Die Junge Gemeinde
In Ostdeutschland finden sich seit 1945 junge Christen zusammen. Bei der Jungen Gemeinde handelt es sich nicht um eine Organisation, sondern um eine Form der evangelischen Gemeindearbeit. Denn eine eigenständige christliche Jugendorganisation würde in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR nicht zugelassen.
In der kommunistischen Gesellschaft stehen nur die Kirchen den allumfassenden Herrschaftsansprüchen der Partei als Institutionen entgegen. Deshalb
gibt es in der Geschichte der DDR immer wieder Verfolgungskampagnen. Vor allem die kirchliche Jugendarbeit ist den Kommunisten ein Dorn im Auge. Das Bild zeigt ein Treffen einer Jungen Gemeinde bei Zwenkau in Sachsen.
Die Träger des Kugelkreuzes gelten als Staatsfeinde: 1952/53 entfesselt die SED einen regelrechten Kirchenkampf. Im Zentrum der Angriffe steht die
evangelische Jugendarbeit mit ihrer Jungen Gemeinde, die als „staatsfeindliche Organisation“ diffamiert wird. Das Kugelkreuz wird verboten. Trotzdem tragen es Tausende weiterhin. Im Bild: Achim Beyer 1951. Er trägt das Abzeichen der Jungen Gemeinde über dem FDJ-Abzeichen.
Zu Beginn der 1950er Jahre sind über 125.000 junge Menschen in den Jungen Gemeinden der Evangelischen Kirche organisiert. Im Bild: Leipziger Christen
mit ihrem Pfarrer Heinrich Wallmann bei einem Ausflug nach Quedlinburg.
Luther gegen Darwin: Bei der Überprüfung von 153 Oberschulen in der SBZ fallen die Mitglieder der Jungen Gemeinde an der Werdauer Oberschule
besonders auf. Ihr Glauben äußert sich in Diskussionsbeiträgen und Schulaufsätzen. Doch die SED will keinen göttlichen Schöpfer akzeptieren: „Ein Zug starker Frömmigkeit geht durch einen Großteil der Schüler […].“
Ein Symbol für die deutsche Einheit trotz der Spaltung: Vom 7. bis 11. Juli 1954 findet der 6. Deutsche Evangelische Kirchentag erstmals in der DDR
statt. Ein kritischer Zeitpunkt, denn er liegt zwischen dem Kirchenkampf 1952/53 und den scharfen Angriffen ab 1956. Die Veranstaltung in Leipzig genehmigt die DDR-Regierung erst drei Monate zuvor. Mit 650.000 Teilnehmern bei der Hauptversammlung ist der gesamtdeutsche Kirchentag ein großer Erfolg. In der Bildmitte zu sehen: 8. v. r. Otto Nuschke (stellv. DDR-Ministerpräsident, CDU-Vors.), 10. v .r. Bischof Otto Dibelius (mit Hut), 4. v. r. Gerald Götting (Generalsekr. Ost-CDU, Vors. ab 1966).
In Ostdeutschland finden sich seit 1945 junge Christen zusammen. Bei der
In den Augen der Kommunisten ist Religion eine Erfindung der Ausbeuterklassen, um die unterdrückten Massen auf das Jenseits zu vertrösten und sie so vom Klassenkampf abzuhalten. Mit dem
Die
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Wie Jesus Christus zum Staatsfeind wird
Anfang 1953 verabschiedet das
Extrablatt gegen die Junge Gemeinde: Die Junge Welt, das Zentralorgan der FDJ, veröffentlicht im April 1953 eine Propaganda-Ausgabe. Im DDR-Samisdat
wird dieses Extrablatt in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einmal als Deckblatt verwendet („Glasnot“).
Am 1. April 1953 veröffentlicht die Zeitung der FDJ, die Junge Welt, eine Sondernummer voller Hetze gegen die Junge Gemeinde. Die Stafette wird eingestellt. Offizielle Begründung: Papiermangel. An den Schulen finden Veranstaltungen statt, auf denen das angeblich ungute Treiben der Jungen Gemeinde enthüllt werden soll. Wer sich weigert, aus der Jungen Gemeinde auszutreten, wird kurzerhand von der Oberschule oder Universität verwiesen.
Die evangelischen Bischöfe wenden sich am 9. April 1953 Hilfe suchend an die sowjetische Besatzungsmacht – zunächst ohne Erfolg. Erst am 10. Juni 1953 nimmt die SED auf Weisung Moskaus die Restriktionen gegen die Kirchen zurück (
In der Bevölkerung wird der nach Stalins Tod neu eingeschlagene Kurs vielfach als Schwäche angesehen. Es gibt weitere dringliche Forderungen nach politischen und gesellschaftlichen Veränderungen.
Dann überschlagen sich die Ereignisse: Am 17. Juni 1953 erhebt sich das Volk gegen die SED-Herrschaft. Der Aufstand, an dem sich auch viele Christen und Theologen beteiligen, scheitert. Die mit dem 10. Juni gerade erst geweckten Hoffnungen auf eine Liberalisierung ersticken im Keim. Zwar sucht die SED danach nie wieder so massiv die öffentliche Konfrontation, doch entwickelt sie schnell neue Strategien zur Bekämpfung ihrer Kritiker und Gegner. Insgesamt setzt
Thomas Ammer - Die Kampagne gegen die Junge Gemeinde und die Entstehung des Eisenberger Kreises
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350