Kathrin Mahler Walther
Von allen Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern, die in einer der Leipziger Oppositionsgruppen Ende der 1980er Jahre aktiv waren, ist Kathrin Walther, wie sie damals hieß, vermutlich die Jüngste. Gleichzeitig ist sie so zielstrebig und aktiv wie wenige andere.
Kathrin Mahler Walther.
Katrin Mahler Walther bei ihrer Jugendweihe.
Passfoto von Kathrin Mahler Walther.
Gesetzesinitiative zur Gründung eines Sozialen Friedensdienstes als Ersatz für den, für jeden DDR Jugendlichen obligatorischen, Wehrdienst. Die
Initiative geht zurück auf den Dresdner Pfarrer Christoph Wonneberger. 1981 verschickten Wonneberger und seine Mitstreiter Eingaben mit den Forderungen unter anderem an die Volkskammer der DDR, Seite 1.
Seite 2 der Gesetzesinitiative zur Gründung eines Sozialen Friedensdienstes als Ersatz für den, für jeden DDR Jugendlichen obligatorischen,
Wehrdienst. Die Initiative geht zurück auf den Dresdner Pfarrer Christoph Wonneberger. 1981 verschickten Wonneberger und seine Mitstreiter Eingaben mit den Forderungen unter anderem an die Volkskammer der DDR.
Kathrin Mahler Walther zusammen mit Pfarrer Christoph Wonneberger (links, auf der Bank sitzend) und vielen weiteren unangepassten Jugendlichen am 15.
Oktober 1989 bei der Veranstaltung "Künstler in Aktion. Solidarität mit zu Unrecht Verfolgten" in der Leipziger Lukaskirche.
Streiflichter Nr. 36 (Mai 1986), hergestellt von der Arbeitsgruppe Umweltschutz beim Stadtjugendpfarramt Leipzig. Die Streiflichter sind das erste
Periodikum einer politisch orientierten Basisgruppe. Von 1981 bis 1989 erscheinen insgesamt 56 Ausgaben.
Im Vorfeld der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration werden im Januar 1989 zahlreiche Oppositionelle verhaftet. Die Dokumentation „Die Mücke“,
herausgegeben vom Arbeitskreis Gerechtigkeit und der Arbeitsgruppe Menschenrechte, dokumentiert die Ereignisse und die Solidaritätsaktionen. Kathrin Mahler Walther verfasste zusammen mit den Bürgerrechtlern Thomas Rudolph Frank Richter das Vorwort der Publikation, Seite 1.
Im Vorfeld der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration werden im Januar 1989 zahlreiche Oppositionelle verhaftet. Die Dokumentation „Die Mücke“,
herausgegeben vom Arbeitskreis Gerechtigkeit und der Arbeitsgruppe Menschenrechte, dokumentiert die Ereignisse und die Solidaritätsaktionen. Kathrin Mahler Walther verfasste zusammen mit den Bürgerrechtlern Thomas Rudolph Frank Richter das Vorwort der Publikation, Seite 2.
Von Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern initiierte Demonstration nach der Abschlussveranstaltung des Kirchentages der Evangelischen Landeskirche Sachsen in Leipzig am 9. Juli 1989.
Kathrin Mahler Walther (3. von links) an der Spitze des Zuges.
Leipziger Oppositionsgruppen appellieren am 9. Oktober 1989 an alle Demonstranten und Einsatzkräfte, sich friedlich zu verhalten.
Kathrin Mahler Walther beim Interview in den Räumen der Robert-Havemann-Gesellschaft am 19. November 2021.
Von allen Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern, die in einer der Leipziger Oppositionsgruppen Ende der 1980er Jahre aktiv waren, ist Kathrin Walther, wie sie damals hieß, vermutlich die Jüngste. Gleichzeitig ist sie so zielstrebig und aktiv wie wenige andere. Ihre Arbeit bei den Leipziger Basisgruppen beginnt bereits 1987, da ist sie erst 16.
Schon in der Schulzeit fällt sie mit ihrer unbequemen, unangepassten Art auf. Wenn ihre Mitschülerinnen und Mitschüler Thesen, die ihnen im
Freunde und Gleichgesinnte findet Kathrin in der
„Ich wollte dieses Land verändern“
Eine Einladung zu einer Informationsveranstaltung mit dem Titel „Wir sind so frei!“ lässt sie 1987 auf die
Trotz ihres jungen Alters wird Kathrin wegen ihres oppositionellen Engagements ständig von der
Der „Statt-Kirchentag“ in Leipzig
Vom 6. bis 9. Juli 1989 findet in Leipzig der Kirchentag der Evangelischen Landeskirche statt. Die Friedens- und Menschenrechtsgruppen der Leipziger Kirchen werden allerdings von der Organisation ausgeschlossen. Die Gruppen sind empört und fragen sich, was sie stattdessen machen könnten. Pfarrer Wonneberger kommt der zündende Gedanke: „Einen Statt-Kirchentag!“, mit ihrem eigenen Programm und ihren eigenen Gästen. Kathrin beteiligt sich an der Organisation, denn die Veranstaltung soll in ihrer Gemeinde in der Lukaskirche stattfinden. So schaffen sich die Leipziger Basisgruppen ihre eigene Plattform. Hier können sie ihre Ideen und Vorstellungen präsentieren. Sogar der sozialdemokratische Politiker Erhard Eppler kommt aus der Bundesrepublik und diskutiert mit den Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern Europäische Ideen.
Aber auch wenn die Basisgruppen vom offiziellen Kirchentag ausgeschlossen wurden, wollen Katrin und ihre Freunde mit einer Aktion bei der großen Abschlusskundgebung auf sich aufmerksam machen. Das Thema ist klar: Kurz zuvor wurde auf dem Pekinger Tian'anmen-Platz die chinesische Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Die Oppositionellen wollen die öffentliche Plattform des Kirchentages nutzen und sich mit der chinesischen Protestbewegung solidarisieren. Sie wollen ein zuvor vorbereitetes Transparent, dass das chinesische Schriftzeichen für „Demokratie“ trägt, nach dem offiziellen Part der Veranstaltung auf der Bühne der Abschlusskundgebung zeigen und so auch ein Zeichen an die Staats- und Parteiführung senden, die die blutige Beendigung der Proteste in Peking begrüßt hatte.
Die kirchlichen Ordner reagieren konsequent und lassen die Gruppe nicht auf die offizielle Bühne. „Nicht mal auf dieser kirchlichen Veranstaltung darf man seine Meinung kundtun!“, denken sich Kathrin und die anderen junge Leute. Trotzig entscheiden sie sich die Gruppe kurzer Hand das Gelände des Kirchentages zu verlassen und das Transparent in die Innenstadt zu tragen. Wenig später, als die Gruppe das Kirchentagsgelände verlässt, springen
„Heute Abend schreiben wir hier Geschichte“
Wenige Monate später, am 9. Oktober, als die Teilnehmenden der Leipziger
Biografische Angaben zu Kathrin Mahler Walther finden sie im
Für ihre politische Sozialisation ist der Vater von Kathrin Walther sehr wichtig. Als überzeugter Sozialist weckt er früh ihr Interesse an Politik und ein Bewusstsein für Gerechtigkeit.
Ich bin die jüngste von drei Geschwistern. Meine Geschwister waren alle beide deutlich älter als ich und meine Eltern arbeiteten beide in den großen Kombinaten in Leipzig. Mein Vater im Außenhandel von BAUKEMA und meine Mutter war Wirtschaftskauffrau, würde man heute sagen, in der Medizintechnik Leipzig. Also wenn ich über politische Sozialisierung spreche, dann war da vor allen Dingen mein Vater sehr prägend. Insgesamt hat meine Eltern ein sehr klares Wertesystem und mein Vater war selbst auch
Produktion: 2021
Spieldauer: 2 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350