Bettina Wegner
Die Studentin Bettina Wegner ist kommunistisch erzogen. Sie kann wie viele junge Menschen nicht begreifen, dass die sozialistische ČSSR 1968 von ihren Bruderstaaten brutal überfallen wird.
Passfoto von Bettina Wegner aus den Stasi-Akten.
Flugblatt, welches Bettina Wegner geschrieben und in der Mühlenstraße in Berlin Pankow verteilt hat. „Dass da sozialistische Länder in ein
anderes sozialistisches Land einmarschieren, das konnte ich nicht einfach so hinnehmen.“
Flugblatt, welches Bettina Wegner geschrieben und in der Mühlenstraße in Berlin Pankow verteilt hat. „Dass da sozialistische Länder in ein
anderes sozialistisches Land einmarschieren, das konnte ich nicht einfach so hinnehmen.“
Das Lied „Für meine weggegangenen Freunde“ schreibt Bettina Wegner 1978. Nach der Biermann Ausbürgerung und den darauf folgenden Repressalien
gegen Protestierende verlassen viele Intellektuelle das Land Richtung Bundesrepublik.
Bettina Wegner ist auf dem Weg, eine erfolgreiche Liedersängerin zu werden. Ihr Song „Sind so kleine Hände“ von 1978 wird als Aufruf zu einer
Erziehung ohne Gewalt in ganz Deutschland bekannt.
Bettina Wegner bei einem kleinen Konzert in einer Privatwohnung.
Im Konzert 1982. Auftrittsverbote in der DDR und Verfolgung durch das MfS gehören zu Bettina Wegners Alltag. Nachdem gegen sie ein
Ermittlungsverfahren wegen angeblichen Zollvergehens eingeleitet worden ist, muss sie viermal in der Woche zur Vernehmung. Schließlich geht sie 1983 nach West-Berlin.
Ost-Berlin, 23. August 1968.
Mein Grunderlebnis war, mit 20 Jahren ins Gefängnis zu kommen und ein fünf Monate altes Kind zu haben, das ich noch gestillt habe und dann nicht mehr stillen konnte.
So erinnert sich Bettina Wegner an den Tag ihrer Verhaftung – zwei Tage nach dem Einmarsch der Truppen des
Bettina Wegner, Studentin der Schauspielschule, ist kommunistisch erzogen. Sie ist immer noch davon überzeugt, dass der
Die 20-jährige Bettina Wegner lebt mit dem jungen Schriftsteller Thomas Brasch zusammen, der ebenfalls aus einem kommunistischen Elternhaus stammt. Gemeinsam mit einigen Freunden schreibt er noch am Tag des Einmarsches in die ČSSR mit der Hand Flugzettel und steckt sie nachts in Hausbriefkästen. Doch das
Bettina Wegner hält sich nicht an den Ratschlag ihres Partners: Sie beginnt mit anderen Freunden DIN-A4-Blätter zu zerreißen und handschriftlich mit Losungen zu versehen: „Es lebe das rote Prag!“, „Hoch Dubcek!“, „
Nach einer Woche wird sie vorläufig entlassen, muss sich aber täglich beim MfS zur Vernehmung melden. Bis zum Prozess im Oktober 1968 muss sie viermal pro Woche in die Zentrale in die Magdalenenstraße kommen, wo ihr den ganzen Tag immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden. Unterdessen wird sie von der Schauspielschule relegiert (= verbannt, ausgeschlossen) und erhält dort Hausverbot.
Das relativ zurückhaltende Verhalten der Sicherheitsorgane erklärt sich aus der Zusammensetzung der Gruppe: Es handelt sich bei den meisten Beteiligten um Kinder von
Dass sich Kinder von prominenten Intellektuellen und Staatsfunktionären gegen das Regime wenden, zeigt das Ausmaß des moralischen Bankrotts, den der Sozialismus Stalinistischer Prägung erleidet. Die Verhaftungen werden über die Westmedien in der ganzen DDR bekannt. Um den psychologischen Schaden zu begrenzen, kommen die Prominentenkinder mit relativ geringen Haftstrafen davon. Nach Verbüßung ihrer Bewährungszeit und einer befristeten "
Bettina Wegner wird wegen „
Bettina Wegner ist auf dem Weg, eine erfolgreiche Liedersängerin zu werden. Ihr Song „Sind so kleine Hände“ von 1978 wird als Aufruf zu einer Erziehung ohne Gewalt in ganz Deutschland bekannt. Doch Bettina Wegner bleibt in den Fängen des MfS. Nach einem Auftrittsverbot und einem erneuten Ermittlungsverfahren siedelt sie 1983 nach West-Berlin über.
Ihre heutige Sicht auf die damaligen Vorgänge fasst sie so zusammen:
In der Gerichtsverhandlung hat mich die Richterin gefragt: "Haben Sie nicht an ihr Kind gedacht, als Sie das gemacht haben?" Ich habe an mein Kind gedacht, vorher. Ich habe daran gedacht, wie war das mit unserer Generation und der Generation unserer Eltern? Wir haben alle gefragt: Was habt ihr gedacht und gemacht von 1933 bis 1945? Ich dachte einfach, wenn der Sohn mich mal fragt, was hast du damals gemacht, dann kann ich sagen: ,Det hab' ick jemacht.'“
Biografische Angaben zu Bettina Wegner finden sie im
Das reale Leben ist ein völlig anderes, als das, was man in der Schule beigebracht bekommt. Bettina Wegner beginnt ihre eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.
Die Eltern waren eigentlich immer so. Beide waren schon unter den
Bei mir kam der Punkt, nachdem die Schule zu Ende war, also mit 15, 16. Die Lehre begann, und da war das reale Leben auf einmal völlig anders als das, was sie uns in der Schule beigebracht haben. Natürlich habe ich gesagt: ´Das verstehe ich nicht. Das kann so nicht richtig sein`. Und dann fing es an. Die Schule hat schon sehr eingewirkt. Ich kann mich sogar erinnern, dass es schon im Kindergarten anfing. Ich war im Kindergarten, und
Bettina Wegner, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2007
Spieldauer: 2 Min.
© 2007 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
Weitere Inhalte
Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.
Kontakt zur Redaktion von www.jugendopposition.de: E-Mail Link: info@jugendopposition.de
Für den Hinweis auf Texte von www.jugendopposition.de, die keine konkrete Autorin/ keinen konkreten Autor genannt haben, empfehlen wir folgende Zitierweise (Beispiel):
„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350