Todesurteile gegen junge Männer und Frauen aus Werder/Havel
Seit 1879 zieht es zahlreiche Berliner nach Werder/Havel bei Potsdam, um in diesem idyllischen Städtchen mit seinen Obstplantagen im Frühjahr das Baumblütenfest zu feiern. Doch im Frühjahr 1952 wird diese Idylle jäh und brutal unterbrochen.
Klassenfoto der 9. Klasse der Carl von Ossietzky Einheitsschule in Werder/Havel mit Werner Bork (hinteren Reihe, sechster von links).
Heiner Kuhfuß. Er wird am 10. Juni 1951 zusammen mit seiner Schwester Johanna im Zuge der Ermittlungen gegen eine Widerstandsgruppe in Werder
verhaftet. Zusammen mit seiner Schwester, Wilhelm Schwarz und Joachim Trübe wird er am 15. Januar 1951 durch ein Sowjetisches Militärtribunal zum Tode durch erschießen verurteilt. Das Urteil wird am 10. April 1952 in Moskau vollstreckt.
Johanna Kuhfuß und Werner Bork. Johanna Kuhfuß wird zusammen mit ihrem Bruder Heiner, Wilhelm Schwarz und Joachim Trübe am 15. Januar 1951 durch
ein Sowjetisches Militärtribunal zum Tode durch erschießen verurteilt. Das Urteil wird am 10. April 1952 in Moskau vollstreckt.
Ein Foto aus unbeschwerten Jugendzeiten: Werner Bork (links) und Karl-Heinz (Heiner) Kuhfuß.
Werner Bork begann zusammen mit Herbert Herrmann 1949 Flugblätter gegen das SED-System zu schreiben und zu verteilen. Mit Unterstützung der KgU
bauten sie in Werder eine Widerstandsgruppe auf.
Studentenausweis von Werner Bork. 1949 beginnt er ein Studium an der Deutschen Hochschule für Politik.
Drei Wochen vor den für den 15. Oktober 1950 angesetzten Wahlen zur Volkskammer beginnen die Jugendlichen aus Werder mit dem Abschießen von
Flugblattraketen. Diese haben sie von der KgU aus West-Berlin erhalten. Die Flugblattraketen werden manuell gezündet, steigen weit auf und explodieren, sodass Hunderte von Flugblättern zu Boden schweben.
Seit 1879 zieht es zahlreiche Berliner nach Werder/Havel bei Potsdam, um in diesem idyllischen Städtchen mit seinen Obstplantagen im Frühjahr das Baumblütenfest zu feiern. Doch im Frühjahr 1952 wird diese Idylle jäh und brutal unterbrochen. In einer Serie von Prozessen verurteilt ein
Die meisten von ihnen kennen sich aus der gemeinsamen Schulzeit in Werder, einige sind Mitglieder einer Laienspielgruppe. Als die nationalsozialistische Diktatur im Mai 1945 endet, sind sie 13 bis 17 Jahre alt und wissen deshalb – mehr oder weniger –, was eine Diktatur bedeutet. Hoffnung kommt auf, denn für einige Zeit ist es vorbei mit Strammstehen und Marschieren, Führerkult und Fahnenschwenken. Doch die neue Freiheit währt nicht lange und eine neue Diktatur wirft ihre Schatten voraus. Das frei gewählte Schulparlament wird aufgelöst und durch eine
Gegen die sich neu herausbildende Diktatur beginnen sich ab 1950 etwa 30 junge Frauen und Männer aus Werder zu wehren. Die Lehrlinge, Schüler und Studenten möchten nicht schon wieder vorgeschrieben bekommen, was sie zu denken haben, Fahnenappelle abhalten und Treueschwüre auf Funktionäre abgeben müssen.
Im Vorfeld der für den 15. Oktober 1950 angesetzten Wahlen mit Einheitslisten zur
Doch der
Um wirkungsvoller gegen das SED-Regime zu arbeiten, nehmen Bork und Herrmann Kontakt zur Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) auf. Vermittelt durch einen KgU-Mitarbeiter, lassen sie sich darauf ein, auch für das CIC (Counter Intelligence Corps der US-Army) und die
Doch der Staatssicherheit gelingt es immer erfolgreicher, in den Kreis um Bork und Herrmann einzudringen. Im Juni 1951 schlägt das
Im Frühjahr 1952 beginnen die Prozesse vor einem
Am 10. April 1952 werden
Seit 2008 erinnert eine Gedenkstätte auf dem Alten Friedhof in Werder an die Hingerichteten, maßgeblich initiiert durch Werner Bork.
Seit 2008 erinnert eine Gedenkstätte auf dem Alten Friedhof in Werder an die acht Hingerichteten. Werner Bork organisierte und realisierte zusammen
mit Gisela und Professor Dr. Sigurd Blümcke dieses Ehrengrab.
Im Februar 2012 besuchen Werner Bork und Herbert Herrmann das Ehrengrab für acht von der Staatssicherheit verhaftete und von der sowjetischen
Militäradministration zum Tode verurteilte und in Moskau hingerichteten Jugendlichen.
Im Februar 2012 besuchen Werner Bork und Herbert Herrmann das Ehrengrab für acht von der Staatssicherheit und von der sowjetischen
Militäradministration zu Tode verurteilte und in Moskau hingerichtete Jugendliche.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350