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Robert Havemann

Robert Havemann

Redaktion

Wegen seiner Solidarität mit Wolf Biermann wurde Robert Havemann über zwei Jahre im eigenen Haus eingesperrt. Trotz des Hausarrests hielt er engen Kontakt zu jungen Oppositionellen.

(© Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) (© Bundesarchiv/Bild 183-S98995/Horst Sturm) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_15016) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 2) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 2) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Katja Havemann/RHG_Fo_HAB_09789) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0142) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Meinhold / RHG_Fo_HAB_09782) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0129) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0143) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 3) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 3) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 3 von 3) (© Bundesstiftung Aufarbeitung, Harald Schmitt, Bild 790511-01 ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Gerd Poppe / RHG_Fo_HAB_09788) (© Bundesstiftung Aufarbeitung Fotobestand Harald Schmitt Bild_351 )

Robert Havemann ist 1976 der engste politische Freund Wolf Biermanns. Als der Liedermacher Anfang der 1960er Jahre erste Schwierigkeiten mit der Interner Link: SED und den Behörden bekommt, ist Interner Link: Robert Havemann noch ein hoch angesehener Repräsentant der DDR: Professor und Lehrstuhlleiter an der Humboldt-Universität, Mitglied der dortigen SED-Parteileitung, Abgeordneter der Interner Link: Volkskammer. Zu dieser Zeit wird er allerdings schon heftig kritisiert.

In seinen freimütigen philosophischen Vorlesungen nimmt Robert Havemann kein Blatt vor den Mund. Er nennt die Interner Link: Mauer beim Namen und versteckt die Unfreiheit in der DDR nicht hinter blumigen Phrasen über historische Notwendigkeiten, denen sich die Menschen zu unterwerfen hätten. Es sind dieselben kritischen Gedanken, die Robert Havemann und Wolf Biermann formulieren, und es sind dieselben Bürokraten, die sie maßregeln und ihnen das öffentliche Wirken verbieten.

Erst als Antifaschist von den Nazis zum Tode verurteilt ...

Zwischen dem aufmüpfigen jungen Liedermacher und dem gradlinigen Gelehrten entwickelt sich eine enge Freundschaft. Die beiden teilen ein ähnliches Schicksal: Wolf Biermann darf nicht Parteimitglied werden, Robert Havemann wird 1964 aus der SED ausgeschlossen. Er verliert seine Professur und im Jahr darauf auch seine Arbeitsstelle als Forscher. Wolf Biermann erhält Auftritts- und Publikationsverbot.

Für Robert Havemann ist es beileibe nicht die erste politische Auseinandersetzung seines Lebens. 1932, er studiert noch, schließt er sich den Kommunisten an. Deren energisches Auftreten gegen die zur Macht strebenden Interner Link: Nationalsozialisten überzeugt ihn. Seit 1933 leistet er Widerstand gegen die Interner Link: Hitler-Diktatur. Er beteiligt sich an der Information der Weltöffentlichkeit über die in Deutschland verübten Verbrechen und hilft Verfolgten, dem Terror zu entkommen. 1943 wird er mit seinen Freunden von den Nazis verhaftet und zum Tode verurteilt. Dank der geschickten und mutigen Unterstützung von Kollegen und Freunden kann er der Exekution entgehen, muss aber erleben, wie seine engsten Freunde ermordet werden.

... und dann der gefährlichste marxistische DIssident der DDR

Durch die beiläufige Mitteilung eines Zuchthausbeamten erfährt Robert Havemann am 9. Mai 1944, dass sein Kampfgefährte Georg Groscurth am Vortag exekutiert worden ist – nur wenige Minuten vor den anderen Mitgliedern der Leitung ihrer gemeinsamen Widerstandsgruppe. Robert Havemann ist seit 1932 eng mit Georg Groscurth befreundet. Beide sind über die Jahre hinweg engste wissenschaftliche Partner. 1945 befreit die Rote Armee Robert Havemann aus dem Interner Link: Zuchthaus Brandenburg, in dem er unter anderem gemeinsam mit Interner Link: Erich Honecker gefangen gehalten wird.

Robert Havemann engagiert sich für den Aufbau einer demokratischen sozialistischen Gesellschaft, schließt sich aber mit der Zuspitzung des Interner Link: Kalten Kriegs der SED an und unterstützt deren Interner Link: stalinistische Politik – unter anderem als Interner Link: Inoffizieller Mitarbeiter der Interner Link: Stasi. Das Eingeständnis des verbrecherischen Charakters des Stalinregimes auf dem XX. Parteitag der Interner Link: Kommunistischen Partei der Sowjetunion setzt bei Robert Havemann ein Umdenken in Gang. Seine kritische Distanz zur Politik der SED wächst. Er lässt sich auch durch Privilegien nicht mehr korrumpieren. Immer offener und deutlicher formuliert er seine Kritik am Interner Link: Politbüro und entwickelt politische Alternativen der Demokratisierung des Interner Link: Sozialismus.

Robert Havemann wird nach und nach von jeder Möglichkeit öffentlichen politischen Wirkens in der DDR abgeschnitten. Doch seine Äußerungen werden in der Republik immer wieder heimlich abgeschrieben. Über die Medien der Bundesrepublik erreichen sie früher oder später interessierte Leser, Zuhörer und Zuschauer. In der Reformpolitik des Interner Link: Prager Frühlings 1968 sieht er ein Musterbeispiel dafür, dass eine sozialistisch-demokratische Gesellschaft möglich ist. Ihre Zerschlagung durch die Sowjettruppen charakterisiert er deutlich als Konterrevolution.

Seine Forderung nach einer demokratischen Wende in der DDR erweitert Robert Havemann durch friedens- und umweltpolitische Überlegungen. Schon frühzeitig suchen Oppositionelle aus Jena Kontakt zu ihm, der Mitte der 1970er Jahre auch als Gast an dortigen Veranstaltungen teilnimmt. Nach seiner Interner Link: Exmatrikulation findet Interner Link: Jürgen Fuchs ein neues Domizil bei Robert Havemann in Grünheide.

Die Ausbürgerung seines Freundes Wolf Biermann verurteilt Robert Havemann scharf. Er begrüßt das Protestschreiben der Schriftsteller und Künstler und schreibt an seinen ehemaligen Brandenburger Zuchthauskameraden Interner Link: Erich Honecker einen Offenen Brief. Der Staats- und Parteichef ordnet daraufhin Hausarrest für den bekanntesten Interner Link: Dissidenten der DDR an. Mehr als zwei Jahre können sich weder Robert Havemann noch seine Familie frei bewegen. Dennoch knüpft er immer neue Kontakte zu jungen Oppositionellen.

Mit dem Berliner Appell zur Abrüstung, den er gemeinsam mit Interner Link: Rainer Eppelmann initiiert, stellt Robert Havemann der Interner Link: Friedensbewegung in der DDR seine Kraft und seine Erfahrung zur Verfügung. Robert Havemann stirbt Pfingsten 1982, wenige Wochen nach der Veröffentlichung des von vielen Menschen in der DDR und in der Bundesrepublik unterstützten Appells. Und wenige Jahre vor dem Fall der Mauer.

Fussnoten

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Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

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Biermann – die Biografie

1936 in Hamburg geboren, verlässt Wolf Biermann als 16-Jähriger seine Heimatstadt und siedelt in die DDR über. Er hält den jungen Arbeiter- und Bauernstaat damals für den besseren Teil Deutschlands.

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Protest in Jena

Die Mitglieder der Jungen Gemeinde Stadtmitte sind empört über die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Sie wollen das Unrecht nicht hinnehmen und bekennen Farbe.

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Fuchs, Kunert und Pannach

Sie schreiben und singen kritische Texte und ihr Protest gegen die Biermann Ausbürgerung bringt sie ins Gefängnis. Die DDR sollten sie erst nach dem Mauerfall wieder sehen.

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Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.

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Protest gegen Ausbürgerung Biermanns

Zwölf namhafte Künstler der DDR protestieren mit einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Immer mehr Menschen schließen sich DDR-weit mit ihrer Unterschrift diesen Protesten an.

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Bewegter Frieden

Ein Aufnäher wird zum Symbol für die Friedensbewegung in der DDR. Das Ziel: Stopp der atomaren Aufrüstung in Ost und West.

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350