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Kathrin Mahler Walther

Kathrin Mahler Walther Abschrift

Vorwort
„Was war los in Leipzig?“ So fragte nicht nur die „Junge Welt“ am 17. Januar, sondern auch all jene, für die Versammlungs-, Meinungs-, Presse- und Vereinigungsfreiheit zu einer demokratischen Gesellschaft gehören. Was in Leipzig los war, soll hier in Form einer Chronik des letzten Jahres und als Bericht über die wohl größte Solidarisierungswelle nach einem „Ereignis“ außerhalb von Berlin, die die DDR seit Jahren erlebte, vorgelegt werden.
Welche (kirchen-) politischen Bemühungen zur Beilegung des Konfliktes führten, ist schwer zu beurteilen, weil nach dem gegenwärtigen Informationsstand schwer zu unterscheiden ist, was Gerücht, was gezielt Fehlinformation und was durch Indiskretion öffentlich Gewordenes ist. Dies können die Verfasser, schon weil ein prinzipielles Misstrauen von Seiten des Staates und der Kirchenleitung ihnen gegenüber besteht, zum jetzigen Zeitpunkt nicht leisten. Weder den Betroffenen noch ihren Freunden wurden die Hintergründe für die Einstellung der Ermittlungsverfahren nach § 25 der StPO mitgeteilt.
Einige dieser „Informationen“ wollen wir hier jedoch hervorheben ohne ihren Wahrheitsgehalt wirklich überprüfen zu können. Kampfgruppenmitglieder in zivil, die gegen die Demonstranten vom 15.1. vorgehen wollten, sollen – irritiert durch die Teilnahme von Eltern mit Kindern – Befehle nicht befolgt und einem von der Auflösung der Demonstration geplanten Ring um die Demonstranten nicht geschlossen haben, sodass es nur zu einer Blockade von Bereitschaftspolizei kam. Andere sollen – im Nachhinein darüber gefragt wie sie in Zukunft handeln würden – ihren Unmut über das Vorgehen gegen friedliche Demonstranten geäußert haben. Fünfundsechzig Austritte und Ausschlüsse aus den Kampfgruppen sollen die Folge gewesen sein. Am 18.1. soll es eine Sitzung der Bezirksleitung der SED gegeben haben, bei der auch der 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED in Dresden Modrow und 2 Politbüromitglieder anwesend waren, die die Verhaftung als nicht im Interesse der SED bezeichneten. Die Staatssicherheit soll jedoch die Ereignisse in Leipzig zum Anlass zu nehmen versucht haben gegen die gesamte Friedens- und Bürgerrechtsbewegung der DDR vorzugehen, wofür zumindest die Vorladungen „Zwecks Klärung eines Sachverhaltes“ vom 18.1. ein Indiz liefern. Und schließlich soll der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker nach einem Gespräch mit dem schwedischen Ministerpräsidenten I. Carlsson am 24.1. persönlich die Einstellung der Ermittlungsverfahren angeordnet haben.
Da zum einen die Aktivitäten der Leipziger Gruppen nicht so im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen und zum anderen, um die Entwicklung zum 15.1. und den Kontext der Ereignisse aufzuzeigen, halten wir es für nötig, mit einer Chronik des letzten Jahres zu beginnen. Diese Chronik ist sicher unvollständig. Auch die Solidaritätsbekundungen konnten wir nicht alle erwähnen; zum einen, weil uns sicher manches unbekannt blieb und zum anderen, weil alles aufzuschreiben den Rahmen dieser Dokumentation gesprengt hätte. Wir bitten all jene, die sich übergangen fühlen hierfür um Entschuldigung. An Ergänzungen und Meinungsäußerungen sind wir jedoch interessiert. Es versteht sich von selbst, dass Zitate und Dokumente nicht in jedem Fall die Meinung der Verfasser widerspiegeln.
Kathrin Walther
Thomas Rudolph
Frank Richter
Leipzig März 1989
Im Vorfeld der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration werden im Januar 1989 zahlreiche Oppositionelle verhaftet. Die Dokumentation „Die Mücke“, herausgegeben vom Arbeitskreis Gerechtigkeit und der Arbeitsgruppe Menschenrechte, dokumentiert die Ereignisse und die Solidaritätsaktionen. Kathrin Mahler Walther verfasste zusammen mit den Bürgerrechtlern Thomas Rudolph Frank Richter das Vorwort der Publikation, Seite 2. (© Robert-Havemann-Gesellschaft/PS/75)