Bewegter Frieden - Die Friedensbewegung in der DDR
Ein Aufnäher wird zum Symbol für die Friedensbewegung in der DDR. Das Ziel: Stopp der atomaren Aufrüstung in Ost und West.
Die Sowjetunion schenkt am 4. Dezember 1959 der UNO die Bronzeskulptur "Schwerter zu Pflugscharen" von Jewgeni Wutschetitsch. Blick auf die Skulptur
vor dem UNO-Gebäude.
1980 entwickelt der sächsische Jugendpfarrer Harald Bretschneider das Symbol der neuen Bewegung "Schwerter zu Pflugscharen". Schon bald tragen vor
allem junge Friedensaktivisten im ganzen Land Aufnäher mit der symbolhaften Darstellung eines Mannes, der ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Die Darstellung orientiert sich am Denkmal des sowjetischen Bildhauers Jewgenij Wutschetitsch, das die Sowjetunion 1959 der UNO geschenkt hatte.
Eltern gründen 1980 einen Kinderladen im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Zu den Initiatoren gehören auch Ulrike und Gerd Poppe. Sie wollen
ihre Kinder nicht den staatlichen Kinderkrippen überlassen und über die Betreuung selbst bestimmen. Die Kinder sollen nicht rechnen lernen, indem sie Panzer zählen. Die staatliche Seite sieht in dieser Eigeninitiative ihre kommunistische Erziehung in Frage gestellt und veranlasst im Dezember 1983 eine Zwangsräumung.
Anfang der 1980er Jahre werden Postkarten mit dem Symbol der Friedensbewegung in der DDR verschickt.
Die Losung „Schwerter zu Pflugscharen“ taucht zunächst vor allem bei kirchlichen Friedensveranstaltungen auf. Ab 1981 gelangt sie als Aufnäher
in die breite Öffentlichkeit und wird zum Protestsymbol. Jugendlicher mit Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen" auf dem Parker.
Die Losung „Schwerter zu Pflugscharen“ taucht zunächst vor allem bei kirchlichen Friedensveranstaltungen auf. Als sie 1981 als Aufnäher in die
breite Öffentlichkeit gelangt und zum Protestsymbol wird, geht der Staat massiv gegen die Träger solcher Abzeichen vor. Parker mit abgerissenem Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen".
Protestpostkarte gegen die zunehmende Militarisierung in der DDR, angefertigt 1982 in Jena.
Protestpostkarte gegen die zunehmende Militarisierung in der DDR.
Einladung zur Friedenswerkstatt im Juli 1983 in der Ostberliner Erlösergemeinde. Bei den Berliner Friedens werkstätten versammeln sich alljährlich
bis zu 3.000 Teilnehmer aus der gesamten DDR. Die Großveranstaltungen bieten unzensierte Informationen und Raum für öffentliche politische Debatten.
Protestpostkarte gegen die Militarisierung im Kinderzimmer, die 1983 angefertigt und in der DDR verschickt wird. Kriegsspielzeug gilt in der
DDR-Bildungspolitik als pädagogisch wertvoll.
Von der Staatssicherheit in Schwerin Anfang der 80er Jahre registrierter Protest gegen die Stationierung von sowjetischen Mittelstreckenraketen in der
DDR.
Von der Staatssicherheit in Schwerin Anfang der 80er Jahre registrierter Protest gegen die Stationierung von sowjetischen Mittelstreckenraketen in der
DDR.
Protestpostkarte gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft in der DDR.
Protestpostkarte gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft in der DDR.
Am 24. September 1983 kommt es im Rahmen eines Kirchentages in Wittenberg im Lutherhof vor 2000 Zuschauern zu einer spektakulären Aktion des
Friedenskreises Wittenberg. Der Schmied Stefan Nau schmiedet mit Hammer und Amboss ein Schwert in ein Winzermesser um. Die praktische Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" erhält größte öffentliche Aufmerksamkeit, weil ein bundesdeutsches Fernsehteam anwesend ist.
Protestpostkarte gegen die Ästhetisierung des Krieges.
Dieses Flugblatt wurden am 29. April 1983 auf der Bluesmesse in Ost-Berlin verbreitet. Ein IM der Staatssicherheit hat es an seinen Führungsoffizier
weitergegeben.
Protest gegen die zunehmende Militarisierung des Alltags in der DDR. Das Flugblatt wurde mit einem handelsüblichen Kinder-Stempelkasten hergestellt.
Ein Leutnant der Kriminalpolizei hat am 7. April 1983 diese Flugblätter in der Berliner S-Bahn gefunden und gesichert. Die Untersuchung der
Staatssicherheit ergab, dass die Flugblätter mit einem Kinderstempelkasten Famos 305 hergestellt wurden.
Einladung zu einem Beratungswochenende zum Thema Wehrdienstverweigerung.
Ende der 1970er Jahre entwickelt sich in der DDR wie auch in den anderen Ländern des
Im Gegensatz zu den früheren Aktivitäten der
Die DDR-Führung tut sich aus diesem Grund zunächst schwer, gegen das Zeichen vorzugehen. Als sich der Erfolg des Symbols abzuzeichnen beginnt, lässt Bretschneider offiziell 100.000 Aufnäher drucken. Sein Trick: Da das Symbol auf Stoff gedruckt wird, handelt es sich laut DDR-Gesetz um eine nicht genehmigungspflichtige "Textiloberflächenveredlung". Innerhalb kürzester Zeit werden die Aufnäher im ganzen Land verteilt, vor allem auf Veranstaltungen der evangelischen Kirche. Das Symbol ist in der Jugend zu einem wichtigen Ausdrucksmittel oppositioneller Haltung geworden. Schließlich gelingt es den Staatsorganen, das Symbol durch massive Repressionen, unter denen auch Christian Halbrock und Rainer Müller zu leiden haben, aus dem Straßenbild zu verdrängen. Doch in Schulen und auf Universitäten tragen einige Jugendliche nun statt des verbotenen Symbols weiße Kreise oder sogar ein Loch im Ärmel an der Stelle, an der ihnen Polizisten oder eifrige Lehrer den Aufnäher aus der Jacke geschnitten haben.
25. Januar 1982: der Berliner Appell „Frieden schaffen ohne Waffen“, verfasst von Robert Havemann und Rainer Eppelmann. Den Verfassern des Appells
geht es um eine dauerhafte Grundlage einer Friedensordnung und nicht um einen Frieden als Abwesenheit von Krieg. Sie treten für eine Politik ein, die nicht lediglich die Vertagung des Krieges im Blick hat, sondern substantielle Entspannung anstrebt. Etwa 80 Personen, überwiegend aus der Berliner Friedensbewegung, gehören zu den Erstunterzeichnern.
25. Januar 1982: der Berliner Appell „Frieden schaffen ohne Waffen“, verfasst von Robert Havemann und Rainer Eppelmann. Den Verfassern des Appells
geht es um eine dauerhafte Grundlage einer Friedensordnung und nicht um einen Frieden als Abwesenheit von Krieg. Sie treten für eine Politik ein, die nicht lediglich die Vertagung des Krieges im Blick hat, sondern substantielle Entspannung anstrebt. Etwa 80 Personen, überwiegend aus der Berliner Friedensbewegung, gehören zu den Erstunterzeichnern.
Kurz vor dem Tod von Robert Havemann am 9. April 1983 besuchte ihn Pfarrer Rainer Eppelmann in dessen Haus in Grünheide. Beide hatten zusammen im
Januar 1982 den "Berliner Appell" veröffentlicht.
Entwurf der Berliner Appells von Robert Havemann mit handschriftlichen Korrekturen.
Entwurf der Berliner Appells von Robert Havemann mit handschriftlichen Korrekturen.
Am 25. Januar 1982 verfassen zwei Systemkritiker, der Kommunist
1. Sollten wir nicht auf die Produktion, den Verkauf und die Einfuhr von sogenanntem Kriegsspielzeug verzichten?
2. Sollten wir nicht anstelle des
3. Sollten wir nicht anstelle des jetzigen Wehrersatzdienstes für Kriegsdienstverweigerer einen sozialen Friedensdienst zulassen?
4. Sollten wir nicht auf alle Demonstrationen militärischer Machtmittel in der Öffentlichkeit verzichten und unsere staatlichen Feiern stattdessen dazu benutzen, den Friedenswillen des Volkes kundzutun?
Der Appell wird zunächst von 35 Bürgerinnen und Bürgern der DDR unterschrieben und dann an die Westmedien lanciert. In dem Papier sind vor allem Fragen angesprochen, die die junge Generation im Land betreffen: Immer wieder werden Wehrdienstverweigerer in der DDR mit hohen Gefängnisstrafen belegt, die auch Rainer Müller drohten, wie er im Interview berichtet. Der Dienst als
Obwohl die Mitglieder der unabhängigen Friedens- und Umweltbewegung ständig staatlichen Repressionen – von ständigen Personenkontrollen bis hin zu Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und Ausweisungen – ausgesetzt sind, gelingt es den verschiedenen Gruppen immer wieder, in der ganzen DDR große und kleine Aktionen durchzuführen. Dazu gehören Flugblattverteilungen und Graffitis ebenso wie Solidaritätsgottesdienste für Inhaftierte und offene Demonstrationen. Nicht immer können die Verursacher der Störungen des sozialistischen Zusammenlebens ermittelt werden, doch werden auch kleinste Vorkommnisse, wie etwa das Anbringen der Losung "Frieden schaffen ohne Waffen", von den Sicherheitsorganen detailliert protokolliert.
Die zunehmende Militarisierung z.B. in der Schule und das Wettrüsten führen ab Ende der 1970er Jahre zur Entwicklung der kirchlichen Friedensbewegung in der DDR.
In den Anfängen der 80er Jahre ging es los mit den
Da gab es schon eine weiter voranschreitende Militarisierung der Gesellschaft. '78, '79 wurde in der neunten, zehnten Klasse der
Reinhard Schult, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 2 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350