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Die Junge Gemeinde II

Die Junge Gemeinde II Abschrift

Die "Junge Welt“, das Zentralorgan der FDJ, veröffentlicht im April 1953 ein Extrablatt mit Propaganda gegen die Junge Gemeinde.

JUNGE WELT – Extrablatt
Organ des Zentralrats der Freien Deutschen Jugend

Sonderausgabe, April 1953, Preis 10 Pf.

"Junge Gemeinde" – Tarnorganisation für Kriegshetze, Sabotage und Spionage im USA-Auftrag

Schändlicher Missbrauch des christlichen Glaubens / "Junge Gemeinde" wird von den westdeutschen und amerikanischen Imperialisten dirigiert / Enthüllungen über die Verbindungsleute der "Jungen Gemeinde" im Westen / Ehemaliger Gestapo-Agent – als "Diakon" getarnter USA-Spion

Die Korrespondenten der "Jungen Welt" aus allen Teilen der Deutschen Demokratischen Republik berichten über neue Tatsachen der feindlichen Umtriebe der illegalen "Jungen Gemeinde". Diese Tatsachen, die wir uns verpflichtet fühlen der Öffentlichkeit zu unterbreiten, runden das bisher durch zahlreiche Beiträge der "Jungen Welt" gezeichnete Bild dieser illegalen Organisation ab. Es erweist sich, dass die heuchlerisch mit christlichem Schein verbrämte "Junge Gemeinde" direkt durch die in Westdeutschland und vorwiegend in Westberlin stationierten amerikanischen Agenten- und Spionagezentralen angeleitet wird. Der christliche Glaube vieler junger Menschen wird durch eine geschickt aufgebaute religiöse Staffage mißbraucht, um sie unter Vorspiegelung angeblich kirchlicher Betätigung nicht nur gegen die Deutsche Demokratische Republik aufzuheizen, sondern auch zu feindlichen Handlungen, die schweren Strafen unterliegen, aufzuwiegeln. Somit ist die "Junge Gemeinde" nichts weiter als ein verlängerter Arm der Terrororganisation BDJ. Ihre Leiter sind die gleichen, die in Westdeutschland im Auftrage Adenauers und seiner amerikanischen Hintermänner eine Hetzjagd gegen die für Frieden und Einheit mutig kämpfende Jugend veranstalten und solche aufrechten jungen Patrioten wie Jupp Angenforth verhaften, verschleppen und misshandeln. Die Hintermänner und Leiter der "Jungen Gemeinde" wollen – wie die Tatsachen beweisen – in unserer Republik ein gleiches System des Terrors aufrichten wie in Westdeutschland, sie besorgen die schmutzige Sache Adenauers, des Todfeindes der deutschen Jugend.

Ein angeblicher Studentenpfarrer

Greifen wir zunächst etwas zurück. Denn nicht erst seit gestern und heute treibt die "Junge Gemeinde" ihr verräterisches Spiel. Besonders an den Universitäten und Oberschulen haben sich einige der Drahtzieher dieser religiös getarnten Organisation einzuschleichen verstanden, um einen Spalt in die studierende Jugend zu treiben.
Es war im Jahre 1951, Anfang Februar. An der Martin-Luther-Universität in Halle war der Studentenpfarrer Johannes Hamel tätig. Eine gewisse Zeit lang hat er das Gesicht des Biedermannes gezeigt, um Vertrauen zu erlangen, gebärdete er sich fortschrittlich. Doch mehr und mehr wurde deutlich, in wessen Diensten er stand.
Es war die Zeit der Wahlen zu den Studentenräten. Eine Anzahl Studenten, besonders von der theologischen Fakultät, versammelten sich bei Hamel. Er nahm in dieser Besprechung kein Blatt vor den Mund. "Wir von der evangelischen Studentengemeinde – rief er den Studenten zu – müssen versuchen, den Ausgang der bevorstehenden Studentenratswahlen in einem für uns günstigen Sinne zu beeinflussen. Ich schlage daher vor, die von den Studenten ausgesuchten Kandidaten aufzusuchen, sie entweder für uns zu gewinnen oder zum Rücktritt zu bewegen." Unbedingt müsse es zu einer starken Gruppenbildung an der Hallenser Universität kommen – das war Hamels Richtlinie.
Unsere Universitäten sind die Bildungsstätten der Söhne und Töchter der Werktätigen. Was wollte Hamel hier in für sich günstigem Sinne beeinflussen ? Wozu peitschte er die Studenten auf ? Handelt es sich hier um eine Frage der Religion oder des Glaubens, für die einzig und allein ein Pfarrer zuständig sein kann ?
Weit gefehlt. Der angebliche Pfarrer Hamel würde über solche naiven Vermutungen im Innern selbst lächeln. Er ist einer von denen, die auf die Politik laut schimpfen, die aber – im schwarzen Talar getarnt – selbst Politik machen.
Sehen wir uns diesen "Pfarrer" einmal etwas genauer an. Zunächst:
Was liest er, woher hat er seine Weisheiten? – Seine Nachrichtenquelle ist ein Institut, das sich "Evangelisches Hilfswerk" nennt und seinen Sitz in Westberlin hat. Die genaue Adresse: Teltower Damm 93-94. Hit den Hetzschriften, die er von dort erhält, spickt er seine Predigten auf der Kanzel und seine Reden in Versammlungen. Mehr noch: Er verbreitet dieses Gift unter jene Studenten, die ihm bereits ins Netz gegangen waren. In diesen Schmutzschriften sind auch verlogene Berichte von Hamel über unsere Republik zu finden, die er wohlweislich unter Pseudonym veröffentlicht.
Eine ganze Sammlung von Hetzschriften hat "Pfarrer" Hamel, wie eine Haussuchung ergab, in unsere Republik eingeschleust. Da sind Schmutzblätter aus Hamburg, Stuttgart, Köln, Hetzbücher aus Zürich und Westberlin. Mit ihrem Inhalt versuchte Hamel die Studenten aufzuhetzen. Greifen wir nur einige markante Stellen aus einigen der Hetzschriften heraus. Da steht zum Beispiel die ganze Entnazifizierung sei ein Unglück für Deutschland; da sind Beiträge, die das polnische Volk beleidigen und gegen die Oder-Neiße-Friedensgrenze hetzen, demgegenüber aber die knechtende "Marschallplanhilfe" der USA in den Himmel heben. Breiten Raum nehmen in der Bibliothek des Herrn Hamel die Hetzschriften gegen die Sowjetunion ein. Der verbrecherische Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion wird als "titanisches Ringen" bezeichnet. Die echte Freundschaft des deutschen Volkes zur Sowjetunion wird durch wahre Hetztiraden in den Schmutz getreten, die in solchen Sätzen gipfeln, wie: "Die Russen zerstören aus purer Freude am Untergang." Freche Lügen und Verleumdungen lassen sich in den Leib- und Magenhetzblättern dieses sogenannten "Pfarrers" in Hülle und Fülle finden. Nur noch ein Beispiel, das die Urheber und den Leser gleichermaßen charakterisiert. In einem aus der Schweiz in unsere Republik geschmuggelten Hetzbuch wird ein Greuelmärchen von einem lettischen Pfarrer erzählt, dem angeblich mit "einem glühenden Eisen ein Kreuz auf die Brust aufgebrannt und der .........

Jugendliche erklären:
"Ich trete aus der 'Jungen Gemeinde' aus"
Die wahren Absichten der "Jungen Gemeinde" sind erkannt

In mehreren Artikeln hat die "Junge Welt" durch Tatsachen bewiesen, dass die sogenannte "Junge Gemeinde" unter dem Deckmantel der Religion gegen unsere Deutsche Demokratische Republik hetzt. Ein deutlicher Beweis dafür waren auch die Vorgänge in den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg-Cracau, über die die "Junge Welt" in letzter Zeit ausführlich berichtete.

Inzwischen hat der Protest der Jugend gegen die kirchlich getarnten feindlichen Umtriebe von Tag zu Tag zugenommen. Aus allen Kreisen der Jugend erhalten wir Proteste gegen die unmenschliche Behandlung Jugendlicher in den Pfeifferschen Stiftungen. Die Jugendlichen fordern die strengste Bestrafung der Verantwortlichen. Protestiert haben aber nicht nur die Mitglieder der Freien Deutschen Jugend, sondern auch zahlreiche Jugendliche, die bisher Anhänger der "Jungen Gemeinde" waren. Ihren Protest brachten sie dadurch zum Ausdruck, dass sie ihren Austritt aus der "Jungen Gemeinde" erklärten.
Der Jugendliche Josef Klektau aus den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg-Cracau zum Beispiel schreibt: "Auf Grund der Geschehnisse in den Pfeifferschen Stiftungen habe ich die wahren Absichten der "Jungen Gemeinde" erkannt und erkläre hiermit meinen Austritt aus dieser illegalen Organisation." Gleiche Erklärungen gaben die Jugendlichen Ingrid Sternberg, Hans-Dieter Jahn und Alfred Zieseler ab.
Aus Dallgow erreichte uns der Brief von Christa Schäfer. Sie schreibt:

"Ich war bis Januar Mitglied der 'Jungen Gemeinde', aber schon damals wurde ich schwankend. Ausschlaggebend für meinen Austritt war die wachsende Erkenntnis, dass wir in dieser Organisation für republikfeindliche Dinge mißbraucht werden sollen. Ich will mich aber nicht als Werkzeug für Adenauers volksfeindliche Interessen mißbrauchen lassen. Ich bin Mitglied der FDJ-Oberschule Falkensee und ich habe erkannt, dass es nur eine Jugendorganisation geben kann, die Freie Deutsche Jugend."

Der Jugendkorrespondent Eberhard Hellwig berichtet von einer Volksversammlung der FDJ-Schulgruppe der Oberschule Dömnitz: "Zu den Schülern sprach ein Vertreter der Bezirksleitung der FDJ. Zahlreiche Tatsachen überzeugten alle von dem verbrecherischen Ziel der 'Jungen Gemeinde. Anschließend entstand eine lebhafte Diskussion, in deren Verlauf drei Mitglieder der 'Jungen Gemeinde', Manfred Tunn, Bärbel Menzer und Dieter Wolff, ihren Austritt aus dieser Organisation erklärten. In Dömnitz war die feindliche Rolle der 'Jungen Gemeinde' noch nicht allen klar geworden. Viele Mitglieder dieser Organisation wußten noch nicht, in welche schändliche Rolle sie verwickelt wurden. Am nächsten Tag erklärten weitere sieben Mitglieder der 'Jungen Gemeinde' ihren Austritt aus dieser Organisation. Es sind dies Gisela Westphal, Erna Thieler, Marianne Lühr, Waltraudt Rudel, Irmgard Idcack, Helga Mutschmann und Ingelore Seefeldt.


Quelle: Junge Welt vom April 1953, S. 1
Extrablatt gegen die Junge Gemeinde: Die Junge Welt, das Zentralorgan der FDJ, veröffentlicht im April 1953 eine Propaganda-Ausgabe. Im DDR-Samisdat wird dieses Extrablatt in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einmal als Deckblatt verwendet („Glasnot“). (© Junge Welt, April 1953 )