Matthias Domaschk
Matthias Domaschk fand in der Jungen Gemeinde Halt und Freiraum, im DDR-Staat geriet er ins Visier der Stasi. Sein Engagement für Freiheit und Solidarität machte ihn zum „politisch Untergrundtätigen“ – bis er 1981 in Haft unter ungeklärten Umständen starb.
Matthias Domaschk Ende 1970er Jahre beim Trampen.
Matthias Domaschk 1975 mit dem Peace-Zeichen am Ärmel. Quelle. Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_11730
Matthias Domaschk mit seiner Freundin Renate Groß 1975.
Matthias Domaschk (3. v. l.) mit seinen Klassenkameraden auf dem Marktplatz von Halle 1976.
Matthias Domaschk mit Freunden auf dem Jenaer Altmarkt (2. Mai 1976). V.l.n.r.: Michael Pfauder, Michael Stockelbusch, Renate Groß, Matthias
Domaschk.
Matthias Domaschk in seiner Wohnung Am Rähmen 3 in Jena 1976.
Matthias Domaschk 1976.
Nach den Protesten gegen die Biermann-Ausbürgerung im November sitzen viele Freunde von Matthias Domaschk im Gefängnis. Auch er und seine
hochschwangere Freundin Renate Groß werden verhaftet und stundenlang verhört. In dieser schwierigen Zeit wird am 6. Dezember 1976 seine Tochter Julia geboren.
Matthias Domaschk und Renate Groß im Februar 1977 während des Faschings in der Jungen Gemeinde.
Matthias Domaschk (Mitte) mit Freunden in der Gartenstraße (7. Oktober 1977).
Die langen Haare sind vorerst ab. Matthias Domaschk einen Tag vor seiner Einberufung zur NVA (2. November 1977).
„Es müsste viel mehr und tiefer geredet werden“: Während seiner Armeezeit schreibt Matthias Domaschk an seinen Freund Klaus-Dieter Siegel
(Heppe) diesen Brief (5. November 1978).
„Es müsste viel mehr und tiefer geredet werden“: Während seiner Armeezeit schreibt Matthias Domaschk an seinen Freund Klaus-Dieter Siegel
(Heppe) diesen Brief (5. November 1978).
Doris Hardekopf und Matthias Domaschk im September 1980 während einer Wanderung.
Ein Ort voller Geheimnisse: Der Vernehmungsraum in der Bezirkshaftanstalt Gera, wo Matthias Domaschk verhört wird und am 12. April 1981 unter
ungeklärten Umständen ums Leben kommt.
Am 12. April 1981 stirbt Matz in der Stasi-U-Haftanstalt Gera. Seine Freunde sind sich sicher: Er ist ein Opfer der Stasi. SED und Stasi wollen
keinerlei Erinnerung an Matthias Domaschk zulassen, nicht einmal auf dem Friedhof. In Ermangelung eines Grabsteins ritzt ein Freund seinen Spitznamen in eine Birke.
Da am ersten Todestag von Matthias Domaschk noch immer kein Grabstein auf den hier Beigesetzten verweist, stellen seine Freunde ein schlichtes
Holzkreuz auf.
Unvergessen: Die Erinnerung an Matthias Domaschk lässt sich nicht unterdrücken. Im April 1985 reist Roland Jahn über den Ostberliner
Transitflughafen Schönefeld illegal und unbemerkt in die DDR ein. Er trifft sich mit Oppositionellen und fährt nach Jena zum Grab von Matthias Domaschk. Er möchte einen Kranz auf das Grab von seinem Freund legen. Damit die Geheimpolizei davon nichts erfährt, hatte Gerold Hildebrand den Kranz besorgt, die Schleife in Berlin, das Gebinde in Jena.
Die ehemalige Stasi-U-Haftanstalt in Gera, in der Matthias Domaschk am 12. April 1981 unter dubiosen Umständen ums Leben kommt.
Matthias Domaschk, geboren am 12. Juni 1957 in Görlitz, zieht 1970 zusammen mit seinen Eltern in das Neubauviertel Jena-Neulobeda. Sein Vater, Mitglied der
Matthias „Matz“ Domaschk ist bald eng in die Aktivitäten der JG eingebunden. Gemeinsam feiern sie, organisieren Lesungen, machen Ausflüge und diskutieren ganze Nächte hindurch, auch über den Frieden, den Staat und die Kirche. Der Vater sieht die kirchlichen Kontakte nicht gern, denn sie könnten der Karriere seines Sohnes schaden. 1974 beginnt
Er ist ein „Diskutierer“ mit frühen kirchlichen Kontakten
Wie überall in der DDR kursieren auch im Bekanntenkreis von Matthias Domaschk Mitschnitte von Westmusik und interessante Bücher, die in der DDR nur in geringer Auflage verlegt werden. Zum Beispiel Jack Kerouacs „On the Road“, ein bedeutendes literarisches Manifest der
Kaum ist er 18, zieht Matthias Domaschk zu seiner Freundin
Er ist ein „Interner Link: politisch Untergrundtätiger “
Im November 1976 gehört Matthias Domaschk zu den Oppositionellen, die den Offenen Brief der prominenten Schriftsteller und Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschreiben und aktiv weitere Unterschriften sammeln. In den Augen der
Kurz vor den mündlichen Abiturprüfungen im Mai 1977 wird Matz aus der Schule geworfen. Der Grund: seine Unterschrift gegen die Biermann-Ausbürgerung. Zur „Bewährung“ wird er in die Produktion geschickt, und sein Vater macht ihm Vorwürfe. Doch Matthias Domaschk lässt sich nicht unterkriegen. Zusammen mit anderen sammelt er Geld für die inhaftierten Freunde. Über einen Freund bekommt er Kontakt zum Schutzkomitee Freiheit und
Im September 1977 werden sieben von Matthias Domaschks engen Freunden aus der Haft in den Westen abgeschoben. Frauen und Kinder folgen. In die DDR dürfen sie nicht mehr einreisen, Kontakte per Telefon und Post werden streng überwacht. Unterdessen sammelt die Stasi weiter belastende Informationen über Matthias Domaschk. Sie protokolliert unter anderem seine Verbindungen zum Schutzkomitee und seine Kontakte zum polnischen Menschenrechtskomitee
Im November 1977 wird Matthias Domaschk zur
Ihm fehlt der „sozialistische Klassenstandpunkt“
Als er nach Jena zurückkommt, trennt er sich von Renate Groß, die 1980 mit der gemeinsamen Tochter Julia in den Westen geht, und zieht mit seiner neuen Freundin Kerstin Hergert zusammen. Obwohl sie erst 18 Jahre alt ist, ist sie selbst schon in Konflikt mit dem Staat geraten. Der Vorwurf: „asoziale Lebensweise“. Mithilfe des sogenannten
Matz Domaschk ist weiterhin in der JG aktiv, organisiert Lesekreise, verbreitet
Matthias Domaschk wird verhaftet und stirbt unter bislang ungeklärten Umständen am 12. April 1981 in der Stasi-U-Haftanstalt Gera.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350