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Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit

Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit

Redaktion

In der sowjetischen Zone und in Ost-Berlin sind gezielte oder willkürliche Festnahmen durch die Geheimdienste der Besatzungsmacht an der Tagesordnung. Meistens erfahren die Familien nicht, wieso ihre Angehörigen plötzlich verschwunden sind. 1948 wird im amerikanischen Sektor von Berlin unter dem Namen Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) ein Suchdienst eingerichtet.

(© Heft der KgU, Heft 3, Nov. 1952, S. 37 ) (© Heft der KgU, Heft 3, Nov. 1952, S. 16) (© Privat-Archiv Achim Beyer) (© Heft der KgU, Heft 2, Juni 1952, S. 37 ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd. 2, Bl. 268) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd. 2, Bl. 272 ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd. 2, Bl. 291 ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd. 2, Bl. 291 ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd. 2, Bl. 281 ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd.2, Bl. 184f. ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd. 1, Bl. 298 ) (© BStU, MfS, AU 164/55, Bd.20 ) (© BStU, MfS, AU 164/55, Bd.20 ) (© BStU, MfS, AU 164/55, Bd.20 ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Bd. 2, Bl. 56 ) (© BStU, MfS, AU 164/55, Bd.20 ) (© BStU, MfS, AS 72/55, Band 1, S. 236 ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie) ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_RDA_00843) (© BStU, MfS, MfS HA IX/Fo/1014, Bild ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie) ) (© BStU, MfS, AU 37/52 EV Bd. 2) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv)

Mit dem Heißluftballon gegen das himmelschreiende Unrecht

In der Interner Link: sowjetischen Zone und in Ost-Berlin sind gezielte oder willkürliche Festnahmen durch die Geheimdienste der Besatzungsmacht an der Tagesordnung. In der Regel erfahren die Familien nicht, wieso ihre Angehörigen plötzlich verschwunden sind. Sind sie verhaftet oder verurteilt worden? Wie lautet das Urteil? In welchem Gefängnis sind sie? In zahllosen Fällen ist völlig unklar, ob die Festgenommenen nach Russland transportiert wurden oder ob sie überhaupt noch am Leben sind.

1948 entschließen sich Interner Link: Rainer Hildebrandt und mehrere Vertreter aus Jugendverbänden im amerikanischen Interner Link: Sektor von Berlin, unter dem Namen Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) einen Suchdienst einzurichten. Sie nehmen alle Suchanfragen und Hinweise über den Verbleib von Verhafteten in eine Kartei auf, die schon bald 20.000 Namen enthält. 1952 sind es bereits 100.000. Die KgU registriert auch Namen von Spitzeln und Mitarbeitern des Interner Link: Ministeriums für Staatssicherheit (Interner Link: MfS), die im Zusammenhang mit den Verhaftungen und Verschleppungen auftauchen. Teilweise werden diese Namen über den Interner Link: RIAS öffentlich bekannt gegeben.

Das Büro der KgU ist zunächst in der Wohnung von Interner Link: Rainer Hildebrandt eingerichtet. Die Aktivitäten finden ein positives Echo, vor allem bei den Bewohnern der Interner Link: Sowjetischen Besatzungszone. Die zunächst ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter sind meist ehemalige Häftlinge. Die Bedingungen sind dürftig: Sie arbeiten mit einer einzigen Schreibmaschine, und ihre Kartei ist handgeschrieben. Rainer Hildebrandt bittet deshalb die westlichen Besatzungsmächte um Unterstützung. Aus amerikanischen Geheimdienstquellen erhält die KgU fortan regelmäßig einen größeren Geldbetrag. Im Gegenzug liefert sie Informationen aus der DDR.

Satire der KgU: Stasi und SED von der Tarantel gestochen

1949 beginnt die KgU ihre F-Kampagne. Der Buchstabe F steht für Freiheit. Er soll symbolisch überall in der sowjetischen Zone an Häuserwände geschrieben oder auf Flugblättern verbreitet werden. Ein weiteres Mittel des Widerstands sind sogenannte administrative Störungen. Zum Beispiel werden gefälschte amtliche Verfügungen, Bestellungen industrieller Güter oder Einladungen verschickt. Die KgU verbreitet falsche Interner Link: Lebensmittelkarten und Briefmarken mit propagandistischen Aufdrucken. Außerdem veröffentlicht sie Propagandamaterial. Die im KgU-Umfeld produzierte satirische Zeitschrift Tarantel ergeht sich in beißendem Hohn über die Verhältnisse im Osten. Die Materialien werden in West-Berlin verteilt – teils über die Interner Link: Sektorengrenze geschmuggelt und teils mit Heißluftballons in die DDR befördert.

Unter dem Eindruck des Interner Link: Kalten Krieges greifen einzelne KgU-Mitarbeiter auch zu militanten Formen des Widerstands. 1951 verübt ein V-Mann der KgU einen Brandanschlag auf eine hölzerne Autobahnbrücke. Der in Interner Link: Schauprozessen erhobene Vorwurf, die KgU-Agenten hätten auch die Sprengung einer Eisenbahnbrücke auf der Strecke Berlin – Moskau sowie die Vergiftung von Trinkwasser geplant, erweist sich nach heutigem Kenntnisstand als Propagandagespinst. Über die tatsächlichen militanten Aktionen kommt es innerhalb der KgU zu schweren Auseinandersetzungen. Rainer Hildebrandt will am gewaltlosen Widerstand festhalten und verlässt die Widerstandsgruppe 1952. Dem MfS gelingt es, den KgU-Apparat systematisch zu unterwandern. Infolgedessen werden mehrere hundert Beschuldigte verhaftet und verurteilt, darunter einige zum Tode.

Die SED schlachtet Aktionen der KgU propagandistisch aus und erfindet zusätzlich geplante Terroraktionen. Auch wenn nicht alles geglaubt wird, was die SED verbreitet, schwindet doch die Unterstützung in der westlichen Öffentlichkeit. Der Vorwurf wird laut, dass junge Menschen leichtfertig zu abenteuerlichen Aktionen verleitet würden. 1959 stellt die KgU ihre Arbeit endgültig ein.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350