Roland Bude
Roland Bude setzt sich als gewählter Vertreter im Rostocker Studentenrat dafür ein, dass alle Studenten gleiche Rechte genießen können. Seine Strafe: eisige Winter im Lager von Workuta.
Porträt des 17-jährigen Roland Bude 1943.
Der Antifa-Block Plaue/Thüringen bescheinigt Roland Bude am 22. Juli 1947, nicht Mitglied der NSDAP gewesen zu sein.
Foto in Roland Budes Studienbuch aus seiner Studentenzeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1947).
Roland Bude (hintere Reihe, 5. v. r.) bei einem Auftritt mit dem Slawistenchor der Universität Rostock um 1948/49.
Roland Budes FDJ-Ausweis. Er versucht, viele Studenten, die der SED fern stehen, zum Eintritt in die FDJ zu bewegen. Ein schlauer Schachzug, denn so
können sie die Mehrheitsverhältnisse verändern und auf Entscheidungen, wie die Vergabe von Stipendien, Einfluss nehmen.
Im Vorstand der FDJ-Hochschulgruppe übernimmt Roland Bude die Bereiche Kultur und Erziehungsarbeit. Zugleich wird er im Studentenrat Kulturreferent.
Seine Heimfahrten nach Thüringen nutzt er, um einen Zwischenaufenthalt in West-Berlin einzulegen. Dort knüpft er Kontakte mit geflüchteten Studenten der Universität Rostock. Im Juli 1950 wird er von der Staatssicherheit verhaftet.
Am 31. Oktober 1950 verurteilt Roland Bude das Sowjetische Militärtribunal in Schwerin wegen „Spionage und antisowjetischer Hetze“ zu zweimal 25
Jahren Besserungsarbeitslager, so die offizielle Bezeichnung. Er wird zur Zwangsarbeit nach Workuta in ein Straflager besonders strengen Regimes nördlich des Polarkreises verschleppt. Das Foto zeigt Roland Bude während seiner Zeit in Workuta.
Roland Bude (rechts) und Staatssekretär Thiedeck bei der Übertragung der Leitung im Haus Einheit in Freiheit, dem Informationszentrum zur deutschen
Frage in Bonn 1959.
Zurück an den Ort des Schreckens: Im Juli 1993 reist Roland Bude (rechts) über Moskau nach Workuta. Im Bild: Roland Bude und Horst Hennig im
Arbeitszimmer des ehemaligen KGB-Chefs Juri Andropow in der Lubjanka (ehemaliges Hauptquartier des sowjetischen Geheimdienstes). Die Plastik im Hintergrund ehrt den langjährigen Tscheka-Vorsitzenden und Volkskommissar für innere Angelegenheiten, Felix Edmundowitsch Dzierzynski.
Juli 1993: Roland Bude (Mitte) bei der Akteneinsicht in der Lubjanka in Moskau. Rechts Dietrich Hartwig, links ein Archivmitarbeiter des Föderalen
Sicherheitsdienstes (FSB).
Roland Bude 2007.
Rostock, Wintersemester 1948/49. Roland Bude erhält eine Studienzulassung für die Universität Rostock. Er möchte dort sein 1947 in Jena begonnenes Studium der Slawistik fortsetzen, da die für Jena angekündigten Slawistik-Professoren ausbleiben. Rostock lockt ihn außerdem wegen des Ostseestrandes und der großen Landwirtschaftsgüter der Universität. Die Studenten werden dort zusätzlich mit Lebensmitteln versorgt. Die Versorgungslage in Jena ist vor allem zu Zeiten der Leipziger Messe dürftig: Auf die Fettmarken gibt es dort kein Fett mehr, sondern nur Eier, Käse und Zucker. Das Gleiche gilt auch für die Fleischmarken.
In Rostock angekommen, gerät Roland Bude in die turbulente Gründungsphase der Hochschulgruppe der
Im Oktober 1949 werden Arno Esch und mehrere seiner Freunde von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Arno Esch wird zum Tode verurteilt und 1951 in Moskau erschossen.
Roland Bude beschließt, einen anderen Weg des Widerstands zu gehen. Er versucht, viele Studenten, die der SED fern stehen, zum Eintritt in die FDJ zu bewegen. Ein schlauer Schachzug, denn so können sie die Mehrheitsverhältnisse verändern und auf Entscheidungen, wie die Vergabe von Stipendien, Einfluss nehmen. Er selbst übernimmt im Vorstand der FDJ-Hochschulgruppe die Bereiche Kultur und Erziehungsarbeit. Zugleich wird er im Studentenrat Kulturreferent. Seine Heimfahrten nach Thüringen nutzt er, um einen Zwischenaufenthalt in West-Berlin einzulegen. Dort knüpft er Kontakte mit geflüchteten Studenten der Universität Rostock.
Als die SED-Leitung erkennt, dass die FDJ zum Sammelbecken oppositioneller Studenten wird, schlägt sie zu. An einem heißen Julitag im Jahre 1950 wird Roland Bude unter einem Vorwand zum Verwaltungsdirektor der Universität bestellt. Dort warten Mitarbeiter der
Man schlägt ihm vor, doch für die Staatssicherheit als
Am 31. Oktober 1950 verurteilt ihn das
Biografische Angaben zu Roland Bude finden sie im
Die Sparsamkeit und der Idealismus des Vaters prägen die Kindheit von Roland Bude in den 1930er Jahren. Erst später kommt er zu der Einsicht, dass dieser Idealismus missbraucht wurde.
Wir zogen 1939 in das Haus. Da hieß es schon ,Straße der SA` - das war vorher die Hauptstraße gewesen. Wir zogen in die Wohnung von einem jüdischen Rechtsanwalt, die frei geworden war – geräumt worden war. Auf der selben Etage lebte eine Dame, Frau Seckerer, 84 Jahre, mit ihrer Tochter – die nach damaliger Bezeichnung Halbjüdin war – und mit ihrer Enkelin. Mein Vater wurde gefragt, ob ihn das störte. Er sagte: ,Wieso, die wohnte doch schon vorher dort, hat die Wohnung gemietet, und wir wissen, dass das eine Familie dieser Zusammensetzung ist. Wir ziehen in die Wohnung auf der gleichen Etage ein`. Meine Eltern wurden wiederholt gefragt, ob ihnen das zuzumuten wäre, als 1942 der Judenstern und diese Maßnahmen kamen. Da war mein Vater schon Offizier der Waffen-SS. Er hat gesagt: ,Die Damen haben da schon gelebt, die stören nicht`.
Auf diese Art und Weise ist die Dame vor der Deportation nach Theresienstadt bewahrt worden. Sie hat 1945, als die Tschechen kamen, eine Erklärung für meine Eltern abgegeben, die meiner Mutter gewisse Belästigungen erspart hat. Von daher gab es nie Probleme, Konfrontation oder gar Verfeindungen. Das hat mich für mein ganzes Leben geprägt. Mein Vater war bis 1938 Vorsitzender der größten deutsch-völkischen Gewerkschaft in der
Ich weiß, dass es zwischen meinen Eltern eine gewisse Verstimmung gab: Er war mit dem Vorsitzenden einer anderen Gewerkschaft, der Deutschen Arbeitnehmer-Gewerkschaft befreundet, die auch ihren Sitz in Gablonz hatte. Die hatten nur 7.500 Mitglieder, mein Vater hatte schon 50.000 Mitglieder. Der Vorsitzende der anderen Gewerkschaft ließ sich ein Gehalt von 2.500 Kronen bezahlen, und mein Vater hatte nur 2.000 Kronen, obwohl er zwei Kinder und der andere keine Kinder hatte. Man kriegt die Gespräche zwischen den Eltern ja mit. Aber mein Vater war von einem unbedingten Altruismus und Idealismus bestimmt, was sich auch noch in anderen Dingen gezeigt hat. Und was schließlich nach dem Zusammenbruch zu einer Verfestigung geführt hat: Er wollte nicht einsehen, dass sein Idealismus missbraucht worden ist.
Roland Bude, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Spieldauer: 4 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350