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Hippies in der DDR

Hippies in der DDR

Redaktion

Blueser, Tramper, Kunden: Junge Leute wollen dem Alltag entfliehen und fern von bevormundenden Eltern, Lehrern oder Funktionären sein. Damit stoßen sie nicht nur beim Staat auf Ablehnung.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft/ RHG_Fo_HAB_11703) (© BStU, MfS, ZA Z 2411, S.24) (© BStU, MfS, ZA Z 2411, S.24) (© BStU, MfS, ZA Z 2411, S.24) (© BStU, MfS, Ast. Dresden, AIM 254/89, Teil I, Bd. 1) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Peter Wensierski / RHG_Fo_HAB_18179) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_18621) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Ekkehard Reinsch / RHG_Fo_HAB_19549) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_20169) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 2 ) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 2) (© PUNCTUM/Bertram Kober) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz / RHG_Fo_HAB_10500) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz / RHG_Fo_HAB_10503) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz / RHG_Fo_HAB_10505) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz / RHG_Fo_HAB_10704) (© BStU, MfS, ZAIG Nr. 5521, S. 14, Fo. 3) (© Robert-Havemann-Gesellschaft)

Auch in der DDR gibt es eine Aussteigerszene: Sie nennen sich Blueser, Tramper oder Kunden. Zu ihrem Outfit gehören lange Haare, üppige Bärte, Bluejeans, Parka und Jesuslatschen. Ihre Idole sind die Größen der westlichen Blues- und Rockszene: Jimi Hendrix, The Doors oder Interner Link: Bob Dylan. An den Wochenenden stehen sie an den Straßen, halten den Daumen in den Wind und reisen den angesagten Bands hinterher. Die Schüler, Lehrlinge, Facharbeiter und Studenten versammeln sich allwöchentlich zu Konzerten in den Dorfsälen der Provinz. Ihr Ziel: ehrliche, elektrisierende, handgemachte Blues- und Rockmusik. Bands wie Engerling, Freygang, Monokel oder Jürgen Kehrt sind die Lieblinge der Szene. Die Texte sind deftig und ungeschminkt.

Wir wollen frei sein!

Die Hippies der DDR sind überall dort, wo was los ist: auf Volksfesten, Jahrmärkten und den alljährlichen Pressefesten der verschiedenen Interner Link: SED-Zeitungen. Im Sommer bevölkern sie die Schwarzbierkneipen in Prag ebenso wie die Strände des Balatons oder die Küste des Schwarzen Meers. Legendär sind das Bluesfestival in Wandersleben, der Zwiebelmarkt in Weimar und der Fasching in Wasungen.

Die jungen Leute wollen ihrem Alltag entfliehen, fern sein von der Bevormundung der Eltern, Lehrmeister oder Parteisekretäre. Einig sind sie sich in der Ablehnung der Enge und Spießigkeit des DDR-Alltags. Ihr unangepasstes Äußeres tragen sie selbstbewusst und provokativ zur Schau. Damit stoßen sie nicht nur bei den Staatsorganen auf Ablehnung. Auch viele Bürger fühlen sich durch die langen Haare, die Trinkgelage und die abgerissene Kleidung abgestoßen.

Für die Interner Link: Staatssicherheit sind diese „Interner Link: Gammler“ einfach nur vorsätzliche Feinde der DDR. Und so kommt es regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen den jungen Leuten und der Volkspolizei beziehungsweise Staatssicherheit.

(© BStU, MfS, ZAIG Nr. 5521, S. 15, F. 4) (© BStU, MfS, ZAIG Nr. 5521, S. 16, Fo. 3) (© BStU, MfS, ZAIG Nr. 5521, S. 15, Fo. 4) (© BStU, MfS, ZAIG Nr. 5521, S. 17, Fo. 2)

Wir machen, was wir wollen!

Die heftigsten Zusammenstöße zwischen den jugendlichen Trampern und der Staatsmacht ereignen sich bei den Feierlichkeiten zur Tausend-Jahr-Feier der Stadt Altenburg im Juli 1976. Etwa 2.500 langhaarige Kuttenträger kommen zum Stadtjubiläum in die Thüringische Kleinstadt.

Auf einen solchen Ansturm sind weder die Stadt noch die Ordnungshüter eingestellt. Die Jugendlichen lagern zu Hunderten in den Stadtparks, baden nackt im Schlossteich und schlafen öffentlich ihren Rausch aus. Der Zusammenprall mit Interner Link: Vopo und Interner Link: Stasi ist vorprogrammiert.

Als einige Jugendliche die Polizisten als „Bullen“ beschimpfen und Parolen wie „Wir wollen frei sein!“ oder „Wir machen, was wir wollen!“ rufen, eskaliert die Situation. Am Ende werden 103 Jugendliche verhaftet; sechs von ihnen landen mehrere Monate hinter Gittern.

Fussnoten

Weitere Inhalte

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Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

Zeitzeuge

Andreas Friedrich

In der DDR gibt es in den 1970er Jahren eine gut vernetzte Tramperszene, zu der auch Andreas Friedrich gehört. Er trampt quer durch die Republik, zu Konzerten oder um Freunde zu besuchen.

Zeitzeuge

Christian Kunert

Christian Kunert ist seit 1971 Keyboarder der Band Renft. Diese wird 1975 endgültig verboten. Gerulf Pannach, seinem Musikerkollegen, ist schon vorher ein Auftrittsverbot erteilt worden.

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Jugendkultur

An den Wochenenden dröhnt der Blues durch die DDR-Provinz. Tausende langhaarige Jugendliche sind unterwegs, immer beobachtet vom wachsamen Auge der Staatssicherheit.

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Die X. Weltfestspiele 1973

Sommer 1973: Zu den X. Weltfestspielen in Ost-Berlin schickte die Stasi 4.000 Spitzel unters Volk. Hunderte „Störenfriede“ wurden vorab aus der Stadt verbannt oder an der Einreise gehindert.

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Too much future

Aliens in der DDR: Die Wirkung, die die Punks im Arbeiter-und-Bauern-Staat hinterlassen, ist eigentlich nur mit der Landung von Außerirdischen zu vergleichen.

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Pogo in Ost-Berlin

In der ersten Ostberliner Punkband Koks spielt das jugoslawische Botschafterkind „Ilja“ (16) mit. Kaum gegründet, gibt Koks das erste Konzert in der Jugoslawischen Handelsvertretung. Man…

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Alternative Jugendkultur

Rockfan, Punk, Wohnungsbesetzer, Neonazi – für die "Junge Welt" gehören alle in einen Topf, und alle sind vom Westen gesteuert. Das kann nicht gutgehen.

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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Für den Hinweis auf Texte von www.jugendopposition.de, die keine konkrete Autorin/ keinen konkreten Autor genannt haben, empfehlen wir folgende Zitierweise (Beispiel):

„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350