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Werdauer Oberschüler

Werdauer Oberschüler Abschrift

Das Urteil gegen die Werdauer Oberschüler erregt über die Grenzen der DDR hinaus Empörung. Im November 1951 veröffentlicht die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) diesen Aufruf, der auch in der DDR verteilt wird.

Das Schandurteil von Zwickau

Die KAMPFGRUPPE GEGEN UNMENSCHLICHKEIT hat aus der Sowjetzone Deutschlands folgenden Brief erhalten:

"Gestern hat die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Zwickau gegen 19 Oberschüler aus Werdau und Umgebung die furchtbare Strafe von insgesamt 130 Jahren Zuchthaus verhängt. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch die Eltern der Kinder durften der Verhandlung nicht beiwohnen und warteten bis 1 Uhr nachts auf dem Ernst-Toller-Platz vor dem Landgericht Zwickau auf die Urteilsverkündung. Die dort wartende Menschenmenge wurde durch einen Polizeikordon von 50 Mann am Betreten des Gerichtsgebäudes gehindert. Außerdem wurde die Menge durch zahlreiche Spitzel überwacht.

Folgende Urteile wurden gefällt:

Joachim Gäbler 17 Jahre alt 15 Jahre Zuchthaus
Karl-Heinz Eckhardt 16 Jahre alt 14 Jahre Zuchthaus
Gerhard Schneider 19 Jahre alt 13 Jahre Zuchthaus
Theobald Körner 18 Jahre alt 10 Jahre Zuchthaus
Sigrid Roth 17 Jahre alt 12 Jahre Zuchthaus
Heinz Rasch 18 Jahre alt 10 Jahre Zuchthaus
Hermann Krauß 18 Jahre alt 6 Jahre Zuchthaus
Achim Beyer 19 Jahre alt 8 Jahre Zuchthaus
Gerhard Büttner 16 Jahre alt 6 Jahre Zuchthaus
Gottfried Karg 18 Jahre alt 5 Jahre Zuchthaus
Siegfried Müller 19 Jahre alt 5 Jahre Zuchthaus
Günter Fritzsche 17 Jahre alt 7 Jahre Zuchthaus
Gudrun Pleier 17 Jahre alt 2 Jahre Zuchthaus
Edgar Göldner 17 Jahre alt 2 Jahre Zuchthaus
Manfred Stets 24 Jahre alt 3 Jahre Zuchthaus
Günther Kahler 18 Jahre alt 3 Jahre Zuchthaus
Anneliese Stets 25 Jahre alt 2 Jahre Zuchthaus
Wolfram Schürer 18 Jahre alt 2 Jahre Zuchthaus
Walter Daßler 31 Jahre alt 5 Jahre Zuchthaus

Die Haltung der Jugendlichen war tapfer, mutig und stolz. Einige der Jugendlichen nannten den Staatsanwalt Piehl des öfteren einen Lügner. Besonders bravourös war die Haltung von Joachim Gäbler, der wörtlich sagte: "Ich bin stolz darauf, dass ich für die Freiheit gekämpft habe." Jeder versuchte den anderen so wenig wie nur möglich zu belasten.

Fritzsches Vater wurde von den Faschisten im KZ ermordet. Die OdF-Rente, die die Mutter bis dahin erhielt, entzog man ihr sofort nach der Verhaftung des Sohnes.

Der Vater von Schürer wurde im SED-KZ ermordet.

Ein zweiter Prozess gegen 15 weitere Schüler aus Werdau, Zwickau und Umgebung und eine noch nicht festzustellende Zahl von Wismutarbeitern steht noch bevor.

Wir fordern die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit auf: Setzt Euch mit allen Euch zur Verfügung stehenden Mitteln für die Befreiung der tapferen Widerstandskämpfer ein, macht davon die von der SED propagierten Wahlen abhängig. Der Rundfunk soll Euch eine ausreichende Sendezeit zur Verfügung stellen. Tretet mit der Bundesregierung in Verbindung.

Kein Tag darf vergehen, an dem nicht über dieses Schandurteil gesprochen wird!"

Herr Pieck, ist das Ihre Amnestie ?



Quelle: Privat-Archiv Achim Beyer
Das Urteil gegen die Werdauer Oberschüler sorgt über die Grenzen der DDR hinaus für Empörung. Im November 1951 veröffentlicht die KgU diesen Aufruf, der auch in der DDR verteilt wird. Die in der Namensliste angegebene Anneliese Stets (dritte von unten) war bei ihrer Verurteilung nicht – wie hier aufgeführt – 25, sondern erst 16 Jahre alt. (© Privat-Archiv Achim Beyer )