Reinhard Schult
Reinhard Schult verweigert den Dienst an der Waffe bei der NVA und wird Anfang November 1976 im Alter von 25 Jahren als Bausoldat eingezogen. Nach zwei Wochen gibt es plötzlich eine Nachrichtensperre.
Reinhard Schult 1976 beim Trampen an der F 96.
Reinhard Schult und andere Jugendliche bei einem Fest, circa 1975/76.
Reinhard Schult mit Freunden, circa 1975/76.
Acht Monate Haft wegen „öffentlicher Herabwürdigung“: Hier der Entlassungsschein von Reinhard Schult aus der Untersuchungshaftanstalt Berlin
(1980).
Reinhard Schult auf einem Foto in den Akten der Staatssicherheit.
Reinhard Schult (links mit Gitarre) während einer Friedenswerkstatt auf dem Gelände der Berliner Erlöserkirche.
Reinhard Schult ist einer der Bürgerrechtler, die am 4. September 1990 das Stasi-Unterlagenarchiv in Berlin besetzen. Kurz nach der Besetzung gibt er
der Presse ein Interview.
Reinhard Schult im Mai 1980 beim Friedensseminar in Königswalde. Die Stasi hat im ganzen Ort Parkverbotsschilder aufgestellt.
Reinhard Schult am 21.06.2008.
Pätz bei Königs Wusterhausen, Herbst 1976. Nachdem Reinhard Schult den Dienst an der Waffe bei der
Die Lieder Wolf Biermanns haben Reinhard Schult nie besonders interessiert, aber jetzt, wo seine Musik illegal ist, beschäftigt er sich intensiver mit den Texten. Von einer Freundin leiht er sich einen in der DDR verbotenen Mitschnitt des Biermann-Konzerts in Köln. Zusammen mit seinen Kameraden schreibt er die Liedtexte auf und vervielfältigt sie mühsam mit Durchschlagpapier auf der Schreibmaschine. Dabei muss immer einer der Bausoldaten Schmiere stehen, damit sie nicht von den Offizieren erwischt werden. Das würde nämlich Armeeknast für sie bedeuten.
Im Sommer 1979 wird ein Bekannter von Reinhard Schult beim Versuch, die DDR zu verlassen, verhaftet. Beim
Vor Gericht nimmt Reinhard Schults Bekannter die belastenden Aussagen zurück, sodass dem wutentbrannten Staatsanwalt nur noch der Anklagepunkt „öffentliche Herabwürdigung“ bleibt. Wegen der illegalen Texte in seiner Wohnung wird Reinhard Schult zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Weniger kann man ihm nicht geben, weil er diese Zeit schon in der Untersuchungshaft abgesessen hat.
Biografische Angaben zu Reinhard Schult finden sie im
In einem kritischen Umfeld in Ost Berlin aufwachsend, wird die für den 13. August 1961 geplante Flucht von Reinhard Schult und seiner Mutter durch den Mauerbau verhindert.
Ich bin geborener Berliner, wurde 1951 in Kaulsdorf, am Rande von Berlin, geboren. Von daher kannte ich noch die offene Grenze, die
Meine Mutter hatte die Absicht, nach dem Westen abzuhauen. Sie hatte schon eine Arbeitsstelle in Baden-Württemberg, erstmal eine vorübergehende, und auch eine Bleibe. Ihre Kollegin, meine Patentante, ist 1957 nach dem Westen abgehauen, und da war das Thema immer schon zugegen.
Wir hatten genau für den 13. August den Termin, hatten Flugkarten von West-Berlin nach Frankfurt am Main. Morgens um sechs trommelte es an der Tür meiner Mutter, da riefen Kollegen: ´Die haben die Grenze zugemacht! Die Grenze ist dicht!`. Wir sind an diesem Tag noch durch die Gegend, an der Grenze rumgelaufen, aber meine Mutter hatte keine so richtige Ahnung, wo eigentlich die Grenze in Berlin verlief – obwohl sie Berlinerin war. Wir sind nicht mehr rausgekommen.
Meine Mutter ging, obwohl sie schon ein bisschen älter war – so Mitte, Ende 30 –, zur
Reinhard Schult, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350