzeichnung der Staatssicherheit sollen in den Archiven verschwinden. Die Forderung der Besetzer: „Freiheit für unsere Akten!“.
Am 4. September 1990 besetzen 23 Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler das Aktenarchiv der früheren MfS-Zentrale in Ost-Berlin und treten später
in unbefristeten Hungerstreik. Sie fordern u.a., dass das Stasi-Unterlagen-Gesetz Gegenstand des Einigungsvertrags wird. V.l.n.r.: Stephan Konopatzky (27), Ingrid Köppe, Frank Ebert (20), Till Böttcher (20), Christian Halbrock (26).
Unterschriftenliste der Besetzerinnen und Besetzer der ehemaligen Stasi-Zentrale vom 5. September 1990.
Die Besetzerinnen und Besetzer der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Normannenstraße haben alle Parteien und Fraktionen der Volkskammer und des
Bundestages in einem offenen Brief aufgefordert, "die Interessen der Aktenopfer zu vertreten, anstatt vorschnelle Entscheidungen zu treffen". Die Besetzer verdeutlichen auf einer Pressekonferenz im ehemaligen Stasi-Objekt, dass die Informationen über sechs Millionen Bürger beispielsweise vor dem Zugriff fremder Geheimdienste geschützt werden müsse. Von links nach rechts: Michael Heinisch, Hagen Thiel, Ralph Skörries, Stephan Müller, Reihnard Schult, unbekannt, Stephan Konopatzky, Wolfram Kempe, Bärbel Bohley, Andreas Schreier, Ingrid Köppe, unbekannt, Frank Ebert, Christian Halbrock.
In einer Presseerklärung vom 5. September 1990 legen die Besetzerinnen und Besetzer der ehemaligen Stasi-Zentrale ihre Forderungen dar.
Wegen der Besetzung wird gegen die Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt. Dies geschieht auch auf
Initiative des Innenministers Peter-Michael Diestel. In einer Presseerklärung vom 7. September 1990 beziehen die Besetzerinnen und Besetzer Stellung.
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, treten die Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen in der ehemaligen Stasi-Zentrale vom 12. September
bis zum Ende der Besetzung in einen Hungerstreik. In einer Erklärung erläutern sie ihre Beweggründe.
Reinhard Schult ist einer der Bürgerrechtler, die am 4. September 1990 das Stasi-Unterlagenarchiv in Berlin besetzen. Kurz nach der Besetzung gibt er
der Presse ein Interview.
Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl besucht die Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler in der besetzten ehemaligen Stasi-Zentrale.
Bergmann-Pohl vermittelt zwischen der DDR-Regierung und den Leuten im Stasi-Gebäude. V.l.n.r.: oben sitzend Stefan Müller, Till Böttcher, Frank Ebert; stehend mit Rücken zur Kamera und Dokument in der Hand Reinhard Schult, mit kariertem Blazer Sabine Bergmann-Pohl, am Fenster Hans Schwenke; unten sitzend Wolfram Kempe, Ingrid Köppe, Katja Havemann.
Aufkleber anlässlich der Besetzung des Archivs der Staatssicherheit in Ost-Berlin im September 1990. Erst
diese mehrwöchige Aktion und der massive Protest der Bevölkerung führen zum Erfolg: Es wird festgelegt, dass die Akten der politischen Geheimpolizei geöffnet und für Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht werden.
Aufruf zur Mahnwache vor der ehemaligen Stasi-Zentrale, um die Besetzer und Besetzerinnen zu unterstützen.
Um die Besetzerinnen und Besetzer zu unterstützen, organisieren Bürgerrechtsgruppen vor der ehemaligen Stasi-Zentrale eine Mahnwache. Täglich rufen
sie unter dem Motto „Die Akten gehören uns“ zur Demonstration vor dem Eingang in der Ruschestraße auf.
"Stasi-Verbrecher raus aus der Politik": Am 4. September 1990 besetzen 23 Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler das Aktenarchiv der früheren
MfS-Zentrale in Ost-Berlin und treten später in einen unbefristeten Hungerstreik. Sie fordern u.a., dass das Stasi-Unterlagen-Gesetz Gegenstand des Einigungsvertrags wird. Vor dem Gebäude unterstützt sie eine Mahnwache. Jeden Nachmittag finden sich tausende Sympathisanten ein.
Bei der Mahnwache vor der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit versammeln sich Tausenden Menschen, die die Besetzerinnen und Besetzer in ihren
Forderungen unterstützen.
Bei der Mahnwache vor der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit versammeln sich Tausenden Menschen, die die Besetzerinnen und Besetzer in ihren
Forderungen unterstützen.
Bei der Mahnwache vor der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit versammeln sich Tausenden Menschen, die die Besetzerinnen und Besetzer in ihren
Forderungen unterstützen. Am 9. September 1990 gibt der Liedermacher Wolf Biermann ein Konzert. Er ist bereits am zweiten Tag zu den Besetzerinnen und Besetzern gestoßen.
Um die Besetzerinnen und Besetzer zu unterstützen, organisieren Bürgerrechtsgruppen vor der ehemaligen Stasi-Zentrale eine Mahnwache. Täglich rufen
sie unter dem Motto „Die Akten gehören uns“ zur Demonstration vor dem Eingang in der Ruschestraße auf.
Um die Besetzerinnen und Besetzer zu unterstützen, organisieren Bürgerrechtsgruppen vor der ehemaligen Stasi-Zentrale eine Mahnwache. Täglich rufen
sie unter dem Motto „Die Akten gehören uns“ zur Demonstration vor dem Eingang in der Ruschestraße auf.
Um die Besetzerinnen und Besetzer zu unterstützen, organisieren Bürgerrechtsgruppen vor der ehemaligen Stasi-Zentrale eine Mahnwache. Täglich rufen
sie unter dem Motto „Die Akten gehören uns“ zur Demonstration vor dem Eingang in der Ruschestraße auf.
Um die Besetzerinnen und Besetzer zu unterstützen, organisieren Bürgerrechtsgruppen vor der ehemaligen Stasi-Zentrale eine Mahnwache. Täglich rufen
sie unter dem Motto „Die Akten gehören uns“ zur Demonstration vor dem Eingang in der Ruschestraße auf.
Im Laufe des Septembers deutet sich an, dass die Abgeordneten der Volkskammer die Forderungen der Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler nicht
durchsetzen werden. Die Mahnwache vor der ehemaligen Stasi-Zentrale ruft zu einer Demonstration vor der Volkskammer auf.
Flugblatt der Gruppe „Wolfspelz“ aus Dresden. Es informiert über die unmenschlichen Methoden des Ministeriums für Staatsicherheit (MfS). Zudem
werden der Öffentlichkeit Vorschläge für den weiteren Umgang mit den MfS-Akten unterbreitet.
Am 8. Oktober 1990 findet sich in vielen Ost-Berliner Briefkästen dieses Formular. Es verspricht die Aushändigung der persönlichen Stasi-Akte.
Diese Fälschung löst einen massenhaften Ansturm auf das Stasi-Aktenarchiv aus.
Die Besetzerinnen und Besetzer erreichen durch ihre Aktion die dauerhafte Öffnung der Stasi-Aufzeichnungen für interessierte Bürgerinnen und
Bürger sowie Forscher. Als eine der Ersten können die ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Roland Jahn und Ralf Hirsch die von der Stasi über sie angelegten Akten einsehen.
Die Besetzerinnen und Besetzer erreichen durch ihre Aktion die dauerhafte Öffnung der Stasi-Aufzeichnungen für interessierte Bürgerinnen und
Bürger sowie Forscher. Als eine der Ersten können der Schriftsteller Jürgen Fuchs und die Bürgerrechtlerin Katja Havemann die von der Stasi über sie angelegten Akten einsehen.
Dienstag, 4. September 1990: In kleinen Gruppen betreten mehrere Personen die ehemalige
Wie kommt es zu dieser Aktion? Bereits ab Dezember 1989 haben Bürger in der ganzen DDR Stasi-Objekte besetzt, um die Vernichtung jener Akten zu stoppen, in denen die Stasi so vieles gesammelt hat. Vielerorts entstehen
Am 24. August 1990 verabschiedet die
Ende August 1990 wird bekannt, dass sowohl die Regierung der Bundesrepublik als auch die der DDR nicht beabsichtigen, dieses Gesetz als fortgeltendes Recht in den
In Reaktion auf diese politische Entwicklung verschaffen sich am 4. September 1990 mehr als 20 Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen Zugang zur ehemaligen Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße. Unter denjenigen, die sich in der 3. Etage verbarrikadieren können, befinden sich viele junge Oppositionelle wie Till Böttcher (20),
Zu den zentralen Forderungen der Besetzerinnen und Besetzer gehört unter anderem:
— die unmittelbare Aufnahme des Volkskammergesetzes zum Umgang mit den personenbezogenen Daten vom 24. August sowie eines Rehabilitierungsgesetzes für die Opfer der Staatssicherheit in den
— der Verbleib der Stasi-Akten auf dem Gebiet der sogenannten neuen Bundesländer mit entsprechenden Beauftragten unabhängig von den Bestimmungen des Bundesarchivs
— die Zugänglichkeit der Stasi-Akten für die historische und juristische Aufarbeitung
— die Herausgabe der personenbezogenen Akten an die Betroffenen
— kein Zugang für ehemalige Stasi-Mitarbeiter und Angehörige anderer Geheimdienste zu den Akten
— und die Ablösung Peter-Michael Diestels als Innenminister.
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, treten die Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen ab dem 12. September in einen unbefristeten Hungerstreik. Dieser endet erst mit der Ende der Besetzung am 28. September 1990. Um die Besetzerinnen und Besetzer zu unterstützen, organisieren Bürgerrechtler wie
Die beiden Bundestagsabgeordneten der Grünen Petra Kelly und Gert Bastian setzen sich in den 1980er Jahren stark für die DDR-Bürgerrechtsbewegung
ein. Auch nach dem Fall der Mauer unterstützen sie die Bürgerrechtsgruppen. Vor ihrem Besuch in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin erreicht die Besetzerinnen und Besetzer eine Karte mit Solidaritätsgrüßen.
Aus Solidarität mit ihren Mitstreitern in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Ost-Berlin treten auch die Besetzerinnen und Besetzer in der ehemaligen
Stasi-Bezirksverwaltung Leipzig in einen Hungerstreik.
Aus Solidarität mit ihren Mitstreitern in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Ost-Berlin treten auch die Besetzerinnen und Besetzer in der ehemaligen
Stasi-Bezirksverwaltung Leipzig in einen Hungerstreik.
Die Gruppe in der ehemaligen Stasi-Zentrale erreicht zahlreiche Unterstützungsschreiben aus der ganzen DDR. In ihnen kommen nicht nur
Solidaritätswünsche für die Aktion, sondern auch Protest zum Ausdruck. Dieser richtet sich besonders gegen Innenminister Peter Michael Diestel, der in den Augen der Bürgerrechtsgruppen zu wenig gegen die Aktenvernichtung unternimmt. Seite 1,
Die Gruppe in der ehemaligen Stasi-Zentrale erreicht zahlreiche Unterstützungsschreiben aus der ganzen DDR. In ihnen kommen nicht nur
Solidaritätswünsche für die Aktion, sondern auch Protest zum Ausdruck. Dieser richtet sich besonders gegen Innenminister Peter Michael Diestel, der in den Augen der Bürgerrechtsgruppen zu wenig gegen die Aktenvernichtung unternimmt. Seite 2,
Die Gruppe in der ehemaligen Stasi-Zentrale erreicht zahlreiche Unterstützungsschreiben aus der ganzen DDR. In ihnen kommen nicht nur
Solidaritätswünsche für die Aktion, sondern auch Protest zum Ausdruck. Dieser richtet sich besonders gegen Innenminister Peter Michael Diestel, der in den Augen der Bürgerrechtsgruppen zu wenig gegen die Aktenvernichtung unternimmt. Seite 3,
In vielen Städten der DDR finden ähnliche Aktionen wie in Berlin statt. Mahnwachen werden in unter anderem in Erfurt, Leipzig, Rostock und Potsdam
abgehalten. Das Neue Forum dokumentiert die Unterstützungsaktionen. Seite 1,
In vielen Städten der DDR finden ähnliche Aktionen wie in Berlin statt. Mahnwachen werden in unter anderem in Erfurt, Leipzig, Rostock und Potsdam
abgehalten. Das Neue Forum dokumentiert die Unterstützungsaktionen. Seite 2,
DDR-weit solidarisieren sich viele Bürger mit den Besetzern und Besetzerinnen, indem sie wie in Erfurt ebenfalls Mahnwachen veranstalten bzw. demonstrieren oder sich wie in Halle dem Hungerstreik anschließen. Laut Bärbel Bohley unterstützen innerhalb von 14 Tagen 50.000 Menschen per Unterschrift die Forderungen. Neben individuellen Schreiben drücken auch Bürgerkomitees, Initiativen sowie Vertreter der Parteien in Ost und West in Zuschriften ihre Solidarität mit der Aktion aus. Zudem suchen west- und ostdeutsche Politikerinnen und Politiker die Besetzer auf dem Stasi-Gelände auf, so zum Beispiel der SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine, die Grünen-Bundestagsabgeordneten
Der vielseitige Protest zeigt Wirkung. Die Regierungen der DDR und der Bundesrepublik stimmen schließlich einem Verbleib der Akten in Ostdeutschland zu. Laut der entsprechenden Vereinbarung vom 18. September 1990 zum Einigungsvertrag soll die „sichere Verwahrung, Archivierung und Nutzung der Unterlagen zentral und regional erfolgen“. Ein Sonderbeauftragter soll eine Benutzerordnung für den Umgang mit den Akten entwickeln, die auch „Inhalt, Art und Umfang der Beratung und Unterstützung durch die Landesbeauftragten näher bestimmt“. Außerdem soll nach dem Beitritt am 3. Oktober 1990 unmittelbar mit der Gesetzgebungsarbeit auf Grundlage des Volkskammergesetzes und des Einigungsvertrages begonnen werden.
Am 20. September stimmen sowohl die Volkskammer der DDR als auch der Deutsche Bundestag dem Vertragskonvolut zur deutschen Einheit zu. Für die Besetzerinnen und Besetzer in der Normannenstraße geht die Vereinbarung vom 18. September aber nicht weit genug. Sechs der Besetzer verschaffen sich am Tag der Abstimmung Zutritt zum Plenarsaal der Volkskammer. Unter ihnen ist auch Reinhard Schult, der in einer Sitzungspause stellvertretend das Anliegen der Besetzerinnen und Besetzer formuliert. Diejenigen, die von Überwachungsmaßnahmen des MfS betroffen waren, sollen nicht nur ein Recht auf Auskunft, sondern auch auf Aushändigung ihrer Akte haben. Weiterhin kritisiert er, dass das Volkskammergesetz vom 24. August lediglich eine separate Ergänzung zum Einigungsvertrag darstellt. Ebenso wie ein Rehabilitierungsgesetz wird es nicht unmittelbarer Bestandteil des Einigungsvertrages. Der Protest richtet sich außerdem gegen Volkskammerabgeordnete mit MfS-Vergangenheit. Die Forderung der Besetzer, dass deren Verstrickungen offengelegt werden müssten, erfüllt sich erst zum Ende der Besetzung. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verliest der stellvertretende Parlamentspräsident
Unmittelbar nach der deutschen Einheit übernimmt
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350