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Werdauer Oberschülerinnen und Oberschüler

Werdauer Oberschülerinnen und Oberschüler

Redaktion

Gegen Wahlschwindel und für Meinungsfreiheit: Nachts ziehen sie los, stecken Flugblätter in Briefkästen oder malen Parolen an Häuserwände.

(© Privatarchiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© BStU, Ast Chemnitz Z-AP 3/58 ) (© BStU, Ast Chemnitz ) (© Privat-Archiv Achim Beyer, Seite 1 von 3 ) (© Privat-Archiv Achim Beyer, Seite 2 von 3 ) (© Privat-Archiv Achim Beyer, Seite 3 von 3 ) (© Privat-Archiv Achim Beyer, Seite 1 von 2 ) (© Privat-Archiv Achim Beyer, Seite 2 von 2 ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_16323)

In der sächsischen Stadt Werdau bildet sich 1950 eine Widerstandsgruppe, der etwa 20 Personen angehören, unter ihnen drei Oberschülerinnen und zwölf Oberschüler. „Wir sehnen uns nach Frieden, nach der Einheit Deutschlands in Freiheit – wählt mit NEIN“ steht auf ihren Flugblättern, mit denen sie gegen die Scheinwahlen zur Interner Link: Volkskammer am 15. Oktober 1950 protestieren. Später richten sich ihre Aktionen auch gegen das Todesurteil für Hermann Joseph Flade, der wie sie gegen die Wahlfarce rebelliert hat (Bildergalerie).

Viele der Schüler sind Mitglieder und einige sogar Funktionäre der anfangs überparteilich auftretenden Jugendorganisation Interner Link: Freie Deutsche Jugend (Interner Link: FDJ). Dieses politische Engagement dient zunächst einmal nicht der Tarnung. Die Jugendlichen wollen am Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft aktiv mitwirken.

Zu den Motiven des Widerstands erklärt Achim Beyer, einer der Werdauer Jugendlichen, im Rückblick:

Zitat

Nach dem Ende des Krieges und des Interner Link: Nationalsozialismus erfuhren wir von den Verbrechen dieser Diktatur. Bei der Lektüre der Flugblätter der Geschwister Scholl aus dem Jahr 1943 wurde uns die Ähnlichkeit – besser Analogie – zwischen dem NS-Regime und dem Interner Link: Stalinismus von 1950 besonders bewusst. Ein Austausch der Begriffe Interner Link: NSDAP gegen Interner Link: SED, Interner Link: HJ gegen FDJ, Interner Link: Gestapo gegen Interner Link: Stasi bot sich an und charakterisierte unsere damalige politische Situation.

Big brother is watching you: Nein zur Gedankenpolizei

Achim Beyer weiter: „Die Lektüre des Interner Link: Buchs 1984 von George Orwell tat ein Übriges. Zahlreiche Interner Link: Stalin-Porträts an öffentlichen Gebäuden und in der Schule waren der im Buch beschriebene und allgegenwärtige ,Interner Link: Große Bruder`. Die ,Gedankenpolizei` waren die Kontrollkommissionen in der SED und der FDJ. Die verordnete parteiliche Terminologie entsprach dem ,Neusprech`. Das ,Zwiedenken` war somit vorprogrammiert und brauchte nicht einmal erlernt zu werden.“

Die Jugendlichen beschaffen sich bei der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) Druckwalzen für Flugblätter (Bildergalerie). Von der KgU erhalten sie auch Stinkbomben, mit denen sie SED-Veranstaltungen stören. Diese Aktionen erregen großes Aufsehen. Die Sicherheitsorgane fahnden hektisch nach den Urhebern der Flugblätter. In der Nacht vom 18. zum 19. Mai 1951 werden zwei Mitglieder der Gruppe während einer Flugblattaktion verhaftet. In den folgenden Tagen werden die anderen ebenfalls festgenommen.

(© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© BStU, MfS, AOP 28/52 Bd. 1)

Am 3. Oktober 1951 verurteilt das Landgericht Zwickau 19 Mitglieder der Widerstandsgruppe zu Strafen zwischen zwei und 15 Jahren Interner Link: Zuchthaus. Sechs der Jugendlichen sind noch minderjährig, darunter drei Mädchen: Anneliese Stets, Gudrun Pleyer und Sigrid Roth (Bildergalerie). Formal ist die Verhandlung öffentlich, doch zum Prozess werden nur etwa 50 ausgesuchte SED-Vertreter zugelassen. Eine Berichterstattung findet in den DDR-Medien nicht statt. Trotzdem wird das Urteil im Westen bekannt. Auch innerhalb der DDR wird die drakonische Strafe durch die KgU mit Flugblättern öffentlich gemacht.

Als Letzter der Verurteilten wird Achim Beyer am 13. Oktober 1956 aus dem Gefängnis entlassen. („Durch zu viel Blödsinn wird man klug“: Im Zeitzeugen-Interview berichtet Achim Beyer über seine Motive, in der DDR-Diktatur Widerstand zu leisten.)

Gerhard Schneider bleibt in Werdau, alle anderen verlassen nach Ende der Haftzeit die DDR. Erst nach der Friedlichen Revolution 1989 darf Gerhard Schneider über sein Schicksal berichten.

Fussnoten

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Kontext

Kriegsende, Potsdamer Konferenz, Bodenreform, Besatzungsmächte, Entnazifizierung, Einheitspartei, Kernwaffentest, Berliner Luftbrücke, Koreakrieg, doppelte Staatsgründung, Stalinkult

Schüler im Widerstand

Hermann Joseph Flade

Über den Betrug bei bei den Volkskammerwahlen empört sich ein 18-jähriger Oberschüler aus dem sächsischen Städtchen Olbernhau. Mit einem Druckkasten stellt Hermann Joseph Flade ungefähr 200…

Zeitzeuge

Achim Beyer

An den Geschwistern Scholl orientiert sich Achim Beyer, als er gegen die Unfreiheit in der DDR protestiert. Sein Protest richtet sich besonders gegen die Scheinwahlen von 1950.

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In der sowjetischen Zone und in Ost-Berlin sind gezielte oder willkürliche Festnahmen durch die Geheimdienste der Besatzungsmacht an der Tagesordnung. Meistens erfahren die Familien nicht, wieso ihre…

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350