Das Ende der Staatssicherheit
Eine der zentralen Forderungen im Herbst 1989 ist die Auflösung der Staatssicherheit. Ab 4. Dezember 1989 stürmen Bürgerinnen und Bürger die Burgen der Stasi. Am 15 Januar 1990 besetzen Berliner Bürgerrechtler die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße.
Sturm auf die Stasi: Am 4. Dezember 1989 führt die Montagsdemonstration auch an der MfS-Bezirksverwaltung vorbei. Die Demonstrierenden fordern
Einlass.
Zur Erwirtschaftung von ausländischen Devisen-Geldern unterhält der Bereich Kommerzielle Koordinierung im Ministerium für Außenhandel
verschiedenen Tarnfirmen. Diese bewegen sich außerhalb der Vorgaben des sozialistischen Wirtschaftsplans und agieren oft mit Methoden, die auch nach dem Recht der DDR illegal waren. Über die Firma Asimex wurden Güter für die DDR-Konsumwirtschaft eingeführt, die aus dem westlichen Ausland bezogen werden mussten.
Zur Erwirtschaftung von ausländischen Devisen-Geldern unterhält der Bereich Kommerzielle Koordinierung im Ministerium für Außenhandel
verschiedenen Tarnfirmen. Diese bewegen sich außerhalb der Vorgaben des sozialistischen Wirtschaftsplans und agieren oft mit Methoden, die auch nach dem Recht der DDR illegal waren. Die „Kunst und Antiquitäten GmbH“ verkaufte, oft durch staatliche Willkür erworbene, Kunstgegenstände und Antiquitäten ins westliche Ausland.
Alexander Schalck-Golodkowski war Leiter des Bereichs Kommerzielle Koordinierung (KoKo) im Ministerium für Außenhandel. Durch die KoKo beschaffte
die DDR-Regierung illegal ausländische Devisengelder. Die Kommerzielle Koordinierung und die Rolle Schalck-Golodkowskis war 1991 Gegenstand eines Untersuchungsausschusses. Das Bild zeigt Alexander Schalck-Golodkowskis vor dem Gremium am 25. September 1991.
Ebenfalls am 4. Dezember 1989 besetzt, wird die Kreisdiensstelle des Amtes für Nationale Sicherheit in Eisenach. Bürgerrechtlerinnen und
Bürgerrechtler stellen Waffen sicher und versiegeln die Räume. Auch in Eisenach kontrolliert fortan ein Bürgerkomitee die Auflösung der Kreisdienststelle.
Ebenfalls am 4. Dezember 1989 besetzt, wird die Kreisdiensstelle des Amtes für Nationale Sicherheit in Eisenach. Bürgerrechtlerinnen und
Bürgerrechtler stellen Waffen sicher und versiegeln die Räume. Auch in Eisenach kontrolliert fortan ein Bürgerkomitee die Auflösung der Kreisdienststelle.
Die Demonstrationen in Leipzig an jedem Montag führen auch an der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit vorbei. Das Gebäude wird wegen seiner
markanten Architektur im Volksmund nur „Runde Ecke“ genannt. Auch in Leipzig wird ein Bürgerkomitee gegründet, dass die Akten der Stasi sichert und später die Auflösung der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit überwacht. Eine Woche nach der Besetzung, am 11. Dezember 1989, grüßen Bürgerrechtler vom Balkon der "Runden Ecke".
Ein Banner am Eingang der Bezirksverwaltung der Stasi in Leipzig informiert über deren Besetzung durch ein Bürgerkomitee.
Die Demonstrationen und Kundgebungen des Herbstes 1989 finden auch in unmittelbarer Nähe der Staatssicherheitsobjekte statt. Aus Sicht der
Geheimpolizei ist nicht mehr auszuschließen, dass die Kreisdienststellen und Bezirksverwaltungen der Staatssicherheit gestürmt werden. Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit, befiehlt daher am 6. November einen Teil der Akten auszulagern sowie einen anderen zu vernichten.
Die Demonstrationen und Kundgebungen des Herbstes 1989 finden auch in unmittelbarer Nähe der Staatssicherheitsobjekte statt. Aus Sicht der
Geheimpolizei ist nicht mehr auszuschließen, dass die Kreisdienststellen und Bezirksverwaltungen der Staatssicherheit gestürmt werden. Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit, befiehlt daher am 6. November einen Teil der Akten auszulagern sowie einen anderen zu vernichten.
Die Demonstrationen und Kundgebungen des Herbstes 1989 finden auch in unmittelbarer Nähe der Staatssicherheitsobjekte statt. Aus Sicht der
Geheimpolizei ist nicht mehr auszuschließen, dass die Kreisdienststellen und Bezirksverwaltungen der Staatssicherheit gestürmt werden. Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit, befiehlt daher am 6. November einen Teil der Akten auszulagern sowie einen anderen zu vernichten.
Bericht des Zentralen Operativstabs der Staatssicherheit über die Besetzungen der Kreisämter und Bezirksdienststellen des neugegründeten Amtes für
Nationalesicherheit (AfNS).
Bericht des Zentralen Operativstabs der Staatssicherheit über die Besetzungen der Kreisämter und Bezirksdienststellen des neugegründeten Amtes für
Nationalesicherheit (AfNS).
Bericht des Zentralen Operativstabs der Staatssicherheit über die Besetzungen der Kreisämter und Bezirksdienststellen des neugegründeten Amtes für
Nationalesicherheit (AfNS).
Bericht des Zentralen Operativstabs der Staatssicherheit über die Besetzungen der Kreisämter und Bezirksdienststellen des neugegründeten Amtes für
Nationalesicherheit (AfNS).
Im thüringischen Gera verschaffen sich Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler am 6. Dezember 1989 nur kurzzeitig Zutritt zur Bezirksstelle des
Amtes für Nationale Sicherheit. Nachdem am 6. Januar 1990 drei Vertreter des Bürgerkomitees eine permanente Kontrolle der Stasi-Auflösung durch ein Bürgerkomitee ausgehandelt hatten (während zwei andere den ersten Waffen-Abtransport kontrollierten), beginnt am Montag, den 8. Januar 1990 die kontrollierte Auflösung und Aktensicherung des Bezirksamtes für Nationale Sicherheit in Gera. Fortan kontrollieren Vertreter und Beauftragte des seit 20. Dezember 1989 bestehenden Bezirks-Bürgerkomitees Gera (das wie ein Runder Tisch aus Vertretern aller alten und neuen Parteien und Gruppierungen zusammengesetzt war) die Auflösung der Bezirksstelle rund um die Uhr. Am 8.Januar 1990 entdecken Mitglieder des Bürgerkomitees (hier Jens Richter und Jörn Mothes) im Stasi-Gelände Berge von verkollertem Papier – die im November 1989 von der Stasi vernichteten Akten.
Noch im Frühling 1990 werden die Objekte der Staatssicherheit besetzt und durch Gruppierung der Bürgerbewegungen aufgelöst. Am 6. Februar 1990
dokumentiert der junge Fotograf Jens Rosbach in Schwerin-Mueß die Auflösung eines Komplexes aus Gästehäusern, der der Staatssicherheit auch als Abhörzentrale diente.
In vielen Städten der DDR ziehen die Demonstrierenden im Oktober und November 1989 auch an Gebäuden des
Am 13. November 1989, vier Tage nach dem
Mit dem Mut der Bürgerinnen und Bürger wächst der Druck, den sie auf das SED-Regime ausüben. In vielen Orten der DDR stellen sie nun auch für den Stasi-Apparat unbequeme Fragen. In Kavelstorf, im Bezirk Rostock, fassen sie sich ein Herz und fragen, warum eine unscheinbare Lagerhalle streng bewacht wird und dort regelmäßig nächtliche Großtransporte abgewickelt werden. Offiziell werden dort Waschmaschinen gelagert. Die Betreiberin der Lagerhalle, die Internationale Messtechnik Import-Export GmbH (
Tausende Erfurter legen als erste die Stasi-Behörde lahm
„Das Maß ist voll“, beschreibt
Kerstin Schön, Ärztin und Mitglied der Erfurter Gruppe
Am Nachmittag des 4. Dezembers führt auch die Leipziger
In der brandenburgischen Kleinstadt Angermünde fordert eine Gruppe um den Pfarrer Justus Werdin bereits am 3. Dezember 1989 die Polizei auf, der Aktenvernichtung Einhalt zu gebieten. An diesem Tag demonstrieren tausende DDR-Bürger mit Kerzen in der Hand und versammeln sich zu einer Menschenkette für eine demokratische Erneuerung der DDR. Vor der
Der 4. Dezember 1989 bedeutet in vielen kleineren Städten der DDR das Aus für die Arbeit der Stasi. In Greifswald, Templin, Jena, Weißwasser, Wernigerode, Stendal und anderen Orten werden die Kreisämter besetzt, Räume versiegelt oder Wachen aufgestellt, um die weitere Aktenvernichtung zu verhindern.
Das Aus für die Stasi – nur nicht in Berlin
Die Erkenntnisse, die die Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler bei den Besetzungen sammeln können, bestätigen den Verdacht der totalen Überwachung. Auf der ersten Sitzung des Zentralen Runden Tisches am 7. Dezember 1989 beschließen die Teilnehmenden die Auflösung der Staatssicherheit (MfS/AfNS). Die Vernichtung der Akten sowie elektronischer Datenträger wird aber, auch in der Zentrale in Ost-Berlin, weiterhin fortgesetzt. Die Regierung Modrow ersetzt am 14. Dezember 1989 das AfNS durch zwei neue Geheimdienste: einen Auslandsnachrichtendienst und einen Verfassungsschutz. Dieser soll vor allem den Rechtsextremismus bekämpfen, dessen Bedrohung jahrelang durch das SED-Regime vernachlässigt wurde und dessen Anhänger nun die neuen Möglichkeiten der offenen Grenzen nutzten. SED und Staatssicherheit instrumentalisieren dieses Problem, um mit der Bürgerrechtsbewegung auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und den Inlandsgeheimdienst zu retten. Als am 28. Dezember am sowjetischen Ehrenmahl im Treptower Park nationalistische Schmierereien entdeckt werden, fordert SED-Parteichef und Ministerpräsident Modrow eine antifaschistische Einheitsfront. Am 3. Januar versammeln sich bis zu 250.000 Menschen und fordern unter anderem die Einführung eines Verfassungsschutzes. Mittlerweile wird aber im ganzen Land gegen die Einführung eines Geheimdienstes demonstriert und in vielen Betrieben der DDR wird gestreikt. Am 11. Januar demonstrieren bis zu 20.000 Menschen vor der Volkskammer gegen „eine neue Staatssicherheit“. Die DDR-Regierung gibt dem Druck aus der Bevölkerung und dem der Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler am Zentralen Runden Tisch nach und hebt am 13. Januar 1990 seinen Beschluss „vom 14.12.1989 über die Bildung eines Nachrichtendienstes der DDR und des Verfassungsschutzes der DDR“ wieder auf.
Mit Fantasie gegen Stasi und Nasi: Nachdem Anfang Dezember 1989 MfS-Bezirks- und Kreisdienststellen besetzt wurden, ruft das Neue Forum am 15. Januar
1990 zu einer Demonstration vor der MfS-Zentrale in Ost-Berlin auf.
Die Bürger machen den verhassten Laden dicht: Die Tore der Stasi-Zentrale in der Ostberliner Normannenstraße werden symbolisch zugemauert.
Besetzung der MfS-Zentrale in der Ostberliner Normannenstraße am 15. Januar 1990.
Besetzung der MfS-Zentrale in der Ostberliner Normannenstraße am 15. Januar 1990.
Besetzung der MfS-Zentrale in der Ostberliner Normannenstraße am 15. Januar 1990.
Als sich das Tor der Stasi-Zentrale öffnete, gelangten tausende Demonstranten auf das 40 Jahre lang abgeriegelte Gelände des
Staatssicherheitsdienstes.
Die Demonstranten strömten in eines der wenigen beleuchteten Gebäude – den Versorgungstrakt der Staatssicherheit in „Haus 18“. Die
abgedunkelten Büros der Mitarbeiter in den anderen Gebäuden blieben größtenteils unberührt. In „Haus 18“ herrschte aber schnell Chaos. Einige Menschen ließen ihre Wut im „Vergnügungstempel“ der Staatssicherheit aus.
Die Demonstranten strömten in eines der wenigen beleuchteten Gebäude – den Versorgungstrakt der Staatssicherheit in „Haus 18“. Die
abgedunkelten Büros der Mitarbeiter in den anderen Gebäuden blieben größtenteils unberührt. In „Haus 18“ herrschte aber schnell Chaos. Einige Menschen ließen ihre Wut im „Vergnügungstempel“ der Staatssicherheit aus.
In „Haus 18“ fanden die Demonstranten gefüllte Einkaufsgeschäfte sowie unter anderem ein Reisebüro und eine Kegelbahn – ein Gegensatz zur
sozialistischen Mangelwirtschaft, mit der sich die Bürger in ihrem Alltag konfrontiert sahen. Ihre Stasi-Akten fanden sie dort nicht.
Nahezu unbehelligt weiterarbeiten können die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stasi-Zentrale in Ost-Berlin. Der Hauptsitz der Staatssicherheit wird erst am 15. Januar 1990 gestürmt. Das
Auch der Minister für Staatssicherheit muss sich vor der Volkskammer verantworten. Erich Mielke weist eine Mitschuld an der Staatskrise von sich. Anwesende spricht er wie gewohnt mit „Genossen“ an.
Am 13. November 1989, vier Tage nach dem
Produktion: 13.11.1989
Spieldauer: 3 Min.
hrsg. von: Stiftung Deutsches Runfunkarchiv
© Stiftung Deutsches Runfunkarchiv
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350