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Die Junge Gemeinde

Die Junge Gemeinde

Redaktion

In Ostdeutschland finden sich seit 1945 junge Christen zusammen. Bei der Jungen Gemeinde handelt es sich nicht um eine Organisation, sondern um eine Form der evangelischen Gemeindearbeit. Denn eine eigenständige christliche Jugendorganisation würde in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR nicht zugelassen.

(© Zeitgeschichtliches Forum Leipzig ) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_20120) (© Privat-Archiv Achim Beyer ) (© Bundesarchiv/183-25414-0111 )

In Ostdeutschland finden sich seit 1945 junge Christen zusammen. Bei der Interner Link: Jungen Gemeinde handelt es sich nicht um eine Organisation, sondern um eine Form der evangelischen Gemeindearbeit. Denn eine eigenständige christliche Jugendorganisation würde in der sowjetischen Interner Link: Besatzungszone und in der DDR nicht zugelassen. Die Interner Link: SED verweist immer wieder darauf, dass die Jugendorganisation Interner Link: FDJ keine Interner Link: atheistische Organisation sei und jungen Christen offenstehe. Für Frieden und Völkerfreundschaft könnten junge Christen auch innerhalb der FDJ wirken.

In den Augen der Kommunisten ist Religion eine Erfindung der Ausbeuterklassen, um die unterdrückten Massen auf das Jenseits zu vertrösten und sie so vom Klassenkampf abzuhalten. Mit dem Interner Link: Sozialismus soll diese Form des „falschen Bewusstseins“ allmählich verschwinden. Doch nach 1945 duldet die sowjetische Besatzungsmacht zunächst die Kirchenarbeit und bemüht sich, die Christen für die „antifaschistisch-demokratische Ordnung“ zu gewinnen. Erst 1948 beginnen die Versuche, die Kirche aus der Gesellschaft zu verdrängen.

Die Interner Link: Jungen Gemeinden haben eine Zeitschrift, Interner Link: Die Stafette, und ein Abzeichen – eine Weltkugel mit Kreuz. Obwohl es kein gesetzliches Verbot gibt, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Häufig verbieten Schulleiter den jungen Christen, ihr Abzeichen zu tragen. In den kirchlichen Räumen wird die Interner Link: Junge Gemeinde dagegen nicht behindert. Sie feiert Kinder- und Jugendgottesdienste, bietet Lebenshilfe an, veranstaltet Lesungen, macht Musik und Kunst.

Die Interner Link: Sowjetunion hofft, die Kirche in den Kampf gegen die Wiederaufrüstung im Westen einbinden zu können, und so folgt nach 1950 eine Phase der relativen Duldung der Interner Link: Jungen Gemeinde. Doch mit der verschärften Stalinisierung der DDR setzen im Frühjahr 1952 wieder heftige Angriffe gegen die Interner Link: Junge Gemeinde ein.

Wie Jesus Christus zum Staatsfeind wird

Anfang 1953 verabschiedet das Interner Link: Politbüro einen „Plan für die Entlarvung der Jungen Gemeinden als Tarnorganisation für Kriegshetze, Sabotage und Spionage, die von westdeutschen und amerikanischen imperialistischen Kräften dirigiert wird“. Hauptverantwortlich umsetzen soll den Plan Interner Link: Erich Honecker, zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender der FDJ.

(© Junge Welt, April 1953 )

Am 1. April 1953 veröffentlicht die Zeitung der FDJ, die Junge Welt, eine Sondernummer voller Hetze gegen die Junge Gemeinde. Die Stafette wird eingestellt. Offizielle Begründung: Papiermangel. An den Schulen finden Veranstaltungen statt, auf denen das angeblich ungute Treiben der Jungen Gemeinde enthüllt werden soll. Wer sich weigert, aus der Jungen Gemeinde auszutreten, wird kurzerhand von der Oberschule oder Universität verwiesen.

Die evangelischen Bischöfe wenden sich am 9. April 1953 Hilfe suchend an die sowjetische Besatzungsmacht – zunächst ohne Erfolg. Erst am 10. Juni 1953 nimmt die SED auf Weisung Moskaus die Restriktionen gegen die Kirchen zurück (Interner Link: Neuer Kurs). Nach einem Treffen zwischen Ministerpräsident Otto Grotewohl und Bischof Otto Dibelius veröffentlicht die Regierung eine Verlautbarung, nach der alle zuvor erteilten Verweise von Schülern und Studenten rückgängig gemacht werden sollen.

In der Bevölkerung wird der nach Stalins Tod neu eingeschlagene Kurs vielfach als Schwäche angesehen. Es gibt weitere dringliche Forderungen nach politischen und gesellschaftlichen Veränderungen.

Dann überschlagen sich die Ereignisse: Am 17. Juni 1953 erhebt sich das Volk gegen die SED-Herrschaft. Der Aufstand, an dem sich auch viele Christen und Theologen beteiligen, scheitert. Die mit dem 10. Juni gerade erst geweckten Hoffnungen auf eine Liberalisierung ersticken im Keim. Zwar sucht die SED danach nie wieder so massiv die öffentliche Konfrontation, doch entwickelt sie schnell neue Strategien zur Bekämpfung ihrer Kritiker und Gegner. Insgesamt setzt Interner Link: die Partei auf stille und langfristig wirkende Benachteiligungen der Christen in Ausbildung und Beruf.

Thomas Ammer - Die Kampagne gegen die Junge Gemeinde und die Entstehung des Eisenberger Kreises

Fussnoten

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Kriegsende, Potsdamer Konferenz, Bodenreform, Besatzungsmächte, Entnazifizierung, Einheitspartei, Kernwaffentest, Berliner Luftbrücke, Koreakrieg, doppelte Staatsgründung, Stalinkult

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350