Bausoldaten
In der DDR gibt es die Möglichkeit ab 1964 die Möglichkeit, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Doch der Dienst mit dem "Spaten" bedeutet für viele das Ende ihrer beruflichen Träume.
Aufruf „An alle Christen“ des Bruderkreises Prenzlauer Bausoldaten vom 2. März 1966.
Aufruf „An alle Christen“ des Bruderkreises Prenzlauer Bausoldaten vom 2. März 1966.
Dienst am Spaten: Schulterstück für Bausoldaten bei der Nationalen Volksarmee der DDR.
Die meisten Bausoldaten werden zum Bau von militärischen Einrichtungen eingesetzt. Dazu gehören vor allem Schießanlagen und Militärflugplätze. Im
Bild: Bausoldaten 1974 beim Straßenbau in Basepohl (Mecklenburg-Vorpommern).
Bausoldaten in Alteno bei Luckau am Ende eines Arbeitstages.
Sie lesen Herrnhuter Losungshefte: Bausoldaten während ihrer Armeezeit in Alteno bei Luckau.
Bausoldat der 1. Baueinheit der Nationalen Volksarmee beim Bau eines Militärflugplatzes 1965.
Einige Zeit vor dem 18. Geburtstag flattert bei jedem männlichen Jugendlichen der DDR eine Postkarte ins Haus. Darauf sind Datum und Uhrzeit der Musterung vermerkt. Bei Nichterscheinen droht die
Wer von den Jugendlichen lediglich seine militärische Laufbahn auf das gesetzliche Mindestmaß der Wehrpflicht von 18 Monaten beschränken will, muss begründen, warum er nicht bereit ist, sein sozialistisches Vaterland langfristiger zu verteidigen. Man droht den Jugendlichen: „Dann können Sie das Abitur vergessen!“ Gelegentlich werden auch Drohungen gegen die Eltern ausgesprochen: „Da wird man sich mit ihrem Vater mal parteimäßig auseinandersetzen müssen!“
Der Druck auf die Jugendlichen ist besonders schlimm, wenn sie als
Seit 1964 gibt es zwar eine Anordnung über die Aufstellung von Baueinheiten innerhalb der NVA. „Aus religiösen und ähnlichen Gründen“, heißt es, könne man einen waffenlosen Bausoldatendienst leisten. Doch letztlich bestimmt die Willkür der Musterungskommission. Hinzu kommt, dass es trotz dieser Formulierung im Gesetzestext äußerst unklug ist, andere als rein religiöse Argumente vorzubringen. „Wenn Sie hier politisch provozieren wollen, behalten wir sie gleich da!“, so lautet eine der Nötigungen. Da ist die Berufung auf die Mitgliedschaft in der Kirche oder auf einen Pfarrer als Vater schon weniger angreifbar. „Dann ist ja bei Ihnen Hopfen und Malz verloren.“
Trotz der gesetzlichen Regelung lastet ein starker Gewissensdruck auf den jungen Menschen. Nach einem Dienst als Bausoldat ist jede weitere berufliche Fortentwicklung sehr erschwert. Ein Studium – außer in der Fachrichtung Theologie – ist ausgeschlossen. Die DDR ist der Staat der schwarzen Listen, und das weiß jeder 17-Jährige, der sich zum Wehrkreiskommando begibt.
Manche beugen sich dem Druck, andere bleiben zäh und melden sich als Bausoldat. Ihnen bietet die Kirche Hilfe. Ebenso gibt es auch Kreise von Totalverweigerern, die rechtlichen Beistand leisten. Insgesamt machen bis 1990 etwa 15.000 junge Männer von der Möglichkeit des „Spatendienstes“ Gebrauch. Die Tendenz ist zum Ende der DDR hin steigend und beträgt zuletzt über ein Prozent der Wehrpflichtigen. Im April 1990 wird der ehemalige Bausoldat und Pfarrer
Als Bausoldat macht man eine Gegenposition deutlich. Reinhard Schult verschlägt es im Alter von 25 Jahren als Bausoldat zum Oberkommando der Grenztruppen.
Bausoldat war die logische Konsequenz. Das war in der DDR die einzige Möglichkeit, wenigstens ein Stück an Gegenposition deutlich zu machen. Außer, wenn man nicht Mitglied wurde oder austrat. Als
Ich bin '76, da war ich schon 25, einberufen worden. Ich war in Peetz, bei Königs Wusterhausen. Da ist das zentrale Kommando der Grenztruppen gewesen. Da saßen sechs Generäle und ungefähr 400 Offiziere, vielleicht noch eine Wachkompanie und eine KFZ-Kompanie. Das war es, was an normalen Soldaten da war, der Rest waren Berufssoldaten. Wir waren zehn Leute, haben das Heizhaus bedient, die medizinischen Stützpunkte beheizt und manchmal in der Küche ausgeholfen. Oder irgendwelche Bausachen gemacht, ein paar Reinigungsarbeiten, in der Bekleidungskammer Wäsche sortiert, solche Sachen.
Reinhard Schult: Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 2 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350