Demonstrationen am 7. und 8. Oktober 1989 in Berlin
Parallel zu den offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR finden in der gesamten Republik Demonstrationen statt, auf denen Zehntausende für Meinungsfreiheit und Reformen eintreten. Die größten in Berlin. Die Demonstrationen werden brutal aufgelöst und dabei über 1.000 Menschen festgenommen.
Bis zum Oktober 1989 erinnern Demonstranten auf dem Alexanderplatz an fast jedem siebten Tag eines Monats an die Wahlfälschung vom 7. Mai 1989. Am 7.
Oktober 1989 schließen sich Tausende Menschen der Demonstration an und fordern Reformen in der DDR. Sie laufen in Richtung Palast der Republik, in dem die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR stattfinden. Am Abend gehen staatliche Sicherheitskräfte brutal gegen die Protestierenden vor. Sie prügeln auf die Menschen ein und verhaften Hunderte Demonstranten.
Demonstranten am 7. Oktober 1989 auf dem Alexanderplatz.
Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes filmen die Demonstranten.
In der Nähe des Alexanderplatzes formieren sich Polizeieinheiten.
Tausende Menschen schließen sich der Demonstration an und fordern Reformen in der DDR. Sie laufen in Richtung Palast der Republik, in dem die
Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag stattfinden.
Tausende Menschen schließen sich der Demonstration an. Sie laufen in Richtung Palast der Republik, in dem die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag
stattfinden.
Vor dem Palast der Republik, in dem die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag stattfinden, treffen die Demonstranten auf die Absperrketten der Polizei.
Die Rufe der Demonstranten nach Reformen sind auch in den Innenräumen des Palastes zu hören. Doch dort gehen die Feierlichkeiten weiter.
Polizeieinheiten auf dem Weg zum Palast der Republik.
Volkspolizei und Staatssicherheit schirmen den Palast der Republik vor den Demonstranten ab. Im Hintergrund wird schweres Räumgerät bereitgestellt.
Am Abend gehen staatliche Sicherheitskräfte brutal gegen die Protestierenden vor. Sie prügeln auf die Menschen ein und verhaften Hunderte Demonstranten.
Vom Palast der Republik bewegen sich die Demonstranten in Richtung Prenzlauer Berg.
Polizeisperrketten beim ADN-Gebäude, dem Sitz der DDR-Nachrichtenagentur, in der Mollstraße.
Polizei und Staatssicherheit prügeln in der Mollstraße auf die friedlichen Demonstranten ein. Hunderte Demonstranten werden verhaftet, darunter auch
unbeteiligte Passanten und Minderjährige.
Polizei und Staatssicherheit prügeln in der Mollstraße auf die friedlichen Demonstranten ein. Hunderte Demonstranten werden verhaftet, darunter auch
unbeteiligte Passanten und Minderjährige.
Polizei und Staatssicherheit prügeln in der Mollstraße auf die friedlichen Demonstranten ein. Hunderte Demonstranten werden verhaftet, darunter auch
unbeteiligte Passanten und Minderjährige.
Am S-Bahnhof Schönhauser Allee erwarten Polizeieinheiten mit schwerem Räumgerät und Wasserwerfern die Demonstranten.
Am S-Bahnhof Schönhauser Allee sind Polizeieinheiten mit schwerem Räumgerät aufmarschiert.
Am S-Bahnhof Schönhauser Allee sind Polizeieinheiten mit schwerem Räumgerät aufmarschiert.
Am S-Bahnhof Schönhauser Allee sind Polizeieinheiten mit schwerem Räumgerät aufmarschiert.
Ende der Demo an der Gethsemanekirche. Hier findet in den nächsten Tage eine Mahnwache für die zu unrecht verhafteten statt.
Ende der Demo an der Gethsemanekirche. Hier findet in den nächsten Tage eine Mahnwache für die zu unrecht verhafteten statt.
Anfang Oktober 1989 wird die Gethsemanekirche zum Zentrum des Widerstands und zu einem Brennpunkt der Revolution. Ein Kontakttelefon übernimmt die
Aufgaben einer Nachrichtenagentur. Solidaritätsaktionen für inhaftierte Demonstranten schaffen öffentliche Aufmerksamkeit. Zahlreiche Informationsveranstaltungen sind Anlaufpunkte für Tausende Menschen.
Flugblatt „Dialüger“ vom 24. Oktober 1989: Mit ihm wird zum Protestmarsch gegen die an diesem Tag stattfindende Wahl von Egon Krenz zum
Vorsitzenden des Staatsrats und des Nationalen Verteidigungsrats aufgerufen.
Nachdem Egon Krenz in das Amt des Staatsratsvorsitzenden eingesetzt wurde, demonstrieren am 24. Oktober 1989 mehrere Tausend überwiegend junge
Ostberliner in der Innenstadt. Der 19-jährige Frank Ebert (2. v. l.) mit seinen Freunden bei einer Demo am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin.
Der 19-jährige Frank Ebert (links) mit seinen Freunden bei einer Demonstration am 24. Oktober 1989 in Ost-Berlin.
Demonstranten am 7. Oktober 1989 auf dem Alexanderplatz.
Sperrkette der Volkspolizei an der Hans Beimler Straße.
Die verhafteten Demonstranten werden in Busse gesetzt und in einen Garagenkomplex der Stasi außerhalb Berlins gefahren. Mit gespreizten Beinen und
erhobenen Händen müssen sie stundenlang mit dem Gesicht zur Wand stehen bleiben. Wer vor Erschöpfung zusammensackt oder spricht, bekommt den Knüppel zu spüren. Kälte, Schlafentzug und das Gebrüll der Stasileute setzen den Verhafteten zu. Viele von Ihnen fertigen Gedächtnisprotokolle an. Diese Gedächtnisprotokolle werden in den nächsten Tagen als Flugschriften veröffentlicht.
"Geprügelt für das Wohl des Volkes...." Tausende waren am Abend des 7. Oktober 1989 in Ostberlin auf die Straße gegangen, um demokratische
Grundrechte einzufordern. Die DDR-Führung setzte ihr pervertiertes Demokratie-Verständnis entgegen und ließ uniformierte und zivilie "Ordnungshüter" aufmarschieren, die - wie hier an der DimitroffsStraße/Ecke Prenzlauer Allee- massiv gegen die Demonstranten vorgingen.
40. Jahrestag der DDR: Das offizielle Jubiläumsfest am 7. Oktober 1989 verläuft unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Wegen der wachsenden Kritik an der Partei- und Staatsführung ist man bei
Tausende Berliner sind zur Feier auf den Alexanderplatz gekommen, doch so sehr sich der
Am Rande des Platzes entsteht am frühen Nachmittag plötzlich Tumult: Zivile Einsatzkräfte zerren einen Jugendlichen mit Polizeigriff aus der Menge. Es ertönen Buhrufe und Pfiffe, eine Gruppe, die sich nahe der
40. Geburtstag: Die einen dinieren, die anderen demonstrieren
Die Überwachungskameras der Volkspolizei, die an den Häusern rings um den Alexanderplatz angebracht sind, übertragen das Geschehen zum Einsatzstab, doch es liegt kein Befehl zum Eingreifen vor. Bis auf einzelne Festnahmen gibt es keine weiteren Aktionen gegen die Versammelten. Neben den Westkameras kommt ihnen zugute, dass nur wenige Meter weiter, im Palast der Republik, noch immer die offizielle Feier mit internationalen Staatsoberhäuptern stattfindet. Der DDR-Führung ist nicht daran gelegen, unter den Augen der ausländischen Gäste eine Jagd auf Demonstranten zu veranstalten.
Im Palast der Republik wird unterdessen diniert. Man stimmt sich auf die Feierlichkeiten ein. Die Staatsgäste – unter ihnen der Palästinenserführer
Die Demonstration, in kurzer Zeit auf circa 3.000 Teilnehmer angewachsen, skandiert nun Rufe wie „Gorbi hilf uns!“, „Keine Gewalt!“ und „Wir sind das Volk!“. Sie sind von den Leipziger
Der Zug wird aus dem Stadtzentrum abgedrängt und bewegt sich in Richtung
„Gorbi hilf uns!“, „Keine Gewalt!“, „Wir sind das Volk!“
Es wird wahllos zugegriffen, Frauen werden herausgezerrt und verprügelt – ein Trick, um die männlichen Demonstranten zu provozieren. Die Volkspolizei folgt dem Vorbild der Stasi-Einsatzkräfte und prügelt Demonstranten in die bereitstehenden LKW, mit denen Verhaftete abtransportiert werden. Dazu setzt die Volkspolizei Wasserwerfer und, erstmals in der DDR-Geschichte, eigens für diese Art Einsatz entwickelte Räumfahrzeuge ein.
Auch um die Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg gruppieren sich am Abend des 7. Oktober 1989 Sicherheitskräfte. Die Kirche ist schon seit Tagen ein zentraler Treffpunkt der Berliner oppositionellen Szene. Als die Teilnehmer einer Bittandacht für inhaftierte Oppositionelle aus Leipzig das Gotteshaus verlassen wollen, greift die Polizei zu. Sie bildet einen Kessel und verhaftet zahlreiche Leute. Viele Menschen – auch völlig unbeteiligte Anwohner – werden stundenlang auf Ostberliner Polizeirevieren festgehalten, erniedrigt und misshandelt.
Nach ihrer Freilassung schildern viele Verhaftete ihre Erlebnisse in Gedächtnisprotokollen. Diese werden in der Gethsemanekirche gesammelt, wo sich mittlerweile das Zentrum der demokratischen Bewegung in Ost-Berlin befindet. Die Gedächtnisprotokolle vermitteln ein erschütterndes Bild der staatlich angeordneten Gewalt gegen das Volk. (Uta Ihlow, damals 24 Jahre alt, berichtet im Zeitzeugen-Interview über die Ereignisse am 7. Oktober 1989.)
Als Michail Gorbatschow die Stadt verlässt, greift die Polizei zu
Auch am darauffolgenden Tag, dem 8. Oktober, versammeln sich rund 3.000 Besucher in der Gethsemanekirche zu einer Andacht. Nach dem Verlassen des Gotteshauses werden sie von Sondereinheiten der Polizei eingekesselt und gewaltsam auseinandergetrieben. Wieder gibt es Verletzte, wieder gibt es Gefangene. An diesem Tag sind es rund 100 Teilnehmer, die in Ostberliner Gefängnisse wandern.
In den kommenden Tagen und Wochen kommt es zu weiteren Demonstrationen in Berlin. Am 16. Oktober sind es etwa 3.000 Menschen, die auf die Straße gehen, am 21. Oktober folgen Tausende einem anonymen Aufruf zur Bildung einer Menschenkette gegen die staatliche Brutalität. Der Ostberliner Oberbürgermeister
Der 24. Oktober erhält besondere Brisanz: 12.000 Demonstranten fordern, der heute zum Vorsitzenden des
Viele Menschen misstrauen der von
Am 7. und 8. Oktober gehen Stasi und Volkspolizei brutal gegen Demonstranten vor und verhaften Hunderte. Viele Menschen werden stundenlang auf Ostberliner Polizeirevieren festgehalten.
Der 7., 8. Oktober, auch der 9. noch, die waren sehr bedrohlich. Man hat es nicht zu Hause ausgehalten, man wollte unbedingt auf die Straße, vor allen Dingen, weil man wusste: Es passiert irgendwas. Dann fingen die Verhaftungen an. Und diese Massenverprügelungen von Leuten, die sich auf der Straße aufhielten und einfach ein bisschen ´Wir sind das Volk` skandierten. Es ging um ein Mitspracherecht der Leute, der Bürger in ihrem eigenen Land. Es gab Berichte von Leuten, die nach einer Untersuchungshaft wieder rausgekommen sind, und das war total deprimierend. Was denen da passiert ist, das war furchtbar. Für mich war ganz klar: Da setze ich alles entgegen, was ich irgendwie kann. So ging es bestimmt ganz vielen Leuten. Wir hatten vielleicht irgendwie Angst, aber es hatte einen Punkt erreicht, den wir uns wirklich nicht mehr bieten lassen konnten.
Und am 9. brach das plötzlich auf. Da gab es einen Rückzug, damit hatte es sich plötzlich erledigt. Das war eine fast anarchistische Zeit. Die Leute liefen alle mit Zeitungen herum, alle haben diskutiert, wie man jetzt eine wirklich pluralistische, demokratische DDR aufbauen könnte. Ich hatte im Rucksack immer Böhlener Papier und noch irgend ein Thesenpapier, was theoretisch geändert werden müsste. Du hast wirklich manchmal direkt auf der Straße mit Leuten geredet. Ich habe in der Straßenbahn einen Mann getroffen, der hat gerade Zeitung gelesen. Ich habe ihn gefragt, ob ich mal reingucken darf, weil ich irgendwas wissen wollte. Dann sind wir kurz ausgestiegen, ins Café gegangen, haben eine Stunde geredet, ohne zu wissen, wie wir heißen, sind wieder in die Straßenbahn eingestiegen und unserer Wege gefahren. Die Leute haben ganz viel miteinander geredet, überall. Das war eine totale Aufbruchstimmung. Auch wenn es eine Illusion war. Aber bis zur
Uta Ihlow, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350